Portrait

Als würde Raúl das ÖFB-Team trainieren

Iker Romero gewann als Spieler, was es zu gewinnen gab. Das ÖHB-Team ist seine erste richtig große Aufgabe als Trainer. Das ist der Spanier:

Als würde Raúl das ÖFB-Team trainieren Foto: © GEPA

Weltmeister, Vize-Europameister, Olympia-Bronze, Champions League, EHF-Pokal, zahlreiche Titel in Spanien und Deutschland: Viele Erfolge hat Iker Romero im Handball nicht ausgelassen.

Vor einigen Monaten trat der ehemalige Weltklasse-Handballer das Erbe von Ales Pajovic an, soll den Aufstieg des ÖHB-Teams in der europäischen Hackordnung fortführen.

Oder zumindest die erreichten Sphären halten, denn die Luft ist mittlerweile dünn. Das Märchen der letzten Europameisterschaft ist noch in guter Erinnerung, als Österreich Top-Nationen wie Spanien, Island und Kroatien hinter sich ließ, sich gegen Deutschland mit einem Remis richtiggehend begnügen musste.

Eigentlich eine Steigerung dessen wird es nun im dänischen Herning brauchen, wo vor wenigen Monaten die ÖEHV-Kollegen noch ein für sie historisches WM-Viertelfinale bestritten.

Besondere Gegner

Und wie es das Schicksal so wollte, lauten die Vorrundengegner: Serbien – und ausgerechnet Spanien und Deutschland. Eine brutale Aufgabe.

Und eine, die dem neuen Teamchef bei der Auslosung sicher ein Schmunzeln kostete. Sein Herkunftsland und seine aktuelle Heimat, die Länder seiner größten Erfolge als Aktiver sind ausgerechnet die ersten beiden Pflichtspiel-Aufgaben unter seinem Kommando.

"Ja, du bekommst Interview-Anfragen aus Spanien. Aber es ist nur bis zu einer bestimmten Grenze etwas Besonderes: Ich will gewinnen, die Jungs auch. Sei es Spanien oder Deutschland", war Romero diese Konstellation eine Woche vor Turnierstart vielleicht gar nicht so recht.

Nicht er soll die Schlagzeilen bekommen, sondern sein Team.

Vom Wunderkind zum Abräumer

Schlagzeilen schrieb der nun 45-Jährige ohnehin genug, als er noch selbst am Parkett stand.

Lange vor der Blütezeit der Wunderkinder im Sport musste er nur 17 Jahre alt werden, um in Spaniens höchster Liga zu debütieren. Der Wechsel von Valladolid nach León brachte ihm mit der Meisterschaft 2001 gleich den ersten Titel ein.

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Der WM-Titel 2005.
Foto: ©GETTY

Bei Ciudad Real folgte der erste europäische Titel, 2003 ging es zum FC Barcelona – auch im Handball eine der größten Hausnummern des Kontinents. Die Katalanen wurden acht Jahre zur Heimat, zweimal holte er die spanische Meisterschaft, viermal die Copa del Rey und zweimal die EHF Champions League mit dorthin.

2011 ging er noch eine Herausforderung in der besten Handball-Liga der Welt an, wechselte zu den Füchsen Berlin, die er vier Jahre lang bereicherte.

Auch im spanischen Nationalteam wurde er zur Hausnummer, absolvierte exakt 200 Spiele. Seine 753 Treffer machen ihn zur ewigen Nummer zwei der internen Rangliste. Mit dem WM-Titel 2005, EM-Silber 2006, Olympia-Bronze 2008 und WM-Bronze 2011 wurde er dort auch zum Titelsammler.

Als Trainer sollen eigene Verdienste her

Als Trainer ist Romero noch ein Neuling, der nach vier Lehrjahren als Co in Hannover erst 2021 in Bietigheim zum Chefcoach aufstieg. Den Zweitligisten führte er 2024 für ein Jahr zurück ins Oberhaus, aktuell läuft die Mission Wiederaufstieg – noch mit dem Spanier.

Vollzeit für den ÖHB übernimmt der 45-Jährige erst im Sommer, wird auch danach aus familiären Gründen seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland behalten. Allerdings ist er so ohnehin nur näher an manchem österreichischen Schlüsselspieler dran.

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Der CL-Titel 2011.
Foto: ©GETTY

Warum der Wechsel auf die Nationalteam-Ebene? Österreich ist aktuell einfach eine der heißesten Aktien im internationalen Handball und eine Bewährungsprobe für jeden Trainer.

"Im Verein hast du viel mehr Zeit zu trainieren und verschiedene Situationen zu üben. Das ist auch für mich ein Lernprozess, ich muss in kurzer Zeit mehr Input geben", meinte Romero jüngst über die Umstellung.

Das Feuer, das erwartet wird

Bei den ÖHB-Spielern kommt die Legende gut an. Nicht nur, weil es etwas Besonderes ist, mit einem Mann zusammenzuarbeiten, der als Spieler so ein Standing genoss.

Romero ist bemüht, betont die Erfolgsformel von Ales Pajovic fortzuführen: Ernst, wenn es ernst werden muss – aber die lockere Leine und Spaß im Training müssen im Vordergrund bei einem Team stehen, das über die freundschaftliche Stimmung, das Kollektiv und den Zusammenhalt zu Erfolgen gegen größere Hausnummern kam.

"Wir arbeiten sehr akribisch am System und seiner Idee, vor allem in der Abwehr. Was mir extrem auffällt, sind seine Leidenschaft für den Job und seine Persönlichkeit. Er ist leidenschaftlich an der Seitenlinie, im Training und bei Besprechungen – man sieht einfach, dass sein Herz für den Sport schlägt", beschreibt Sebastian Frimmel die ersten Eindrücke unter dem Weltstar.

"Man merkt, dass er sehr spielernah ist, versucht, viel mit uns zu sprechen und gemeinsam den Weg zu finden, der auch für uns stimmig ist."

Lukas Hutecek sieht einen Trainer, der "für dieses Projekt brennt. Man merkt in jeder Video-Analyse, dass er viel Feuer hat und das auch von uns erwartet, aber genau das brauchen wir auch."

Für den Spanier selbst ist schon jetzt klar: Sein Name ist nicht das größte am ÖHB-Team. "Wir sind keine Überraschungsmannschaft. Dieses Team kann jedem Gegner auf der Welt in die Augen gucken."

Wenn es so kommt, wird er sich auch in Österreichs Handball zu einer Legende machen.

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