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"Ich habe nie gesagt, dass ich das Nationalteam boykottiere"

Vor der WM 2025 stand der ÖEHV-Stürmer unfreiwillig in den Schlagzeilen. Der wahre Grund für seine Auszeit im Nationalteam ist schnell erklärt. Interview:

"Ich habe nie gesagt, dass ich das Nationalteam boykottiere" Foto: © GEPA

Nach fast 18 Monaten Abwesenheit und Diskussionen um einen angeblichen Boykott des Nationalteams läuft Benjamin Nissner beim Drei-Nationen-Turnier in Oslo wieder für Österreich auf.

Der 28-Jährige nahm sich im Vorjahr nach Absprache mit Teamchef Roger Bader eine Auszeit. In den Länderspielpausen und nach der Saison wollte er seinem Körper die nötige Regeneration geben.

"Ich habe sofort gesagt, dass das nicht das Ende meiner Nationalteam-Karriere sein wird", betont der Mittelstürmer im LAOLA1-Interview.

Nissner hatte im letzten Jahr mit den Nachwirkungen des Pfeifferschen Drüsenfiebers - die Erkrankung, die ihn bereits im Oktober 2023 zwei Monate außer Gefecht setzte - und Rückenproblemen zu kämpfen.

Davon hat sich der Wiener gut erholt, ein Comeback-Versuch im Nationalteam beim Deutschland-Cup im vergangenen November scheiterte noch wegen einer Gehirnerschütterung.

Nun steht der 51-fache Nationalspieler wieder im ÖEHV-Kader und blickt im Gespräch auf die Diskussionen rund um die WM-Absage zurück, spricht über seine Rückkehr und ordnet die bisherige Saison in Salzburg ein.

LAOLA1: Du bist das erste Mal seit der Olympia-Qualifikation im August 2024 wieder im Nationalteam. Wie groß ist die Freude darüber, den Adler wieder auf der Brust zu tragen?

Benjamin Nissner: Sehr groß! Ich habe die Pause persönlich gut genutzt, um wieder fit zu werden und Kräfte zu tanken. Ich habe sofort gesagt, dass das nicht das Ende meiner Nationalteam-Karriere sein wird und ich heuer wieder bereit bin, wenn der Teamchef mich im Team haben will. Ich freue mich schon auf die zwei Spiele.

"Ich habe nie gesagt, dass ich mit dem Nationalteam abgeschlossen habe und es boykottiere."

Benjamin Nissner

LAOLA1: Vergangenes Jahr wurde dir gemeinsam mit deinen Salzburger Teamkollegen Mario Huber und Ali Wukovits vorgeworfen, dass ihr das Nationalteam mit eurer WM-Absage "de facto boykottieren" würdet. Wie blickst du mit etwas Abstand darauf zurück?

Nissner: Natürlich hat es mich kurz geärgert. Ich weiß aber, dass das nicht der Wahrheit entspricht. Ich habe nie gesagt, dass ich mit dem Nationalteam abgeschlossen habe und es boykottiere. Das haben wir alle abgeschlossen und können wieder nach vorne schauen.

LAOLA1: Wir belassen die Thematik damit auch wieder. Sollte Bernd Wolf (Hexenschuss) für eines der beiden Spiele gegen Ungarn und Norwegen nicht einsatzfähig sein, wirst du das Nationalteam als Kapitän anführen. Was würde dir das bedeuten?

Nissner: Es wäre eine richtig große Ehre, der Kapitän zu sein. Aber ich hoffe, dass der Bernd fit sein wird, weil er ein super Spieler ist und wir ihn brauchen werden. Sollte er sagen, dass es wirklich nicht geht, werde ich ihn so gut wie möglich vertreten.

LAOLA1: Du bist doch länger nicht mehr beim Nationalteam gewesen. Wie schnell warst du wieder mit dem Spielsystem vertraut?

Nissner: Wir spielen ein ähnliches Spielsystem wie in Salzburg, dadurch bin ich schnell reingekommen. Wenn ich nicht dieses Jahr Pause gehabt hätte, wäre es trotzdem eine Umstellung gewesen, weil du einen Großteil des Jahres das System im Verein spielst und dann hierher kommst. Aber es macht Spaß, etwas Abwechslung reinzubringen.

LAOLA1: Mit welchen Erwartungen geht ihr als Team in das Drei-Nationen-Turnier mit den Spielen gegen Ungarn und Norwegen?

Nissner: Wir haben eine junge, hungrige Truppe. Die Erwartungen sind immer hoch, wir wollen beide Spiele gewinnen. Wenn man sieht, wie wir die letzten Tage trainiert haben, schaut es super aus. Es ist Intensität drinnen, Pässe funktionieren, es wird sauber gearbeitet. Es sieht richtig gut aus.

"Nach vier Meistertiteln in Folge hatten wir uns performancemäßig vielleicht eine kurze Pause verdient, ein Grund kann auch die Umstellung im Umfeld sein."

Nissner über die Salzburger Leistungsschwankungen

LAOLA1: Wir müssen auch kurz über Red Bull Salzburg sprechen. Es waren sowohl persönlich als auch mannschaftlich immer wieder Leistungsschwankungen zu beobachten.

Nissner: Nach vier Meistertiteln in Folge hatten wir uns performancemäßig vielleicht eine kurze Pause verdient, ein Grund kann auch die Umstellung im Umfeld sein. Aber es geht bergauf. Die Performance meiner Linie mit Peter (Schneider, Anm.) und Thomas (Raffl, Anm.) wird auch besser - sie ist immer noch ausbaufähig, aber wir fühlen uns jetzt wohl.

LAOLA1: War das Team erfolgsmüde?

Nissner: Ich glaube, das gibt es bei uns nicht. Es wirkt vielleicht nach außen so, weil es bei uns einfach nicht funktioniert hat. Aber wir haben Charaktere in der Mannschaft, die es hassen, zu verlieren und jeden Tag 100 Prozent bringen. Egal ob es der Thomas (Raffl, Anm.), der im Juni 40 wird, oder ein junger Spieler, der gerade raufkommt, ist - wir ziehen jeden mit. Es hat zwar etwas komisch ausgesehen, wir haben einfach keine Spiele gewonnen und keine Tore geschossen. Trotzdem haben wir uns keine Sorgen gemacht.

LAOLA1: Inwieweit habt ihr trotzdem mit der Situation gehadert, gerade als nominelle Top-Linie?

Nissner: Obwohl nichts reingegangen ist, haben wir immer alles probiert, immer weitergemacht. Wir reden viel darüber, was wir machen können - und zum Glück wird es jetzt besser.

LAOLA1: Zwischendurch seid ihr von Coach Manny Viveiros getrennt worden.

Nissner: Er wollte frischen Wind in die Mannschaft reinbringen, kurze Zeit einmal alle durchrotieren. Ich glaube, das hat auch geholfen. Wenn du jedes Jahr zusammenspielst, kann das nicht immer funktionieren.

LAOLA1: Weil der Gegner euer Spiel leichter lesen kann?

Nissner: Das kann ein großer Grund gewesen sein, warum nichts mehr reingegangen ist. Vielleicht auch, weil wir immer gegen die besten Linien gespielt haben. Aber es geht bergauf, wir sind bereit für die Playoffs. Wir sind in den letzten Jahren eine Playoff-Mannschaft gewesen und wollen heuer wieder beweisen, dass wir es können und für die wichtigen Spiele bereit sind.

LAOLA1: Das klingt mit Blick auf den fünften Meistertitel in Folge nach großer Zuversicht.

Nissner: Wir werden alles dafür geben! Die Liga ist noch nie so eng gewesen. Viele Mannschaften haben gut eingekauft und sind wirklich stark. Wir tun uns heuer gegen andere Gegner als in den letzten Jahren schwer. Aber wenn man Meister werden will, muss man in jeder Serie performen - egal, wer vor dir steht.

LAOLA1: Und nach der Saison geht es für dich zur Weltmeisterschaft.

Nissner: Ich hoffe es!

LAOLA1: Danke für das Gespräch!

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