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LeBron James und die ewige Frage nach dem GOAT

Michael Jordan oder LeBron James? Spätestens nach dem ewigen Punkterekord startet die Diskussion nach dem Größten aller Zeiten wieder.

LeBron James und die ewige Frage nach dem GOAT Foto: © getty

LeBron James ist längst mehr als nur ein Basketball-Spieler.

Der 38-Jährige ist das Gesicht der NBA, ein Anführer auf und neben dem Parkett. In den letzten Jahren hat sich der Superstar vermehrt dem Kampf um soziale Gerechtigkeit verschrieben.

Eine Frage bleibt trotz des ewigen Punkterekordes, den er Kareem Abdul-Jabbar am Dienstag abgenommen hat:

Hat James einen legitimen Anspruch, Michael Jordan den Status als bester Basketballer aller Zeiten streitig zu machen?

LeBron sorgt zumindest für Diskussion

Für viele Beobachter und Zeitgenossen der Jordan-Ära fällt die Antwort klar aus: nein. Auch aus verschiedenen Umfragen, mit denen US-Medien der Frage nach dem "Greatest of all time" (GOAT) auf den Grund gehen wollten, geht der sechsmalige Meister der 1990er-Jahre als Sieger hervor.

Der nimmermüde James hat es in den vergangenen Jahren aber geschafft, dass zumindest eine Diskussion entstanden ist.

James spielt auch in seiner 20. Saison in der nordamerikanischen Profiliga auf Topniveau. Ein körperlicher Abfall ist nicht zu erkennen, der Altmeister ist nach wie vor der überragende Spieler der Los Angeles Lakers.

Mit dem Glamour-Team aus Kalifornien hat er 2020 in der Corona-"Bubble" in Orlando den vierten Meistertitel seiner Karriere geholt. Kritiker entgegnen: Sechsmal hat James auch eine Finalserie verloren. Jordan ist so etwas nie passiert.

Der statistische Vergleich

Tatsächlich hat "His Airness" die Chicago Bulls von 1991 bis 1993 und nach einer Baseball-Auszeit von 1996 bis 1998 je dreimal in Serie zum NBA-Titel geführt. Seine Bilanz in Finalserien: 6:0. In Sachen spielentscheidende Würfe gilt Jordan als Nonplusultra.

James ist ein anderer Spielertyp, er gibt den Ball auch gerne ab. Das dokumentieren mehr als 10.000 Karriere-Assists, mit denen er auf Nummer vier der ewigen NBA-Bestenliste steht.

Während James bei Assists oder Rebounds die Nase vorne hat, sprechen andere Statistiken für Jordan - 30,1 zu 27,2 Punkte pro Spiel im Karriereschnitt, 33,4 gegenüber 28,7 in den Playoffs. Dazu wurde Jordan neunmal in seiner Laufbahn ins Team der besten fünf Verteidiger der Liga gewählt.

"King James" gelang das immerhin sechsmal. Möglicherweise ist er sogar der komplettere Spieler, Jordans Status hat er beim Großteil der Fans aber noch nicht ganz erreicht - zumindest nicht bei jener Generation, die "MJ" noch live hat spielen gesehen. Auch das belegen Umfragen.

Ikonen der Popkultur

Dabei haben sich James wie Jordan mit Basketball ein Imperium aufgebaut. Beide haben in Hollywood-Filmen mitgewirkt, sind Ikonen der Popkultur.

James hat sich zuletzt vermehrt sozialer Themen angenommen. Er kämpft für Wählerrechte, kritisiert Polizeigewalt gegen Afroamerikaner und investiert in die Zukunft.

In seiner Heimatstadt Akron in Ohio finanziert James über seine Familienstiftung unter anderem ein Schul- und Ausbildungszentrum für weniger privilegierte Jugendliche.

Polarisierende Wechsel

Mit seinen Klubwechseln hat James aber auch polarisiert. 2010 zog es den Ausnahmekönner unter großem medialen Getöse (Sondersendung "The Decision", die Entscheidung) von den Cleveland Cavaliers, die ihn 2003 im Draft an erster Stelle ausgewählt hatten, zu den Miami Heat.

In Ohio nahm man ihm das übel, auf der Straße wurden Dressen verbrannt.

Zwei Meisterschaften holte James 2012 und 2013 mit dem Starensemble der Heat, ehe er nach Cleveland zurückkehrte und der Stadt 2016 auch ihren NBA-Titel bescherte. Seit 2018 spielt er für die Lakers, für die einst auch Abdul-Jabbar die Schuhe schnürte.

In der Debatte um den "GOAT" spielt der bisherige Inhaber des Punkterekordes aber ebenso wie Magic Johnson, Kobe Bryant, Wilt Chamberlain oder Bill Russell eine untergeordnete Rolle.

James hat es geschafft: Wenn es ein Rennen um den Status gibt, dann ist es höchstens ein Duell.

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