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Österreichs Skispringer: Vom Fast-Absturz auf den Olymp

Wo zuvor Anlaufspur, Formkrise und Disqualifikation bremsten, passte im Super-Team plötzlich alles. Warum Österreichs Adler ausgerechnet im letzten Olympia-Bewerb zugeschlagen haben.

Österreichs Skispringer: Vom Fast-Absturz auf den Olymp Foto: © GETTY

Österreichs Skispringer holen im allerletzten Bewerb bei den Olympischen Spielen doch noch eine Medaille und dann gleich Gold.

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Mit dem Triumph von Jan Hörl und Stephan Embacher bei der Olympia-Premiere des Super-Team-Springens entgehen die ÖSV-Adler im allerletzten Abdruck einem Schicksal wie 2018, als man komplett ohne Edelmetall blieb.

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"Ich bin sehr erleichtert. Hut ab vor den Jungs, das war eine extrem gute Leistung", sagt Cheftrainer Andreas Widhölzl im ORF-Interview.

"Die letzten eineinhalb Wochen waren nicht so einfach. Letztes Jahr ist alles aufgegangen, alles war easy. Heuer ist es ein bisschen schwieriger, auch die Spiele waren schwierig. Wir waren immer knapp dran, aber es hat nie für eine Medaille gereicht. Umso schöner, dass es jetzt geklappt hat", sagt Widhölzl.

Zwischen einem Totalabsturz und dem Olympiasieg lagen letztlich nur vier Sprünge. Doch was hat am Ende wirklich den goldenen Unterschied gemacht?

"Sie sind einfach gut gesprungen und die anderen haben ein paar kleine Fehler eingebaut. Sie haben Sprung für Sprung durchgezogen und sind cool geblieben. Sie waren heute das erste Mal auch locker", erklärt Widhölzl und fügt an: "So ein Teambewerb mobilisiert auch immer zusätzliche Kräfte."

Österreich ist die stärkste Mannschaft

Ähnlich wie die Olympischen Spiele verlief der bisherige Winter für Österreichs Skisprung-Team, es war ein Auf und Ab.

Wer nach der Traum-Saison 2024/25 dachte, es geht im Olympia-Winter in dieser Tonart weiter, wurde schon bald auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Nach dem von Daniel Tschofenig angeführten Dreifachsieg beim Saisonauftakt in Lillehammer durften die rot-weiß-roten Adler im Einzel bisher nur mehr zwei weitere Male jubeln. Stefan Kraft gewann im November in Falun, Tschofenig beim Vierschanzen-Tournee-Finale in Bischofshofen.

Dem Gegenüber stehen ungewohnte Abstürze wie in Wisla oder kurz vor Olympia in Willingen, wo es kein Österreicher in die Top Ten schaffte.

Die Konstanz, die die ÖSV-Adler in der vergangenen Saison noch ausmachte, ging über den Sommer verloren.

Dennoch stellt Österreich in diesem Winter die stärkste Mannschaft, führt im Nationencup vor Slowenien und Japan.

Dieses Standing wurde nun mit Olympia-Gold im Super-Team-Bewerb bestätigt.  

Knackpunkt Olympia-Schanze 

In den Einzelbewerben gingen die rot-weiß-roten Adler allesamt leer aus. Auf der Normalschanze war Stephan Embacher als Siebenter bester Österreicher, auf der Normalschanze Jan Hörl als Fünfter. Auch im Mixed-Team war nicht mehr als Platz fünf drin.

Knackpunkt war die Olympia-Schanze in Predazzo, mit der die Österreicher schlicht und einfach nicht wie gewünscht zurechtkamen. Vor allem die Anlaufspur, die nicht auf allen Schanzen gleich ist, stellte Stefan Kraft & Co. vor Probleme. Der ein oder andere hatte ausgerechnet beim Saisonhöhepunkt zusätzlich mit seiner Form zu kämpfen, das im Skispringen nötige Selbstverständnis fehlte.

"Dass ich bei keinem Sprung auf den K-Punkt komme, habe ich noch nie erlebt", sagte Kraft nach dem Großschanzen-Bewerb, bei dem er sogar das Finale verpasste. "Ich habe hier kein Konzept gefunden."

Auch Daniel Tschofenig, Gesamtweltcup-Sieger und Tournee-Triumphator des Vorjahres, hatte Probleme in der Anfahrt und griff auf der Großschanze deshalb zu neuen Schuhen – die dummerweise um wenige Millimeter zu groß waren. Die Folge war eine Disqualifikation.

Der Kärntner beteuerte im Nachhinein, die Schuhe normalerweise immer persönlich nachzumessen, es ausgerechnet bei Olympia nicht zu machen ist laienhaft – oder naiv, wie es Tschofenig formulierte.

Jan Hörl kam nach einem holprigen Saisonstart mit Fortdauer des Winters immer besser in Form, um bei Olympia in den Einzelbewerben ganz vorne mitzumischen, reichte es aber nicht. Im Super-Team packte der Salzburger dann seine besten Sprünge aus.

Rot-weiß-roter Lichtblick ist wie auch im Weltcup Stephan Embacher. Der 20-jährige Tiroler sprang auch bei seinem Olympia-Debüt befreit drauf los und wurde nicht nur mit zwei siebenten Plätzen im Einzel belohnt sondern darf sich jetzt auch Olympiasieger nennen.

Frauen gehen leer aus

Das nach der Verletzung von Eva Pinkelnig und den Rücktritten von Jacqueline Seifriedsberger und Sara Marita Kramer dezimierte Frauen-Team um Hoffnung Lisa Eder ging in den beiden Einzelbewerben ebenfalls leer aus.

Auch Eder kam mit der Schanze in Predazzo nicht wirklich zurecht. Sie sei "brutal hart zu knacken", sagte die Salzburgerin, die die Plätze vier (Normalschanze) und sieben (Großschanze) belegte.

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