Froome jubelt über ersten Giro-Gesamtsieg

Froome jubelt über ersten Giro-Gesamtsieg Foto: © GEPA
 

Der Gesamtsieger des Giro d'Italia 2018 heißt Chris Froome. Der Brite feiert seinen ersten Erfolg bei der Italien-Rundfahrt.

Wegen schlechter Straßenzustände in Italiens Hauptstadt Rom entscheidet die Rennjury, die Zeit für die Gesamtwertung in der 21. und letzten Etappe nach der dritten von elf Runden des Rundkurses zu stoppen. Den Sieg holt sich der Ire Sam Bennett, für den es der dritte Etappen-Erfolg bei dieser Rundfahrt ist.

Sky-Profi Froome stand damit bereits vor der Zieldurchfahrt als Gesamtsieger fest. Er setzt sich letztlich mit 46 Sekunden Vorsprung auf den niederländischen Vorjahressieger Tom Dumoulin durch. Patrick Konrad beendet den Giro als starker Siebenter, Felix Großschartner wird 27. und Georg Preidler landet auf Rang 29.

"Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es ist sehr emotional. Es ist eine unglaubliche Atmosphäre hier in Rom", meinte Froome nach der Zieldurchfahrt. "Für mich ist es ein Traum, am Ende des Giro das Rosa Trikot zu haben und die drei großen Rundfahrten gewonnen zu haben. Ich habe ein bisschen Angst vor dem Giro gehabt." 2017 hatte Froome bei der Tour de France und dann der Vuelta triumphiert.

Froome gelang es damit als drittem Radprofi nach Eddy Merckx (1972/73) und Bernard Hinault (1982/83), die drei großen Länder-Rundfahrten Giro, Tour und Vuelta in Serie zu gewinnen.

Wird Froome der Sieg gleich wieder aberkannt?

Bleibt die Frage, wie lange der Erfolg des umstrittenen Briten bei dieser denkwürdigen Rundfahrt Bestand hat? Die Frage wird den Radsport mindestens bis zum Start der Tour de France am 7. Juli beschäftigen, sofern der Weltverband den Briten nicht vorher wegen überhöhter Salbutamol-Werte sanktioniert.

Der Weltverband (UCI), der seit Monaten eine Untersuchung zur unerlaubten Höhe des bei Froome gemessenen Wertes des Asthmamittels Salbutamol führt, muss es entscheiden. Es drohen eine Doping-Sperre und die Aberkennung aller Erfolge des Sky-Kapitäns seit September 2017.

Solange die UCI zu keinem abschließenden Urteil gekommen ist, darf Froome nach den WADA-Richtlinien weiter seiner Arbeit nachgehen - und er tut es schlagzeilenträchtig. Der 33-Jährige bereitet sich jetzt auf seinen fünften Toursieg vor. "Ich stehe am Start und werde alles geben", sagte Froome.

Seine Vorstellung auf der 19. Giro-Etappe in Pratonevoso, wo er aus scheinbar aussichtsloser Position mit einem 80,3-Kilometer-Solo ins Rosa Trikot fuhr und die Konkurrenz wie Statisten aussehen ließ, wirkte wie aus einer anderen Radsport-Welt. Nicht nur der ewige Provokateur und geständige Doper Michael Rasmussen stellte via Twitter Verbindungen zur "Wunderfahrt" des einst auch überführten US-Profis Floyd Landis her.

Froome hat Verständnis für Skeptiker

Die zitierte Aktion des früheren Armstrong-Teamkollegen bei der Tour de France liegt zwölf Jahre zurück. Auf dem Weg nach Morzine in den Alpen hatte er 5:42 Minuten aufgeholt und den Spanier Oscar Pereiro auf den letzten Etappen noch aus dem Gelben Trikot gefahren. Der US-Profi hatte sein Solo 120 Kilometer vor dem Ziel gestartet. Wenige Tage danach wurde Landis des Testosteron-Dopings überführt.

Aber es gab ebenso plausible Erklärungen für Froomes beachtlichen Sturm an die Giro-Spitze. Auf der Verfolgung hatte Vorjahressieger Tom Dumoulin keine Unterstützung, letztlich war es ein Kampf Mann gegen Mann, den der superstarke Sky-Kapitän - vornehmlich auf den gefährlichen Abfahrten - mit hohem Risiko für sich entschied. Sky-Chef Dave Brailsford, Regisseur von fünf Toursiegen, hatte den Tag als "wahrscheinlich bemerkenswertesten" der Teamgeschichte eingeordnet.

"Der macht den Landis", entfuhr es dem Froome-Konkurrenten George Bennett als erste Reaktion im Ziel, vom Internetportal "Cyclingnews" notiert. Später relativierte der Neuseeländer die Aussage etwas. Sein Beitrag sei keinesfalls als Doping-Unterstellung gemeint gewesen.

Froome hatte sogar Verständnis für die Skeptiker: "Ich kann die Parallelen verstehen, die einige ziehen. Ich bin sicher, dass das Ergebnis Bestand haben wird". Er werde den Giro, der für ihn mit zwei Stürzen und unerwarteten Zeitverlusten begann, jedenfalls "als die größte Schlacht meiner Karriere" in Erinnerung behalten.

Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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