Als wir das Ortsschild von Cortina d’Ampezzo passiert haben, fielen dicke Flocken vom Himmel, dichter Nebel umhüllte den Ort.
Pünktlich zu Beginn der Olympischen Spiele sind die Dolomiten im Schnee versunken, das Panorama mit dem markanten Bergmassiv Tofane sieht selbst nebelverhangen beeindruckend aus.
In Cortina sorgte der heftige Wintereinbruch am Mittwoch für Chaos auf den Straßen und strapazierte die Nerven vieler Anreisender - meiner inklusive. So lief unsere Anreise nach Cortina >>>
Der viele Schnee von den Straßen wird akribisch auf den Gehwegen angehäuft – als Fußgänger lebt man auf den italienischen Straßen gefährlich.
Rodler Jonas Müller war hingegen froh über den üppigen Schneefall: "Dann sieht man die Baustellen nicht so."
Licht aus - nicht nur im Horrorhaus
Nicht nur rund um den neu gebauten Eiskanal wird noch gewerkelt, halb Cortina ist wenige Stunden vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Spiele eine Baustelle. Kräne, Bagger, Bauzäune und vielbeschäftigt wirkende Arbeiter prägen das Ortsbild.
Selbst an den Wettkampfstätten gibt es noch Probleme. Sowohl in der Curling-Halle als auch im benachbarten Eiskanal gingen am Mittwoch kurz die Lichter aus.
Einen Stromausfall gab’s auch in unserem Apartment. Kurz zuckten wir zusammen, stand in den Online-Rezensionen doch über die Unterkunft: "Es ist wie in einem Horrorfilm."
Ganz so schlimm war es dann doch nicht, das Hotel wurde offensichtlich für die Olympischen Spiele renoviert. Immerhin das ist rechtzeitig fertig geworden.
Nicht rechtzeitig fertig geworden ist hingegen die Seilbahn Apollonio-Socrepes, die an Bewerbstagen bis zu 2.400 Zuschauer zu den Ski-Rennen der Frauen an die Tofana bringen sollte. Während der Hersteller noch daran glaubt, dass spätestens nächste Woche die Gondeln fahren sollen, bitten die Olympia-Verantwortlichen schon um Schul-Schließungen, damit mehr Busse für den Transport zur Verfügung stehen.
Die (Waiting) Games haben begonnen
Der Verkehr ist – man mag fast meinen wie erwartet – eine der größten Baustellen in Cortina und Umgebung. Mit dem Auto kommt man als Medienvertreter in den Olympia-Ort nur mit Genehmigung, wer über den gesamten Zeitraum der Spiele in Cortina mit dem Auto unterwegs sein will, muss Gerüchten zufolge bis zu 4.000 Euro berappen.
Alle, die sich diesen Luxus nicht gönnen wollen, sind auf das Shuttle-Service angewiesen. In der Theorie existiert ein Fahrplan, in der Praxis wartet man schon mal 40 Minuten auf einen Bus. Daran können auch die vielen freiwilligen Helfer, Soldaten und Polizisten auf den Straßen nichts ändern. Die (Waiting) Games haben begonnen.
Das Chaos möglichst überdecken und Olympia-Flair erzeugen sollen in den Milano-Cortina-Farben gebrandete Banner und Plakate, die teilweise auch an die Olympischen Spiele 1956 in Cortina erinnern. Die Fußgängerzone, in der zahlreiche Luxusmarken beheimatet sind, hat man versucht, mit Länderflaggen aufzuhübschen. Die Patina dieses einst so mondänen Wintersportorts aber bleibt.