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Neben Musik und Studium: Gruen geht bei VCM auf ÖLV-Rekord los

Der Neo-Österreicher hofft bei seinem ersten Antritt im Wien-Marathon darauf, gleich den von ihm aufgestellten österreichischen Rekord zu unterbieten.

Neben Musik und Studium: Gruen geht bei VCM auf ÖLV-Rekord los Foto: © GEPA

Der in den USA lebende Aaron Gruen will am Sonntag beim Vienna City Marathon im Idealfall seinen ÖLV-Rekord von 2:09:53 Stunden knacken.

Eine gelungene Vorbereitung inklusive neuer Halbmarathonbestmarke von 61:14 Minuten im Jänner lässt den Harvard-Medizinstudenten auf ein gelungenes Wien-Debüt hoffen. Eine konkrete Zielzeitansage vermied der vielseitige 27-Jährige vor seinem ersten Marathonauftritt auf europäischem Boden aber.

"Mein Training lief so gut wie nie zuvor, auch die Vorbereitungsrennen fühlten sich sehr gut an", sagte Gruen am Freitag bei einem Pressetermin. In der unmittelbaren Vorbereitung auf den VCM habe er einen vielversprechenden Testwettkampf über 32 km im Tempo von 3:07 min/km absolviert.

Vorfahren in NS-Zeit aus Wien geflohen

Am Sonntag will er es noch etwas schneller angehen, was einer Endzeit von deutlich unter 2:10 Stunden entsprechen würde. "Ich weiß, dass ich körperlich in der Lage bin, eine gute Zeit zu laufen, jetzt hängt es nur noch vom Mentalen ab", sagte Gruen und verwies auf die nicht komplett flache Strecke.

Das Antreten in der Heimatstadt seiner in der NS-Zeit aus Wien geflüchteten Vorfahren ist für Gruen etwas ganz Besonderes.

"Es ist eine Riesenehre. Ich denke immer daran, wie meine Großeltern von hier flüchten mussten, dass ich hier starten darf, in einer Welt, wo es momentan sehr unruhig ist, dass trotzdem alle Läufer Spaß haben können und alles andere einmal zur Seite legen können. Die Bestzeit kommt mit dem Spaß dann hoffentlich von alleine."

"Man lernt immer Neues"

Sollte es mit dem nationalen Rekord nicht klappen, wäre der schnellste Wien-Marathon eines Österreichers ein anderer möglicher Meilenstein, den Lemawork Ketama 2019 in 2:10:44 gesetzt hatte. Gruen gelang sein Marathon-Landesrekord im März des Vorjahres in den Vereinigten Staaten.

Trotz einiger anderer unter anderem in Boston und Chicago bestrittener Marathons fühlt sich Gruen nicht als erfahrener Läufer. "Das ist eine lebenslange Geschichte, man lernt immer etwas Neues dazu."

Die Vielseitigkeit aus Training, dem Uni-Leben in Boston und der klassischen Musik sei sehr herausfordernd, aber auch seine Stärke. "Laufen war nie mein Hauptfokus im Leben. Ich finde es wichtig, dass ich mit dem Studium und der Musik einen Ausgleich habe, so sehe ich es immer noch. Nur zu laufen, wäre schwierig für mich."

Musizieren als Vorbereitung

Am Tag vor dem VCM darf Gruen seiner Musikleidenschaft auf großer Bühne frönen. Gemeinsam mit weiteren VCM-Teilnehmern und den Wiener Symphonikern spielt der Cellist im goldenen Saal des Musikvereins Teile eines Konzerts mit.

Sein im Halbmarathon antretender Vater wird auf der Klarinette mitwirken. Angelehnt an die Musik solle sich der Marathon im Idealfall "andante anfühlen, aber prestissimo sein", sagte Gruen.

Fernziel Olympia

Im Vorjahr hatte Gruen im September den WM-Marathon in Tokio bestritten, wo aufgrund der schwülen Hitzebedingungen aber keine Topzeiten möglich waren. Heuer will er im August in Birmingham auch noch die EM laufen.

Sein Fernziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles, dafür müsste er sich aber noch deutlich steigern. Helfen soll dabei die volle Konzentration auf den Sport, dafür möchte er 2027 den praktischen Teil seines Studiums ruhen lassen.

Julia Mayer nicht dabei

Der zweite Österreicher im Marathon-Elitefeld ist Andreas Vojta, der unter 2:14 bleiben will. "Ich habe im Marathon definitiv noch Rechnungen offen. Das Ziel ist klar, die Bestzeit muss fallen", sagte der 36-Jährige.

Im Frauenfeld ist Ex-ÖLV-Rekordlerin Eva Wutti die nominell mit Abstand beste Österreicherin, die 37-jährige Juristin peilt auch bei ihrem fünften VCM eine Zeit von unter 2:40 an. Die rot-weiß-rote Rekordhalterin Julia Mayer ist nicht am Start.

Im Halbmarathon geht Timo Hinterndorfer als Titelverteidiger mit dem Ziel ÖLV-U23-Rekord an den Start, den er unlängst auf 62:34 verbessert hat. Auch beim 5-km-Auftaktbewerb am Samstag und dem neuen Sonntag-Rennen über 10 km sind einige rot-weiß-rote Nachwuchsasse am Start.

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