64,42 wurden es im sechsten Versuch, als Silber bereits feststand, weil der schwedische Weltmeister und Olympiasieger Daniel Ståhl als Vierter (66,84) nicht mehr kontern konnte.
"Vor der letzten Runde habe ich noch ein bisserl geschwitzt. Aber ich habe auch versucht, Gold anzugreifen. Ich wusste, dass das noch möglich ist. Das war noch nicht das Ende der Fahnenstange", sagte Weißhaidinger.
Vor Weltrekordler Alekna und Ståhl zu sein, bedeute viel. "Das werden jetzt nicht viele verstehen, aber diese Medaille glänzt schon sehr weltmeisterlich."
Erstmals Silber
Erstmals mussten die Diskus-Hünen der Gegenwart Qualifikation und Finale an einem Tag bestreiten.
Weißhaidinger war als Vierter mit 63,99 m in die Entscheidung am Abend eingezogen und erklärte, "Körner" gespart zu haben. "Arbeitsauftrag erfüllt, abgerechnet wird am Abend", hatte Trainer Gregor Högler gemeint. Die Taktik ging auf und die vierte Medaille wurde in trockene Tücher gebracht.
Nach jeweils Bronze bei Olympia (2021), WM (2019) und EM (2018) wurde es erstmals eine andere Farbe.
Erfolgreiche Technik-Umstellung
2022 hatte sich für Weißhaidinger schwierig gestaltet. Es schauten nur Rang zehn bei der WM in Eugene und neun bei der EM in München heraus.
Vor einem Jahr folgte in Budapest ein historischer WM-Bewerb mit Leistungen der Top vier über 68 m. Weißhaidinger war in der Megashow Siebenter geworden. Bald danach entschied sich das Gespann Högler/Weißhaidinger, die Technik umzustellen.
Geworfen wird nun aggressiver und mehr aus der Hüfte. "Eine der schwersten Sachen, die ich je als Sportler machen musste. Ich hatte wenige Monate davor mit der alten Technik meinen 70-m-Wurf, habe damit Medaillen gemacht. Aber das Ziel vor Augen war, in Paris vorne mitzukämpfen", sagte Weißhaidinger.
Die EM sollte nur eine Station auf dem Weg nach Paris sein. Die Top acht waren für Rom als Ziel ausgegeben worden. "Eine EM-Medaille wäre sehr wertvoll", hatte Weißhaidinger trotzdem im Vorfeld gemeint.
Und sagte am Freitagabend in den Katakomben des Olympiastadions: "Ich habe immer gesagt, es schlummert was in mir. Auch bei der Diamond League. Ich wusste, wenn ich meine Sachen mache, kann ich weiter werfen. Das habe ich heute gemacht, das habe ich heute gezeigt. Ich bin an meine Grenzen gegangen."