"Edgework" - wo früher das Skating in "Mobility", "Agility" und "Quickness" unterteilt wurde, wird heute – öfters mysteriös – über das "Edgework" gesprochen. Dabei geht's eben um die Fähigkeiten, schnell vom Fleck zu kommen, sich drehen und wenden zu können. "Strong edging, digs in" , "great edges" oder "does excel on his edges" sind hier Phrasen, die man übernehmen kann oder auch nicht. "High-traffic edgework" wäre dann eben die Bewegung im Verkehr.
Je nach Lust und Laune – der eine Scout begnügt sich mit kurzen Reports, der andere schreibt die Eishockey-Version von "Krieg und Frieden" - kann man das Eislaufen mit und ohne Edgework dann noch genauer beschreiben.
Wie immer gilt vor allem bei NHL-Reports: der jetzige Zustand ist weniger interessant als eine Voraussage seiner Fähigkeiten in einigen Jahren.
Aufpassen: "He plays with an edge" heißt wieder was anderes, nämlich dass er Härte mitbringt, auch wenn das im heutigen Eishockey immer weniger wichtig wird. "Plays with jam" war und ist eine Phrase mit gleicher Bedeutung, beschreibt also nicht nur Paddington Bär.
Flanken - auch im Eishockey
"Four-Way Skater" - ebenfalls ein Begriff, den vor Jahren noch niemand verwendet hat. Damit werden Spieler beschrieben, die sich nach allen Richtungen schnell und gut bewegen können. Vor allem bei Defendern ist das wichtig – der eine bewegt sich lateral gut, hat aber beim Rückwärtsfahren (für Verteidiger das entscheidende Kriterium) Probleme. Der andere wiederum dreht sich schnell um und kann auch gut Tempo aufnehmen, agiert aber seitlich an der blauen Linie eher statisch.
Auch hier gilt: Eine genauere Beschreibung der Stärken und Mankos sollte zumindest in einem von mehreren Berichten vorkommen und nicht nur unter dem Begriff "Strong Four-Way Skater" subsumiert werden.
"Flanks" oder "Elbows" - beide Begriffe haben sich in den letzten Jahren eingeschlichen und werden mehr und mehr verwendet, egal ob von Coaches oder Scouts. Dabei geht es um die Position im Powerplay, die ich immer noch als "Halfwall" bezeichne – also die Spieler, die von der rechten oder linken Bande aus agieren, dabei Scorer oder Playmaker sein können.
"Flanks" erinnert mich zu sehr an Flanken im Fußball, "Elbows" an anatomische Erklärungen. Einen großen Mehrwert sehe ich nicht darin...
Boxing ist kein Boxen
"Gap Control" - schon länger etabliert, aber auch ein Begriff, wo sich so mancher Scout um genauere Beschreibungen herumdrückt.
"Plays a tight gap" würde heißen, dass der Abstand zwischen dem Defender (nur für sie wird diese Kategorie wichtig) gerade richtig ist. Wie ein Libero zu agieren, sprich dem Forward zu viel Platz zu geben, damit dieser offene Räume findet oder Tempo aufnehmen kann, ist verpönt. Ist die Gap aber "too tight", kann sich der Gegner eventuell mit einer schnellen Drehung Raum verschaffen.
"Boxing out" - eher unter Coaches gerne verwendet, aber natürlich auch von Scouts. Vor Jahren habe ich das einer Übersetzung in einer Tageszeitung als "wegboxen" gelesen.
Dabei geht's aber nicht um Faustkämpfe, sondern um die Fähigkeit, die Angreifer vom eigenen Tor fernzuhalten bzw. sie aus der Schusslinie wegzubringen. Das kann mit Muskelkraft, guter Schlägerarbeit (leichte Crosschecks oder das Liften des gegnerischen Stocks), großer Reichweite, aber auch mit Fußarbeit erfolgen. Dem Gegner einfach eine über den Zylinder zu geben, ist damit nicht gemeint, nicht nur, weil das heute gar nicht mehr geht. "Body leans" - auch ein neuer Begriff – also wo man sich mit Kraft im Unter- und Oberkörper in den Gegner lehnt, dagegen schon.
"Outlets" - dabei geht's nicht um Shopping in Parndorf, sondern um die Fähigkeit von Verteidigern, die Scheibe mit Pässen aus der eigenen Zone oder zumindest aus dem Verkehr zu befördern. Noch begehrter und eine relativ neue Beschreibung: "Puck Transporter" - was früher ein "Puck-Carrying D" war, wird heute oft mit diesem Begriff beschrieben.
Auch Goalies haben ihre Begriffe
"Play/Puck Tracking" - für Goalies gibt es natürlich ein eigenes Vokabular, viele Scouts fühlen sich bei der Bewertung dieser Positionen ohnehin nicht wohl und sind froh, wenn das an Spezialisten (wie Jürgen Penker in Florida) ausgelagert wird.
Dabei geht es um die Fähigkeit, der Scheibe zu folgen, für Goalies nicht ganz unerheblich. So solltest du etwa bei Situationen hinter dem Tor stets die Hälfte des Tors abdecken, hinter der sich die Scheibe befindet. Pässe vor das Tor, wo der Schütze dann den halben Kasten frei hat, sollen so antizipiert werden.
Aber das gilt natürlich für alle Situationen – ich erinnere mich an ein ICE-Vorbereitungsspiel vor Jahren, als ein Defender an der blauen Linie zu seinem Partner passte, der von dort abzog und traf. Der Torhüter hatte den Pass noch gar nicht verarbeitet, als der Schuss schon einschlug, was bei Situationen weit vom Tor weg fast unverzeihlich ist.
Eine Szene nur, ja, aber ich habe mir damals doch notiert "Puck Tracking?". Der Goalie hatte danach auch keine lange Karriere mehr vor sich...