Seattle kommt! Regeln des NHL Expansion Drafts

Seattle kommt! Regeln des NHL Expansion Drafts Foto: © getty
 

Vier Jahre nach dem NHL-Einstieg der Vegas Golden Knights ist wieder ein Expansion Draft angesagt: Am 21. Juli darf das 32. Liga-Team, die Seattle Kraken, ihr Team zusammenstellen.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die Regeln dieser Veranstaltung:

Die Rahmendaten

17. Juli: Die Teams müssen die Listen mit ihren "Protected Players" einreichen. Ab sofort dürfen keine Spieler mehr getradet, aus dem Vertrag gekauft oder auf die Waivers-Liste gesetzt werden. Die Kader sind eingefroren.

18. bis 20. Juli: Die Kraken haben 48 Stunden Zeit, mit den Free Agents in der Liga Vertragsgespräche zu führen und diese unter Vertrag zu nehmen. Dies könnte theoretisch im Falle von Michi Raffl zutreffen. Sollte Seattle auf diesem Weg einen Unrestricted (Raffl) oder Restricted Free Agent auswählen, wäre für dessen Team der Expansion Draft schon vor Beginn beendet. Diese Spieler könnten im Extremfall für die Maximaldauer von acht Jahren unter Vertrag genommen werden, gelten also sofort als vereinseigene Spieler. In der regulären Free Agency (beginnt am 28. Juli) können UFAs von anderen Teams nur für maximal sieben Jahre unterschreiben.

21. Juli: Die Kraken können und müssen pro Team einen Spieler auswählen.

Pflichten und Rechte der 30 Teams (Vegas muss keine Spieler abstellen)

Jedes NHL-Team muss mindestens zwei Stürmer und einen Verteidiger anbieten, die 2021/22 noch unter Vertrag sind, letzte Saison mindestens 27 Spiele oder über die beiden letzten Saison gesamt 54 Spiele absolviert haben. Dazu kommt auch noch mindestens ein Torhüter, der für die nächste Saison unter Vertrag steht oder ein Restricted Free Agent (also nächste Saison noch im Besitz des Teams, wenn auch noch ohne Anschlussvertrag) ist.

Spieler mit "No-Movement-Clauses" - keine Trades, kein Abschieben ins Farmteam - und Verträgen über die Saison hinaus können nur dann angeboten werden, wenn sie der Auflösung dieser Klauseln zustimmen. Ansonsten sind die 48 Cracks, die dermaßen bevorzugt sind, automatisch auf der Protected List. "No-Trade-Clauses" (können ins Farmteam geschickt werden und/oder auf Waivers gesetzt werden) dagegen müssen nicht beschützt werden.

Auf den Protected Lists müssen ein Goalie, drei Defender und sieben Stürmer oder in der selteneren Variante acht Feldspieler und ein Goalie stehen. Diese Spieler können von Seattle nicht ausgewählt werden.

Pflichten und Rechte der Seattle Kraken

Zumindest 20 der 30 ausgewählten Spieler müssen für die nächste Saison unter Vertrag stehen, sind also keine RFAs ohne Vertrag, mit denen Seattle erst verhandeln müsste. Bei einem UFA würden logischerweise Auswahl und Vertragseinigung Hand in Hand gehen.

Die Gehaltssummen dieser 30 Spieler für die nächste Saison müssen 60 bis 100 Prozent des Salary Caps von 81,5 Millionen ausmachen. Die Kraken können also nicht nur im Billigsdorfer-Segment aussuchen. Doch natürlich brauchen sie noch Platz für die Gehälter von Spielern aus Nebenabsprachen bzw. eigens verpflichteten UFAs, werden mit ihren Picks natürlich nicht an die Höchstgrenze herangehen. Sie werden aber ein wichtiger Abnehmer für die Teams wie etwa Stanley-Cup-Champion Tampa Bay bleiben, die Abnehmer für einige Spieler suchen müssen, die sie über die Gehaltsobergrenze treiben.

Seattle muss mindestens drei Torhüter, neun Defender und 14 Angreifer wählen, den Rest dann nach Gutdünken.

Keiner dieser Spieler kann bis Sommer 2022 per Buyout aus seinem Vertrag rausgekauft werden, getradet oder über Waivers freigegeben dagegen schon.

Erkenntnisse aus dem 2017-Draft

William Karlsson hat in Vegas voll eingeschlagen
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Man sollte annehmen, dass die NHL-Teams aus dem Expansion Draft vor vier Jahren gelernt haben. Dort haben einige Teams krampfhaft Side Deals mit den Knights gesucht oder (im Nachhinein) die falschen Spieler beschützt. So verloren die Minnesota Wild Alex Tuch und Erik Haula, nur um Defender Matt Dumba behalten zu können.

Die Florida Panthers verloren Reilly Smith und Jonathan Marchessault, um die Defender Alex Petrovic und Mark Pysyk behalten zu können – beide fielen in Florida bald darauf in Ungnade. Smith kostete Vegas einen Viertrunden-Pick, Marchessault war der Pick im Draft.

Vielleicht der größte Coup, vor allem in der Folge-Saison, als die Knights das Finale erreichten: William Karlsson wurde von den Columbus Blue Jackets nicht beschützt, erzielte dann in dieser Cinderella-Saison 43 Tore für die Knights. Tuch, Smith, Marchessault und Karlsson sind heute noch Key Player für die Knights, die jede Saison die Playoffs geschafft haben. Das Florida-Duo Smith und Marchessault spielt in der Knights-Top-Linie, und das für einen kombinierten Cap Hit von zehn Millionen Dollar!

Während die anderen Deals noch irgendwie von Listen mit zu vielen Spielern mit NMCs erklärbar waren, konnten die Panthers keine Entschuldigung für ihre Fehleinschätzungen einbringen. Der damals zuständige GM Dale Tallon ist auch nicht mehr im Amt.

Natürlich gilt auch für die Kraken dasselbe, was für Vegas vor Jahren galt: Der Expansion Draft sollte eine Mixtur von guten, NHL-bereiten Spielern, jüngeren Cracks mit geringen oder noch gar keinen Verträgen sowie einigen Draft Picks aus Nebendeals einbringen. Der Instant-Erfolg der Golden Knights kam natürlich völlig unerwartet, Ähnliches von den Kraken zu erwarten, wäre nicht gerecht. Allerdings weiß Seattle-GM Ron Francis auch, dass die Erwartungen an ihn und sein Team hoch sind: "Am besten wird es mein Nachfolger haben – wir werden jetzt sicher am ersten Jahr der Knights gemessen."

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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