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NFL: Wie bastelt man einen Super-Bowl-Champion?

Das Jahr 2017 spielt für Chiefs und 49ers am Weg an die NFL-Spitze die entscheidende Rolle.

NFL: Wie bastelt man einen Super-Bowl-Champion? Foto: © getty

Gerade in der NFL führen viele verschiedene Wege zum Erfolg.

Da künstlich für möglichst viel Chancengleichheit unter allen 32 Liga-Mitgliedern gesorgt wird, obliegt es den Entscheidungsträgern der jeweilgen Franchises, was sie aus den bestehenden Spielregeln herausholen.

Die Salary Cap als Gehaltsobergrenze verhindert beispielsweise Vorteile für finanzstarke Teams - einen Titel zu "kaufen", ist schwierig.

Ob Draft, Free Agency oder Trade-Markt - letztlich entscheidet neben der richtigen Strategie am Spielfeld wohl vor allem das Auge der Verantwortlichen für Talent über Erfolg und Misserfolg. Und zwar auf allen Kaderebenen von den erhofften Superstars bis zu den Rollenspielern, ohne deren Qualität im ultimativen Teamsport American Football nichts zu holen ist.

Vor Super Bowl LIV steht logischerweise fest: Die Kansas City Chiefs und San Francisco 49ers haben in den letzten Jahren einiges richtig gemacht, wenn es darum ging, einen titelwürdigen Kader zusammenzustellen.

LAOLA1 analysiert, wie beide Finalisten ihren Roster "gebastelt" haben. Eines eint beide: Am Weg in die Super Bowl war fraglos das Jahr 2017 eine Zäsur.


KANSAS CITY CHIEFS:

RISIKO BEIM DRAFT:

Seit 2013 ist Andy Reid Head Coach in Kansas City. Ein Blick auf die folgende Tabelle mit Startern und weiteren Schlüsselspielern zeigt, dass man kaum von sechsjähriger Aufbauarbeit sprechen kann.

Viele der wichtigsten Kadermitglieder von heute ahnten damals noch nicht, dass sie einmal das Chiefs-Trikot tragen werden - dies verdeutlicht auch die personelle Fluktuation, die in der NFL oftmals herrscht, recht gut. Wichtig ist es, Säulen zu finden - gerade auf der wichtigsten Position.

Der 27. April 2017 wurde schließlich zu jenem Tag, der die Franchise entscheidend verändern sollte.

An diesem Tag wurde Patrick Mahomes ein Chief - und inzwischen wissen wir, dass der Quarterback aus einem guten Team einen Titelanwärter gemacht hat.

Vermutlich eine Anwartschaft, die man noch viele Jahre aufrecht erhalten kann, auch wenn man Mahomes irgendwann bezahlen muss und es dann Salary-Cap-technisch schwieriger wird. "Bezahlen" bedeutet hier übrigens vermutlich den fettesten Vertrag, den die NFL in ihrer Geschichte erlebt hat.

Aktuell ist der 24-Jährige im dritten Jahr seines vergleichsweise günstigen Rookie-Contracts (16,4 Millionen Dollar für vier Jahre). Mit seiner Wahl als Nummer-10-Pick ging Kansas City ein erhebliches Risiko ein. Nicht weil man ihn an dieser Position wählte, sondern weil man 17 Plätze nach oben traden musste, um überhaupt an der 10 draften zu können. Das kostete einiges, schließlich schickte man den Erstrunder 2018 sowie einen Drittrunden-Pick nach Buffalo.

Soll heißen: Geht Mahomes schief, hätte es die Franchise um Jahre zurückgeworfen.

Jahr Draft Free Agency Trade/Waiver
2013 LT Eric Fisher (Rd 1)
TE Travis Kelce (Rd 3)
2014 G Laurent Duvarney-Tardif (Rd 6) S Daniel Sorensen
2016 DT Chris Jones (Rd 2) RT Mitchell Schwartz
WR Demarcus Robinson (Rd 4)
WR Tyreek Hill (Rd 5)
2017 QB Patrick Mahomes (Rd 1)
2017 DE Tanoh Kpassagnon (Rd 2)
2018 DTDerrick Nnadi (Rd 3)
WR Sammy Watkins CB Kendall Fuller
RB Damien Williams CB Charvarius Ward
LB Anthony Hitchens C Austin Reiter
2019 WR Mecole Hardman (Rd 2) S Tyrann Mathieu DE Frank Clark
S Juan Thornhill (Rd 2) RB LeSean McCoy DE Terrell Suggs
CB Bashaud Breeland
LB Damien Wilson

Er ging nicht schief, in Wahrheit knackte man den Super-Mega-Überdrüber-Jackpot - und die neun Teams davor, die Mahomes nicht drafteten, haben Erklärungsbedarf. Darunter übrigens auch Super-Bowl-Gegner San Francisco 49ers, der damals einen QB durchaus brauchen hätte können.

Dass Mahomes zuerst ein Jahr von Alex Smith lernte, eint die beiden Final-Gegner ebenfalls. Dass Smith ein guter Spielmacher ist, aber wohl zu bieder, um den finalen Schritt in Richtung Titel zu gehen, merkte man zuvor auch in der Bay Area. Die 49ers wählten Smith 2005 als Nummer-1-Pick - die Alternative wäre ein 49ers-Fan gewesen, der auf den Namen Aaron Rodgers hört.

SPEED, SPEED, SPEED:

Mahomes war nicht das einzige Draft-Risiko, im weitesten Sinne fällt auch Tyreek Hill darunter - damit ist jedoch vor allem die charakterliche Komponente gemeint.

Den heutigen Superstar-Wide-Receiver ergatterten die Chiefs im Draft 2016 in der fünften Runde. So genial gehen Fünftrunder nur in den seltesten Fällen auf - dies war jedoch auch nicht das Risiko.

Vielmehr machte ihn seine schwierige Vorgeschichte mit Vorwürfen häuslicher Gewalt zu einem charakterlichen Risiko. Ein schwieriges Thema, aber wie schnell es gehen kann, dass ein Spieler aus diesem Grund von einem Tag auf den anderen nicht mehr da ist, erlebten die Chiefs bei Running Back Kareem Hunt, den sie 2017 in Runde drei pickten. Als dessen Skandal an die Öffentlichkeit kam, reagierten die Chiefs richtigerweise konsequent und warfen die Ballträger hochkant hinaus.

Was Hill definitiv einbringt, ist unglaublicher Speed.

Diesbezüglich ragt er nicht nur in Kansas City, sondern sogar in der ganzen Liga heraus. Was jedoch nicht heißen soll, dass die übrige Chiefs-Offense nicht flott auf den Beinen ist. Dass sie im Angriff auf Speed setzen, behaupten viele Teams - die Chiefs leben es auch und legen beim Basteln der Offense nachweisbar großen Wert darauf.

Mit Mecole Hardman haben sie im Draft 2019 ein Speed-Double für Hill engagiert, das als Returner glänzt. Sammy Watkins, Running Back Damien Williams und Superstar-Tight-End Travis Kelce sind auch nicht gerade als "Schnecken" bekannt.

Dass einem Quarterback-Wunderkind wie Mahomes, der für Präzision und einen gewaltigen Wurfarm steht, derartige Raketen zur Verfügung stehen, macht diese Offense so schwierig verteidigbar.

FREMDE HILFE FÜR DIE DEFENSE:

Die beste Offense nutzt wenig, wenn die eigene Defense dazu neigt, noch mehr Punkte zu kassieren.

Als die Chiefs eine gute Defense hatten, war man letztlich mit Alex Smith in der Offense zu wenig durchschlagskräftig. 2018, als Mahomes sein MVP-Feuerwerk zündete, war die Defense nicht immer auf der Höhe, wenn man es vorsichtig ausdrücken möchte.

Die Chiefs reagierten mit aller Konsequenz und unterzogen ihre Abwehr in der Offseason einer Generalüberholung. Über die Defense von Kansas City wird wenig gesprochen, es ist auch logisch, dass sie im Schatten der Offense steht, aber sie zeigt immer wieder mit respektablen Leistungen auf.

Natürlich möchte man am liebsten so zahlreich wie möglich auf selbst gedraftete Akteure zurückgreifen. In der Chiefs-Defense tummelt sich jedoch alleine schon aufgrund der hohen Zahl an neuen Gesichtern jede Menge fremder Hilfe von außen - mit einem QB im Rookie-Vertrag geht sich das auch finanziell normal gut aus.

Während man mit Dee Ford (ausgerechnet nach San Francisco) und Justin Houston mutigerweise und durchaus bewusst die Defense-Gesichter der vergangenen Jahre ziehen ließ, tradete man teuer für eine prominente Alternative wie Frank Clark.

Für ihn schickte man unter anderem einen Erstrunder nach Seattle, was zur Folge hat, dass Mahomes nach wie vor der letzte Erstrunden-Pick der Chiefs ist.

Dazu engagierte man mit Tyrann Mathieu einen Star-Safety. Auch zahlreiche andere Defender, beispielsweise Bashaud Breeland und Damien Wilson, spielten vergangene Saison noch woanders.

Im Dezember fiel dem neuen Defensive Coordinator Steve Spagnuolo mit Terrell Suggs auch noch ein Superstar in die Hände, der seine beste Zeit zwar schon lange hinter sich hat, aber dessen Erfahrung fraglos hilft.

Alles in allem kann man durchaus behaupten, dass die Strategie der Chiefs-Macher aufging. Denn im Schnitt ließ die Defense nur 19,3 Punkte pro Partie zu - und die Wahrscheinlichkeit, dass diese bombatische Offense im Schnitt mehr Punkte aufs Scoreboard bringt, ist nun mal gewaltig hoch.

DIESE STARS BEIDER TEAMS SOLLTEST DU KENNEN:

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SAN FRANCISCO 49ERS:

DAS KONGENIALE DUO SHANAHAN/LYNCH:

Während man sich in Kansas City angesichts des Mahomes-Coups im Jahr 2017 die Hände reibt, bedeutet selbiges Jahr den totalen Neuanfang bei den San Francisco 49ers.

Die in den Saisonen davor aufgrund zwischenmenschlicher und in der Folge sportlicher Troubles weit jenseits der Peinlichkeits-Grenze dahintaumelnde Traditions-Franchise vollzog in der Führungs-Etage einen klaren Schnitt und installierte Anfang 2017 mit General Manager John Lynch und Head Coach Kyle Shanahan ein neues Duo, dem man jede Menge Macht einräumte.

Für beide war es das erste Mal im jeweiligen Job. Während Shanahans Beförderung zum NFL-Cheftrainer nur eine Frage der Zeit war, überraschte die Bestellung von Lynch doch extrem - der frühere Star-Stafety verdiente seine Brötchen inzwischen als launiger TV-Co-Kommentator.

Trotz ihrer Unerfahrenheit bekamen beide Verträge für jeweils sechs Jahre. Die Botschaft von Owner Jed York: Dieses Duo wird die 49ers zurück an die Spitze führen und bekommt auch die nötige Zeit dafür.

Man kann durchaus behaupten, dass Shanahan und Lynch den Niners-Roster personell auf den Kopf stellten. Dabei funktionierte bei weitem nicht alles, wie man mit heutigem Wissensstand bewerten kann.

So könnte man etwa behaupten, dass sie gleich ihren ersten Draft 2017 ziemlich verklopften. Nummer-3-Pick Solomon Thomas ging bislang im Gegensatz zu zahlreichen Stars dieses Jahrgangs nicht auf - im Nachhinein wäre wohl ein gewisser Patrick Mahomes schlauer gewesen, oder wenigstens Deshaun Watson als "Trostpreis".

Jahr Draft Free Agency Trade/Waiver
2007 LT Joe Staley (Rd 1)
2014 S Jimmie Ward (Rd 1)
2015 DE Arik Armstead (Rd 1)
S Jaquiski Tartt (Rd 2)
2016 DT DeForest Buckner (Rd 1) RB Raheem Mostert
2017 DL Solomon Thomas (Rd 1) FB Kyle Juszczyk QB Jimmy Garoppolo
CB Akhello Witherspoon (Rd 2) WR Kendrick Bourne LG Laken Tomlinson
TE George Kittle (Rd 5) CB K'Waun Williams DT Sheldon Day
RB Matt Breida
2018 RT Mike McGlinchey (Rd 1) CB Richard Sherman
LB Fred Warner (Rd 3) Emmanuel Moseley
C Weston Richburg
2019 DE Nick Bosa (Rd 1) LB Kwon Alexander DE Dee Ford
WR Deebo Samuel (Rd 2) RB Tevin Coleman WR Emmanuel Sanders
Dre Greenlaw (Rd 5) C Ben Garland

Ihren zweiten Erstrunden-Pick 2017 würden sie wohl besonders gerne rückgängig machen. Linebacker Reuben Foster wäre es sportlich wohl wert gewesen, erwies sich jedoch charakterlich als Totalversager und ist längst nicht mehr am Roster.

Dass man im selben Jahr in der fünften Runde mit George Kittle einen Superstar an Land zog, lässt die Mundwinkel in der Bay Area dann aber doch wieder nach oben gehen.

Letztlich geht es ohnehin weniger um einzelne Volltreffer oder Fehlentscheidungen von Lynch und Shanahan. Unterm Strich muss man ihre bisherige Arbeit in der Gesamtheit betrachten und anerkennen, dass sie gehörigen Aktionismus in allen Bereichen - also Draft, Free Agency und am Trade-Markt - an den Tag legten, um diesen Kader nach ihren strategischen Vorstellungen zu besetzen.

Dabei lagen sie viel öfter richtig, als sie daneben griffen. Wie aggressiv das Duo auf den "Homerun" geht, zeigt auch ihre meistdiskutierte Personalentscheidung - der Trade mit den New England Patriots für Quarterback Jimmy Garoppolo.

Er zählt zwar nicht zur absoluten Spielmacher-Elite, weiß aber, wie man Spiele gewinnt. Und als "Jimmy G" 2018 wegen eines Kreuzbandrisses fehlte, machte sich das in der Siegbilanz sehr bemerkbar.

DIE WERTIGKEIT DER BEIDEN LINES:

Gott sei Dank, wie man heute weiß. Denn die Horror-Saison 2018 ermöglichte es den Kaliforniern, an Nummer 2 zu draften und mit Nick Bosa ein fehlendes Puzzleteil an Bord zu holen. Auch wenn es der nächste Erstrunden-D-Liner war.

Oft heißt es, Lynch und Shanahan hätten 2017 mit einem leeren Blatt Papier begonnen. Ganz so ist es auch wieder nicht. Irgendwie vereinten sie "das Beste aus beiden 49ers-Welten", wie man es heutzutage ausdrückt.

In den Jahren vor ihrem Amtsantritt ging zwar viel schief, aber einige gute Akteure fanden sich fraglos am Roster. Gerne waren es früh gedraftete Defender, wenn man von Urgestein Left Tackle Joe Staley - ein Überbleibsel der Frank-Gore-Patrick-Willis-Ära - absieht.

Vor allem DeForest Buckner und Arik Armstead sollten die Basis des derzeitigen 49ers-Prunkstücks darstellen. Zu den beiden in Runde 1 gedraftetem D-Linern gesellten sich mit Solomon Thomas und eben Bosa zwei weitere dazu. San Francisco verfügt also über vier (!) Erstrunder in der D-Line - plus Neuzugang Dee Ford.

Der Pass-Rush-Wahnsinn, den die 49ers mitunter veranstalten, folgt also durchaus einem Konzept. In die Offense investierten die Niners in jüngerer Vergangenheit nur einen Erstrunder. Dass dies mit Mike McGlinchey ein O-Liner war, ist alles nur kein Zufall.

Die beiden Lines zu stärken, ist oftmals vom PR-Gedanken her wenig sexy und bringt selten die ganz großen Schlagzeilen, erweist sich jedoch immer wieder als effektiv. Ein offensives Konzept, wie es Shanahan verfolgt, würde ohne vernünftige O-Line erst gar nicht funktionieren.

Also investierte man auch abseits des Drafts auf diesem Gebiet. So ertradete man mit Laken Tomlinson einen früheren Erstrunder, der in Detroit nicht funktionierte. In den derzeit verletzten Center Weston Richburg investierte man in der Free Agency einiges. Dass man mit Ben Garland schon vor Saisonbeginn einen alten Haudegen als Alternative engagierte, macht sich nun bezahlt.

Nach drei Saisonen Aufbauarbeit kann man wohl noch nicht über einen "fertigen" Kader (so es das in der NFL überhaupt gibt) verfügen, der allen Vorstellungen entspricht, aber zumindest mit dem Ist-Zustand der beiden Lines kann man in Santa Clara wohl gut leben.

JEDE WOCHE EIN ANDERER STAR:

Dass bei Kansas City viel über Patrick Mahomes gesprochen wird, versteht sich von selbst und ist würdig und recht.

Die Philosophie der 49ers ist ein wenig anders. Dies macht sich auch im Roster bemerkbar. Was absolute Topspieler betrifft, haben ziemlich sicher die Chiefs die Nase vorne. Was die Quantität an guten Spielern betrifft, mit hoher Wahrscheinlichkeit die 49ers.

Sicherlich haben sie einen Kittle oder einen Bosa - beide taugen durchaus als Posterboys. Aber der Eindruck, dass sie nicht nur auf viele verschiedene Arten gewinnen können, sondern auch immer wieder unterschiedliche und nicht immer übermäßig bekannte Matchwinner stellen können, täuscht nicht.

Raheem Mostert lässt grüßen.

Der Running Back, der Green Bay im NFC Championship Game demolierte, ist auch ein gutes Beispiel für eine weitere Auffälligkeit. Bei den 49ers nehmen relativ viele ungedraftete Spieler bemerkenswerte Rollen ein, was für ein gutes Auge der Verantwortlichen spricht. Beispielsweise auch Matt Breida, Kendrick Bourne oder Emmanuel Moseley kamen auf dem zweiten Bildungsweg in die Liga.

Star-Allüren sind bei den 49ers jedenfalls nicht gerne gesehen. Vielleicht tut sich mit Dante Pettis auch deshalb ein hoch gedrafteter und mit riesigen Erwartungen bedachter Receiver so schwer. Talent allein ist im Shanahan-Land aber eben nicht alles.

Viel mehr ist die selbstlose Herangehensweise eines Kittle gefragt. Dem scheint es wurscht zu sein, wenn er mal nicht als Passempfänger glänzen kann, sondern als Blocker schuften muss.

Mit Richard Sherman, das vielleicht spannendste Free-Agent-Experiment von Shanahan/Lynch, fügte sich auch einer der NFL-Superstar des Jahrzehnts nahtlos ein und übernahm eine Mentoren-Rolle.

Ob all das reicht, um die vergleichsweise eindimensionale, aber umso genialere Mahomes-Maschinerie defensiv zu bremsen und offensiv zu übertrumpfen? Dafür müssen wohl einige "neue" Stars her.

Fakt ist jedenfalls eines: Auch wenn es sich ein wenig unterscheidet, wie Kansas City und San Francisco ihren Erfolg "gebastelt" haben - die Basis wurde bei beiden 2017 gelegt.

Persönliche Erinnerungen an Super-Bowl-Reisen:

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