Washington Capitals: Das erwartet Michael Raffl

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Es kommt nicht oft vor, dass österreichische Eishockey-Cracks in der NHL getradet werden. Umso spannender wurde verfolgt, was mit NHL-Legionär Michael Raffl passiert.

Ein Trade deutete sich bereits nach der letzten 3:5-Niederlage seiner Philadelphia Flyers gegen die Buffalo Sabres an, da stand der Villacher als "Healthy Scratch" nicht am Roster, pausierte also ohne Verletzungsgrund.

Wenige Stunden später bewahrheiteten sich die Gerüchte, sein neues Team ist allerdings doch eine Überraschung und ein Kracher zugleich: Die Washington Capitals! Die Franchise rund um Superstar Alex Ovechkin führt derzeit die East Division punktegleich mit den New York Islanders an, gilt als Fixstarter in den kommenden Playoffs.

Dazu holten die Hauptstädter zuletzt in der Saison 2017/18 den Stanley Cup und gelten als einer der Titelfavoriten. Doch wie ist Raffls neues Team aufgebaut? Welche Rolle wird der 32-jährige Villacher einnehmen? Und wer sind die Stars neben Ovechkin? LAOLA1 nimmt Raffls neue Franchise unter die Lupe:

Der Trainer

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Ein Altbekannter! Peter Laviolette ist seit Beginn der laufenden Spielzeit neuer Head Coach bei den Capitals und kennt Raffl aus dessen Rookie-Jahr bei den Philadelphia Flyers. Der 56-Jährige war 2013/14 federführend für die Verpflichtung Raffls, allerdings trennten sich die Wege früh.

Die Flyers trennten sich vom langjährigen Chefbetreuer nur drei Spiele nachdem der Kärntner geholt wurde, Raffl lief unter ihm nie auf. Nach seinem Wechsel von Schweden nach Philadelphia kam Raffl in Vorbereitungsspielen zum Einsatz, zum Saisonstart musste er aber für zwei Partien ins Farmteam. Als er zu den Flyers beordert wurde, war Laviolette bereits gefeuert worden.

Daraufhin coachte Laviolette erst das US-amerikanische Nationalteam, in weiterer Folge die Nashville Predators. Die Preds führte er genauso wie die Flyers bis ins Stanley-Cup-Finale, unterlag dort jedoch den Pittsburgh Penguins (2016/17).

Dennoch hat der erfahrene Trainer, der seit 2001 im Business ist, einen Titel vorzuweisen, in der Spielzeit 2005/06 triumphierte Laviolette mit den Carolina Hurricanes. Der Capitals-Coach hat über die Jahre bewiesen, dass er eine Franchise zum gewünschten Ziel, dem Stanley Cup, führen kann, dies soll er auch in Washington beweisen.

Die Stars

Carlson (links), Ovechkin (Mitte) und Backstrom (rechts)
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Über allem steht Alex Ovechkin. Der Russe ist neben Pittsburghs Sidney Crosby der Superstar seiner Generation, trifft auch in der laufenden Spielzeit nach Belieben. Insgesamt 727 Tore verbuchte der 35-Jährige in seiner Karriere und steht damit auf Rang sechs in der All-Time-Torschützenliste.

Wenn Ovechkin weiterhin derart konstant scort, ist ihm jedoch der Sprung bis auf Platz drei zuzutrauen, diesen nimmt der nimmersatte Jaromir Jagr mit 766 Treffern ein. Das Team stellt sich aber nicht nur aus dem Torjäger zusammen, mit seinem Nationalkollegen Evgeny Kuznetsov steht ihm ein kongenialer Partner zur Seite.

Der 28-Jährige läuft zurzeit seiner Form zwar etwas hinterher, dennoch ist er ein ausgewiesener Topscorer. Mit seinen punktgenauen Pässen findet er das Blatt seiner Mitspieler, einen harten Wristshot besitzt er noch als Draufgabe. Speziell in den Playoffs läuft er stetig zur Höchstform auf, 62 Scorerpunkte aus 78 Playoff-Partien sind eine starke Hausnummer.

Etwas über Kuznetsov steht Nicklas Backstrom, der als einer der besten Passspieler der NHL gilt. Der "Assistant Captain" wurde 2006 - ein Jahr nach Ovechkin - an vierter Stelle im NHL-Draft gezogen, ist seit 2007 fixer Bestandteil der Capitals. Ihn zeichnet sein "hockey sense" und "soft hands" aus, im Powerplay performt er am laufenden Band.

Es gibt kaum eine Saison, in welcher der 33-Jährige schwächelte, 969 Scorerpunkte aus 998 Spielen stellen dies unter Beweis. Mit T.J. Oshie, ähnlich veranlagt wie Backstrom, und dem Raubein Tom Wilson, der bereits unzählige Male mit bösen Checks und Nicklichkeiten negativ auffiel, gibt es weitere nennenswerte Cracks.

In der Defensive läuft alles über "Quarterback" John Carlson. Der US-Amerikaner ist eine Bank im Überzahlspiel, gefühlt hunderte Male bediente er Ovechkin mit dem finalen Pass, bevor der Russe seinen "Laser" auspackte. Carlson ist der Offensivbringer in der Capitals-Verteidigung, gilt aber gemeinhin als Two-Way-Verteidiger, als jemand, der auf beiden Enden des Eises seine Stärken hat.

Sein Cap Hit liegt bei acht Millionen Euro, bis zur Saison 2025/26 ist er an die Hauptstädter gebunden. In Kürze knackt er wohl die Marke von sagenhaften 400 Assists, zwei Punkte fehlen ihm darauf noch. Nicht zu vergessen ist der slowakische Dauerbrenner Zdeno Chara, der seit 24 (!) Jahren in der NHL spielt.

Raffls Konkurrenten

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Die Top-Reihen sind klar besetzt, für Raffl wird nur - wie bereits bei den Flyers - ein Platz in der dritten oder vierten Linie vorhanden sein. Jedoch trifft er sogar dort auf harte Konkurrenz, zuletzt bildeten Oshie, Lars Eller und der getradete Jakub Vrana die dritte Reihe, Garnet Hathaway, Nic Dowd und Carl Hagelin die vierte.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Raffl zu Beginn als "Healthy Scratch" am Roster auftauchen wird oder sogar in die Taxi Squad (Alle Infos zum Taxi Squad >>>) rutscht.

Mit Richard Panik, der gemeinsam mit Vrana für Anthony Mantha nach Detroit transferiert wurde, wurde zwar ein Stürmer abgegeben, doch der Slowake war im Depth Chart zwischen 13 und 15 angesiedelt. Daniel Carr wurde noch in der Nacht in die Taxi Squad berufen, damit ist ein weiterer Konkurrent weg. Dennoch wird es mit einem Platz im Lineup schwer, die ersten zwölf Stürmer scheinen derzeit gesetzt.

Brian MacLellan, Washingtons General Manager, weiß jedoch was er am 32-Jährigen hat. Für ihn sprach dessen Vielseitigkeit, Raffl spielte in Philadelphia am Flügel, kam aber auch immer wieder als Center oder in den Jahren zuvor sogar in den Top-Reihen zum Zug.

"Wir sind auf unserer Center-Position zufrieden, aber wir wollten einen Spieler, der dort spielen kann, wenn nötig, und er ist der Richtige dafür. Er kann in jeder Linie spielen", erklärte MacLellan, der zugleich ankündigte, dass Raffl ein Debüt gegen sein Ex-Team erspart bleibt.

Für den NHL-Legionär sprechen aber seine Fähigkeiten im Penaltykilling, er ist defensiv verlässlich und blockte die meisten Schüsse in der bisherigen Saison bei den Flyers. Dazu lag er bei den gefahrenen Checks im vorderen Feld und absolvierte 37:25 Minuten in Unterzahl.

Seine Chancen

Mit den Capitals wurde Raffl zu einem klaren Stanley-Cup-Anwärter getradet und könnte der erste österreichische NHL-Legionär werden, der die begehrteste Eishockey-Trophäe in die Höhe stemmt. Allerdings ist fraglich, inwieweit der 32-Jährige einen Teil dazu beitragen darf.

Wie bereits angesprochen, gelten die Offensivreihen derzeit als gesetzt, trotzdem kann der Kärntner mit starken Trainingsleistungen auf sich aufmerksam machen. Fällt ein Crack aus, steht er wohl in der Pole-Position, um diesen Platz einuzunehmen. Dadurch bekommt Raffl jedoch auch Zeit, um kleinere Wehwechen, die naturell im Laufe der Saison auftauchen, auszuheilen.

Gerade deswegen wird man sich in den kommenden Tagen und Wochen wohl gedulden müssen, ehe Raffl erstmals im Jersey - er wählte die Nummer 17 - der Washington Capitals aufläuft. Und vielleicht stattet der Stanley Cup Österreich erstmals einen Besuch ab, wenn der Villacher im kommenden Sommer in sein Heimatland zurückkehrt.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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