Das erwartet Marco Rossi bei Iowa Wild

Das erwartet Marco Rossi bei Iowa Wild Foto: © GEPA
 

Am Samstag beginnt die Profi-Übersee-Karriere von Marco Rossi – seine Iowa Wild müssen in der American Hockey League gleich einen weiten Roadtrip zu den Texas Stars hinlegen.

Doch was erwartet den Vorarlberger in der beschaulichen Stadt Des Moines? LAOLA1-Scout Bernd Freimüller skizziert, wie sich das Minor-League-Team der Minnestoa Wild auf und neben dem Eis präsentiert:

Die Geschichte

Die Iowa Wild existieren in der derzeitigen Form seit 2013, als das Farmteam der Minnesota Wild von Houston nach Des Moines übersiedelte. Allerdings gab es dort zuvor schon zwei AHL-Teams: Die Iowa Stars (Dallas) von 2005 bis 2008, im darauffolgenden Jahr platzierte Anaheim seine Prospects unter dem Namen "Iowa Chops" dort.

Erfolge

Keine großen, in den ersten fünf Jahren verpassten die Stars die Playoffs. In der Saison 18/19 überstanden sie wenigsten eine Runde, die abgebrochene Saison 19/20 beendeten sie als Zweiter der Central Division. Im Grunddurchgang der letzten Saison wurden sie Vierter, Playoffs fanden wegen Corona keine statt.

Die Stadt

Des Moines ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Iowa mit einer Bevölkerung von über 200.000 Einwohnern. Im Winter zieht wie überall im Midwest ein eisiger Wind durch die Knochen, es können zweistellige Minusgrade auftreten.

Auch wenn ich alle Folgen der TV-Serie "The West Wing" gesehen habe, ist mir die US-Politik immer noch ein Buch mit sieben Siegeln. Aber selbst ich weiß, dass Des Moines vor allem für seine politische Rolle bekannt ist. Hier finden nämlich in einem komplizierten Verfahren ("Caucus") immer die ersten Vorwahlen der beiden Parteien zur Präsidentenwahl statt, was sich vor allem bei den Demokraten oft als richtungsweisend herausgestellt hat. Barack Obama etwa begann hier 2008 seinen erfolgreichen Wahlkampf, indem er und sein Team Klinken putzten, um so auf die notwendigen Stimmen für den Parteikongress zu kommen.

Die Halle

Die Wild spielen in der Wells Fargo Arena mit 15.000 Plätzen, die vor Corona mit durchschnittlich 6000 Fans belegt waren. Diese Arena ist eine von 19 AHL-Hallen, die ich schon besucht haben. Ich erinnere mich nur daran, dass sie im Stadtzentrum gelegen und ziemlich modern war. Sie ist auch mit Walkways (überdachten Zugängen) mit den Gebäuden der Umgebung verbunden – im eisigen Winter kein Fehler.

Die geografische Lage

Die Wild sind das westlichste Team der Central Division, von Texas und Manitoba abgesehen, wohin man ohnehin fliegen muss. Der nächstliegende Gegner: Die Rockford IceHogs mit etwa vier Stunden Fahrdistanz, ein bis zwei weitere Stunden entfernt liegen Milwaukee und Chicago. Minneapolis mit den Minnesota Wild liegt knapp vier Stunden entfernt, keine große Distanz für regelmäßige Beobachtungen.

Ich habe die Fahrt von Rockford nach Des Moines schon einmal gemacht, wie im Midwest üblich sehr öde, da nur flache Landschaft.

Das Team

Eines fällt auf: Die Wild verfügen über eine Unzahl an Kandidaten für die Center-Positionen. Neben Rossi spielen Mason Shaw (22), Damien Giroux (23), der von Grand Rapids neu gekommene Dominic Turgeon (25) und Connor Dewar (22) bevorzugt auf dieser Position. Dazu kommt noch der Russe Alexander Khovanov (21), der letzte Saison an Kazan ausgeliehen war – auch er wurde als Mittelstürmer gedraftet.

Die Wild gönnen sich fünf Veteranen im Kader, wobei Flügel Kyle Rau (28) und Verteidiger Dakota Mermis (27) die ganze letzte Saison in der Taxi Squad verbrachten, Iowa damit nicht zur Verfügung standen. Flügel Cody McLeod (37) kann auf 775 NHL-Spiele zurückblicken, steht als einziger der fünf nicht auf der Minnesota-Gehaltsliste.

Mit den Iowa Heartlanders (etwa zwei Stunden entfernt) steht ein neues ECHL-Team als Auffanglager bereit, das auch bei den letzten Cuts sicher die erste Anlaufstation sein wird.

Die größten Prospects

Neben Rossi wäre hier natürlich Flügel Matt Boldy zu nennen. Er zeigte letzte Saison im Übergang vom College keinerlei Anpassungsprobleme, gilt als potentieller NHL-Sniper mit guter Größe und einem letalen Schuss. Er brach sich aber im letzten Preseason Game den Knöchel, fällt ein bis zwei Monate aus.

Defender Calen Addison (21) gilt als Top-Defendertalent mit sehr guten PP-Fähigkeiten. Er kam via Trade aus Pittsburgh, kostete den Wild in einem Drei-Spieler-Swap immerhin Stürmer Jason Zucker. Addison könnte eher früher als später den Weg nach Minneapolis antreten.

Adam Beckman (20) hätte den Cut fast jetzt schon geschafft, der offensiv begabte Flügel kann aber auf seine neun Spiele der letzten Saison aufbauen und sich als sehr guter AHL-Spieler beweisen.

Potentielle Recall-Kandidaten

Die größten Prospects sind nicht unbedingt die ersten Anwärter auf einen Platz im NHL-Team, wie auch GM Bill Guerin vor den letzten Cuts festhielt: "Wir haben derzeit keinen Platz für Spieler wie Rossi und Boldy. Mit etwa zehn Minuten Eiszeit wäre weder ihnen noch uns geholfen."

Bei Stürmer-Vakanzen könnten neben Beckman Connor Dewar (22, schnell, gute Hände) oder Damien Giroux (21, smart) über kurz oder lang zum Zug kommen. Typische Recall-Spieler, die entweder in der vierten Linie spielen oder von der Tribüne aus als 13. Stürmer zusehen, wären die Routiniers Kyle Rau und Joseph Cramarossa (28), die diese Rolle schon aus vergangenen Jahren kennen.

Der Coach

Tim Army ist mit 58 Jahren keineswegs mehr ein Coach-Talent mit Luft nach oben – seine Karriere splittete sich über die Jahre zwischen Headcoaching-Gigs im College und Assistant-Rollen in der NHL auf. Guerin hält große Stücke auf die Fähigkeiten Armys, die Prospects NHL-ready zu machen. Einer seiner Assistenten: Nate DiCasmirro, aus seiner Spielertätigkeit in Bozen, Jesenice, Villach und dem KAC II bekannt.

Die Wild-Talenteriege galt in den letzten Jahren als NHL-Durchschnitt, was sich eigentlich auch in den Leistungen der Wild widerspiegelte, vor allem die offensive Verstopfung galt als langjähriges Charakteristikum. Es liegt vor allem an Addison, Boldy und Rossi, Minnesota auf ein höheres Level zu heben. Ob sie noch heuer die Gelegenheit dazu bekommen?

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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