Interview

KAC-Star Jan Mursak: "Ich wollte so nicht aufhören"

Jan Mursak erklärt, warum er doch noch ein Jahr anhängt, womöglich Spiele auslassen wird und junge Spieler noch mehr Eiszeit bekommen müssen.

KAC-Star Jan Mursak: "Ich wollte so nicht aufhören" Foto: © GEPA
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Jan Mursak ist zurück beim KAC.

Im Winter hatte der Slowene noch betont, dass die vergangene Saison seine letzte sein würde. Doch das Viertelfinal-Aus hat den ehemaligen NHL-Stürmer nach reiflicher Überlegung dazu bewogen, doch noch ein finales Jahr anzuhängen.

Das Ziel ist klar formuliert: Der Meistertitel soll endlich nach Klagenfurt geholt werden. Zwei Mal hat es Mursak mit den Klagenfurtern bereits ins Finale geschafft - und ging jeweils leer aus.

Im Interview mit LAOLA1 erklärt der 38-Jährige, warum er sein Karriereende aufgeschoben hat, der KAC eine Chance auf die Meisterschaft haben wird und er womöglich Spiele auslassen wird. Dazu fordert er mehr Eiszeit für die jungen Spieler.

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Voller Körpereinsatz bereits beim ersten Eistraining
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Wie war das erste Training zurück am Eis?

Jan Mursak: Es war hart. Ich hatte davor auch noch einen Bike-Test, deshalb waren die Beine noch nicht ganz da. Aber es war ein wirklich guter Start. Ich habe das Gefühl, dass die Jungs hungrig sind und wir bereit waren, loszulegen. Jetzt ist es wichtig, sich zwischen den Trainingseinheiten gut zu erholen und gesund zu bleiben.

LAOLA1: Die Hände und Beine sind noch schwer, aber ich kann mir vorstellen, dass ihr glücklich seid, wieder am Eis zu sein?

Mursak: Egal, wie hart man im Sommer trainiert, auf dem Eis ist es doch etwas ganz anderes. Es kann natürlich helfen, wenn man im Sommer gut trainiert hat, aber es dauert trotzdem ein wenig, bis man wieder in Schwung kommt. Im Moment geht es vor allem um Kondition, hohes Tempo und einige Grundlagen - der Rest kommt dann von selbst. Es gibt kaum Pausen, wir geben alles.

LAOLA1: Du hast vergangene Saison gesagt, dass es deine letzte wäre, jetzt bist du doch wieder da. Wieso hast du dich dazu entschieden, für ein finales Jahr zurückzukommen?

Mursak: Ich sage schon seit drei Jahren, dass es mein letztes Jahr ist. (lacht) Eigentlich wollte ich schon vor meinem ersten Jahr in Klagenfurt aufhören. Es ist nicht so einfach, wenn man älter wird. Die Regeneration dauert viel länger und mitten im Winter kommt die Zeit, in der es kaum Sonne gibt, die Energie nachlässt, der Körper schmerzt und man sich fragt: Warum sollte ich überhaupt noch spielen?

Ich glaube, dass das frühe Ausscheiden im Playoff mich dazu gebracht hat, mir zu sagen, dass ich so nicht aufhören will.

Jan Mursak

LAOLA1: Und?

Mursak: Ich habe mir diesen Sommer eine Auszeit gegönnt, mich erholt, den Kopf freibekommen und mir gesagt: Ich spiele noch ein Jahr, gebe alles, lasse nichts aus und hoffentlich kommen wir weiter als im letzten Jahr. Ich glaube, dass das frühe Ausscheiden im Playoff (Viertelfinale, Anm.) mich dazu gebracht hat, mir zu sagen, dass ich so nicht aufhören will. Hoffentlich haben wir eine gute Saison und bleiben so gesund wie möglich - mich eingeschlossen. Und kommen in den Playoffs dann weit.

LAOLA1: Im Juni hast du in einem Interview gesagt, dass du nur dann weitermachen würdest, wenn der KAC ein Team stellen würde, mit dem du die Chance auf den Meistertitel siehst. Offensichtlich ist das der Fall, sonst wärst du nicht hier.

Mursak: Es sieht danach aus, als hätten wir wirklich vier starke Reihen. Wir haben einige Spieler verpflichtet, alle Import-Plätze sind besetzt. Das hilft sehr. In meinem Alter sind über 20 Minuten oder fast 20 Minuten pro Spiel eine Menge. Da wir jetzt einen so breiten Kader haben, können wir die Eiszeit vielleicht etwas besser aufteilen und ich werde mehr Energie haben, wenn ich auf dem Eis stehe. Wir haben viel Erfahrung, einige junge Spieler, die für Energie sorgen. Jetzt geht es um die Chemie und darum, die richtigen Kombinationen zu finden. Wer spielt mit wem, wer spielt in den Special Teams? Unser Powerplay war letzte Saison nicht gerade das beste. Das ist ein Bereich, in dem wir uns verbessern können.

LAOLA1: Kannst du verraten, wann du die finale Entscheidung getroffen hast, doch noch ein Jahr anzuhängen?

Mursak: Ungefähr vor einem Monat habe ich beschlossen, dass ich weiterspielen werde. Wir mussten die Vertragsdetails nicht wirklich ausarbeiten, alles war bereits besprochen.

LAOLA1: Worum ist es dann in den Verhandlungen gegangen?

Mursak: Wir haben darüber gesprochen, ob ich in Zukunft in der Organisation bleiben werde oder nicht. Die Organisation, das Management, die Trainer – alle um mich herum waren mehr als großartig zu mir. Sie haben mich den ganzen Sommer über nicht unter Druck gesetzt. Sie haben mir deutlich gemacht, dass sie mich wirklich gerne zurückhaben wollen. Sie haben versucht, mir zu helfen und herauszufinden, ob sie etwas tun können, um mir bei der Entscheidung zu helfen, noch ein Jahr zu spielen. Ich kann dazu von meiner Seite aus nur das Beste sagen.

Ich habe das Gefühl, dass ich viel zu bieten habe. Ich kann mit Spielern an ihrer Entwicklung arbeiten, an ihrer Arbeitsmoral, ihrem Verhalten.

Mursak bleibt dem KAC nach dem Karriereende als Entwicklungscoach im Nachwuchs erhalten

LAOLA1: Im Zuge der Vertragsunterschrift wurde festgelegt, dass du ab kommendem Sommer als Entwicklungstrainer im Nachwuchs arbeiten wirst. War es dir wichtig, bereits eine feste Perspektive für die Zeit nach der aktiven Karriere zu haben?

Mursak: Ich musste anfangen, über meine Zukunft nachzudenken - wo ich sein und was ich tun werde. Ich habe die Schule abgeschlossen, womit ich mich aber am besten auskenne, ist Eishockey. Und es wäre schade, wenn ich nach meiner Profikarriere nicht etwas im Eishockey machen würde.

LAOLA1: Warum?

Mursak: Ich habe während meiner Karriere wirklich gut verdient, aber ich möchte weiterhin im Eishockey aktiv bleiben und etwas tun, das mir Spaß macht. Ich habe das Gefühl, dass ich viel zu bieten habe. Ich kann mit Spielern an ihrer Entwicklung arbeiten, an ihrer Arbeitsmoral, ihrem Verhalten und solchen Dingen. Ich glaube fest daran, dass ich diese Dinge wirklich vermitteln kann. Ich habe viele Kontakte aus all den Ligen und Teams, für die ich gespielt habe. Deshalb glaube ich, dass ich dem Verein helfen kann, noch bessere Spieler zu entwickeln. Auch wenn sie vielleicht irgendwann nach Nordamerika oder Schweden wechseln sollten, könnten sie irgendwann wieder hierher zurückkehren, denn das ist ihr Verein und hier sind sie aufgewachsen. Und ich meine, dass hier viel mehr Potenzial steckt, als bisher ausgeschöpft wurde. Ich glaube, dabei kann ich helfen.

LAOLA1: Was ist für dich und deine Familie das Besondere an Klagenfurt?

Mursak: Es ist ein toller Ort zum Leben und Eishockey spielen. Ich würde nicht sagen, dass ich hier im Urlaub bin, aber die Atmosphäre abseits des Eishockeys ist fantastisch. Der See, die Berge sind ganz in der Nähe. Ich liebe die Natur wirklich sehr. Je älter ich werde, desto mehr schätze ich die Natur, die Ruhe und die Stille. Ich bin zudem nah an meiner Heimatstadt (Maribor, Anm.), die zwei Stunden entfernt liegt. Wir lieben es hier einfach. Ich habe das Gefühl, dass viele Spieler, die hierherkommen, die Organisation tatsächlich sehr schätzen. Die Spieler bleiben länger hier und nehmen sogar Gehaltskürzungen oder weniger Geld in Kauf, weil es eine Eishalle ist, die Fans großartig sind und es eine tolle Stadt zum Leben ist.

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Jan Mursak will seine Karriere mit einem Meistertitel beenden.
Foto: ©GEPA

LAOLA1: Während der letzten drei Jahre sind bei dir immer wieder Verletzungsprobleme aufgetaucht. Wie fühlst du dich aktuell?

Mursak: Ich will mich nicht über mein Alter beschweren, ich fühle mich gut. Wenn ich vollkommen gesund bin, habe ich noch viel zu bieten. Natürlich machen sich alte Verletzungen manchmal wieder bemerkbar, aber nichts Ernstes. Ich hatte das Gefühl, letztes Jahr ziemlich fit zu sein. Ich habe mir zwar den Fuß gebrochen, aber das war auch schon alles. Im Jahr davor hatte ich diese Verletzung im Training, bei der ich mir einen Querfortsatz in der Wirbelsäule gebrochen habe, aber das ist längst Vergangenheit. Hoffentlich bleibe ich einigermaßen gesund und muss vielleicht nur hier und da mal ein Spiel auslassen, um mich zu erholen.

LAOLA1: Und Kräfte für die heiße Phase zu schonen?

Mursak: Ich muss auch ein bisschen klüger vorgehen. Ich kenne nur ein Gas, und das ist Vollgas. Doch manchmal wäre es vielleicht besser, einfach mal ein Spiel auszulassen und danach wieder normal zu spielen, als jedes Spiel zu bestreiten und dabei Schmerzen zu haben. Manchmal kann weniger mehr sein, und hoffentlich schaffe ich das - auch wenn es mir schwerfallen wird.

LAOLA1: Du verlangst stets viel von dir, aber auch vom gesamten Team. Ist das ein Teil dieser Gewinner-Mentalität, die es braucht, um erfolgreich zu sein?

Mursak: Wir können über Mentalität reden, aber wir sind alle unterschiedliche Menschen. Ich war nicht immer so laut wie jetzt. Es hat eine Weile gedauert, bis sich das entwickelt hat, aber alles, was ich von den Jungs erwarte, ist, dass sie kämpfen und alles geben. Ich erwarte von den anderen, dass sie sich genauso ins Zeug legen wie ich und mich herausfordern. Manchmal wirke ich etwas schroff oder komme in der Hitze des Gefechts vielleicht sehr hart rüber, aber letztendlich ist es zum Besten der Spieler, der Mannschaft und aller Beteiligten. Es ist nichts Persönliches. So schnell ich laut werde, so schnell kann ich mich auch wieder beruhigen und jemandes bester Freund sein. Das ist einfach meine Mentalität, die von meiner Herkunft geprägt ist.

Wir sind nicht die alten Hasen, die nichts leisten. Wir setzen die Maßstäbe, legen die Messlatte immer höher und lenken die Mannschaft in die richtige Richtung.

Jan Mursak

LAOLA1: Wenn wir abschließend auf den Kader blicken: Der Altersdurchschnitt liegt bei 30,19 Jahren. Manche behaupten, dass es zu viele Spieler im fortgeschrittenen Alter gäbe. Könnte die daraus resultierende Erfahrung nicht auch ein Vorteil sein, da ihr in euren Karrieren schon viel gesehen habt und euch wenig erschüttern kann?

Mursak: Hier in Klagenfurt wird ein bestimmtes Niveau bei den Spielern, die man unter Vertrag nimmt, angestrebt. Vielleicht sucht man nicht immer nach den technisch versiertesten Spielern, sondern nach guten, fleißigen Jungs für die Kabine. Ich stimme zu, dass der Kern der Mannschaft ziemlich alt ist. Damit geht zwar viel Erfahrung einher, aber auch ein erhöhtes Verletzungsrisiko oder die Gefahr, dass die Spieler schneller erschöpft sind. Aber wir sind nicht die alten Hasen, die nichts leisten. Wir setzen die Maßstäbe, legen die Messlatte immer höher und lenken die Mannschaft in die richtige Richtung.

LAOLA1: Aber?

Mursak: Wir brauchen noch die jungen Spieler, die einen Schritt nach vorne machen. Ich habe das Gefühl, dass einige junge von ihnen letztes Jahr während des Grunddurchgangs einen Schritt nach vorne gemacht haben. In den Playoffs gab es dann vielleicht einen kleinen Einbruch, aber das gehört zum Prozess dazu. Wir müssen den jungen Spielern vertrauen und ihnen dieses Jahr noch mehr Chancen geben. Ihnen etwas Zeit im Penalty Killing oder in der letzten Minute eines Spiels geben. Vielleicht auch Flo (Florian Vorauer, Anm.) mehr Einsätze geben. Er ist ein jüngerer Torwart und braucht diese Spielminuten. Wir haben gute junge Spieler, aber wir müssen sie dieses Jahr etwas stärker einbinden, da wir wissen, dass die älteren Spieler womöglich etwas mehr Pausen brauchen. Trotzdem haben wir immer noch viel zu bieten. Wir haben vier starke Reihen. Wir können sie durchrotieren und jeden Spieler spielen lassen. Dann verteilt sich die Eiszeit und wird nicht so hoch ausfallen.

LAOLA1: Danke für das Gespräch!

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