"Sara" zog einst als Siebenjährige nach Maria Alm
Kramers Beziehung zu ihrer Familie ist besonders intensiv. "Sara" – so wird Marita in ihrem Umfeld gerufen – wurde in Apeldoorn in Holland geboren. Im Alter von sieben Jahren zog sie mit den Eltern und ihren drei Geschwistern ins salzburgerische Maria Alm. Wenig später ereilte die Familie ein Schicksalsschlag, Mutter Anneke verstarb an Brustkrebs.
Der Sport half den Kindern durch die schwere Zeit, Marita hatte schon zuvor Gefallen am Skispringen gefunden und besuchte das Skigymnasium in Stams, ihre Schwester Femke wurde Biathletin.
Nach und nach arbeitete sich Kramer in den ÖSV-Kadern nach oben, 2017 feierte sie ihr Debüt im Weltcup. 2020 erfolgte der endgültige Durchbruch: Neben drei Mal Gold bei der Junioren-WM (Einzel, Team und Mixed-Team) feierte die Doppel-Staatsbürgerin am 11. Dezember auf der Großschanze in Sapporo ihren ersten Weltcup-Sieg.
ÖSV-Cheftrainer Harald Rodlauer bezeichnet Kramer, die die Grundausbildung beim Bundesheer absolviert hat, als "Rohdiamant".
"Sie ist extrem ehrgeizig und eine Perfektionistin. Sie springt auf sehr hohem Niveau, ist eine akribische Arbeiterin, überlässt nichts dem Zufall, setzt alles gut um. Das macht ihre Stärke aus."
Kramer: "Ich möchte die beste Skispringerin sein"
Diese Stärke spielte Kramer in der laufenden Skisprung-Saison aus, wann immer sie am Start war. Ihrem Auftakt-Sieg in der Ramsau ließ die Salzburgerin, die unüblicherweise fast immer zum selben Sprunganzug greift, zwei weitere Siege folgen, sie war nie schlechter als Vierte.
Die Folge war die Führung im Gesamtweltcup vor Skisprung-Größen wie Sara Takanashi, die Kramer durch ihr Startverbot in Rasnov aber kampflos verlor.
Nach der unfreiwilligen Pause steht für die 1,71-m-Frau nun die erste WM bei den "Großen" an. In Oberstdorf ist Kramer Österreichs heißeste Einzel-Hoffnung auf eine WM-Medaille.
"Ich fokussiere mich auf mich. Ich möchte die beste Skispringerin sein und dafür trainiere ich", sagt Kramer. "Ich weiß, dass einiges möglich ist. Aber es muss alles zusammenstimmen."
Shootingstar will nicht zu sehr abheben
Die Rolle der Teamleaderin will die 19-Jährige trotz der erfolgreichen Saison nicht übernehmen. In der ÖSV-Mannschaft mit Daniela Iraschko-Stolz (37), Eva Pinkelnig (32) und Chiara Hölzl (23) ist sie eine der Jüngsten.
"Ich sehe mich nicht als Teamleaderin. Wir können alle sehr gut aufeinander aufbauen, pushen uns gegenseitig. Es ist cool, dass man eine im Team hat, die vorne mitspringt, dann hat man einen Anhaltspunkt. Das war für mich im vorigen Jahr auch von Vorteil", spricht Kramer Hölzls Erfolgslauf in der Vorsaison an.
Nun ist sie der Anhaltspunkt im ÖSV-Team. Der Shootingstar will aber nicht zu sehr abheben, ihre Erfolge seien nicht selbstverständlich, betont "Sara" immer wieder. "Es kann auch schnell wieder anders gehen", weiß Kramer nur zu gut.