Bernd Freimüller: Wie ist es zum Einstieg von Sporteurope in die ICE vor einem Jahr gekommen?
Björn Beinhauer: Unser Eishockey-Engagement hat 2023 mit den Eishockey-WM-Rechten in Deutschland begonnen. Gemeinsam mit der CHL, wobei beides ja auch in Österreich zu empfangen ist. Die DEL in Kooperation mit Magenta und die NHL sind dann auch dazugekommen, die DEL2 dann 2024. Von der Strategie her war es so, dass wir uns vor allem auf die deutschsprachigen Länder konzentriert haben. Die Expansion Richtung ICE-HL ging dann auch mit der Umbenennung von Sport Deutschland auf Sport Europe einher. Als internationale Liga passte die ICE dann auch gut in unser Portfolio.
Freimüller: Die DEL2 hat also ein Jahr Vorsprung bei Sport Europe auf die ICE – wie würden Sie diese beiden Ligen vergleichen?
"Ich erwarte aber eigentlich, dass die ICE als oberste Spielklasse die DEL2 zumindest einholen sollte. Aber es ist gleichzeitig schwierig, zwei völlig verschiedene Märkte zu vergleichen."
Beinhauer: Deutschland ist natürlich der weit größere Markt, die DEL2 hat schon seit über zehn Jahren selbst gestreamt. Wir haben das dann noch professionalisiert, etwa in allen Hallen Glasfaser verlegen lassen. Bei den 14 Teams sind auch viele Traditionsvereine dabei. Ich erwarte aber eigentlich, dass die ICE als oberste Spielklasse die DEL2 zumindest einholen sollte. Aber es ist gleichzeitig schwierig, zwei völlig verschiedene Märkte zu vergleichen.
Freimüller: Am Beginn der letzten Saison wurden in der ICE technische Probleme bei Ihren Übertragungen reklamiert, ehe sich das legte. Wie kam es dazu und was wurde übernommen?
Beinhauer: Die Vereine selbst sind für die Übertragungen zuständig und man muss dazusagen, dass alles doch relativ kurzfristig kam. Die ICE hat zuvor auf einer anderen Plattform übertragen, dazu wurden die Signale noch einmal umgewandelt. Nachdem wir das in den Griff bekommen haben, lief die Sache stabil und gut.
Wir selbst haben jetzt auch einige Leute, die sich spezifisch nur um das Eishockey kümmern.
Freimüller: Bei den Bildern, aber auch bei den Kommentatoren, waren von Verein zu Verein doch größere Unterschiede feststellbar?
"Wir arbeiten daran, die Lücken zu schließen, aber natürlich muss man auch ehrlich sagen, dass es auch eine Frage der Mittel ist."
Beinhauer: Wir arbeiten mit den Vereinen daran, jeder hat einen gewissen Standard zu erfüllen: 1080p, HD, Anzahl der Kommentatoren, etc. Aber es beginnt schon damit, welche Kamera verwendet wird und wie die Streaming-Voraussetzungen in den Stadien sind, trotz Standards gibt es dann verschiedene Ergebnisse. Das ist allerdings auch in der DEL2 nicht anders. Wir wissen aber, dass wir an unseren schlechtesten Übertragungen gemessen werden, die sorgen dann auch für Kritik. Wir arbeiten daran, die Lücken zu schließen, aber natürlich muss man auch ehrlich sagen, dass es auch eine Frage der Mittel ist.
Freimüller: Bei den Kommentoren, die alle sehr bemüht sind, merkt man aber schon mitunter die Vereinsnähe?
Beinhauer: Wir versuchen immer wieder auf die Neutralität hinzuweisen, denn man darf nicht vergessen: Meist kommt der Zuseher von auswärts, also vom Gastverein. Wenn ich also 9, 90 Euro zahle und hinter dem Mikrofon sitzt ein Fan des Heimvereins, entsteht eine emotionale Schieflage. Aber in Zukunft wird es auch eine Tonspur ohne Kommentar geben. Wir versuchen auch weiter, die zweisprachigen Kommentare auszubauen, das wurde gut angekommen. Die Stadion-Atmo ist fix, an den zwei Tonspuren arbeiten wir weiter.
Bei den Kommentatoren ist es natürlich verständlich, dass sie mehr Wissen über das Heimteam haben, aber wir ermuntern sie wirklich, sich auch über den Gast mehr zu informieren.
Freimüller: Wie fiel das Gesamtfazit nach der ersten Saison aus?
"Wir waren schon zufrieden, die Umsätze sind gestiegen. Ich habe aber immer hohe Erwartungen, daher kann ich nicht sagen, dass alles top war."
Beinhauer: Wir waren schon zufrieden, die Umsätze sind gestiegen. Ich habe aber immer hohe Erwartungen, daher kann ich nicht sagen, dass alles top war. Wir streben natürlich großes Wachstum an, beginnen mit einer neuen Werbekampagne am nächsten Montag. Wir wollen natürlich, dass alle Teams wachsen, aber auch in Deutschland stellen wir fest, dass es einige Top-Player gibt, andere nicht so toll performen.
Natürlich sind auch die Teams gefordert, nochmals mehr zu trommeln, auch wenn ich verstehe, wenn sie erst einmal ihre Heimhallen gut füllen wollen.
Freimüller: Haben Sie eine Übersicht, von wo die Zuschauer kommen?
Beinhauer: Detailliert nicht – man kann zwar die IP-Adressen auslesen, aber nachdem wir kein Geoblocking haben, kann man ja von überall, etwa aus dem Urlaub, einsteigen. Klar ist, dass die Gastfans meist die Überzahl ausmachen, aber es gab auch schon umgekehrte Spiele.
Freimüller: Zu den Highlight-Videos, die von der KI zusammengestellt werden – der Vorteil ist, dass die zeitnah bereitstehen, der Nachteil ist, dass sie immer gleich lang ausfallen, wodurch einige Szenen enthalten sind, die mit Highlights wirklich nichts zu tun haben. Wird es da Änderungen geben?
Beinhauer: Wir arbeiten mit dieser KI jetzt im dritten Jahr, wir nutzen dieses Modell, das auch von der NHL und NBA verwendet wird, auch bei der WM. Leider ist es derzeit so, dass man der KI sagen muss, welche Länge man haben will. Ein 1:0 wirkt dann halt gestreckt. Aber mit Saisonbeginn soll es zwei Highlight-Versionen geben, eine über vier und die Extended Highlights über neun Minuten. Die Vereine bekommen von uns für ihre Social-Media-Kanäle noch andere Highlight-Versionen geliefert, mit denen wir auch große Reichweiten erzielen konnten.
Freimüller: Die größten Diskussionen unter den Fans betreffen natürlich immer wieder die Preise. Was ist hier zu erwarten?
"Das Geld geht grundsätzlich an die Liga, die es dann an die Vereine verteilt, wobei ich den Schlüssel nicht kenne. Am Montag werden wir eben die neuen Modelle vorstellen."
Beinhauer: Natürlich sind Preise immer ein sensibler Punkt, noch mehr in einer internationalen Liga. Unser Einheitspreis von 9, 90 Euro hat natürlich in Ungarn einen anderen Wert als in Österreich.
Wir haben ein Modell, wo der Großteil der Erlöse an die Vereine geht, sind daher mit Lizenzplattformen wie Magenta nicht zu vergleichen. Die Teams erwarten Mindesterlöse, es geht natürlich darum, diese weiter zu matchen oder zu übertreffen, daher haben wir uns gegen eine Preisreduzierung entschieden. Das Geld geht grundsätzlich an die Liga, die es dann an die Vereine verteilt, wobei ich den Schlüssel nicht kenne.
Am Montag werden wir eben die neuen Modelle vorstellen. Es wird wieder All-Access-Pässe geben, die man jetzt auch per Einmalzahlung und per Frühbucher um 259 Euro kaufen kann, dazu natürlich Einzelspiele sowie Heim- und Auswärts-Pläne. Was neu ist: Im All-Access-Pass – egal ob bei monatlicher oder Einmalzahlung – ist die A-WM automatisch inkludiert.
Vom Preis abgesehen, haben sowohl unsere Plattform als auch die Smart-TV-App einen Relaunch erhalten.
Freimüller: Eine Frage, die jetzt im Sommer aufgetaucht ist - "Wir zahlen für 12 Monate, wieso sind die Testspiele dann nicht inkludiert?"
Beinhauer: Auch das erfolgte in Abstimmung mit den Teams, die Saisonpässe beziehen sich wirklich nur auf die Liga. Denn es gibt ja viele Testspiele gegen ligaexterne Teams, was ein Durcheinander ergeben und Diskussionen nach sich gezogen hätte.