Alle Details zum Grabner-Buyout

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Nach zwei Jahren ist die Zeit von Michael Grabner bei den Arizona Coyotes vorbei. Die Franchise aus der Wüste hat sich am Samstag dazu entschieden, einen Buyout von Grabners Restvertrag durchzuführen.

Doch was bedeutet das genau für den Villacher, der morgen Montag seinen 33. Geburtstag feiert? Ist damit die NHL-Karriere des flinken Stürmers beendet? Bekommt Grabner weniger Geld? Was ist mit einer Rückkehr zum VSV? LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat die Antworten zu allen wichtigen Fragen. Ein Blick auf die Hintergründe, wie solche Buyouts ablaufen und was das für den Kärntner bedeutet:

Michael Grabner ist kein Coyote mehr. Überraschend und doch nicht – ich habe diese Möglichkeit per Twitter schon vor knapp einer Woche angedeutet.

Wie läuft ein Buyout in der NHL ab?

Die Teams haben im Sommer (vor der Free Agency) ein gewisses Zeitfenster, wo sie unliebsame Kontrakte loswerden können. Das beginnt meistens 48 Stunden nach dem letzten Stanley-Cup-Finalspiel, wurde heuer natürlich durch Corona auch nach hinten verschoben - 25. September bis 8. Oktober lauten in diesem Jahr die Eckdaten.

Für Spieler wie Michael Grabner gilt: Er erhält zwei Drittel des ihm noch zustehenden Gehalts. Wäre er noch unter 26 Jahre alt, nur ein Drittel.

In Zahlen: Grabners Vertrag lief ursprünglich über drei Jahre – Gesamtbetrag 10.050.000 US Dollar. Im nächsten Jahr wären ihm noch 3,775 Mio. Dollar zugestanden, von denen erhält er jetzt eben noch zwei Drittel, insgesamt 2.516.666 Dollar. Die bekommt er über zwei Jahre aufgeteilt auf sein Konto überwiesen, die erste Tranche sofort.

Was bedeutet das für Grabners Zukunft?

Er ist ab sofort ein Unrestricted Free Agent, kann - allerdings erst ab Beginn der Free Agency am 9. Oktober - bei jedem anderen NHL-Team unterschreiben. Ein Signing in Europa wäre für ihn ab sofort möglich.

Was haben die Arizona Coyotes davon?

Sie ersparen sich natürlich das eine Drittel des Restgehalts in Realgeld. Allerdings: In Luft löst sich Grabners Vertrag für sie nicht auf. Dieser scheint nämlich in den nächsten zwei Jahren weiter als Cap Hit auf. Allerdings nicht in der Höhe der Buyout-Summe, sondern aufgrund einer komplizierten Berechnungsformel und für die doppelte ausstehende Vertragsdauer, pro Jahr jeweils separat berechnet.

Daher kommen zwei verschiedene Cap Hits zustande: 833.333 Dollar für die nächste, 1.258.333 für die übernächste Saison. Grabner spielt also dann längst woanders (oder gar nicht mehr) und wird im nächsten Sommer auch völlig ausbezahlt sein, trotzdem scheint er auch 2021/22 auf der Salary-Cap-Liste der Coyotes auf. Dieser Cap Hit kann auch nicht an ein anderes Team weitergegeben werden.

Ob Chayka bzw. Armstrong je versucht haben, ihn zu traden, ist nicht bekannt, zur Versüßung eines solches Deals hätten sie bis zu 50 Prozent seines Gehalts weiterbezahlen können.

Einen etwaigen Signing-Bonus (in seinem Vertrag nicht vorgesehen) hätte er sich zur Gänze behalten können, wäre in die Berechnung des Cap Hits dagegen eingeflossen.

Aber Grabner hatte doch eine (Modified) No-Trade-Clause?

Die beschützt einen Spieler nicht vor einem Buyout! Er hatte auch kein Einspruchsrecht. Der Prozess ging nach den Regularien durch: Erst kam er auf Waivers (nur eine Formalität), nachdem kein anderes NHL-Team zuschlug, war der Buyout durch.

War das zu erwarten?

Es kam zumindest nicht aus heiterem Himmel, auch wenn Grabner in den Bubble-Playoffs mit drei Treffern nochmals aufzeigte. Für einen Spieler, der oft ein Healthy Scratch war, ist ein Jahresgehalt von 3,35 Mio. halt keine Kleinigkeit. Sein Alter (33) und seine Augenverletzung werden sicher auch eine Rolle gespielt haben. Coach Rick Tocchet war auch kein übertriebener Fan von ihm, gestand ihm meist nur um die zehn Minuten Eiszeit zu.

Wer sich für Advanced Stats interessiert, wird über folgende Werte stolpern: Sein absoluter Corsi-Wert war mit 42,2 der niedrigste unter den Stammspielern, teamrelativ gesehen -8,3 Prozent. Allerdings: Kein anderer Coyote hatte in der Relation soviele Shifts (31 Prozent), die im eigenen Drittel begannen.

Es sieht so aus, als ob in Phoenix finanzielle Troubles herrschen. So wurden in den letzten Wochen Signing Boni zu spät ausbezahlt, statt mit Banküberweisung (wie üblich) mit Schecks. Die Coyotes blieben auch Zahlungen an die Hallenbetreiber der Gila River Arena schuldig. Beides wäre etwa in Laibach oder Zagreb Business as usual, in der NHL dagegen völlig ungewöhnlich und wirft kein gutes Licht auf Eigentümer Alex Meruelo, der die Franchise eigentlich stabilisieren sollte. Stattdessen warf GM John Chayka kurz vor Beginn der Bubble-Phase das Handtuch, sein Nachfolger Bill Armstrong hat jetzt alle Hände voll zu tun.

Natürlich ist Grabner nicht der Sündenbock für die zwei herben 1:7-Niederlagen in Spiel 4 und 5 gegen Colorado.

Ich erwarte noch einige Moves in den nächsten Wochen, Star-Defender und Kapitän Oliver Ekman-Larsson (hat noch sieben Jahre Vertag mit fast 60 Mio. Dollar) wird bereits angeboten, seine No-Movement-Clause macht das allerdings nicht einfach. Allgemein wird erwartet, dass sich die Coyotes, deren Payroll in den letzten Jahren arg angewachsen sind, einer internen Upper Cap (weit von den möglichen 81,5 Mio. entfernt) unterziehen müssen.

Armstrong hat mit dem Buyout des Villachers eben den ersten Schritt in diese Richtung gemacht. Er möchte angeblich auch etwas mehr Grit von seinen Rollenspielern bekommen und das war nie Teil von Grabners Spiel.

Haftet Grabner jetzt ein Makel an?

Keineswegs, da gab es schon ganz andere Spieler, die aus ihrem Vertrag ausgekauft wurden. Drei von dieser Sorte standen jetzt sogar im Stanley-Cup-Finale: Kevin Shattenkirk (Tampa Bay) sowie Andrej Sekera bzw. Corey Perry (Dallas).

Und Grabner ist auch nicht der erste Österreicher, dem dies widerfahren ist: Thomas Vanek spielte nach seinem Minnesota-Buyout 2016 noch bei vier weiteren NHL-Franchises. Die Coyotes sandten dem Flügel auch noch warme Worte nach, bezeichneten dies als "reine Business-Angelegenheit".

Wie geht es mit Grabner also weiter?

Wie gesagt – er wird sicher die ersten Tage der NHL Free Agency abwarten. Ein neuer Vertrag könnte in jeder Höhe abgeschlossen werden, realistisch ist aber natürlich nur ein Kontrakt, der weit unter seinem letzten Gehalt liegt.

Angesichts der schwierigen Lage durch Corona kann auch ein Vertrag zum Mindestgehalt (700.000 Dollar) über ein Jahr nicht ausgeschlossen werden, wenn es überhaupt dazu kommt. Für Grabners Rolle – die eines Bottom-Six-Forwards mit Penalty-Killing-Duties – verwenden die Teams oft gerne ihre eigenen, billigen Youngsters. Der Speed des Villachers könnte ihm aber Pluspunkte verschaffen. Ich glaube nicht, dass seine NHL-Karriere schon zu Ende ist.

Ob er allerdings aufgrund seiner Augenverletzung ein Karriere-Ende in Betracht zieht, kann natürlich nur er beantworten. In diesem Falle hätte er (neben seiner NHL-Pension) sicher auch gute Chancen auf eine Invaliditäts-Pension.

Jetzt könnte er ja nach Villach zurückkehren...

Kurzfristig ist diese (rein theoretische) Variante eher schwieriger geworden: Denn bei einem Loan von Arizona nach Europa bis zum NHL-Wiederstart wäre er versichert gewesen, als UFA aber nicht mehr. Das war aber aus familiären Gründen für ihn ohnehin kein Thema.

Grabner wird sicher die nächsten Tage und Wochen noch abwarten, was mit ihm passiert. In einem normalen Jahr (= ohne Corona) wäre er auch ein möglicher Kandidat für die KHL, Schweiz oder Schweden gewesen, falls alle NHL-Stricke reißen. 2020 ist aber alles anders, schwer zu sagen, was sich für ihn bei Bedarf für ein Markt in Europa auftun würde.

Eine Rückkehr nach Villach oder zu einem anderen ICE-Klub kann ich mir aber vorläufig nicht vorstellen. Er hat in der NHL bis jetzt über 25 Mio. Dollar (brutto) verdient, da können er und seine Familie auch nach dem Buyout der Zukunft sicher ruhig entgegensehen…

Textquelle: © LAOLA1.at

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