So kann RB Salzburg die Hermeline jagen

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Schon jetzt ein Meilenstein für Österreichs Eishockey: Mit dem EC Red Bull Salzburg steht erstmals ein heimischer Klub im Viertelfinale der Champions Hockey League. Mit Kärpät Oulu haben die "Eis-Bullen" allerdings ein schweres Los an Land gezogen.

Die "Hermeline" sind in der finnischen Liiga - in der CHL immer mit tonangebend - derzeit das Maß aller Dinge. Eine Mischung aus gestandenen Profis und kommenden NHL-Hoffnungen macht Kärpät zu einem Titel-Aspiranten und echten Prüfstein für die Salzburger.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller kennt die Truppe natürlich im Detail:

Flink wie ein Wiesel

Drei Meistertitel in den letzten fünf Saisonen, derzeit souveräner Tabellenführer mit elf Punkten Vorsprung und den meisten erzielten und am wenigsten erhaltenen Toren: Kärpät ist das Maß aller Dinge in der finnischen Liiga, die zwar in den letzten Saisonen an Niveau verloren hat, trotzdem in der CHL immer zu den tonangebenden Ligen gehört.

Kärpät gehört schon seit langem zur Spitze des finnischen Eishockeys, lediglich unter dem jetzigen Bozen-Coach Kai Suikkanen war vor zwei Jahren eine Saison schon in den Pre-Playoffs beendet.

Sein Nachfolger Mikko Manner, der auch schon unter Erfolgscoach Lauri Marjamäki Assistent war, versucht (mit Erfolg), dem Team sowohl Struktur als auch Freiheiten zu geben.

Ein Coach eines Ligakonkurrenten beschrieb mir den Stil Kärpäts so: "Viel Eislaufen, harter Forecheck, selbst wenn du den F1-Forward schlägst, musst du mit Druck der anderen beiden rechnen. Im Spielaufbau setzen sie auf schnelle Breakouts, kommen so zu vielen Überzahlangriffen und Breakaways. Die Stürmer lösen sich oft schon, bevor die Verteidiger den Puck haben."

Ein mögliches Gegenmittel

Manner gibt seinen Mannen weit mehr Freiheiten als Marjamäki, sie sollen offensiv ihre 1-1-Skills einsetzen, defensiv spielen sie Mann auf Mann.

In gewissen Phasen, etwas bei Personal-Notstand zum Auftakt der letzten Playoffs, können sie auch auf die Trap zurückgreifen, doch normalerweise setzen sie auf einen aggressiven Fore- und Backcheck.

Wie kann man Kärpät beikommen?

"Sie nehmen Risiken mit der Scheibe, einige Stretchpässe können natürlich abgefangen werden. Man muss jedenfalls mental auf ihr laufintensives Spiel vorbereitet sein und versuchen, das Spiel zu verlangsamen oder sie hinter ihrem eigenen Tor zu halten."

Natürlich verfügt Kärpät über einige interessante Spieler.

Im Tor wechseln sich in der CHL Jussi Rynnas und Veini Vehviläinen ab, in der Liga ist aber Vehviläinen die Nummer 1. Interessant: Er gehört zu jener kleinen Gruppe an europäischen Spielern, die erst im vierten und letzten Jahr ihrer Verfügbarkeit gedraftet wurden (Columbus).

In der Abwehr ist Lasse Kukkonen der große Routinier. Der 37-jährige Ex-NHLer (Chicago, Philadelphia) findet sich im Powerplay meist vor dem gegnerischen Tor wieder.

Atte Ohtamaa kam nach einem KHL-Abstecher wieder nach Oulu zurück, ist ebenso ein Defensivverteidiger wie Jani Hakanpää, der über eine krakenhafte Reichweite verfügt.

Shaun Heshka ist ein seit Jahren in der Liiga erprobter Kanadier, der etwas Offensive mitbringt. Der ehemalige College-Spieler und Nashville-Pick Teemu Kivihalme ist der Defender, der am meisten für schnelle Transition sorgt.

Zwei große NHL-Hoffnungen im Aufgebot

Wie Kukkonen ist im Angriff Mika Pyörälä ein noch immer wichtiger Routinier, vor allem im Powerplay muss man seinen Stock für Vorhand-Tips eliminieren.

Den Schweden Nicklas Lasu kenne ich noch aus meiner Zeit in Atlanta, als wir ihn drafteten. Bei seinem Heimatklub Frölunda war er ein Penaltykilling-Spezialist und Viertliniencenter, in Oulu kann er aber vor allem in der CHL auch offensive Qualitäten zeigen.

Für NHL-Fans sehr interessant: Mit Center Rasmus Kupari (Los Angeles, erste Runde 2018 und auch schon unter Vertrag) und Aleksi Heponiemi (Florida, zweite Runde 2018) stehen zwei interessante NHL-Picks in einer Linie, sind mit 18 und 19 Jahren schon absolute Leistungsträger.

Heponiemi hat Playmaker-Fähigkeiten, Kupari könnte das alternde Kings-Team bald um einiges schneller machen. Der 37-jährige Mika Pyorälä ist der Kindergartenaufseher in dieser Linie.

Ebenfalls gefährliche Offensiv-Stürmer: Der slowakische Center Michal Kristof, der mir schon letztes Jahr in Nitra und bei der WM mit seinen feinen Händen gut gefiel. Der 24-jährige Ville Leskinen (23 Tore letzte Saison) gehört zu den Stürmern, die den Kärpät-typischen überfallsmäßigen Speed und 1-1-Talent mitbringen.

Der Tscheche Radek Koblizek übersiedelte schon mit 15 Jahren von Brünn nach Oulu und arbeitete sich über die Jugendabteilung ins erste Team, drehte zuletzt das CHL-Spiel gegen den ZSC mit zwei Toren im Schlussdrittel.

Ex-NHLer und KHLer mit einigen gewonnenen Titeln, dazu noch einige große Talente und zwei solide Goalies - Kärpät gehört zu den Top-Klubs im europäischen Eishockey. Vielleicht nehmen Salzburgs Eishockey-Cracks ja die Kicker-Abteilung zum Vorbild und rocken weiter Europa.

Die "Eis-Bullen" brauchen aber ganz bestimmt zwei Traumtage, um an ein Weiterkommen auch nur zu denken...

Textquelle: © LAOLA1.at

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