Belichick-Erben? Schüler, Legende und zwei Freunde

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Ja, wirklich - Bill Belichick wird in dieser Saison nicht die Super Bowl gewinnen.

Schon ein Championship Sunday, wenn die beiden Teilnehmer am NFL-Endspiel ermittelt werden, ohne die New England Patriots ist sehr ungewohnt.

Nachdem auch Pete Carroll (Seattle) und John Harbaugh (Baltimore) die Playoff-Segel streichen mussten, steht bereits jetzt fest: In dieser Saison wird ein Head Coach seinen ersten Super-Bowl-Triumph feiern.

Es ist ein spannendes Quartett, das noch im Rennen ist und sich quasi um das Erbe des entthronten Belichick bewirbt.

Mit Belichick-Schüler Mike Vrabel (Tennessee Titans) sowie den beiden Kumpels Matt LaFleur (Green Bay Packers) und Kyle Shanahan (San Francisco 49ers) ein Trio, das noch eher am Anfang der Cheftrainer-Karriere steht.

Ihnen steht mit Andy Reid (Kansas City Chiefs) eine lebende Head-Coach-Legende gegenüber, die längst überfällig für den ganz großen Wurf wäre.

LAOLA1 stellt die Coaches der vier Titelanwärter vor. Dabei kommen auch Berühungspunkte zu Tage. Sein "bestes Stück" hat allerdings nur einer von ihnen verwettet.

KYLE SHANAHAN:

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San Francisco 49ers, 40 Jahre alt

Jung, modern, hip, ziemlich eloquent - eine neue Generation an ähnlichen Head-Coach-Typen ist gerade am besten Weg, in der NFL für Furore zu sorgen. Und Shanahan ist einer ihrer "Posterboys".

Und wenn man so will, der "Chef" einer besonders begabten Clique, der auch Green Bays Head Coach Matt LaFleur angehört.

LaFleur und Shanahan Jr. sind nämlich ziemlich beste Freunde und stehen sich jetzt auf dem Weg zum NFC-Gipfel gegenseitig im Weg - aber dazu später mehr im Kapitel über LaFleur.

Die Shanahan-Story dreht sich auch und vor allem darum, dass er "Sohn" ist. Und man kennt es aus der Welt der Sports: Söhne besonders erfolgreicher Väter haben es zumeist ziemlich schwer.

"Papa" Mike Shanahans Triumphe

Außer man erwirbt sich relativ flott den Ruf, einfach genialer zu sein. Spät in seiner Karriere griff schließlich sogar Mike Shanahan auf sein "Wunderkind" zurück. Aber der Reihe nach:

Mike Shanahan führte 1998 und 1999 die Denver Broncos zu zwei Super-Bowl-Triumphen in Folge und ermöglichte dabei der lebenden Quarterback-Legende John Elway ein perfektes Karriereende. Mit 170 Regular-Season-Siegen liegt er auf Rang 14 der ewigen NFL-Trainer-Bestenliste.

1995 war er Offensive Coordinator der San Francisco 49ers bei ihrem bis dato letzten Super-Bowl-Sieg - er dirigierte eine famose Offense um die beiden Allzeitgrößen Steve Young und Jerry Rice.

Kyle erlebte den damaligen Triumphzug als 15-jähriger Teenager mit. 25 Jahre später soll es der Sohnemann in der Bay Area richten. Im Prinzip arbeitete er sein komplettes Leben darauf hin, nicht nur NFL-Head-Coach zu werden, sondern ein richtig, richtig guter NFL-Head-Coach.

Arbeit ist dabei ein gutes Stichwort. Natürlich bot der berühmte Dad die Eintrittskarte in die NFL. Aber es braucht durchaus Einsatz, Disziplin und in konkreten Fall enormes Strebertum sowie noch viel mehr Kreativität, um etwas daraus zu machen.

Gruden besorgt den ersten Job

Mit 24 gab ihm Jon Gruden als Mitglied des Staffs der Tampa Bay Buccaneers den ersten Job in der NFL. Zwei Jahre später holte ihn Gary Kubiak, früher Offensive Coordinator unter Papa Mike in Denver, als Wide Receivers Coach zu den Houston Texans.

Kyle arbeitete sich flott nach oben und wurde Anfang 2008 ein knappes Monat nach seinem 28. Geburtstag als Offensive Cordinator der Texans präsentiert - als jüngster Coordinator der Liga.

In selber Funktion arbeitete er 2010 bis 2013 für Papa Mike bei den Washington Redskins. Dass dort der Knopf nicht aufgehen wollte, lag womöglich auch an einem zwischenmenschlich schwierigen Umfeld in der Hauptstadt. Vielleicht lernte Kyle auch hier, dass man zwar in der Sache hart sein sollte, aber eine Spur mehr Menschenfänger sein darf, als sein Papa es phasenweise war.

2014 leitete er die Offense der Cleveland Browns und der notorische Loser war in dieser Saison recht fein anzusehen. Seine letzte Assistenten-Rolle übernahm er 2015 und 2016 bei den Atlanta Falcons.

Genie und Wahnsinn bei Atlantas Super-Bowl-Pleite

Unvergessen, wie schlecht seine Offense in Super Bowl LI Bill Belichicks New England Patriots lange Zeit aussehen ließ und eine 28:3-Führung herauspielte. Allerdings nicht lange genug.

Dass Atlanta doch noch verlor, ist fraglos die schwärzeste Stunde in Shanahans Karriere, der sich massiver Kritik ausgesetzt sah, die hohe Führung nicht mit besserem Playclock-Management nach Hause gespielt zu haben.

Sein Genie war in dieser Partie jedoch auf der größten denkbaren NFL-Bühne für jedermann mit freiem Auge erkennbar.

Natürlich stand zu diesem Zeitpunkt auch schon inoffiziell fest, dass er neuer Head Coach der San Francisco 49ers werden würde. Der Autor dieser Zeilen wurde bei der Media Night vor dem NFL-Endspiel Zeuge des rhetorischen Kunststücks Shanahans, in San Francisco große Vorfreude auf seine Person zu kreieren, ohne offiziell zugeben zu dürfen, dass er zu den 49ers geht.

Konsequente Aufbauarbeit in San Francisco

Es braucht auch kommunikative Stärke, um sein Offensiv-System zu vermitteln. Selbiges ist zwar mitunter attraktiv anzusehen, gilt jedoch als eines der kompliziertesten der Liga und als besonders schwierig zu lernen.

Auch dies machte eine ebenso behutsame wie konsequente Aufbauarbeit in seinen ersten beiden Saisonen notwendig, in der Shanahan - für einen Head-Coach-Neuling mit beachtlicher Machtfülle ausgestattet - gemeinsam mit GM John Lynch, ein alter Schützling seines Papas, einer schlimm am Boden liegenden Franchise neues Leben einhauchte.

Und ja, es ist tatsächlich "seine" Offense, denn Shanahan übernimmt nicht nur das Playcalling, sondern pfeift auch gleich auf einen Offensive Coordinator. Er ist quasi ein Chef, der so viel arbeitet, dass er auch gleich den Stellvertreter-Job mitübernimmt.

Dafür verfügt er über Assistenten, die Lauf- und Passspiel organisieren. Sein Passing Game Coordinator ist Mike LaFleur - der jüngere Bruder des Herrn, um den sich das nächste Kapitel dreht und in dessen Karriere/Leben Shanahan mehr als nur eine Nebenrolle spielt.

MATT LAFLEUR:

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Green Bay Packers, 40 Jahre alt

In gewisser Art und Weise ist auch die große NFL ein kleines Dorf, in dem es nicht schadet, wenn man die richtigen Leute kennt.

Was man dann daraus macht, bleibt jedem selbst überlassen.

Matt LaFleur ist dafür ein gutes Beispiel, und es hat ihm bestimmt nicht geschadet, irgendwann den Shanahans über den Weg gelaufen zu sein.

Hergestellt hat den Kontakt ein gewisser Robert Saleh, heute Kyle Shanahans Defensive Coordinator bei den San Francisco 49ers. Saleh und LaFleur waren 2004 Assistenten bei der Central Michigan University und teilten sich eine WG, bei deren Einrichtung sie sich dem Vernehmen nach keine Sessel leisteten.

Saleh überredete Kyle 2008, LaFleur in seinen Mitarbeiterstab bei den Houston Texans zu holen. Die nächsten Stationen des heute 40-Jährigen in der NFL waren die Washington Redskins und die Atlanta Falcons.

Die Clique um Shanahan, LaFleur und McVay

Wer das Kapitel über Kyle gelesen hat, kann sich an dieser Stelle zusammenreimen, dass LaFleur von Shanahan Jr. stets mitgenommen wurde, und zwar als Quarterbacks-Coach. Nur das einjährige Gastspiel in Cleveland ließ LaFleur aus und versuchte sich stattdessen an der Notre Dame University als Betreuer der Spielmacher.

Bis auf diese eine Saison arbeiteten Kyle Shanahan und Matt LaFleur also von 2008 bis 2016 zusammen. Mehr als genug Zeit, um eine enge Freundschaft zu entwickeln und wertvolle Kontakte zu knüpfen.

Dieser Clique gehört unter anderem auch ein gewisser Sean McVay an, der in Washington vier Jahre für die Shanahans arbeitete und 2017 Head Coach der Los Angeles Rams wurde, mit denen er vergangenes Jahr die Super Bowl verlor.

McVay gab seinem Ex-Kollegen LaFleur 2017 bei den Rams seinen ersten Posten als Offensive Coordinator. 2018 übernahm er denselben Posten unter Mike Vrabel bei den Tennessee Titans, auf den er in Super Bowl LIV treffen könnte.

Die NFL-Welt ist tatsächlich ein Dorf.

Keine Klo-Pausen für Shanahan Sr.

Wie zum Beweis dafür ist Mike Pettine, Kyle Shanahans Head Coach 2014 in Cleveland, nun LaFleurs Defensive Coordinator in Green Bay. LaFleurs jüngerer Bruder Mike wiederum ist einer der wichtigsten Assistenten von Kyle in San Francisco.

Matt LaFleur, vor dieser Saison zum Head Coach der Packers bestellt, wollte sein Bruderherz unbedingt nach Green Bay lotsen, doch Shanahan legte kompromisslos sein Veto ein.

Vieles geht auf die gemeinsamen Jahre mit Shanahan Senior in Washington zurück. Mike Shanahan habe ihm gezeigt, wie ein Head Coach in der NFL in Sachen Einsatzbereitschaft funktionieren müsse, erzählte LaFleur immer wieder.

"Ich kenne niemanden, der ähnlich fokussiert ist. Er konnte stundenlang beim Videostudium sitzen, ohne aufzustehen, um Wasser oder Cafe zu holen oder einfach nur eine Piss-Pause zu machen", lacht LaFleur bewundernd.

Super-Bowl-Champion im ersten Jahr?

Inzwischen ist er selbst ein Chef und hat tatsächlich im ersten Jahr als Head Coach die Chance, den ultimativen Preis zu gewinnen. Mehr als die Super Bowl geht in der NFL nun mal nicht.

Im Vergleich zur Aufbauarbeit, die Kumpel Kyle in San Francisco leisten musste, hat sich LaFleur in Green Bay zwar in ein gemachtes Bett gelegt. Aber es ist nicht unclever, wie er die Packers durch diese Saison dirigierte.

Ja, die Packers agierten schon mal spektakulärer und scheinen inzwischen nur noch so hoch zu springen, wie sie müssen. Auf der anderen Seite: Was nutzten im vergangenen Jahrzehnt all die megaspektakulären Auftritte unter Mike McCarthy, wenn man mit einem Generationen-Talent wie Aaron Rodgers bislang nur einen Super-Bowl-Titel zu Buche stehen hat?

Das direkte Duell mit Shanahan um den Einzug in die Super Bowl soll für LaFleur zudem zur großen Revanche werden. Die beiden ziemlich besten Freunde haben sich in dieser Saison nämlich schon einmal duelliert.

Ende November feierte Kyle gegen Matt einen 37:8-Kantersieg. Nun soll alles anders werden.

ANDY REID:

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Kansas City Chiefs, 61 Jahre alt

Gibt es eigentlich jemanden, der Andy Reid den ganz großen Wurf nicht gönnen würde?

46 Jahre alt war Andy Reid, als er im Februar 2006 seine bislang einzige Super Bowl als Head Coach bestritt - und verlor.

Die Chance würde bestimmt wieder kommen, dachte man sich damals nach der Niederlage mit seinen Philadelphia Eagles gegen die New England Patriots mit Bill Belichick und Tom Brady.

Sie kam aber nicht - und das könnte auch als Warnung an die jüngeren Coaches, die ihm derzeit am Weg zur Vince-Lombardi-Trophy im Weg stehen, gelten: Man muss die Chance nützen, wenn sie sich bietet.

Das stimmt für gewöhnlich, wobei in Reids Fall irgendwie auch nicht. Denn die Chance bot sich Reid oft. Ganz oft. Aber irgendwie kam immer irgendetwas dazwischen.

Die aktuelle Playoff-Teilnahme mit den Kansas City Chiefs ist bereits die 15. in 21 Jahren als Head Coach - eine herausragende Quote.

Nur sechs Coaches haben mehr NFL-Siege

Das bedeutet jedoch auch, dass sich bereits 14 Playoff-Niederlagen in seinem Lebenslauf finden und er aufpassen muss, nicht der Coach mit den meisten Pleiten in der Postseason zu werden - nur die beiden Urgesteine Don Shula (17) und Tom Landry (16) haben öfter verloren.

Das Duo darf sich aber zumindest mit Super-Bowl-Ringen trösten. Reid indes ist der Trainer mit den meisten Playoff-Siegen (13), der nie den Super-Bowl-Triumph einfahren konnte - mit John Harbaugh (Baltimore) und Doug Pederson (Philadelphia) avancierten inzwischen sogar schon langjährige Schüler des Lehrmeisters zu Champions.

In der ewigen NFL-Rangliste an Siegen von Head Coaches ist Reid mit deren 207 bereits auf dem siebenten Platz - alle sechs Herrschaften vor ihm haben nicht nur klingende Namen, sondern auch teils wesentlich mehr Dienstjahre vorzuweisen: Don Shula (328 Siege), George Halas (318), Bill Belichick (273), Tom Landry (250), Curly Lambeau (226) und Paul Brown (213).

So viele Siege, nur der eine entscheidende fehlt.

Das Duell mit den Tennessee Titans wird bereits das siebente Championship Game in seiner Karriere als Head Coach. Die bisherige Bilanz fällt mit fünf Niederlagen bei einem Sieg traurig aus. Beim bislang letzten Versuch vor einem Jahr fand New England einen Weg, um Kansas City am Super-Bowl-Einzug zu hindern.

Der Quarterback-Flüsterer

Um eingangs gestellte Frage zu beantworten: Man muss wohl ein ganz großer Fan eines der Erzrivalen von Reids bisherigen Arbeitgebern sein, um dem mittlerweile 61-Jährigen als Krönung seines beachtlichen Lebenswerks nicht den Super-Bowl-Sieg zu gönnen.

Reid gilt nämlich als durchaus beliebt - etwas sarkastisch gesagt vielleicht auch deswegen, weil er im entscheidenden Moment höflich genug ist, anderen den Vortritt zu überlassen.

Dabei hat er bereits einen Super-Bowl-Ring, allerdings "nur" als Assistant Coach der Green Bay Packers bei ihrem Triumph gegen New England 1997 in Super Bowl XXXI.

Ein Jahr später setzte es im NFL-Endspiel eine Niederlage gegen die von Kyles Vater Mike Shanahan betreuten Denver Broncos. Sollten es die Chiefs in die Super Bowl schaffen, sind die Fragen bezüglich Reise in die Vergangenheit also schon vorprogrammiert. Vor allem ein Duell mit Green Bay wäre nach sieben Packers-Jahren wohl extrem emotional.

Wie Reid überhaupt eine treue Seele ist. Die Chiefs sind in knapp drei Jahrzehnten NFL erst der dritte Arbeitgeber. Zudem eilt ihm vor allem der Ruf des Quarterback-Flüsterers voraus, der immer wieder extrem attraktiv anzusehende Offenses aufs Feld schickte.

Die vielen Jahre mit Donovan McNabb in Philly und nun die beeindruckende Phase mit Supertalent Patrick Mahomes sind sicherlich das Fundament dieses Rufs. Wenn seine beiden langjährigen Stars mal nicht zur Verfügung standen, holte er jedoch auch aus ihren weit weniger begabten Backups oftmals erstaunliche Leistungen heraus - und das ist die mutmaßlich noch größere Leistung.

Zweite Chance für Vick und Drogen-Drama

Ob es ein anderer Coach geschafft hätte, etwa der Karriere von Michael Vick nach dessen Gefängnisaufenthalt neues Leben einzuhauchen? Die meisten wären dieses Wagnis erst gar nicht eingegangen.

Der Glaube, dass jeder eine zweite Chance verdient, resultiert wohl auch aus den Drogen-Problemen in der eigenen Familie. 2007 landeten seine Söhne Garrett und Britt wegen Drogen-Vergehen im Gefängnis. Der Vater nahm damals eine sechswöchige Auszeit, um den nach einem Autounfall am Abgrund stehenden Garrett zu retten.

Die Story hat leider kein Happy End. Garrett starb fünf Jahre später 2012 an einer Überdosis Heroin. Britt wiederum kriegte die Kurve und gehört heute als Coach der Outside Linebackers bei den Chiefs dem Coaching Staff seines Vater an.

Keine Frage, es gibt Wichtigeres als diesen Super-Bowl-Ring. Aber Reid ist überfällig, ihn endlich zu bekommen.

MIKE VRABEL:

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Tennessee Titans, 44 Jahre alt

Ein klassischer Fall von selber schuld!

Da schafft man es mit seinem Team völlig überraschend in den Vorhof der Super Bowl und jeder unterhält sich über deinen Penis. Und das ist nicht einmal ein Scherz, wenngleich diese Story natürlich mit Augenzwinkern zu betrachten ist.

Der Hintergrund: Vergangenen Sommer war Vrabel zu Gast beim Podcast "Bussin' with the Boys", bei dem sein Schützling Taylor Lewan einer der Hosts ist. Lewan erzählte, dass ein Mitarbeiter der Show gemeint hätte, er würde sein bestes Stück für einen Super-Bowl-Sieg opfern.

Lewan schloss dies für sich persönlich aus, reichte die Frage jedoch frecherweise an seinen Coach weiter und dem fiel keine bessere Antwort ein als: "Ich bin seit 20 Jahren verheiratet, also wahrscheinlich."

Den Einwand seines Spielers, dass Vrabel ja ohnehin schon drei Super-Bowl-Ringe habe, konterte Vrabel wiefolgt: "Als Spieler... Irgendwann werdet ihr auch 20 Jahre lang verheiratet sein. Ihr braucht ihn nicht."

Ehefrau nimmt "Penis-Wette" locker

Die Befürchtungen, dass seine Ehefrau Jen ob dieser Äußerungen beleidigt sein könnte, waren unnötig. Sie meldete sich auf "Twitter" zu Wort und bat für den Fall der Fälle "help with the process" an.

Nun gut, damit dass die Titans tatsächlich zu diesem Zeitpunkt noch im Super-Bowl-Rennen sein würden, war vor einigen Monaten nicht unbedingt zu rechnen. Entsprechend wird Vrabel damit leben können, dass sich diverse US-Medien nach den Playoff-Triumphen gegen New England und Baltimore mit Meldungen zur Penis-Wette überschlagen haben.

Welchen "Pakt mit dem Teufel" der 44-Jährige auch eingegangen sein mag: Diese Episode sagt auch einiges über den Coach Vrabel aus - und der ist im Vergleich zum Spieler Mike Vrabel noch ein relativ unbeschriebenes Blatt.

Es gibt durchaus ehemalige (Star-)Spieler, die es als Coach weit gebracht haben. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass jemand als Spieler und als Coach die Super Bowl gewonnen hat - und zwar als Star-Spieler und nicht als Mitläufer. Mike Ditka zum Beispiel, der Mastermind hinter den legendären 85er-Bears, war auch als Aktiver ein richtiger Könner.

Titel-Hilfe für den jungen Tom Brady

Mit seinen drei Super-Bowl-Triumphen mit den New England Patriots, und das als integraler Bestandteil jener Defense, die dem jungen Tom Brady das Leben leichter gemacht hat, gehört Vrabel fraglos zu den namhafteren Ex-Spielern, die sich als Coach versucht haben.

Dass bei seinem dritten Triumph im NFL-Endspiel mit Andy Reid sein Sonntags-Gegner Head Coach von Verlierer Philadelphia Eagles war, und dass Vrabel seine Karriere 2009 und 2010 bei den Kansas City Chiefs ausklingen ließ, sei nur am Rande erwähnt. Auch in diesem Duell gibt es also Berührungspunkte.

Für einen erfolgreichen Linebacker lag es nahe, als Linebackers Coach die Eintrittskarte in die Coaching-Welt zu lösen. Das erste NFL-Team, das auf ihn aufmerksam wurde und ihn von seiner Uni Ohio State weglotste, waren 2014 die Houston Texans, die ihn nach drei Saisonen 2017 zum Defensive Coordinator beförderten.

Ein Jahr später lockte mit den Tennessee Titans ein AFC-South-Rivale mit dem ersten Head-Coach-Job - eine Entscheidung, die nicht nur bejubelt wurde. Denn so bekannt sein Name, so unerfahren war er eigentlich noch in höheren Coaching-Sphären.

Einzig verbliebener Defense-Spezialist

Als einziger verbliebener Defense-Spezialist im Super-Bowl-Rennen umweht ihn vielleicht nicht die Guru-artige Aura wie so manches Offensiv-Hirn, das noch im Rennen ist. Aber erstens kann man nicht behaupten, dass es Spaß macht, gegen diese Titans-Defense zu spielen.

Zweitens lässt er immer wieder spannend-originelle Playcalls zu - nur als Beispiel: Dann muss gegen Baltimore eben auch mal Running-Back-Superstar Derrick Henry einen TD-Pass werfen.

Letztlich ist man als Head Coach ohnehin Manager des großen Ganzen - und hier hat Vrabel bisher ein gutes Näschen. Sowohl die Oldschool-Spielanlage als auch kritische Personalentscheidungen funktionieren - seit der hausintern gedraftete Quarterback Marcus Mariota durch den in Miami gescheiterten Ryan Tannehill ersetzt wurde, läuft es plötzlich.

Wer die Penis-Zeilen oben genau gelesen hat, wird vielleicht richtig interpretiert haben: "Als Spieler...", konterte er den Hinweis auf seine drei Super-Bowl-Ringe. Wie viel ihm dieser Triumph als Coach bedeuten würde, ist inzwischen gut dokumentiert.

Ein bisschen flapsig formuliert: Die Vince-Lomardi-Trophy wäre dann sein zweitbestes Stück...

Textquelle: © LAOLA1.at

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