NFL: Wie bastelt man einen Super-Bowl-Champion?

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Gerade in der NFL führen viele verschiedene Wege zum Erfolg.

Da künstlich für möglichst viel Chancengleichheit unter allen 32 Liga-Mitgliedern gesorgt wird, obliegt es den Entscheidungsträgern der jeweilgen Franchises, was sie aus den bestehenden Spielregeln herausholen.

Die Salary Cap als Gehaltsobergrenze verhindert beispielsweise Vorteile für finanzstarke Teams - einen Titel zu "kaufen", ist schwierig.

Ob Draft, Free Agency oder Trade-Markt - letztlich entscheidet neben der richtigen Strategie am Spielfeld wohl vor allem das Auge der Verantwortlichen für Talent über Erfolg und Misserfolg. Und zwar auf allen Kaderebenen von den erhofften Superstars bis zu den Rollenspielern, ohne deren Qualität im ultimativen Teamsport American Football nichts zu holen ist.

Vor Super Bowl LIV steht logischerweise fest: Die Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers haben in den letzten Jahren einiges richtig gemacht, wenn es darum ging, einen titelwürdigen Kader zusammenzustellen.

LAOLA1 analysiert, wie beide Finalisten ihren Roster "gebastelt" haben. Eines eint beide: Am Weg in die Super Bowl war fraglos das Jahr 2017 eine Zäsur.


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KANSAS CITY CHIEFS:

RISIKO BEIM DRAFT:

Seit 2013 ist Andy Reid Head Coach in Kansas City. Ein Blick auf die folgende Tabelle mit Startern und weiteren Schlüsselspielern zeigt, dass man kaum von sechsjähriger Aufbauarbeit sprechen kann.

Viele der wichtigsten Kadermitglieder von heute ahnten damals noch nicht, dass sie einmal das Chiefs-Trikot tragen werden - dies verdeutlicht auch die personelle Fluktuation, die in der NFL oftmals herrscht, recht gut. Wichtig ist es, Säulen zu finden - gerade auf der wichtigsten Position.

Der 27. April 2017 wurde schließlich zu jenem Tag, der die Franchise entscheidend verändern sollte.

An diesem Tag wurde Patrick Mahomes ein Chief - und inzwischen wissen wir, dass der Quarterback aus einem guten Team einen Titelanwärter gemacht hat.

Vermutlich eine Anwartschaft, die man noch viele Jahre aufrecht erhalten kann, auch wenn man Mahomes irgendwann bezahlen muss und es dann Salary-Cap-technisch schwieriger wird. "Bezahlen" bedeutet hier übrigens vermutlich den fettesten Vertrag, den die NFL in ihrer Geschichte erlebt hat.

Aktuell ist der 24-Jährige im dritten Jahr seines vergleichsweise günstigen Rookie-Contracts (16,4 Millionen Dollar für vier Jahre). Mit seiner Wahl als Nummer-10-Pick ging Kansas City ein erhebliches Risiko ein. Nicht weil man ihn an dieser Position wählte, sondern weil man 17 Plätze nach oben traden musste, um überhaupt an der 10 draften zu können. Das kostete einiges, schließlich schickte man den Erstrunder 2018 sowie einen Drittrunden-Pick nach Buffalo.

Soll heißen: Geht Mahomes schief, hätte es die Franchise um Jahre zurückgeworfen.

Jahr Draft Free Agency Trade/Waiver
2013 LT Eric Fisher (Rd 1)
TE Travis Kelce (Rd 3)
2014 G Laurent Duvarney-Tardif (Rd 6) S Daniel Sorensen
2016 DT Chris Jones (Rd 2) RT Mitchell Schwartz
WR Demarcus Robinson (Rd 4)
WR Tyreek Hill (Rd 5)
2017 QB Patrick Mahomes (Rd 1)
2017 DE Tanoh Kpassagnon (Rd 2)
2018 DTDerrick Nnadi (Rd 3)
WR Sammy Watkins CB Kendall Fuller
RB Damien Williams CB Charvarius Ward
LB Anthony Hitchens C Austin Reiter
2019 WR Mecole Hardman (Rd 2) S Tyrann Mathieu DE Frank Clark
S Juan Thornhill (Rd 2) RB LeSean McCoy DE Terrell Suggs
CB Bashaud Breeland
LB Damien Wilson

Er ging nicht schief, in Wahrheit knackte man den Super-Mega-Überdrüber-Jackpot - und die neun Teams davor, die Mahomes nicht drafteten, haben Erklärungsbedarf. Darunter übrigens auch Super-Bowl-Gegner San Francisco 49ers, der damals einen QB durchaus brauchen hätte können.

Dass Mahomes zuerst ein Jahr von Alex Smith lernte, eint die beiden Final-Gegner ebenfalls. Dass Smith ein guter Spielmacher ist, aber wohl zu bieder, um den finalen Schritt in Richtung Titel zu gehen, merkte man zuvor auch in der Bay Area. Die 49ers wählten Smith 2005 als Nummer-1-Pick - die Alternative wäre ein 49ers-Fan gewesen, der auf den Namen Aaron Rodgers hört.

SPEED, SPEED, SPEED:

Mahomes war nicht das einzige Draft-Risiko, im weitesten Sinne fällt auch Tyreek Hill darunter - damit ist jedoch vor allem die charakterliche Komponente gemeint.

Den heutigen Superstar-Wide-Receiver ergatterten die Chiefs im Draft 2016 in der fünften Runde. So genial gehen Fünftrunder nur in den seltesten Fällen auf - dies war jedoch auch nicht das Risiko.

Vielmehr machte ihn seine schwierige Vorgeschichte mit Vorwürfen häuslicher Gewalt zu einem charakterlichen Risiko. Ein schwieriges Thema, aber wie schnell es gehen kann, dass ein Spieler aus diesem Grund von einem Tag auf den anderen nicht mehr da ist, erlebten die Chiefs bei Running Back Kareem Hunt, den sie 2017 in Runde drei pickten. Als dessen Skandal an die Öffentlichkeit kam, reagierten die Chiefs richtigerweise konsequent und warfen die Ballträger hochkant hinaus.

Was Hill definitiv einbringt, ist unglaublicher Speed.

Diesbezüglich ragt er nicht nur in Kansas City, sondern sogar in der ganzen Liga heraus. Was jedoch nicht heißen soll, dass die übrige Chiefs-Offense nicht flott auf den Beinen ist. Dass sie im Angriff auf Speed setzen, behaupten viele Teams - die Chiefs leben es auch und legen beim Basteln der Offense nachweisbar großen Wert darauf.

Mit Mecole Hardman haben sie im Draft 2019 ein Speed-Double für Hill engagiert, das als Returner glänzt. Sammy Watkins, Running Back Damien Williams und Superstar-Tight-End Travis Kelce sind auch nicht gerade als "Schnecken" bekannt.

Dass einem Quarterback-Wunderkind wie Mahomes, der für Präzision und einen gewaltigen Wurfarm steht, derartige Raketen zur Verfügung stehen, macht diese Offense so schwierig verteidigbar.

FREMDE HILFE FÜR DIE DEFENSE:

Die beste Offense nutzt wenig, wenn die eigene Defense dazu neigt, noch mehr Punkte zu kassieren.

Als die Chiefs eine gute Defense hatten, war man letztlich mit Alex Smith in der Offense zu wenig durchschlagskräftig. 2018, als Mahomes sein MVP-Feuerwerk zündete, war die Defense nicht immer auf der Höhe, wenn man es vorsichtig ausdrücken möchte.

Die Chiefs reagierten mit aller Konsequenz und unterzogen ihre Abwehr in der Offseason einer Generalüberholung. Über die Defense von Kansas City wird wenig gesprochen, es ist auch logisch, dass sie im Schatten der Offense steht, aber sie zeigt immer wieder mit respektablen Leistungen auf.

Natürlich möchte man am liebsten so zahlreich wie möglich auf selbst gedraftete Akteure zurückgreifen. In der Chiefs-Defense tummelt sich jedoch alleine schon aufgrund der hohen Zahl an neuen Gesichtern jede Menge fremder Hilfe von außen - mit einem QB im Rookie-Vertrag geht sich das auch finanziell normal gut aus.

Während man mit Dee Ford (ausgerechnet nach San Francisco) und Justin Houston mutigerweise und durchaus bewusst die Defense-Gesichter der vergangenen Jahre ziehen ließ, tradete man teuer für eine prominente Alternative wie Frank Clark.

Für ihn schickte man unter anderem einen Erstrunder nach Seattle, was zur Folge hat, dass Mahomes nach wie vor der letzte Erstrunden-Pick der Chiefs ist.

Dazu engagierte man mit Tyrann Mathieu einen Star-Safety. Auch zahlreiche andere Defender, beispielsweise Bashaud Breeland und Damien Wilson, spielten vergangene Saison noch woanders.

Im Dezember fiel dem neuen Defensive Coordinator Steve Spagnuolo mit Terrell Suggs auch noch ein Superstar in die Hände, der seine beste Zeit zwar schon lange hinter sich hat, aber dessen Erfahrung fraglos hilft.

Alles in allem kann man durchaus behaupten, dass die Strategie der Chiefs-Macher aufging. Denn im Schnitt ließ die Defense nur 19,3 Punkte pro Partie zu - und die Wahrscheinlichkeit, dass diese bombatische Offense im Schnitt mehr Punkte aufs Scoreboard bringt, ist nun mal gewaltig hoch.

DIESE STARS BEIDER TEAMS SOLLTEST DU KENNEN:

Du willst bei der Super-Bowl-Party mitreden? LAOLA1 stellt dir die Stars der Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers vor:

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Die Kansas City Chiefs haben als AFC-Champion offiziell Heimrecht, also machen sie auch bei uns den Anfang:

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PATRICK MAHOMES - Quarterback - 24 Jahre alt

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Sollte jemand noch nie etwas von Patrick Mahomes gehört haben, wird es höchste Zeit, sich einzulesen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der gute Herr einer der Protagonisten in der Sport-Welt der 20er-Jahre sein wird. Sein Stil ist spektakulär, seine Präzision atemberaubend. Keine Frage: Football ist ein Teamsport, aber nachdem die Chiefs den Ausnahme-Könner 2017 als 10. Pick der 1. Runde gedraftet haben, hat er die Franchise im Alleingang auf das nächste Level gehoben. 2018 in seiner ersten vollen Saison zum MVP gewählt. Für viele ist er schon der beste QB der Liga, auch wenn die MVP-Trophy diesmal wohl an die laufende Wurfmaschine Lamar Jackson gehen wird.

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DAMIEN WILLIAMS - Running Back - 27 Jahre

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Eigentlich der prototypische Backup-RB, macht aber auch als Nummer eins seine Sache nicht so schlecht. Diese Rollte erbte er, nachdem man Kareem Hunt 2018 völlig zurecht wegen häuslicher Gewalt gefeuert hat. 2019 war das Chiefs-Backfield phasenweise ein wenig unübersichtlich, aber wenn fit, war er der Hauptballträger. Der RB trägt im Chiefs-Angriff jedoch nicht die Hauptlast, Williams ist aber immer wieder für einen langen Lauf gut und auch ein tauglicher Passempfänger. Für jemanden, der 2014 ungedraftet in die Liga kam, hat er sich gut entwickelt.

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DARWIN THOMPSON - Running Back - 22 Jahre

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Der Rookie arbeitete sich in der RB-Hackordnung zunehmend nach oben, auch weil der eine oder andere Konkurrent verletzt ist oder nicht wie erhofft performt hat. Lieferte bisher die eine oder andere Talentprobe ab, allzu viel Arbeit bekam er jedoch noch nicht aufgehalst.

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LESEAN MCCOY - Running Back - 31 Jahre

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Ohne Zweifel einer der besten Running Backs des Jahrzehnts, bei den Chiefs derzeit jedoch ein wenig am Abstellgleis. "Shady" kam 2009 bei den Philadelphia Eagles in die Liga, wurde also von seinem aktuellen Head Coach Andy Reid zum Star geformt. 2015 wurde McCoy überraschend nach Buffalo getradet, wo er sich drei seiner bislang sechs Pro-Bowl-Nominierungen sicherte. Nachdem ihn die Bills Ende August überraschend cutteten, schlug Reid sofort zu und lotste seinen ehemaligen Schützling nach Kansas City. Zwischendurch waren okaye Leistungen des Routiniers dabei, letztmals durfte er jedoch Mitte Dezember mitmachen. Ob er auch in seiner ersten Super Bowl nur eiserne Reserve ist?

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TYREEK HILL - Wide Receiver - 25 Jahre

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Schnell, schneller, Tyreek Hill. So flott wie der ehemalige Sprinter auf den Beinen ist, ist er für jeden Gegenspieler ein Albtraum. Dass der 25-Jährige auch fantastisch fangen kann, hilft. In jedem seiner vier Karriere-Jahre in die Pro Bowl gewählt und fraglos einer der dominierenden Receiver der Gegenwart. Dass ein Könner wie er 2016 erst in Runde 5 gedraftet wurde, hat Gründe. Viele Teams strichen ihn nach einem Arrest wegen häuslicher Gewalt am College von ihrer Liste. Im Frühjahr 2019 wurde er von Vorwürfen der Misshandlung seines Sohnes vorerst freigesprochen. Dass jemand mit privaten Vorkommnissen derart oft Negativschlagzeilen schreibt, sieht nicht jeder gerne.

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SAMMY WATKINS - Wide Receiver - 26 Jahre

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Mike Evans, Odell Beckham, Brandin Cooks, Davante Adams, Allen Robinson oder Jarvis Landry - der 2014-Jahrgang des Drafts wurde in Sachen Wide Receiver als unglaublich angekündigt, zumindest die genannten Herren erfüllten diese Erwartungshaltung auch weitestgehend. Einer kassierte jedoch gefühlt mehr Vorschusslorbeeren als alle anderen zusammen. Ergo wurde Sammy Watkins auch als erster Passempfänger an Nummer 4 von den Buffalo Bills gewählt und wurde wohl ein Opfer der Erwartungshaltung. Seine bisherige NFL-Karriere ist alles andere als ein Verhau, aber zum neuen Jerry Rice wurde er bislang noch nicht. Bei den Chiefs als WR Nummer zwei eine gute Ergänzung zu Hill und TE Kelce.

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MECOLE HARDMAN - Wide Receiver - 21 Jahre

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War hier schon von einem schnellen Chiefs-WR die Rede? Tja, in Kansas City gibt es gleich zwei Passempfänger, wo jedes Radargerät verzweifelt. Wenn Mecole Hardman am Feld steht, ist der tiefe Pass zumindest im Hinterkopf. Der Rookie vertrat Hill zu Saisonbeginn während einer Verletzungspause teils ausgezeichnet und hat das Potenzial, zu einem richtig guten Receiver zu reifen. Zudem etablierte er sich auf Anhieb als einer der gefährlichsten Returner der Liga und wurde als solcher auch in die Pro Bowl gewählt.

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DEMARCUS ROBINSON - Wide Receiver - 25 Jahre

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Sechs Catches für 172 Receiving Yards und zwei Touchdowns - als Hill Mitte September erstmals aussetzen musste, glaubte man, dass die Chiefs Roster-intern einen neuen Star ausfindig gemacht haben. Ganz so kam es nicht, Robinson war im weiteren Saisonverlauf eher solider Mitläufer als dominanter Passempfänger. Aber zumindest hat er bewiesen, dass er jederzeit explodieren kann, sollte es notwendig sein.

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TRAVIS KELCE - Tight End - 30 Jahre

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Auch in der Post-Gronkowski-Ära gibt es in der NFL spektakuläre Tight Ends - die beiden besten davon stehen sich in Super Bowl LIV gegenüber. Kelce hat soeben seine vierte Saison in Folge mit über 1000-Receiving-Yards abgeschlossen - als erster Tight End der NFL-Geschichte, das gelang selbst den Allzeitgrößen auf seiner Position nicht. Die Chemie mit Mahomes ist so gut, dass man von einem der besten Quarterback-Passempänger-Duos der Gegenwart sprechen muss - vielleicht sogar vom besten.

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ERIC FISHER - Left Tackle - 29 Jahre

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Timing ist in einer Karriere manchmal alles - und dass Fisher in den Draft-Jahrgang 2013 gerutscht ist, tat seiner Berühmtheit sicher gut. Denn allzu viele Jahre gab es nicht, in denen er der Nummer-1-Pick des Drafts geworden wäre. Aber die QBs dieses Jahrgangs waren schlichtweg eine Katastrophe (EJ Manuel, Geno Smith etc.), und späteren Offense-Superstars wie DeAndre Hopkins, Le'Veon Bell oder einem gewissen Travis Kelce traute man eine derartige Karriere offenbar nicht zu. Wie auch immer: Fisher wurde zu dem soliden O-Liner, den man mindestens erwarten durfte, und mit Kelce räumten die Chiefs ohnehin noch ab.

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MITCHELL SCHWARTZ - Right Tackle - 30 Jahre

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Fisher ist der bekannteste, Schwartz der wohl beste O-Liner der Chiefs - und möglicherweise auch der beste Blocker dieser Super Bowl. Der 30-Jährige übersiedelte 2016 aus Cleveland nach Kansas City und wurde seither ein Mal zum All-Pro gewählt (2018) und drei Mal zum Second-Team All-Pro, so auch nach dieser Saison. Schwartz ist sowohl als QB-Beschützer im Passspiel als auch als Blocker im Laufspiel hervorragend und hat starke Playoffs hinter sich.

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CHRIS JONES - Defensive Tackle - 25 Jahre

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Ein Allerweltsname, den man sich jedoch merken sollte. Denn Jones gehört zu den besseren Spielern auf dem Super-Bowl-Feld - in der Chiefs-Defense ist er jedenfalls die herausragende Figur. Dabei ist der Zweitrunden-Pick des Drafts 2016 sowohl in der Verteidigung des Laufspiels, als auch bei der Jagd des QBs von entscheidender Bedeutung. 2018 gelangen ihm 15,5 Sacks. 2019 musste er die eine oder andere Verletzungspause einlegen, für eine Pro-Bowl-Nominierung reichte es dennoch. Wie sicher er ist, dass er fit genug ist, das normale Pensum an Snaps in der Super Bowl zu spielen? "1000 Prozent!"

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FRANK CLARK - Defensive End - 26 Jahre

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Die Chiefs gehören zu jenen Teams, die ihre Stars gerne selbst draften. Aber manchmal muss man eben trotzdem tief in die Tasche greifen und externe Hilfe holen - in der Defense finden sich einige Beispiele. Nachdem man Dee Ford in der Offseason - ausgerechnet nach San Francisco - ziehen ließ, musste ein etablierter Pass Rusher her. Für Clark schickte man einen Erstrunder 2019 und einen Zweitrunder 2020 nach Seattle, zudem stattete man den Neuzugang mit einem 105,5 Millionen Dollar teuren Fünfjahres-Vertrag aus (63,5 Mio. garantiert). Clark spielte eine gute, wenngleich keine überragende Saison - aber bei diesem heftigen Preis ist das wohl das Mindeste.

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TERRELL SUGGS - Defensive End - 37 Jahre

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Unverhofft kommt oft! Mitte Dezember ließ sich Suggs bei den Arizona Cardinals in der Hoffnung, dass ihn ein Titelanwärter aufnimmt, entlassen. Die Chiefs nahmen ihn auf und sind praktischerweise vor der Super Bowl immer noch Titelanwärter. Der 37-Jährige ist natürlich nicht mehr der dominante Spieler, der er in seinen besten Jahren war, kann aber in vereinzelten Situationen immer noch für Gefahr im Pass Rush sorgen. Sieben Mal wurde er in seiner langen Karriere in Diensten der Baltimore Ravens (2003 bis 2018) in die Pro Bowl gewählt. Ein Mal gewann er auch die Super Bowl - vor sieben Jahren gegen die San Francisco 49ers.

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ANTHONY HITCHENS - Middle Linebacker - 27 Jahre

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Auch ein Beispiel für einen von außen geholten Spieler, der die Defense der Chiefs mit Routine ausstatten soll. Nach vier Jahren bei den Dallas Cowboys heuerte der Linebacker 2018 in Kansas City an. Mit deren 88 in dieser Saison der Leading Tackler der Chiefs.

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TYRANN MATHIEU - Strong Safety - 27 Jahre

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Der "Honey Badger"! Sagen wir mal so, seine problematische College-Karriere ist längst Schall und Rauch. Die Arizona Cardinals nahmen 2013 das Risiko, das vermeintliche Problemkind zu draften, das sich am nächsten Karriere-Level durchaus gereift präsentierte. Da man davon ausgehen kann, dass strenge Verhaltens-Regeln in all seinen Verträgen inkludiert sind, ist er offenkundig kein Feind seines Geldbörserls. Vor dieser Saison statteten ihn die Chiefs mit einem Dreijahres-Vertrag für 42 Millionen Dollar aus - viel Geld, das der Charismatiker 2019 jedoch wert war.

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BASHAUD BREELAND - Cornerback - 27 Jahre

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Noch so ein Veteran, der einen Zwischenstopp bei den Chiefs einlegt. Nach vier Saisonen in Washington und einer Spielzeit in Green Bay übersiedelte der Cornerback vor dieser Saison nach Kansas City. Er ist Mitglied einer Secondary, die vielleicht abgesehen von Mathieu nicht über die ganz großen Namen verfügt, aber keineswegs zu unterschätzen ist.

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HARRISON BUTKER - Kicker - 24 Jahre

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Butker gehört zur Spezies der gedrafteten Kicker, allerdings "erst" in Runde 7 und von den Carolina Panthers, die mit Graham Gano ohnehin eine gute Lösung am Roster hatten. Entsprechend schaffte es der Youngster nicht in den finalen Kader, die Chiefs sagten Danke und engagierten den heute 24-Jährigen, der trotz seines noch eher jungen Alters wie ein Routinier kickt. Er gehört zu den nervernstärkeren Vertretern seines Fachs.

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ANDY REID - Head Coach - 61 Jahre

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Offense-Genie, Quarterback-Flüsterer, Players Coach - der 61-Jährige ist eine lebende Coaching-Legende. Kein Head Coach in der NFL-Geschichte feierte mehr Siege (207), ohne je einen Titel zu gewinnen. Bei seiner bislang einzigen Super-Bowl-Chance zog er mit den Philadelphia Eagles gegen die New England Patriots den Kürzeren. Ein Triumph in Super Bowl LIV wäre die verdiente Krönung eines großartigen Karriere, die ihm viele gönnen würden.

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Weiter geht es mit den Protagonisten von NFC-Champion San Francisco 49ers:

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JIMMY GAROPPOLO - Quarterback - 28 Jahre

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"Jimmy G" lernte vom erfolgreichsten QB aller Zeiten. Als Backup von Tom Brady in New England bekam er auch zwei Super-Bowl-Ringe geschenkt, nun will er aus eigener Kraft einen erobern. Einen Zweitrunden-Pick schickte San Francisco während der Saison 2017 für Garoppolo nach Foxborough. Der dankte es mit einer unerwarteten Siegesserie, wurde mit einem Monstervertrag ausgestattet (137,5 Millionen Dollar für fünf Jahre) und riss sich zu Beginn der Saison 2018 - übrigens gegen die Kansas City Chiefs - das Kreuzband. Mit einer Saison Verspätung trat in dieser Spielzeit der erwartete Hype ein. Wobei Garoppolo zwar gut, aber alles andere als fehlerfrei spielte. 13 Interceptions sind vergleichsweise viel.

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RAHEEM MOSTERT - Running Back - 27 Jahre

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Philadelphia Eagles, Miami Dolphins, Baltimore Ravens, Cleveland Browns, New York Jets, Chicago Bears - gleich sechs Teams engagierten den Running Back in den Jahren 2015 sowie 2016 und entließen ihn bald darauf wieder. Erst bei den San Francisco 49ers durfte Mostert, der ungedraftet in die Liga kam, bleiben. In den ersten drei Saisonen als Reservist und Special-Teams-Leistungsträger, zuletzt als immer öfter eingesetzter Ballträger. 220 Rushing Yards und vier TDs im Championship Game sind nicht so schlecht für jemanden, an den kaum jemand glaubte.

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TEVIN COLEMAN - Running Back - 26 Jahre

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Ob Coleman in der Super Bowl spielen kann, ist nach seiner im NFC-Finale erlittenen Schulterverletzung offen. Sein Ausfall würde weh tun. Head Coach Kyle Shanahan arbeitete schon in Atlanta mit dem 26-Jährigen zusammen und holte ihn vor Saisonbeginn nicht umsonst nach San Francisco. Coleman ist auch im Passspiel bestens einsetzbar und mit seiner Vielseitigkeit ein wichtiger Bestandteil der Niners-Offense.

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MATT BREIDA - Running Back - 24 Jahre

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Komplettiert "Run BMC" (Breida, Mostert, Coleman). Breida stand zuletzt deutlich im Schatten seiner beiden Kollegen, hat in dieser Saison aber auch schon zwei Partien mit über 100 Rushing-Yards abgeliefert. Auch er taugt als Passempfänger, und ebenso wie Mostert kam auch der 24-Jährige ungedraftet in die Liga. Auf Seiten der Ballträger bewiesen die 49ers also ein gutes Auge bei absoluten No-Names. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die geplante Nummer eins Jerick McKinnon schon die zweite Saison in Folge komplett ausfällt.

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EMMANUEL SANDERS - Wide Receiver - 32 Jahre

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Der Receiver-Kindergarten der 49ers brauchte im Saisonverlauf dringend einen Leih-Opa, in Sanders wurde er gefunden. Der 32-Jährige wurde von den Denver Broncos, mit denen er Super Bowl 50 gewonnen hat, losgeeist. Im eher fortgeschrittenen Alter ist Sanders nicht mehr so dynamisch wie einst in Pittsburgh oder Denver gewohnt, dennoch ist er eine der wichtigsten Anspielstationen für Garoppolo. Mit seiner Routinie dient er auch als Mentor für die jüngeren Kollegen, was ebenso wichtig ist wie die Rolle am Feld.

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DEEBO SAMUEL - Wide Receiver - 24 Jahre

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Der Begabteste der jungen 49ers-Receiver ist zweifelsohne Deebo Samuel, zumindest zeigt er es auch. Während mit Dante Pettis ein anderer vermeintlicher Jungstar im Saisonverlauf zunehmend von der Bildfläche verschwand, drehte der Rookie in der zweiten Saisonhälfte immer mehr auf. Gerade ihm schien Sanders als Mentor gut zu tun. Mit dem Zweitrunden-Pick könnten die 49ers ein Juwel gefunden haben, das sie immer wieder auch ins Laufspiel einbinden.

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KENDRICK BOURNE - Wide Receiver - 24 Jahre

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Ein klassischer Rollenspieler, der sich im Lauf der vergangenen beiden Saisonen als Nummer drei in der Receiver-Hackordnung etabliert hat. Bourne kam 2017 ungedraftet nach San Francisco und etablierte sich mit viel Einsatz und Kampfgeist im Kader. Mit fünf TD-Catches führte er die WRs der 49ers in der Regular Season an, auch in den Divisional Playoffs gegen Minnesota fand er die Endzone.

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GEORGE KITTLE - Tight End - 26 Jahre

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Für viele ist Kittle der beste Tight End der Liga. Aber ist er überhaupt der beste Tight End in dieser Super Bowl? Der Showdown gegen Kansas City ist auch das Duell mit Chiefs-TE Travis Kelce - wohl die derzeit Besten auf ihrer Position. 2018 hielt Kelce für eine Stunde den NFL-Rekord an Receiving-Yards für Tight Ends in einer Saison, ehe Kittle noch einen draufsetzte und die Spielzeit mit 1377 Yards beendete. Kittle kam 2017 übrigens als Fünftrunder nach San Francisco - als eine Art Zugabe zu seinem zwei Runden früher gedrafteten College-Quarterback an der Uni in Iowa, C.J. Beathard. Inzwischen ist er längst ein Superstar.

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KYLE JUSZCZYK - Fullback - 28 Jahre

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Fullbacks stehen in der NFL äußerst selten im Rampenlicht. Zumeist erfüllen sie brav ihre Aufgabe als Vorblocker, aber nicht mehr. Juszczyk ist in gewisser Art und Weise eine Ausnahme, da er bei bei den 49ers vor allem ins Passspiel eingebunden ist. "Juice" war 2017 eine der ersten Neuverpflichtungen in der Ära Shanahan - der Coach wusste wohl, warum er das Schweizer Taschenmesser mit aller Macht aus Baltimore loseisen wollte. Seit 2016 wurde der 28-Jährige jedes Jahr in die Pro Bowl gewählt.

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JOE STALEY - Left Tackle - 35 Jahre

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Das Urgestein! Man kann behaupten, dass der 35-Jährige in San Francisco inzwischen so gut wie alles erlebt hat. Seit er 2007 in der ersten Runde gedraftet wurde, ist der Left Tackle in Diensten der 49ers - dies ist seine 13. Saison. Vor allem in der Ära von Jim Harbaugh zählte er zur absoluten Elite auf seiner Position, wurde sechs Mal in die Pro Bowl gewählt. In der Kabine ist er nicht nur mit seiner Routine wichtig, sondern auch als Spaßvogel. In seiner "Joe Show" hatte er so manchen Teamkollegen auf der Schaufel.

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MIKE MCGLINCHEY - Right Tackle - 25 Jahre

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Da Staley nicht jünger und immer verletzungsanfälliger wird, investierten die 49ers im Draft 2018 in einen O-Liner. McGlinchey erwies sich alles in allem als guter Griff, auch wenn er bisweilen seiner Unerfahrenheit geschuldete Fehler einstreut. Sollte dennoch eine lange NFL-Karriere vor sich haben.

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NICK BOSA - Defensive End - 22 Jahre

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Widmen wir uns der 49ers-Defense, bei der wir uns jetzt eine Zeit lang bei der D-Line aufhalten müssen. Aus gutem Grund. 2019 investierte San Francisco 2019 zum vierten Mal in wenigen Jahren ihren Erstrunden-Pick - diesmal Nummer 2 - in einen D-Liner. Und Bosa könnte tatsächlich eine Art fehlendes Puzzle-Stein sein. Der Bruder von Joey Bosa (L.A. Chargers) galt vor dem Draft als Generationen-Talent und ausgehend von seiner phasenweise dominanten Rookie-Saison kann man das so stehen lassen. Der Quarterback-Jäger ist übrigens der Urenkel des Mafia-Paten Tony Accardo.

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DEFOREST BUCKNER - Defensive Tackle - 25 Jahre

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Drei Saisonen lang war Buckner Jungstar und Aushängeschild der D-Line in Personalunion, in dieser Saison stahl ihm Bosa ein wenig die Show. Buckner wird es verkraften, weil in dieser Unit ein Kaliber der anderen die Arbeit immens erleichtert. Auch wenn es ein wenig auf Kosten seiner eigenen Statistiken geht, dem Teamerfolg tut es gut. Dass Buckner in San Francisco ein fetter Vertrag winkt, liegt auf der Hand.

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ARIK ARMSTEAD - Defensive End - 26 Jahre

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Apropos einer hilft dem anderen in dieser D-Line. Auch Armstead ist einer der besagten Erstrunden-Picks, allerdings schon 2015. Seine ersten vier Saisonen fielen eher verhalten aus, ehe er 2019 so richtig den Durchbruch schaffte. Phasenweise agierte er richtiggehend dominant, am Ende standen zehn Sacks zu Buche. Keine Frage: Er ist ein Profiteur dessen, dass sich die Gegner mit so vielen Kalibern beschäftigen müssen.

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SOLOMON THOMAS - Defensive Tackle - 24 Jahre

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2017, als die 49ers mit Pick Nummer 3 rein theoretisch auch einen gewissen Patrick Mahomes hätten draften können, wählten sie Solomon Thomas. Vom Talent her eine vertretbare Entscheidung, die bislang dennoch nicht aufgegangen ist. Ein privater Schicksalsschlag bremste fraglos. Langsam ist jedoch eine Steigerung erkennbar. Thomas spielt schließlich auch für seine verstorbene Schwester.

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DEE FORD - Defensive End - 28 Jahre

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Bosa war nicht das einzige fehlende Puzzleteil dieser D-Line, auch die Verpflichtung von Dee Ford half enorm. Einen Zweitrunder schickten die 49ers ausgerechnet zu den Kansas City Chiefs, was den 28-Jährigen vor die interessante Aufgabe stellt, seine erste Super Bowl ausgerechnet gegen seinen jahrelangen Arbeitgeber zu bestreiten. Ford hatte im Saisonverlauf Verletzungsprobleme, sollte im Big Game jedoch fit sein.

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KWON ALEXANDER - Middle Linebacker - 25 Jahre

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Dass die 49ers in der Free Agency auch auf der Linebacker-Position Geld in die Hand nahmen, um eine externe Verstärkung zu holen, zahlte sich aus. Alexander kam aus Tampa Bay und entpuppte sich in der ersten Saisonhälfte als der erhoffte Leistungsträger. In Week 9 riss jedoch sein Brustmuskel. Dass der 25-Jährige rechtzeitig zu den Playoffs fit wurde, gleicht einem Wunder - wie medizinisch sinnvoll dies ist, sei dahingestellt. Aber die 49ers sind sicher froh, ihre Tackle-Maschine wieder am Feld zu haben.

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FRED WARNER - Middle Linebacker - 23 Jahre

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Die 49ers haben nicht erst seit Patrick Willis eine Linebacker-Tradition. Warner legte schon eine starke Rookie-Saison hin und bestätigte selbige 2019, als spätestens nach der Verletzung von Alexander auch Leadership des Youngsters notwendig war. Gemeinsam mit dem starken Rookie Dre Greenlaw entwickelte sich der 23-Jährige bestens. Mit 118 Tackles ist Warner überlegen Leading Tackler der Niners.

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RICHARD SHERMAN - Cornerback - 31 Jahre

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Wer kennt ihn nicht? Der Cornerback zählt zu den dominantesten Defense-Spielern des Jahrzehnts. Seinen Ruhm manifestierte er jedoch ausgerechnet bei San Franciscos Erzrivalen Seattle Seahawks, mit dem er auch in Super Bowl XLVIII triumphierte. Während seiner Seahawks-Jahre avancierte er, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade zum Liebling der 49ers-Fans. Umso interessanter, dass es ihm 2018 zurück in die Bay Area (College in Stanford) zog. Sein selbst ausgehandelter Vertrag macht sich für beide Seiten bezahlt. Sherman spielte seine fünfte Pro-Bowl-Saison, gegnerische QBs werfen immer noch ungern in seine Richtung. Für die 49ers ist er als Mentor der jungen Kollegen zudem eine Art Trainer auf dem Feld.

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JIMMIE WARD - Free Safety - 28 Jahre

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In der 49ers-Defense tummeln sich einige Erstrunden-Picks, auch jener von 2014 steht noch am Roster. Wobei im Fall von Jimmy Ward beide Seiten nicht von einander loszukommen scheinen. Überragend hat sich der Passverteidiger, der immer wieder zwischen Cornerback- und Safety-Job switchte, nicht entwickelt, aber eben doch solide genug, um ihn zu halten. Für 2019 bekam er einen neuen Einjahres-Vertrag - die Vertragslänge sagt wohl einiges aus. Aber Ward spielte eine solide Saison und gehört wie Jaquiski Tartt, Emmanuel Moseley oder Ahkello Witherspoon zu Mitgliedern der Secondary, die man nicht unterschätzen sollte.

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ROBBIE GOULD - Kicker - 37 Jahre

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Gould hat bereits Super-Bowl-Erfahrung - seine erste Teilnahme ist allerdings schon ein Zeiterl her. Im Februar 2007 zog er mit den Chicago Bears gegen die Indianapolis Colts den Kürzeren. 2017 heuerte er bei den 49ers an, denen er auf der Position des Kickers Stabilität lieferte, wobei man nicht verleugnen kann, dass der Zahn der Zeit schon ein wenig am 37-Jährigen nagt.

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KYLE SHANAHAN - Head Coach - 40 Jahre

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Erfolgt die Reifeprüfung des Juniors? In seinen drei Jahren als Head Coach der San Francisco 49ers gelang es Kyle Shanahan zunehmend, sein Image als "Sohn" abzulegen. Papa Mike Shanahan führte die Denver Broncos zu zwei Super-Bowl-Triumphen und war der Offensive Coordinator der 49ers bei deren letztem Super-Bowl-Sieg vor 25 Jahren. Die Shanahans sind die erste Familie, die zwei Trainer-Generationen ins NFL-Endspiel brachte. Kyle gilt als einer der innovativsten Offense-Coaches der Liga und hat auf Super-Bowl-Ebene einiges gut zu machen: Er war der OC der Atlanta Falcons, als sie gegen die New England Patriots einen 28:3-Vorsprung aus der Hand gaben.

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SAN FRANCISCO 49ERS:

DAS KONGENIALE DUO SHANAHAN/LYNCH:

Während man sich in Kansas City angesichts des Mahomes-Coups im Jahr 2017 die Hände reibt, bedeutet selbiges Jahr den totalen Neuanfang bei den San Francisco 49ers.

Die in den Saisonen davor aufgrund zwischenmenschlicher und in der Folge sportlicher Troubles weit jenseits der Peinlichkeits-Grenze dahintaumelnde Traditions-Franchise vollzog in der Führungs-Etage einen klaren Schnitt und installierte Anfang 2017 mit General Manager John Lynch und Head Coach Kyle Shanahan ein neues Duo, dem man jede Menge Macht einräumte.

Für beide war es das erste Mal im jeweiligen Job. Während Shanahans Beförderung zum NFL-Cheftrainer nur eine Frage der Zeit war, überraschte die Bestellung von Lynch doch extrem - der frühere Star-Stafety verdiente seine Brötchen inzwischen als launiger TV-Co-Kommentator.

Trotz ihrer Unerfahrenheit bekamen beide Verträge für jeweils sechs Jahre. Die Botschaft von Owner Jed York: Dieses Duo wird die 49ers zurück an die Spitze führen und bekommt auch die nötige Zeit dafür.

Man kann durchaus behaupten, dass Shanahan und Lynch den Niners-Roster personell auf den Kopf stellten. Dabei funktionierte bei weitem nicht alles, wie man mit heutigem Wissensstand bewerten kann.

So könnte man etwa behaupten, dass sie gleich ihren ersten Draft 2017 ziemlich verklopften. Nummer-3-Pick Solomon Thomas ging bislang im Gegensatz zu zahlreichen Stars dieses Jahrgangs nicht auf - im Nachhinein wäre wohl ein gewisser Patrick Mahomes schlauer gewesen, oder wenigstens Deshaun Watson als "Trostpreis".

Jahr Draft Free Agency Trade/Waiver
2007 LT Joe Staley (Rd 1)
2014 S Jimmie Ward (Rd 1)
2015 DE Arik Armstead (Rd 1)
S Jaquiski Tartt (Rd 2)
2016 DT DeForest Buckner (Rd 1) RB Raheem Mostert
2017 DL Solomon Thomas (Rd 1) FB Kyle Juszczyk QB Jimmy Garoppolo
CB Akhello Witherspoon (Rd 2) WR Kendrick Bourne LG Laken Tomlinson
TE George Kittle (Rd 5) CB K'Waun Williams DT Sheldon Day
RB Matt Breida
2018 RT Mike McGlinchey (Rd 1) CB Richard Sherman
LB Fred Warner (Rd 3) Emmanuel Moseley
C Weston Richburg
2019 DE Nick Bosa (Rd 1) LB Kwon Alexander DE Dee Ford
WR Deebo Samuel (Rd 2) RB Tevin Coleman WR Emmanuel Sanders
Dre Greenlaw (Rd 5) C Ben Garland

Ihren zweiten Erstrunden-Pick 2017 würden sie wohl besonders gerne rückgängig machen. Linebacker Reuben Foster wäre es sportlich wohl wert gewesen, erwies sich jedoch charakterlich als Totalversager und ist längst nicht mehr am Roster.

Dass man im selben Jahr in der fünften Runde mit George Kittle einen Superstar an Land zog, lässt die Mundwinkel in der Bay Area dann aber doch wieder nach oben gehen.

Letztlich geht es ohnehin weniger um einzelne Volltreffer oder Fehlentscheidungen von Lynch und Shanahan. Unterm Strich muss man ihre bisherige Arbeit in der Gesamtheit betrachten und anerkennen, dass sie gehörigen Aktionismus in allen Bereichen - also Draft, Free Agency und am Trade-Markt - an den Tag legten, um diesen Kader nach ihren strategischen Vorstellungen zu besetzen.

Dabei lagen sie viel öfter richtig, als sie daneben griffen. Wie aggressiv das Duo auf den "Homerun" geht, zeigt auch ihre meistdiskutierte Personalentscheidung - der Trade mit den New England Patriots für Quarterback Jimmy Garoppolo.

Er zählt zwar nicht zur absoluten Spielmacher-Elite, weiß aber, wie man Spiele gewinnt. Und als "Jimmy G" 2018 wegen eines Kreuzbandrisses fehlte, machte sich das in der Siegbilanz sehr bemerkbar.

DIE WERTIGKEIT DER BEIDEN LINES:

Gott sei Dank, wie man heute weiß. Denn die Horror-Saison 2018 ermöglichte es den Kaliforniern, an Nummer 2 zu draften und mit Nick Bosa ein fehlendes Puzzleteil an Bord zu holen. Auch wenn es der nächste Erstrunden-D-Liner war.

Oft heißt es, Lynch und Shanahan hätten 2017 mit einem leeren Blatt Papier begonnen. Ganz so ist es auch wieder nicht. Irgendwie vereinten sie "das Beste aus beiden 49ers-Welten", wie man es heutzutage ausdrückt.

In den Jahren vor ihrem Amtsantritt ging zwar viel schief, aber einige gute Akteure fanden sich fraglos am Roster. Gerne waren es früh gedraftete Defender, wenn man von Urgestein Left Tackle Joe Staley - ein Überbleibsel der Frank-Gore-Patrick-Willis-Ära - absieht.

Vor allem DeForest Buckner und Arik Armstead sollten die Basis des derzeitigen 49ers-Prunkstücks darstellen. Zu den beiden in Runde 1 gedraftetem D-Linern gesellten sich mit Solomon Thomas und eben Bosa zwei weitere dazu. San Francisco verfügt also über vier (!) Erstrunder in der D-Line - plus Neuzugang Dee Ford.

Der Pass-Rush-Wahnsinn, den die 49ers mitunter veranstalten, folgt also durchaus einem Konzept. In die Offense investierten die Niners in jüngerer Vergangenheit nur einen Erstrunder. Dass dies mit Mike McGlinchey ein O-Liner war, ist alles nur kein Zufall.

Die beiden Lines zu stärken, ist oftmals vom PR-Gedanken her wenig sexy und bringt selten die ganz großen Schlagzeilen, erweist sich jedoch immer wieder als effektiv. Ein offensives Konzept, wie es Shanahan verfolgt, würde ohne vernünftige O-Line erst gar nicht funktionieren.

Also investierte man auch abseits des Drafts auf diesem Gebiet. So ertradete man mit Laken Tomlinson einen früheren Erstrunder, der in Detroit nicht funktionierte. In den derzeit verletzten Center Weston Richburg investierte man in der Free Agency einiges. Dass man mit Ben Garland schon vor Saisonbeginn einen alten Haudegen als Alternative engagierte, macht sich nun bezahlt.

Nach drei Saisonen Aufbauarbeit kann man wohl noch nicht über einen "fertigen" Kader (so es das in der NFL überhaupt gibt) verfügen, der allen Vorstellungen entspricht, aber zumindest mit dem Ist-Zustand der beiden Lines kann man in Santa Clara wohl gut leben.

JEDE WOCHE EIN ANDERER STAR:

Dass bei Kansas City viel über Patrick Mahomes gesprochen wird, versteht sich von selbst und ist würdig und recht.

Die Philosophie der 49ers ist ein wenig anders. Dies macht sich auch im Roster bemerkbar. Was absolute Topspieler betrifft, haben ziemlich sicher die Chiefs die Nase vorne. Was die Quantität an guten Spielern betrifft, mit hoher Wahrscheinlichkeit die 49ers.

Sicherlich haben sie einen Kittle oder einen Bosa - beide taugen durchaus als Posterboys. Aber der Eindruck, dass sie nicht nur auf viele verschiedene Arten gewinnen können, sondern auch immer wieder unterschiedliche und nicht immer übermäßig bekannte Matchwinner stellen können, täuscht nicht.

Raheem Mostert lässt grüßen.

Der Running Back, der Green Bay im NFC Championship Game demolierte, ist auch ein gutes Beispiel für eine weitere Auffälligkeit. Bei den 49ers nehmen relativ viele ungedraftete Spieler bemerkenswerte Rollen ein, was für ein gutes Auge der Verantwortlichen spricht. Beispielsweise auch Matt Breida, Kendrick Bourne oder Emmanuel Moseley kamen auf dem zweiten Bildungsweg in die Liga.

Star-Allüren sind bei den 49ers jedenfalls nicht gerne gesehen. Vielleicht tut sich mit Dante Pettis auch deshalb ein hoch gedrafteter und mit riesigen Erwartungen bedachter Receiver so schwer. Talent allein ist im Shanahan-Land aber eben nicht alles.

Viel mehr ist die selbstlose Herangehensweise eines Kittle gefragt. Dem scheint es wurscht zu sein, wenn er mal nicht als Passempfänger glänzen kann, sondern als Blocker schuften muss.

Mit Richard Sherman, das vielleicht spannendste Free-Agent-Experiment von Shanahan/Lynch, fügte sich auch einer der NFL-Superstar des Jahrzehnts nahtlos ein und übernahm eine Mentoren-Rolle.

Ob all das reicht, um die vergleichsweise eindimensionale, aber umso genialere Mahomes-Maschinerie defensiv zu bremsen und offensiv zu übertrumpfen? Dafür müssen wohl einige "neue" Stars her.

Fakt ist jedenfalls eines: Auch wenn es sich ein wenig unterscheidet, wie Kansas City und San Francisco ihren Erfolg "gebastelt" haben - die Basis wurde bei beiden 2017 gelegt.

Persönliche Erinnerungen an Super-Bowl-Reisen:

Textquelle: © LAOLA1.at

Irre Haaland-Statistik: Jeder Schuss ein Tor

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