Das einhändige Shootout-Tor von Peter Forsberg - später sogar auf einer Briefmarke verewigt - entschied das vorläufig letzte Turnier ohne NHL-Profis für Schweden im Finale gegen Kanada, das mit einer Mischung aus AHL- und College-Cracks sowie Spielern aus europäischen Ligen angetreten war.
Fünf Turniere mit NHL-Profis
1995 einigten sich die vier Parteien auf eine Teilnahme der NHL-Profis: Das IOC, die IIHF und die Spielergewerkschaft NHLPA überzeugten die Klubeigentümer von den positiven Aspekten eines Best-on-Best-Turniers, fünf davon sollten folgen:
1998: Nagano (Turniersieger: Tschechische Republik)
2002: Salt Lake City (Kanada)
2006: Turin (Schweden)
2010: Vancouver (Kanada)
2014: Sochi (Kanada)
Warum Sochi das letzte Turnier mit NHL-Beteiligung war
Sochi sollte vorläufig das letzte Turnier mit NHL-Profis bleiben. Warum? Die Argumente der Klubeigentümer blieben immer die gleichen:
Die Unterbrechung der Saison - gerade im Februar, wo etwa keine Konkurrenz durch Football herrscht - kostet Einnahmen, dazu kommt ein zusammengepresster Spielplan in den anderen Monaten.
Das Turnier hat keinen Werbewert für die NHL, sie ist dort lediglich Passagier. Auch an den Einnahmen partizipiert die Liga in keiner Weise.
Die Gefahr, dass sich Spieler beim komprimierten Olympia-Spielplan verletzen, ist hoch. Sollte ein Star ausfallen, kann er nicht einfach ersetzt werden.
Im Wirrnis zwischen IOC, IIHF, dem Veranstalterland und der NHL musste immer erst geklärt werden, wer für welche Kosten aufkommt, vor allem die Reise- und Versicherungskosten. Das IOC ging immer davon aus, alles in Bezug auf Olympia alleine entscheiden zu können und spreizte sich gegen Kostenübernahmen.
Was nach Sochi für die Klubeigentümer aber das Fass zum Überlaufen brachte: Sie durften dort nicht einmal mit den eigenen Spielern in Kontakt treten, wurden von diesen abgeschirmt.
Die Eigentümer hatten danach auch die besseren Karten: Im 2013 abgeschlossenen Rahmentarifvertrag wurde keine fixe Olympia-Teilnahme berücksichtigt, die NHLPA hatte offenbar auf den Goodwill der Eigentümer gesetzt - und der war nach Sochi am Ende.
2018 und 2022 ohne NHL-Profis
Das Turnier 2018 in Pyeongchang sollte folgerichtig ohne NHL-Beteiligung über die Bühne gehen, Russland gewann Gold und dann auch wieder nicht: Aufgrund eines Doping-Skandals durften alle Sportler nur als "Olympische Athleten aus Russland" antreten.
Der CBA zwischen Liga und Spielergewerkschaft wurde 2020 bis 2026 verlängert, im "Memorandum of Unterstanding" (MOU) wurde Artikel 24, der sich mit internationalen Spielen beschäftigte, auf Olympia erweitert.
Die Liga verpflichtete sich zu einer Teilnahme in 2022 und 2026, "vorbehaltlich einer Einigung über akzeptable Bedingungen zwischen NHL, NHLPA, der IIHF und/oder dem IOC."
2022 sollte aber ein anderes Problem bringen, nämlich Corona. Die Liga gab im Dezember 2021 bekannt, aufgrund der Covid-Problematik nicht am Turnier in Peking teilzunehmen. Von der NHLPA kam kein großer Einwand.
2026 - wieder nur ein Einzelfall oder der Start in eine neue Ära?
Covid ging vorbei, 2026 nahte: Nach Mailand im Februar sollte auch die NHL-Teilnahme 2030 in Frankreich gesichert sein, NHL-Boss Gary Bettman, NHLPA-Chef Marty Walsh und IIHF-Präsident Luc Tardif bestätigten das schon im Februar 2024.
Allerdings: Im MOU, mit dem der Rahmentarifvertrag im Juli 2025 bis September 2030 verlängert wurde, ergibt eine Suche nach dem Begriff "Olympics" keinen Treffer, das letzte abgesicherte Turnier wäre daher 2026.
Einige der Klubeigentümer sind schon vor dem Beginn des Turniers in Mailand auf 180: Die dilettantische Vorgangsweise bei der Errichtung der Arena in Mailand blieb natürlich nicht verborgen, es dürfte - wie in Sochi - auf ein Turnier mit vielen Kompromissen und keineswegs NHL-ähnlichen Bedingungen hinauslaufen.
Schon jetzt schäumen einige Klubbesitzer: "Uns wurden Versprechungen gemacht, die nicht eingehalten werden. Wir werden nicht vergessen, wir wir hier behandelt werden."
Das Turnier 2030 muss also zumindest im Detail noch besprochen werden, Verhandlungen zwischen NHL, NHLPA und der IIHF sollen gleich nach Mailand beginnen. Ohne Einigung auch keine NHL-Teilnahme in Frankreich...
Die Probleme bleiben immer die gleichen
Es bleibt bezüglich Olympia bei den gleichen Fronten: Hier die Spieler, die natürlich bei Olympia für ihre Nationalteams spielen wollen, das wahrscheinlich auch auf einem zugefrorenen Teich täten. Während Weltmeisterschaften inflationär jedes Jahr stattfinden, steht Olympia für einen Crack im Schnitt vielleicht zwei bis drei Mal in seiner Karriere an.
Auf der anderen Seite die Klubeigentümer, die für die Gehälter, die immer mehr ansteigen, aufkommen müssen. Olympia sorgt zwar für eine Spielplan-, aber keineswegs Bezahlungspause. Dass das IOC die Spieler beanspruchen will, gleichzeitig aber amateurhafte Bedingungen bereitstellt, sorgt logischerweise für Kritik.
Kosten werden der NHL durch Olympia keine entstehen, das hielt Bettman nochmals fest: "Ich kann den Eigentümern garantieren: Egal ob der Veranstalter, die IIHF oder das IOC - sie müssen für alles geradestehen."
Darunter fallen auch die Flug- und Unterbringungskosten für die Familien der Spieler.
Eine neue Cashcow für die NHL und Konkurrenz für Olympia
Was die Differenzen noch vergrößert: Die NHL veranstaltet ab 2028 eine Parallelveranstaltung zu Olympia. Ebenfalls alle vier Jahre soll der "World Cup of Hockey" regelmäßig stattfinden, dieser fand zuletzt 2016 statt.
Auch dieses Turnier würde eine Spielplanpause im Februar nach sich ziehen, doch mit zwei Vorteilen gegenüber Olympia: Es würde größtenteils in Nordamerika in NHL-Arenen stattfinden und die Gesamteinnahmen bleiben bei der Liga...