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Die Gründe für das Pre-Playoff-Aus der Caps und Black Wings

Sowohl in Wien als auch in Linz gab es nach dem Aus lange Gesichter. Eine Analyse der beiden ICE-Klubs.

Die Gründe für das Pre-Playoff-Aus der Caps und Black Wings Foto: © GEPA

Während für die Pioneers, Innsbruck und Ferencvaros das frühe Saisonende nicht unerwartet kam, herrschten in Wien und Linz nach dem Ausscheiden in den Pre-Playoffs der win2day ICE Hockey League lange Gesichter vor.

Ein Blick auf einige Parallelen und Unterschiede:

Aufwärtstrend gestoppt, Abwärtstrend bestätigt

In Linz ging es nach der Zerreißprobe vor Corona und den finanziellen Problemen danach in den letzten Jahren immer ins Viertelfinale, das heurige Abschneiden war der erste Rücksetzer in der Ära Philipp Lukas.

In Wien dagegen waren die letzten drei Jahre ein durchgängiges Desaster, die Zeiten, als man zum absoluten Spitzenfeld der Liga gehörte und an der CHL teilnahm, erscheinen wie aus dem Paläozoikum.

Langzeit-Präsident Hans Schmid drosselte in seiner letzten Saison das Budget gewaltig, in den letzten beiden Jahren stiegen die Mittel wieder stark an, ohne dass dies auf dem Eis zu sehen gewesen wäre.

Drei Saisonen ohne Playoffs, einmal davon sogar ohne Pre-Playoffs – man ist mit den Pioneers und den Haien und nicht wie früher mit den KACs und Salzburgs angesiedelt.

Veränderte Mitbewerber

Veränderte Mitbewerber

In Salzburg, Bozen und Klagenfurt hat sich über die letzten Jahre budgettechnisch nicht viel geändert, der KAC kann die fehlenden Mittel aus der Horten-Zeit durch ausgezeichneten Nachwuchs und gute Trainerarbeit ausgleichen.

Aber der HC Pustertal, Olympija Ljubljana und vor allem die Graz99ers fanden neue Geldquellen, die sie auch zielgerichtet umsetzten. Umgekehrt verabschiedete sich nur Fehervar aus dem ICE-Spitzenfeld.

Alleine schon deswegen sind die Top-6 für Durchschnittsteams kein Selbstläufer mehr, als Ausrede für konstante Misserfolge kann das aber nur bedingt herhalten.

Der Österreicher-Kern

Parallelen bei beiden Teams: Der Österreicher-Kern fällt natürlich besser als bei den Pioneers oder Innsbruck aus, aber wohl ungefähr gleich wie in Villach. Die Spitzenkräfte heuern in Salzburg, Graz oder Klagenfurt an.

Caps-Sportchef Christian Dolezal machte vor der Saison Tabula rasa, ersetzte einige Wiener Kräfte durch ligainterne Zugänge. Bei Senna Peeters – erstmals länger verletzt – hatte er Pech, der Ausfall von Marco Richter musste schon eher eingeplant werden. Der Rest rief die Leistungen ihrer Vorsaisonen auf und die sind eben bestenfalls Durchschnitt, wer mehr erwartete, hat die ICE nicht verfolgt.

Bei den Black Wings werden seit jeher Änderungen nur zögerlich vorgenommen, im Zweifelsfall durften Spieler noch ein Jahr anhängen. Der einzige echte neue Einheimische (Tim Geifes war immer nur als Kaderergänzung gedacht) Luis Lindner fiel wegen Gehirnerschütterungen lange aus,

Neben Geifes muss auch der altgediente Andi Kristler gehen – beide Teams müssen auf einem Einheimischen-Markt fischen, der heuer noch weniger einladend erscheint als ohnehin schon.

Bei den Caps sondiert Sebastian Wraneschitz auch jedes Jahr den Markt, heuer rief er seine besten Leistungen ab.

Sein Problem: Er kann einfach keine Saison durchspielen - erst fiel er zwei Monate aus, dann kränkelte er ausgerechnet vor den Fehervar-Spielen. Seine Leistungen würden eine Einser-Rolle rechtfertigen, aber sein Backup müsste jederzeit spielfähig (und das vielleicht über Wochen) sein.

Die Legionäre

Die Black Wings beendeten die Saison mit elf Imports, weit von der Selbstbeschränkung auf acht vor zwei Jahren entfernt. Die Caps verbrauchten insgesamt 13 Ausländer-Lizenzen, wovon zwölf am Saisonende im Kader standen.

Klar, es können nicht alle Legionäre einschlagen, aber beide Teams hatten ungefähr dieselbe Trefferquote. Bei den Black Wings entsprach Neuzugang Ryan McKinnon weder physisch noch als PP-Mann, dazu kam, dass einige altgediente Fremdarbeiter erwartet (Rasmus Tirronen, Sean Collins) oder unerwartet (Logan Roe, Luka Maver) abbauten. 

Tirronen agierte spätestens zu Saisonende fast bemitleidenswert, als er nach Saves oder Scrambles wie ein angeschwemmter Wal sekundenlang am Eis herumfloppte. Für die nächste Saison muss de-facto-Sportdirektor Rick Nasheim – Lukas hat den Titel, Nasheim macht die Tagesarbeit – jedenfalls mehr Qualität an Land ziehen. Travis Barron hatte bereits im Ausland zugesagt, dieser Deal fiel aber wieder auseinander.

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Für die Black Wings Linz war gegen den VSV Endstation.
Foto: ©GEPA

Bei den Caps überlebten nur Zane Franklin und Jeremy Gregoire den letzten Transfersommer, konnten dem Team aber heuer nicht mehr helfen. Evan Cowley und die beiden Hults-Brüder agierten wechselhaft, Randy Gazzola bestätigte altbekannte eisläuferische und defensive Schwächen, Scott Kosmachuk war körperlich nicht belastbar.

Das ergibt automatisch keine hohe Trefferquote, nur Simon Bourque und Carter Souch (begabt, aber etwas soft) rechtfertigten ihr Engagement. Linden Vey und Nelson Nogier kamen mit Price-Tags nach Wien, die sie zu starken Leistungen verpflichteten, was auch meist gelang. Die gesundheitlichen Probleme von Kosmachuk und Nogier müssen den Caps aber über den Sommer hinaus Sorgen bereiten.

Überhaupt ein Thema: Die hohe Verletztenquote in Wien. Spätetens die spielfreie Olympia-Pause, als danach mehr Ausfälle registriert wurden als zuvor, machte dieses Phänomen nochmals deutlich.

Bei beiden Teams hätte eine höhere Trefferquote im Legionärsbereich ein frühes Saisonende vermeiden können.

PR-mäßig alles im grünen Bereich

Die schärfste Kritik dürfte jeweils klubintern erfolgen. In beiden Städten geben sich die Lokalmedien bis auf wenige Ausreißer handzahm, Erfolge von früher wirken heute noch nach. Phil Lukas hat nach der Aufbauarbeit der letzten Jahre verdientermaßen Kredit, aber auch er muss bereit sein, alte Zöpfe abzuschlagen.

Das Publikum? In beiden Städten positiv eingestellt. In Linz nahmen die Zuschauerzahlen seit Corona sukzessive zu, der heurige Rückschlag zeigte noch keine Auswirkungen.

Die Caps zogen durch "Theme Nights" mit den dazugehörigen Frei- und verbilligten Tickets neue Publikumskreise heran, die sich Beach-Volleyball-mäßig (Animateure ersetzten Hallensprecher) bespaßen ließen, das Geschehen am Eis nur nebenher verfolgten. Das 0:1 gegen Fehervar wurde eher ungläubig als kritisch begleitet.

Die Zukunft

In Wien zeigte sich Sportdirektor Christian Dolezal nach dem Aus selbstkritisch, aber er hat in den beiden Saisonen unter seiner Allein-Führung schon fast alle möglichen Hebel gezogen.

Zwei Coaches mit Gerry Fleming und Kevin Constantine, 25 (!) Legionäre und eine Runderneuerung des Einheimischen-Stamms. Viel bleibt da nicht mehr übrig, mit Vey und Nick Bailen, der aus Graz kommt, werden die Großverdiener nächste Saison schon 35 bzw. 36 Jahre alt sein.

Constantines Vertrag hätte sich nur bei einem Halbfinaleinzug verlängert, davon war man weit entfernt. Er stabilisierte das bis dahin vogelwilde Team, endlose Videositzungen sind sein Markenzeichen, dem aber einige Spieler kritisch gegenüberstehen.

Ex-VSV-Coach Mike Stewart, der vor einigen Wochen in Wolfsburg freigestellt wurde, ist natürlich ein Thema bei den Caps. Könnte ihn ein mehrjähriger Vertrag locken oder setzt er wie Tom Pokel auf ein neuerliches DEL-Engagement spätestens während der Saison?

In Linz würden große Änderungen neben dem Eis überraschen. Die Mittel fallen etwas geringer als bei den Caps aus, aber mit dem einen oder anderen stärkeren Legionär könnte es wieder nach oben gehen. 

Noch mehr als in Wien muss der Teamspeed aber gehörig ansteigen, vor allem bei Spielen gegen Graz oder den KAC war das bei beiden Mannschaften augenscheinlich. Nur eine von vielen Baustellen in beiden Städten...

Übersicht: Die ersten Drehungen des ICE-Transfer-Karussells

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