Am Weg zur Medaille: Stadlober verläuft sich

Am Weg zur Medaille: Stadlober verläuft sich Foto: © GEPA
 

Bitter, bitter, bitter! Teresa Stadlober ist im letzten Bewerb der Olympischen Spiele in Pyeongchang am Weg zur Medaille. Aber dann verläuft sich die Salzburgerin.

Stadlober attackiert in einer Dreiergruppe, liegt auf Platz zwei. Aber dann biegt sie auf die falsche Loipe ab - als sie ihren Fehler bemerkt, ist es schon zu spät - der Schaden angerichtet.

Marit Björgen läuft an der Spitze solo zu ihrem achten Olympia-Gold - und schreibt damit Olympia-Geschichte. Nach Stadlobers Missgeschick holt sich Krista Parmakoski (FIN) Silber, Bronze geht an Stina Nilsson (SWE).

Starke Leistung von Stadlober

Stadlober hatte große Hoffnungen in ihren Lieblingsbewerb gesetzt. Auf der längsten Distanz, in der bevorzugten klassischen Technik und mit Massenstart glaubte sie ihre besten Chancen zu besitzen, nachdem sie im Skiathlon Siebente und über 10 km Skating Neunte geworden war.

Das Rennen begann denn auch perfekt. Die Ski waren bestens präpariert und als sich Björgen schon nach einem Drittel der Distanz von den Rivalinnen absetzte, bildete die 25-jährige Radstädterin gemeinsam mit Charlotte Kalla, der später zweitplatzierten Krista Pärmäkoski und Kerttu Niskanen (beide Finnland) die Verfolgergruppe. Kalla fiel nach einem Skiwechsel zurück und Stadlober erhöhte das Tempo an der Spitze der Verfolgerinnen.

Falsch abgebogen

Plötzlich fand sie sich ganz alleine, die Verfolgerinnen schienen abgeschüttelt. Stadlober schaute ungläubig zurück - und erkannte wenig später ihren Fehler. Die Zusatzschleife, um wieder auf den richtigen Kurs zurückzufinden, kostete viel Zeit, die mögliche Medaille war außer Reichweite. "Jetzt bin ich schon drei Wochen da, wenn ich da die Strecke nicht kenne ..." ärgerte sich die aktuelle Weltcup-Fünfte.

"Ich habe mich so gut gefühlt. Als die Finninnen nachgelassen haben, habe ich geglaubt, dass eine Medaille möglich ist", erklärte die von ihrem Vater Alois trainierte Athletin. Sie wusste, welch große Chance sie ausgelassen hatte. "Es ist bitter, dass das an so einem Tag passiert, an dem alles zusammenpasst hätte."

Der Sportliche Leiter im ÖSV, Markus Gandler, war sicher, dass die erste Damen-Medaille im Skilanglauf bei Olympia möglich gewesen wäre. "Für mich war Teresa klar auf Silberkurs", sagte der Tiroler.

Björgen schreibt Geschichte

Die 37-jährige Björgen lief ab Kilometer 10 ein einsames Rennen an der Spitze. Sie hält nach dem jüngsten Erfolg bei acht Gold-, vier Silber und drei Bronzemedaillen und ist nun vor Biathlet Ole Einar Björndalen (8-4-1) die erfolgreichste Winter-Olympionikin.

Pärmäkoski, die lange Zeit gemeinsam mit Stadlober gelaufen war, rettete den zweiten Platz ins Ziel (+1:49,5 Min.). Es war ihre dritte Medaille in Südkorea nach Bronze im Skiathlon und über 10 km Skating. Die Schwedin Stina Nilsson (1:58,9), die mit Ingvild Flugstad Östberg im letzten Drittel nach vorne gestürmt war, sicherte sich im Sprint Bronze.

Stimmen:

Teresa Stadlober über ihr Blackout: "Ich bin leider auf die falsche Runde gelaufen. Ich kann es mir auch nicht erklären. Jetzt bin ich eh schon drei Wochen da, wenn ich da die richtige Runde nicht kenne, weiß ich auch nicht. Ich habe es beim Rauflaufen schon gemerkt, weil keine Betreuer da war. Dann schau ich rüber und hab mir nur gedacht: Scheiße. Es gehört halt dazu, dass man die Strecke kennt. Es ist echt schade."

Kurz vor dem Blackout konnte sie sich von den Finninen Pärmakoski und Niskanen lösen: "Ich habe mich so gut gefühlt, die Ski waren super. Aber Hätti-wari ist halt jetzt zu spät. Ich habe mich in dem Moment so gut gefühlt. Eigentlich wollte ich da gar keine Attacke gehen, habe auch gerechnet, dass die Finninnen da mitgehen würde. Aber so ist das Leben. An dem Moment war eine Medaille sicher drinnen, obwohl sich das Rennen natürlich erst am Ende entscheidet. Aber es war sicher etwas möglich. Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Es ist bitter, dass das bei einem Rennen passiert - dann noch bei so einem Rennen. Und an einem Tag, wo alles zusammenpasst. Die Kolleginnen haben mich schon aufgebaut. Aber ich war halt dumm, man kann es nicht ändern. Danach bin ich irgendwie in einem Tunnel gelaufen, das hat mich so drauß gebracht - dann noch mal ein Blackout am Schluss."

Alois Stadlober (Vater/während des Fehlers von Teresa Stadlober als Co-Kommentator live im ORF): "Sie ist sich verlaufen, da ist irgendwas passiert. Du bist falsch! Sie ist falsch gelaufen, scheiße verdammte Hütte noch einmal. Wo ist die denn hingelaufen jetzt? Hattigucki noch einmal. Alles aus - mein Gott na. Ich habe mir gedacht, das gibt es ja gar nicht, dass sie so daherkommt alleine. Das ist jetzt bitter. Nein, alles kann passieren, aber das nicht. Wie gibt es das? Das ist unvorstellbar. Das wollte der Herrgott nicht. Das ist bitter, das habe ich überhaupt noch nicht erlebt. Sie fährt in der Spur herunter. Ich weiß nicht, wo sie da hinfährt. Das ist bitter, in der Traumform. Schade, aber es hilft nichts. Sie hat gut ausgeschaut, überhaupt kein Problem. Es schaut aus, als hätte sie wirklich vielleicht auf die Medaille laufen können. Und dann passiert der unvorstellbare Fehler. Wo war sie mit den Gedanken? War sie schon bei der Medaille? Das darf nicht passieren. Da wäre viel möglich gewesen."

ÖSV-Sportdirektor Markus Gandler: "Teresa hat vorher super ausgeschaut. Wir haben die Verpflegung hergerichtet, aber dann ist sie nicht gekommen. Ich habe sie im Anstieg gesehen, habe nur noch geschrien. Aber sie hat es nicht gehört. Erst in der Abfahrt habe ich sie erwischt. Teresa hat in der Abfahrt einen kleinen Verreißer gehabt, dann ist sie kurz nach rechts und falsch abgebogen. Eine Diskussion, ob sie fertig laufen soll, gab es nie - denn sie war ja immer noch auf einem Top-Platz. Man muss sich das vorstellen - sie läuft fast einen Kilometer mehr und ist immer noch Top Ten. Wichtig ist für sie, dass der Papa da ist. Reden wir nicht viel - außer sie will es. Es ist hart, aber es ist zu akzeptieren."

Krista Pärmakoski (FIN/Zweite): "Ich habe gesehen, dass Teresa auf den roten Kurs abgebogen ist. Ich habe mir gedacht: Wir haben doch den blauen Kurs. Ich war mir dann etwa 5 Sekunden nicht sicher, wer den Fehler gemacht hat. Aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich richtig bin. Bei der Service-Station hat mir das der Betreuer auch bestätigt."

Textquelle: © LAOLA1/APA Zum Seitenanfang »

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