Das sind die Hintergründe des Raffl-Deals

Das sind die Hintergründe des Raffl-Deals Foto: © GEPA
 

Michael Raffl hat eine neue Heimat: Die Philadelphia Flyers - der einziger NHL-Brötchengeber des Villachers in acht Jahren - schickten den 32-jährigen Kärntner zu den Washington Capitals, einem direkten Rivalen in der East Division.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller blickt auf die Hintergründe dieses Deals, spricht die Cap-Probleme der Capitals an und wagt einen Ausblick auf Raffls Chancen bei seinem neuen Team:

Die Details

Die Flyers erhielten für Raffl einen Fünftrunden-Pick im Draft 2021. Ein wichtiges Detail: Sie zahlen weiter ein Viertel von Raffls Jahresgehalt (1,6 Millionen Dollar), also 400.000 Dollar.

Die Trading Deadline für die Capitals

Raffl war nicht der einzige (oder der wichtigste) Trade von GM Brian MacLellan, seine Aktivitäten begannen schon am Sonntag. Da schickte er (für einen Drittrundenpick) den Schweizer Defensiv-Defender Jonas Siegenthaler zu den New Jersey Devils, ersparte sich so seinen Cap Hit von 800.000 Dollar.

Der große Deal folgte Montag mit Geschäftspartner Detroit Red Wings, aber eigentlich waren es deren zwei: Die Caps bekamen Winger Anthony Mantha im Tausch für einen Pick (erste Runde 2021 oder zweite Runde 2022) und Jakub Vrana. Der zweite Teil des Trades war dann quasi Richard Panik für einen der beiden Picks.

Warum sollen das zwei Trades gewesen sein?

Wie immer geht es neben dem Sportlichen um das Finanzielle und da legten die Capitals eine Punktlandung hin. Siegenthaler ersparte ihnen eben 800.000 Dollar. Mantha bekommt heuer 5,7 Millionen, während Vranas Gehalt 3,35 Mio. beträgt. Durch die Abgabe von Panik ersparte sich MacLellan wiederum 1,675 Mio, sodass der Deal mit den Red Wings den Capitals 675.000 Dollar zusätzliches Gehalt kostet. Dazu kamen dann eben noch die 1,2 Millionen von Raffl.

In anderen Worten: Dafür, dass die Red Wings ihnen Panik und sein Gehalt sowie seine beiden weiteren Vertragsjahre abnahmen, gab ihnen MacLellan einen Draftpick. Natürlich könnte man auch (akademisch) argumentieren, dass Mantha für Vrana ein reiner Spielerwechsel war, Panik sogar zwei Picks als Draufgabe brauchte.

Cap-Probleme der Capitals

Natürlich handelt es sich bei diesen Zahlen nicht um die aktuellen Gehälter, sondern vielmehr um die ganzjährigen Cap Hits. Und die waren für die Capitals, die schon die ganze Saison an der Gehaltsgrenze von 81,5 Millionen entlang schrammten, besonders wichtig. Als nämlich MacLellan seinen Taschenrechner weggelegt hatte, stand er mit einem Cap Space von +/- Null da. In anderen Worten: Hätten die Flyers nicht einen Teil von Raffls Gehalt übernommen, wäre diese Trade nicht zustande gekommen oder hätte zumindest weiterer Kader-Rochaden bedurft.

Der derzeitige Cap Hit der Capitals beträgt eigentlich knapp 85,5 Millionen, dazu gehören aber ungefähr vier Millionen für die Langzeitausfälle Michal Kempny und Henrik Lundqvist. Apropos Lundqvist: Aufgrund seiner Herzbeschwerden bestritt er kein einziges Spiel. MacLellan durchforstete zur Trade Deadline auch den Goaliemarkt, fand aber keine Alternativen für Ilya Samsonov (24) und Vitek Vanecek (25) sowie Oldie Craig Anderson (39), der als Absicherung dient. Reicht das für einen langen Playoff-Run?

Die sportlichen Aspekte des Mantha/Vrana/Panik-Deals

Der zweite Capitals-Neuzugang, Anthony Mantha
Foto: © getty

Washington legt seit längerer Zeit auf Größe großen Wert und der 1,95 Meter große Mantha passt da vorzüglich. Allerdings: Er verwendet seine Reichweitenvorteile nur sehr nachlässig. Herausragenden Spielen im Stile eines Power Forwards folgen welche, in denen man ihn nur mit Suchhunden findet. Er sollte aber zumindest zu Beginn ein Top-6-Foward für die Capitals sein.

Jakub Vrana beklagte sich zuletzt mitunter über seine Eiszeit, war bei allem eisläuferischen und technischen Talent sogar ein Healthy Scratch. Zwei Cracks, die gute Anlagen nicht immer oder konstant in Resultate umlegen konnten, bekamen eben neue Adressen.

Wieder zurück zum Finanziellen: Manthas Vertrag läuft noch bis 2023/24, sein Cap Hit mit jährlich 5,7 Millionen steht fest. Vrana wäre im Sommer ein RFA mit Arbitration Rechten gewesen. Sein zukünftiges Gehalt war daher nicht voraussagbar, wäre aber sicher erheblich angestiegen.

Auch Panik war mit seiner Rolle (zuletzt in der Taxi Squad) unzufrieden, auch er hatte noch zwei weitere Vertragsjahre zu je 1,625 Millionen. Raffl wird mehr oder minder seine Rolle im Roster einnehmen, das für weit weniger Gehalt und ohne Vertragsobligation durch die Capitals über die Saison hinaus.

Die Rolle von Michael Raffl bei den Capitals

Coach Peter Laviolette kennt den Villacher nur ein wenig aus dem Trainingslager 2013, dann war er schon weg.

Raffl rückte in den Capitals-Kader, Daniel Carr wurde in die Taxi Squad geschickt. Die Capitals suchten einen vielseitig einsetzbaren Forward, der im Bedarfsfall im Lineup rauf und runter spielen kann. MacLellan über ihn: "Groß, körperlich stark, kann PK spielen, brauchbares Skill Level."

Bei Vollbestand (wie jetzt) könnte Raffl zwischen dem 13. Forward Spot und einer Bottom-6-Rolle wechseln. Daniel Sprong ist vielleicht am ehesten sein Konkurrent, legte bis jetzt aber eine sehr solide Saison hin.

Im Bedarfsfall könnte Raffl auch als Center zum Einsatz kommen. Natürlich wäre er kein vollwertiger Ersatz für Playmaker Nicklas Bäckström oder Evgeny Kuznetsov (wer wäre das schon?). Aber Kuznetsov und Lars Eller fielen heuer schon einmal aus und in der Mitte wäre sonst Career Minor Leaguer Michael Sgarbossa der nächste Nachrücker.

Der Trade ist für Raffl sicher eine Chance auf einen längeren Playoff-Run, er wechselte von einem Team im freien Fall mit geringen Playoff-Chancen zu einem Titelanwärter. Viele und gute Spiele würden ihm auch helfen, im Sommer wieder einen NHL-Job zu finden. Bei den Capitals wird es aufgrund der weiter angespannten Gehaltslage (Alex Ovechkin und Samsonov brauchen neue Verträge) mit einem Anschlussvertrag für den 32-Jährigen sicher nicht einfach.

Im ersten Spiel gegen die Flyers - dem 6:1 in der Nacht auf Mittwoch - stand Raffl noch nicht im Lineup, auch in den kommenden Tagen wird dies nicht der Fall sein, da der Villacher wegen einer Oberkörperverletzung derzeit passen muss. Capitals-Trainer Peter Laviolette glaubt, dass Raffl nicht länger ausfallen wird, momentan sei er aber nicht fit genug.


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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