Am anderen Ende der Tabelle können die Pioneers (trotz einiger Überraschungen in den letzten Wochen) und die desolaten Innsbrucker Haie schon den Sommer planen.
Damit bleiben mit Fehervar, den Vienna Capitals, Linz, VSV und FTC Budapest fünf Anwärter auf die vier Pre-Playoff-Plätze, wobei sich diese Teams in den letzten Wochen höchst unterschiedlich präsentierten.
Fehervar AV19 (48 Punkte/34 Spiele)
Seit dem Trainerwechsel auf Ted Dent ging es für die Ungarn langsam aber sicher bergauf, zehn Siege und acht Niederlagen stehen in seiner Amtszeit zu Buche. Das Team präsentiert sich aber weiter wechselhaft, was auch die desolate Tordifferenz (-27) beweist.
Ein Grund dafür: Backup-Goalie Dominik Horvath fiel heuer schon zweimal aus, seine Leistungen dazwischen waren auch wenig berauschend. Rasmus Reijola wirkt ab und zu etwas überspielt.
Immerhin kam Kapitän Janos Hari wieder auf Touren, Neuzugang Max Gerlach präsentierte sich wie bekannt als Scorer (sechs Tore in zehn Spielen).
Eine Problematik konnte Dent natürlich auch nicht beheben, bestenfalls eindämmen: Fehervar ist wohl das langsamte Team der Liga, herausragende Skater finden sich fast keine.
Dieses Problem bestand schon in der letzten Saison und wurde über den Sommer auch nicht besser. Neuzugang Justin Richards ist einer der wenigen Speedster im Team, seine Beine sind definitiv besser als seine Hände.
Auch wenn die biologische Uhr bei einigen Spielern (Archibald, Bartalis, Messner) schon ziemlich laut tickt: Fehervar sollte die Top 10 ohne Probleme schaffen.
Vienna Capitals (45/34)
Wie bei Fehervar war auch in Wien der Trainerwechsel überfällig, auch hier ging es danach nach oben.
Unter Kevin Constantine standen neun Siege zehn Niederlagen gegenüber, wobei eine leichte Aufwärtstendenz auch schon unter den Interimscoaches Fabian Scholz und Rafael Rotter zu spüren war.
Die Probleme sind jetzt nicht mehr so sehr strukturell wie in der Ära Gerry Fleming, Fehler (und es gibt immer noch genug) sind jetzt eher individuellen Mängeln zuzuschreiben. Aber wichtig: Mit FTC-Telekom (2x) und dem VSV wurden zwei direkte Konkurrenten zuletzt geschlagen.
Einer der Gründe dafür: Goalie Evan Cowley stabilisierte sich nach einem schwachen Saisonbeginn, nachdem sich Konkurrent Sebastian Wraneschitz verletzt hatte.
Ist Cowley ein Torhüter, der immer spielen muss, um seine Leistungen abzurufen? Es wird interessant sein, wie die Goalierochaden nach der Rückkehr von Wraneschitz aussehen werden.
Die Offensive geht auch meist nicht leicht von der Hand, da hilft es immerhin, dass Carter Souch zuletzt Tore abseits der Paradelinie um Linden Vey erzielte.
Neuzugang Scott Kosmachuk präsentierte sich wie aus Villach und Salzburg bekannt (Offensivqualitäten und einige Aussetzer), fiel aber zuletzt wie einige seiner Stürmerkollegen (zwei ganze Reihen) aus.
Die Caps müssen auch in den nächsten Wochen Gritty Wins einfahren – die Bilanz war zuletzt die eines Mittelständlers und das sollte auch für die Top 10 reichen.
Black Wings Linz (44/34)
Mit zwei Siegen aus zehn Spielen ein miserabler Saisonstart, dann acht Siege aus den nächsten zehn Spielen - es sah aus, als ob die Black Wings den Umschwung geschafft hätten.
Seitdem aber ein stetes Auf und Ab, die Aufs meist daheim, die Abs bei den Auswärtsspielen. Da kann es schon etwas beunruhigen, dass acht Auswärtspartien nur mehr sechs Heimspiele gegenüberstehen.
Immerhin verfügen die Black Wings über gleich vier Forwards (Graham Knott, Travis Barron, Brian Lebler, Shawn St-Amant), die regelmäßig und auch schon zweistellig getroffen haben. Danach herrscht aber ziemliche Funkstille, auch von der blauen Linie kommt sehr wenig.
Allerdings: Die größten Probleme gab es natürlich während einer Zeit, als mit Ryan MacKinnon, Greg Moro und Gerd Kragl gleich drei Defender ausfielen. Jetzt ist wenigstens Moro wieder zurück, MacKinnon wurde durch den französischen Routinier Yohann Auvitu gut ersetzt. Und Kragl steht ebenfalls vor seiner Rückkehr ins Lineup.
Rasmus Tirronen ist im Linzer Kasten gesetzt, wirkt aber von Jahr zu Jahr mehr roboterhaft und wenig athletisch. Der Finne spielte sich aber nach kurzen Tiefs oft wieder zurück - auch heuer?
Die Top-4-Stürmer sowie die schwachen Konkurrenten aus Villach und Budapest sollten einen Top-10-Platz absichern, bevor das Team im Sommer doch etwas umgekrempelt werden muss.
VSV (42/33)
Im Nachhinein wird man sich sicher fragen: Hätte man die Probleme mit Coach Tray Tuomie nicht bis zum Saisonende mitziehen können, um dann erst reinen Tisch zu machen?
Sportlich lief es unter ihm nämlich weit besser als unter seinem Nachfolger Pierre Allard, dessen Bilanz bei seinem ersten Headcoach-Job gruselig aussieht: Zwei Siege aus elf Spielen. Allards Aufgabe war im Gegensatz zu Wien oder Fehervar nicht, einen erfolglosen Coach zu beerben, schon eine Seitwärtsbewegung hätte genügt.
Der VSV war auch unter Tuomie kein Defensivbollwerk, aber die letzten Spiele waren erschütternd, wie ich in Wien auch miterleben dürfte. Der Lokalrivale aus Klagenfurt schafft es, die Eisfläche immer kleiner zu machen als sie ist, gegnerische Spieler werden wie in einem Flipper von einem Bumper zum anderen geschleudert.
Der VSV wirkte in Wien dagegen so, als ob das Spiel auf einer Bandy-Eisfläche ausgetragen worden wäre - für die Caps taten sich immer wieder riesige Freiräume auf.
Da fehlt es an Laufbereitschaft, vor allem nach Puckverlusten und eklatanten Stellungsfehlern. Ich weiß schon, dass Cracks wie Nikita Scherbak oder John Hughes (nicht mehr wiederzuerkennen) öfters Löcher lassen, doch ligaerfahrene Defender sehen auf einmal wie blutige Anfänger aus. Goalie Joe Cannata wirkt auch oft sehr statisch, bewegt sich langsam seitwärts.
Mit Brett Budgell kommt ein neuer Center als Hoffnungsträger, wie bei jedem ECHLer ist hier alles möglich. Die größere Hoffnung im Rennen um die Top 10 ist eher die noch größere Unform von FTC...
FTC Budapest (41/34)
Lange standen die Ungarn souverän da, ließen sich auch von einigen Last-Minute-Gegentoren oder Verletzungen nicht aus dem Rennen um die Top 6 werfen.
Doch wo andere Teams aus den Spielpausen mit einigen Rückkehrern zurückkamen, war es bei FTC genau umgekehrt: Der Kader schrumpfte immer mehr, nach dem Dezember-Break standen oft gar keine vier Linien mehr zur Verfügung. Sechs Niederlagen am Stück katapultierte das Team dann auf Platz 11.
Die Legionäre Aku Kestila, Paavo Tyni, Topi Rönni und Alexander Ytterell (gab nur ein Kurz-Comeback von zwei Spielen) sind neben Routinier Istvan Sofron schon seit Wochen bzw. Monaten out.
Von den nachverpflichteten Ausländern konnte sich nur Gordie Green einigermaßen einbringen, die Defender Marek Hudec und Luke Green halfen wie erwartet nicht weiter. Mit Joose Antonen kam nun ein Stürmer aus Finnland. Insgesamt beschäftigte FTC heuer schon 15 Gastarbeiter – Liga-Spitzenwert!
Wie schief das Team zeitweise aufgestellt ist, beweist auch die Tatsache, dass der torlose Gergely Mattyasovszky zu Saisonbeginn öfters ein Healty Scratch war, jetzt aber zeitweise die Toplinie centern musste.
Was zur Misere auch beiträgt: Beide Goalies (Bence Balizs und Kristof Nagy) fielen zuletzt auch auf das Niveau zurück, dass man vor der Saison eigentlich erwarten durfte.
Bekommt FTC noch einmal die Kurve oder ist das Pre-Playoff-Rennen bald beendet? Ein Blick auf das Lineup im nächsten Spiel sollte da schon Aufschlüsse bringen...