LAOLA1: Der Sommer war nach dem Pre-Playoff-Aus ein langer. Wie stressig war er?
Philipp Lukas: Es gab viel zu erledigen. Nicht nur was die Kaderplanung und Zusammenstellung der Mannschaft betrifft, sondern auch in Sachen Reflexion. Man muss sich Gedanken machen, wenn die Dinge im Leben oder im Sport nicht so laufen, wie man es sich wünscht. Darin habe ich sehr viel Zeit investiert. Wie kann ich mich weiterbilden, wie kann ich mich weiterentwickeln, was ist tatsächlich passiert und was hätte ich eventuell anders machen können? Es war eine wertvolle Zeit, aus Rückschlägen lernt man am meisten. Ich bin guter Dinge, dass wir ein Kollektiv zusammenstellen konnten, mit dem wir erfreut in die Zukunft blicken können.
Da muss man sich als Coach in den Spiegel schauen und darf nicht davor zurückschrecken, Verantwortung zu übernehmen.
LAOLA1: Das vergangene Jahr war in deiner Ära als Trainer und Sportdirektor das erste, in dem es nicht steil bergauf gegangen, die Performance eingebrochen ist.
Lukas: Ich kann nicht widersprechen - so hat es sich auch angefühlt. Natürlich verlief das Jahr enttäuschend. Wir hatten uns erhofft, dass die Mannschaft mehr imstande ist zu leisten. Vor allem mein Anspruch ist, dass wir unserer Mannschaft helfen, ihr Potenzial abrufen zu können. Das ist uns definitiv nicht gelungen. Da muss man sich als Coach in den Spiegel schauen und darf nicht davor zurückschrecken, Verantwortung zu übernehmen. Die Frage, warum es nicht geklappt hat, war nach der Saison sehr schwierig zu beantworten.
LAOLA1: Habt ihr eine Antwort gefunden?
Lukas: Es war ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Wir hatten einen schlechten Start, waren dementsprechend gleich in einer Situation, in der wir viel Boden gut machen mussten. Zu Hause haben wir sehr viel gutes Eishockey gespielt, doch auswärts haben wir dann immer wieder Punkte, die wir gebraucht hätten, liegengelassen und nie in die Spur gefunden. Dann hat das Selbstvertrauen gefehlt. Und es waren sicher Situationen dabei, die ich anders managen hätte können. Ich möchte jetzt nicht tiefer darauf eingehen, aber es war etwas, wo ich mich natürlich versucht habe, weiterzuentwickeln, um es in der Zukunft anders handhaben zu können.
LAOLA1: Ging es darum, wie du auf die Spieler eingehst, mit ihnen persönlich, aber auch als gesamtes Team sprichst?
Lukas: Ja. Wie geht man die Sache in schwierigen Situationen an, wie managt man das Ganze? Wie viel Gesamtcoaching braucht es, wie wertvoll ist ein individuelles Coaching? Der Schlüssel liegt oftmals in der Kommunikation und ich denke, dass es da – zumindest im letzten Jahr – definitiv Verbesserungspotenzial gab.
LAOLA1: Inwiefern?
Lukas: Ich bin jetzt überhaupt nicht hart zu mir selbst, sondern recht transparent. Es war vom ersten Moment weg eine sehr stressige Situation, weil wir einfach nicht so performt haben, wie wir uns das gewünscht hätten. So versucht man, die Situation immer wieder auszubessern und macht sich Gedanken, wie wir die Mannschaft wieder bestmöglich adressieren können. Aber irgendwie hat es nie so wirklich geklappt.
LAOLA1: Führte der sensationelle Halbfinal-Einzug im Jahr davor möglicherweise zum Glauben, dass es in dieser Tonart automatisch weitergehen würde?
Lukas: Ich kann nicht beantworten, was in den Köpfen der Spieler los war - aber so hat es manchmal den Anschein gemacht, dass sich die Dinge von selbst erledigen werden. Ich möchte gar nicht sagen, dass wir nicht bereit waren, den Aufwand zu betreiben, weil der Einsatz großteils da war. Doch wenn die Verkrampfung überwiegt, ist es sehr schwierig, das Spiel intuitiv zu spielen. Und das Spiel ist einfach zu schnell, um rausgehen zu können und zu versuchen, die Dinge ständig zu erzwingen. Selbst wenn wir dann einige gute Spiele hatten, haben wir uns das nie zugutekommen lassen, um irgendein Selbstvertrauen aufzubauen. Aber es ist genug über die Vergangenheit geredet worden, wir blicken sehr positiv in die Zukunft.
LAOLA1: Die Folge des frühen Saisonaus war ein Umbruch. Elf Spieler sind gegangen, zehn neue gekommen. Warum war dieser Cut notwendig?
Lukas: Das Resultat hat nicht gestimmt. Die Rückschlüsse daraus waren, dass wir eine Möglichkeit haben, unsere Mannschaft zu verjüngen und ihr frisches, neues Blut zu geben. Nicht nur am Import-, sondern auch am Österreicher-Sektor. Ich denke, dass wir uns mit den Möglichkeiten, die wir auf dem Markt hatten, verstärkt haben. Wir haben viele neue Österreicher an Bord, die in eine Position rutschen können, in der sie sehr gute Chancen haben, den nächsten Schritt zu machen. Wir spielen von Beginn weg mit acht ausländischen Akteuren statt mit elf, wie wir es letztes Jahr gemacht haben. Ich bin guter Dinge und freue mich auf die Aufgabe.
Linz ist mittlerweile auch wieder eine sehr attraktive Adresse im österreichischen Eishockey.
LAOLA1: Philipp Wimmer hat seinen Vertrag in Salzburg vorzeitig aufgelöst, um nach Linz zu kommen. Lukas Kainz ist in Graz Meister geworden. Oskar Maier hat bei den Pioneers Vorarlberg eine tolle Saison gespielt. Mit welchen Argumenten hat man sie überzeugt, sich den Black Wings anzuschließen?
Lukas: Ich weiß gar nicht, ob wir viel argumentieren mussten. Oskar Maier, Marlon Tschofen, Philipp Wimmer, Luis Lindner, Christoph Tialler, Luca Erne – das sind alles Jungs, die ich aus meiner Zeit beim U20-Nationalteam kenne. Sie waren alle in Edmonton (bei den World Juniors 2021, Anm.) mit und sind super Burschen. Sie waren zu dieser Zeit alle U20-Nationalteamspieler – und sollen in Zukunft hoffentlich auch A-Nationalteamspieler werden. Das Potenzial ist da. Deswegen meine ich, dass wir uns gut ausgerichtet haben für die Zukunft mit diesen Spielern, mit denen wir natürlich arbeiten und ihnen dabei helfen müssen, sich weiterzuentwickeln. Linz ist mittlerweile auch wieder eine sehr attraktive Adresse im österreichischen Eishockey und die Jungs waren sehr gewillt, hierher zu kommen.
LAOLA1: Auffällig ist, dass in der Abwehr nur zwei Import-Verteidiger eingeplant sind. Warum wagt man diesen mutigen Schritt?
Lukas: Wir haben hier Möglichkeiten für einige Spieler, in Rollen hineinzuwachsen und mehr Verantwortung zu übernehmen. Greg Moro ist jetzt das dritte Jahr bei uns und hat definitiv auch eine Leadership-Rolle. Bei Vojtech Mozik haben wir uns entschieden, ihn in den kommenden Wochen anzusehen und zu schauen, in welche Richtung sich das entwickelt. Das ist natürlich ein wichtiger Posten für uns. Ich sehe es nicht als Risiko, sondern als Riesenmöglichkeit, weil ich davon überzeugt bin, dass unsere jungen Österreicher mit 24 Jahren sehr gute Eishockeyspieler sein können.
LAOLA1: Stichwort Risiko: Ist das Engagement von Brady Shaw nach seiner Vorgeschichte in Innsbruck eines?
Lukas: Nein, für mich nicht. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, lange mit ihm über diese Dinge gesprochen. Wir waren alle nicht fehlerfrei in unserer Karriere. Auch er war es nicht. Dessen ist er sich bewusst, somit ist der Blick nach vorne gerichtet. So wie ich den Brady kennengelernt habe, ist er ein toller Bursche. Ich bin guter Dinge, dass er in unsere Mannschaft passen wird – sonst hätte ich diesen Schritt auch nicht gemacht.
LAOLA1: Was kann er dem Team am Eis geben?
Lukas: Egal, wo er bislang gespielt hat: Er hat immer produziert. Er ist torgefährlich und strahlt in jeder Situation Gefahr aus, wenn er am Eis steht. Wir haben das in der Vergangenheit selbst zu spüren bekommen. Sobald er am Eis ist, muss man auf der Hut sein, weil er Offensive kreieren kann. Das war uns wichtig.
LAOLA1: Mit welchen Zielen starten die Black Wings Linz in die Saison?
Lukas: Unser Ziel ist, in die Playoffs einzuziehen und um die Meisterschaft zu spielen.
LAOLA1: Die Liga scheint noch enger zusammengerückt, so ausgeglichen wie vielleicht noch nie zu sein.
Lukas: Es hat sich schon letztes Jahr gezeigt, wie eng diese Liga ist. Jeder kann jeden schlagen. Doch der Fokus liegt darauf, an unserem Spiel zu arbeiten, unsere Identität zu finden, als Mannschaft so schnell wie möglich zusammenzuwachsen und unsere Spielweise zu etablieren.
LAOLA1: Wir danken für das Gespräch!