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HC Innsbruck: Unter neuer Führung bissig?

Die Haie haben Verbesserungen vorgenommen, aber alte Probleme bestehen. Vorschau:

HC Innsbruck: Unter neuer Führung bissig? Foto: © GEPA

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Die Eishockey-Saison naht in großen Schritten! Mit dem Start der ICE Hockey League am 25. September (im LIVE-Ticker) startet die heimische Liga in eine neue Ära, nachdem die Corona-Krise den Abschluss der letzten EBEL-Saison und damit die Kür eines Meisters verhinderte.

Auch die Vereine der Scheibenjagd präsentieren sich durch die widrigen Umstände zum Teil mit einem neuen Gesicht.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller nimmt in seiner traditionellen Saison-Vorschau wieder alle Teams unter die Lupe. Der HC Innsbruck geht mit Trainer-Neuling Mitch O'Keefe in die Saison, nicht die einzige Änderung:

Das sollte klappen

Ließen die Innsbrucker Teams der letzten Jahre die Goalies so schlecht aussehen oder umgekehrt? Egal, Langzeit-Coach und Fulltime–Goaliekritiker Rob Pallin ist nicht mehr, mit Tom McCollum steht jetzt ein jahrelanger AHL-Torhüter im Haie-Kasten. Zwar hat er ein wenig den Ruf, heiße mit kalten Phasen abzuwechseln, aber mir gefiel er immer gut und war über die Jahre auch öfters in der DEL ein Thema. McCollum sollte, wenn das Team ihn mehr unterstützt als seine Vorgänger, die Position stabilisieren und könnte so manches Spiel stehlen. Von Rene Swette darf dagegen mittlerweile keine Entlastung mehr erwartet werden. Lustenau sträubte sich im Sommer nicht gerade dagegen, den im letzten Sommer ausgestellten Dreijahres-Vertrag wieder aufzulösen.

Felix Girard und Sam Herr sind interessante Cracks. Ich habe beide in der AHL live beobachtet – solide Drittlinienspieler mit guter Arbeitsmoral und auch gutem Körper. Großes Offensivpotenzial hätte ich nicht gesehen, aber solche Spieler werden dort oft in eine Rolle gedrängt, aus der es schwer ein Entkommen gibt. Girard kam dann spät in der letzten Saison nach Szekeshervar, entpuppte sich schnell als guter Zwei-Weg-Mann mit ausgezeichneten Faceoff-Fähigkeiten. Herr dominierte die britische Liga und zeigte herausragende Offensivfähigkeiten mit guten Händen auf engem Raum. Ich traue beiden zu, Innsbruck entscheidend zu helfen und sich für bessere Teams ins Rampenlicht zu spielen.

Vom Rest der elf neuen Legionäre könnte Braden Christoffer einen soliden Zwei-Weg-Center, Daniel Ciampini einen mit Christoffer eingespielten Playmaking Winger und Max Gerlach einen "sneaky Scorer" mit einem ansatzlosen Schuss ergeben.

Das könnte klappen

Alte Weisheit: Wenn ein Assistant Coach gleich zum neuen Mann ernannt wird, glaubt man an ihn. Wenn man ihm das Mandat erst später erteilt, hat man Absagen erhalten und/oder kann sich niemand teureren leisten. Mitch O'Keefe wurde erst über Umwege Pallins Nachfolger, obwohl man ihn nach zwei Jahren eigentlich kennen müsste. O'Keefe macht einen ruhigen Eindruck, die Legionärsauswahl (in Innsbruck immer Coachsache) ergab auch Sinn. Und beginnen muss jeder einmal. Allerdings: Mit Flo Pedevilla, der gerade erst die Schlittschuhe an den Nagel hängte, agiert neben ihm ein Mann ohne jegliche Coachingerfahrung. Ein derart unerfahrenes Duo hat Seltenheitswert – das "Learning by doing" könnte vor allem in kritischen Phasen an seine Grenzen stoßen.

Colton Saucerman ist ein typischer AHL/ECHL-Grenzgänger, der vor allem mit seinem mächtigen Rauschebart (für Innsbruck leider gestutzt) für Fans immer ein Hingucker war. Mobil und mit einem guten Schuss ausgestattet, so stach er mir auch bei einem AHL-Spiel in Ontario ins Auge. Kann er auch in der ICE seine Fähigkeiten einbringen oder hapert es bei ihm ein bisschen am Hockey Sense?

Das Problempotenzial

Elf Legionärsskater, zehn davon wohl in den ersten beiden Blöcken. Der Kader droht (wieder einmal) top heavy zu werden. Können bei Verletzungen Spieler wie Dario Winkler (in seine Heimat zurückgekehrt), Christof Kromp, Clemens Paulweber oder Christian Jennes (gibt sein Liga-Comeback) in Scorerlinien mithelfen? Bei einer Verletzungsserie – wie in der Vorsaison – droht ein Überspielen der Leistungsträger.

Aber auch ohne langfristige Ausfälle: Keinem der Österreicher ist es gerichtlich untersagt, von der dritten Linie aus zu scoren, in einer ausgedünnten Liga muss das sogar erwartet werden. Gerade für Kromp tickt die ICE-Uhr unüberhörbar. Die aus Kitzbühel gekommene Thomas Mader (ein früherer ÖEHV-Nachwuchsteamspieler, der lange in Schweden spielte) und Henrik Hochfilzer sind brave Kämpfer vor dem Herrn. Bleibt selbst kleine Offensivhilfe vom Österreicher-Stamm aus, wird wieder die ewig diskutiere Frage gestellt werden: Spielen die Einheimischen so wenig, weil sie nicht scoren können oder scoren sie so wenig, weil sie nicht zum Zug kommen? „Mander, s'ischt Zeit..."

"Don't bring your family" heißt es sowohl in Innsbruck als auch Dornbirn. Wegen der im Westen höheren Mietpreise werden Singles am Legionärsmarkt gesucht. Bleibt nur zu hoffen, dass sich dadurch nicht zu viele Männerabende ergeben. Vielleicht helfen da ja die Restriktionen der Regierung…

Wo könnte nachgerüstet werden?

Nirgends, schon in der Vorsaison mussten Verletzung ausgesessen werden, während etwa Graz jeden Ausfall umgehend nachbesetzte. Die Abgänge von John Lammers und Miha Zajc trotz laufender Verträge gingen ja auch nicht kostenneutral über die Bühne. Große Sprünge sind eher nicht mehr drinnen und nach dem Scott-Darling-Debakel der Vorsaison vielleicht eh nicht anzuraten...

Der Ausblick

Ohne viele Verletzungen könnte Innsbruck doch das eine oder andere Team hinter sich lassen. Gleich drei für den Playoff-Einzug? Im Glücksspiel der Hoffnungsrunde vielleicht nicht unmöglich...

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