ÖSV-Adler: Medaillen-Hoffnung auf der Normalschanze
Die ÖSV-Adler rechnen sich auf der Normalschanze Chancen auf Edelmetall aus.
Die rot-weiß-roten Skispringer starten am Montag (19:00 Uhr) auf der Normalschanze in ihre Medaillenjagd bei Olympia in Italien.
Beim Auftakt auf der kleineren Schanze in Predazzo hofft das ÖSV-Quartett Stephan Embacher, Jan Hörl, Stefan Kraft und Daniel Tschofenig auf Edelmetall und im Idealfall auf die erste Einzel-Goldmedaille unter den fünf Ringen seit 20 Jahren. Favorit ist der Slowene Domen Prevc, der mit vier Weltcup-Siegen in Serie ins Fleimstal gekommen ist.
Seine Flugqualitäten wird der slowenische Fahnenträger und Vierschanzentournee-Sieger auf der Normalschanze aber nicht wie gewohnt ausspielen können. Die absprungstarken ÖSV-Adler wollen die Gelegenheit nutzen und auf der nach schweren Stürzen im Sommer umgebauten Anlage zuschlagen.
"Ich gehe sicher wieder All-in", kündigte Kraft an, der nach Team-Gold 2022 in Peking seine erste olympische Einzelmedaille anpeilt. "Dafür bin ich da und deshalb habe ich die letzten Jahre sehr hart trainiert, damit ich mir diesen kleinen Traum erfüllen kann."
Kraft will es nicht erzwingen
Den einzigen Normalschanzen-Bewerb der Saison in Falun gewann Kraft, zuletzt hatte der Salzburger aber mit einer schwankenden Formkurve zu kämpfen. "Als erfolgreicher Skispringer willst du Olympiasieger werden. Aber ich brenne jetzt nicht so drauf, dass ich es mit allerletzter Gewalt probiere. Es muss passieren, man braucht zwei perfekte Sprünge und ein bissl Glück", sagt der 32-Jährige zur APA.
In den ersten Trainingssprüngen im Val di Fiemme hinterließ Shootingstar Embacher den besten Eindruck der ÖSV-Adler. "Obwohl sie nicht sehr gut waren, war ich trotzdem schon gut mit dabei", sagt der 20-jährige Tiroler zuversichtlich. Eine Medaille sei für den Skiflug-Team-Vizeweltmeister freilich "ein Wunschtraum", in Predazzo werde er den Rat von Mentor Gregor Schlierenzauer befolgen. "Ich soll es genießen und bei mir bleiben", sagt Embacher.
Hörl will wieder Medaillen sammeln
Das wird auch Hörl machen, der nach vier WM-Medaillen im Vorjahr große Ambitionen hat. "Der vierte Platz ist der erste Loser", betont der Salzburger, der seit der Vierschanzentournee im Weltcup viermal den vierten Platz belegt hatte.
"Bei den Spielen zählen nur die Medaillen." Dass er sich nach Team-Gold in Peking bereits Olympiasieger nennen dürfe, nehme ihm ein bisschen Druck. "Das Ziel ist aber nach wie vor, dass ich Olympiasieger sein will", sagt Hörl, der den Sommer-Grand-Prix-Bewerb in Predazzo vor Tschofenig für sich entschieden hatte.
Gesamtweltcupsieger Tschofenig, der in Peking als Ersatzmann nicht zum Zug gekommen war, geht nach einer "durchwachsenen Saison" hingegen mit einer "geringen Erwartungshaltung" in die Olympia-Bewerbe.
"Es waren viele nicht so gute Momente dabei", sagt der 23-jährige Kärntner, der allerdings auch zwei Weltcupsiege gefeiert hat. "Viele erhoffen sich vielleicht was, mir ist es relativ egal."
Bei der Nordischen WM 2025 in Trondheim hatte er als Saison-Dominator eine Einzelmedaille verpasst, nun befinde er sich in einer anderen Rolle. "Vielleicht schauen ein paar weniger Augen auf mich und ich kann es leichter umsetzen."
Prevc will seinen Geschwistern nachfolgen
Weltcup-Dominator Domen Prevc reiste erst am Freitag nach Italien. Tags darauf fieberte er mit Schwester Nika Prevc mit, die sich als klare Topfavoritin auf der Normalschanze mit Silber begnügen musste und bittere Tränen verdrückte.
Der Doppel-Weltmeister von Trondheim (Großschanze, Team) peilt in Predazzo seine erste Olympia-Medaille an, womit er seinen Geschwistern Peter (1 Gold, 2 Silber, 1 Bronze), Cene (1 Silber) und eben Nika (1 Silber) folgen würde.
Die Änderungen auf der Normalschanze - nach mehreren Kreuzbandrissen im Sommer aufgrund der hohen Flugkurve wurde der Schanzentisch abgesenkt - fanden die ÖSV-Adler gelungen. "Sie geht nicht mehr so hoch", sagte Hörl.
"Ich finde es gut, es wird ein cooler Wettkampf", betont Kraft, der wie seine Kollegen noch mit der Spur kämpfte. "Da hängt man ein bissl drinnen und man hat kein gutes Fahrgefühl."