Thiem: "Ganz klar in Konkurrenz zur Südstadt!"

 

Die im Herbst letzten Jahres angekündigte Tennis-Revolution unter der Führung von Barbara Muhr hat am Mittwoch ihren ersten Schritt getan.

In einer Gründungsversammlung wurde offiziell der Verein „ATC-Freunde des Österreichischen Tennis“ konstituiert.

„ATC“ steht für das „Austrian Tennis Committee”, das aus führenden Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft besteht und in Zukunft einen wichtigen Beitrag für den heimischen Tennis-Sport liefern soll.

„Das ATC widmet sich exklusiv und ausschließlich dem österreichischen Leistungs-Nachwuchstennis sowie speziellen Inklusionsprojekten für Menschen mit Beeinträchtigungen“, erklärt Muhr am Mittwoch eine Stunde nach der Vereinsgründung bei einer Pressekonferenz auf dem Gelände des „Better Tennis Centers“ in Alt Erlaa (Wien).

Leistungszentrum in Traiskirchen

Das Herzstück des angekündigten Projekts wird allerdings beim gleichnamigen Center in Traiskirchen zu finden sein. Dort soll unter der Leitung von Wolfgang Thiem ein neuer Leistungsstandort entstehen, der die Altersklassen zwischen 12 und 18 Jahren auf eine spätere Profi-Karriere vorbereiten soll.

(Text wird nach dem Video fortgesetzt)

Vorläufig plant der „ATC“ dort 15 bis 20 Spieler von fünf bis sechs Trainern betreuen zu lassen.

„Ich möchte mit meinem Team, das aus den Haupttrainern Riccardo Bellotti und Pascal Brunner sowie Julian Knowle besteht, der sich immer wieder einbringen wird, die Top-Ausbildungsstätte in Österreich werden. Das ist mein Anspruch! Ich gehe ganz klar in eine Konkurrenz zur Südstadt!“, hat Wolfgang Thiem eine klare Kampfansage an sein ehemaliges Wirkungszentrum parat.

"Sport lebt von der Konkurrenz"

In der Südstadt befindet sich die Tennis-Akademie von Günter Bresnik, der mit dem österreichischen Tennisverband einen Kooperationsvertrag über die Betreuung der ÖTV-Nachwuchsspieler hat.

„Ich stelle den Anspruch, dass wir die besten Jugendlichen zu uns bekommen. Es sind zwei Einrichtungen, die jeweils Jugendliche ausbilden wollen. Derjenige, der mehr Leistung abliefert, wird sich am Ende durchsetzen“, ist Thiem überzeugt.

„Der Sport lebt von der Konkurrenz. Sowohl in der Südstadt als auch wir müssen als Trainer gute Leistungen abliefern, denn sonst geht der Spieler zur Konkurrenz“, so Thiem, der den „Leistungsgedanken“ bei seinem Projekt hervorhebt. „Der steht bei uns im Vordergrund, das war meiner Meinung nach bei vielen ÖTV-Funktionären nicht so.“

Sevastova als Schirmherrin bei den Damen

Während es bei den Burschen einige hoffnungsvolle Nachwuchsspieler gibt, herrscht bei den Mädchen seit Jahren Ebbe. Nur wenige heimische Athletinnen schafften zuletzt den Sprung ins WTA-Ranking. Die Top 100 laufen seit Jahren ohne österreichische Beteiligung ab.

Dementsprechend fehlen auch heimische Spielerinnen, die als Vorbild dienen könnten. Deshalb hat sich Muhr mit ihrem Team die lettische Spitzenspielerin Anastasia Sevastova als Schirmherrin geangelt. Die ehemalige Weltranglisten-11. und US-Open-Halbfinalistin ist mit dem österreichischen Trainer Ronald Schmidt liiert, der ebenfalls unterstützend eingreift.

Sevastova: „Als ich von Barbara von dem Projekt gehört habe, wollte ich das gleich machen. Ein wichtiger Faktor ist die Anlage, ich habe hier selbst viel trainiert und habe mir hier meinen Schwung für meine zweite Karriere geholt. Ich hoffe, es wird etwas Großes entstehen.“

Thiem erhofft sich, „dass sich durch Anastasia auch bei den Damen etwas tut. Bei den Mädchen sind wir noch schwach aufgestellt. Mittelfristig will ich in jeder Altersklasse einen Staatsmeister haben. Das habe ich in der Südstadt zusammengebracht und das will ich hier auch wieder schaffen.“

Vorerst regional

Wobei sich das Leistungszentrum in Traiskirchen vorerst auf die regionale Ebene beschränkt. „Wir müssen sicher regional denken. Ich kann einem Tiroler oder Vorarlberger nichts anbieten. Das wäre in der Südstadt mit einer Kooperation mit dem Verband sicherlich leichter gewesen. Je nachdem wie viele Partner oder Mäzene wir in Zukunft finden, kann man in einem zweiten Schritt vielleicht eine Dependance gründen.“

Wo wir schon beim Finanziellen sind: Gemeinsam mit den Hauptsponsoren, dem Gemüse- und Obstproduzenten "Frutura", der Bäckerei "Mann" und dem Finanztechnologieunternehmen "Soccer Coin" sowie mitzahlenden Mitgliedern hat man vorerst einen sechsstelligen Betrag als Startbudget, berichtete Muhr.

Aus diesem Topf solle zum einen Infrastruktur ausgebaut werden, zum anderen die Jugendlichen unterstützt werden. In Traiskirchen sollen etwa drei Hardcourt-Plätze gebaut werden, um genügend Trainings-Möglichkeiten bieten zu können.

Rohlstuhltennis ebenfalls mit an Bord

Mit an Bord im neuen Verein sind Vizepräsident und Anwalt Manfred Ainedter für Recht sowie die Vorstände Christina Catasta (Finanzen), Lorenz Edtmayer (Digitalisierung/Kommunikation) und Gabi Langmann für Inklusions-Projekte.

Sohn Nico Langmann, aktuelle Nummer 34 der Welt im Rohlstuhltennis, trainiert schon seit einiger Zeit mit den besten österreichischen Spielern um Dominic Thiem mit und zeigt sich angesichts der versprochenen Möglichkeiten des ATC begeistert: „Ich bin sehr happy, dass man auch diese Komponente eingeplant hat. Ich freue mich schon auf das, was da alles rauskommt.“

Als größten Vorteil gegenüber dem ÖTV sieht Muhr, die in den letzten acht Jahren steirische Landespräsidentin war und das Amt vor Kurzem ruhend stellte, beim „ATC“ übrigens die schnellere Entscheidungsfähigkeit. „Wir sind total unkompliziert. Wir brauchen keine Länderkuratorien und keine stundenlangen Sitzungen, bei denen am Ende nichts rauskommt.“

Textquelle: © LAOLA1.at

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