Rallye-WM: "Kein Stallkrieg" bei den Champions

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Nach einigem Hin und Her - wie in Zeiten der Corona-Pandemie üblich - stand erst kürzlich die Austragung der 89. Rallye Monte Carlo und damit der Beginn des WRC (FIA-WM) von Donnerstag bis Sonntag fest.

84 Teams haben für die "Mutter aller Rallyes" gennant. Die traditionelle, publikumswirksame Veranstaltung in den französischen Seealpen muss erstmals ohne Zuschauer auskommen. Die irre Hatz der weltbesten "Quertreiber" wird wegen der Pandemie und der damit verbundenen Beschränkungen auf 15 Sonderprüfungen (280 km) gekürzt.

Der Service-Stützpunkt sowie der Etappen-Start erfolgt in Gap, dem Geburtsort des siebenfachen Rallye-Weltmeisters Sebastien Ogier, der dort einst als Skilehrer sein Geld verdiente.

Sebastien Ogier startet im Toyota Yaris WRC
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Der 37-jährige Franzose hält bei 49 Erfolgen bei WM-Läufen und kann quasi vor seiner Haustür mit seinem insgesamt achten Monte-Carlo-Triumph den 50. WRC-Sieg holen. Lokalmatador Ogier siegte 2009 in einem Peugeot 207 Super 2000 als die 77. Auflage der Monte keinen WM-Status hatte und wiederholte den Sieg im Volkswagen Polo R WRC (2014, 2015, 2016) sowie im Ford Fiesta WRC (2017, 2018) und im Citroen C3 WRC (2019).

Kann der "Monte"-Spezialist im Toyota Yaris WRC am Sonntag mit der fünften Automarke über den achten Sieg beim Rallye-Klassiker jubeln? Auf die Teams wartet am Wochenende in jedem Fall die kürzeste "Monte" aller Zeiten.

Die Marken-Weltmeister Hyundai (Ott Tänak/EST, Thierry Neuville/BEL, Dani Sordo/ESP), das Toyota-Team um Fahrer-Champion Ogier (plus Elfyn Evans/GBR, Kalle Rovanperä/FIN, Takamoto Katsuta/JAP) sowie M-Sport Ford (Teemu Suninen/FIN, Gus Greensmith/GBR) und Hyundai 2C (Pierre-Louis Loubet/FRA) stellen die zehn WRC-Werkteams.

Die 89. Auflage wird die kürzeste "Monte" aller Zeiten

Und wer ist Favorit? "Wir erwarten wieder einen Zweikampf mit Toyota um die WM, es wird eine harte und enge Auseinandersetzung", sagt Hyundais Motorsport-Direktor Andrea Adamo im Interview mit LAOLA1. Bei der Zielsetzung gibt sich der 49-jährige Italiener gar nicht bescheiden: "Wir streben das Triple, also den dritten Hersteller-Titel in Folge, und auch die Fahrer-WM an. Aber am wichtigsten ist der Gewinn der Konstrukteursmeisterschaft. Wenn auch die Fahrer-WM geholt wird, wäre das ein kompletter Erfolg."

Da drängt sich natürlich die Frage nach einem möglichen "Stallkrieg" zwischen Ex-Weltmeister Ott Tänak - der Este kam ja als Champion 2019 von Toyota vor der Saison 2020 zu Hyundai - und Langzeit-Stammpilot Thierry Neuville auf, der die gesamte Entwicklungsarbeit bei Hyundai seit dem WM-Einstieg 2014 mitgetragen hat.

Hyundai-Teamchef will nicht über Entwicklungen sprechen...

Thierry Neuville siegte 2020 im Hyundai i20 WRC
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"Es wird bei uns keine Rivalität geben, weil alle die Teamziele hochhalten werden. Jeder will gewinnen, aber das sind clevere Typen, die wissen, worum es geht. Jeder ist smart genug, das zu verstehen", glaubt Adamo, der im dritten Werks-i20 wieder Daniel Sordo und Craig Breen alternieren lässt.

Was ist mit Ausnahme des Reifen-Herstellers - Wechsel von Michelin auf Pirelli - neu am Auto? Adamo: "Über Entwicklungen sprechen wir nicht gern… Der Neustart mit Pirelli ist für jeden gleich."

Was die Auswirkungen der Pandemie auf die Saison 2020 und die kommende betrifft, meint der mit 254 Mitarbeitern aus Alzenau (bei Aschaffenburg) operierende Hyundai-Sportchef: "Wir sind sehr glücklich davongekommen, das Programm war nicht gravierend betroffen. Man musste sich anpassen in der ganzen Logistik, im Transport, bei Zulieferungen, aber die Zusammenarbeit mit den Partnern funktionierte, so dass alles durchzubringen war."

Der Turiner meint weiter: "Es war nicht leicht, aber wir haben das Beste herausgeholt. Leider haben wir kein klares Bild über die Zukunft. Im März 2020 wussten wir nicht, ob und wie es eine weitere Saison geben würde. Man muss auf alles schnell reagieren können."

Zwei WM-Läufe in Finnland! Arctic-Rallye ersetzt Schweden

So wird es auch heuer Absagen und Verschiebungen geben. Erst kürzlich wurde die Arctic-Rallye in Finnland als Ersatz für Schweden im Februar bekanntgegeben (damit ist Finnland zwei Mal WM-Schauplatz), die Großbritannien-Rallye wird durch Belgien ersetzt – nach derzeitigem Stand...

Hyundais Chef, der sich neben der Rallye-WM auch um Tourenwagen-Kundensport (WTCR) inklusive der kommenden Elektro-Variante E-TCR (mit dem Veloster) kümmert, will sich zur Dauer des WRC-Engagements nicht genau festlegen: "Was bedeutet 'long-term'? Im Moment schaut es nach langer Unsicherheit aus, aber wir wollen zuerst einmal die Herausforderungen der Pandemie bewältigen und dann weitersehen. Aber unser Programm ist sicher nicht kurzfristig ausgelegt."

Adamo: "In Korea waren alle glücklich - Mission erfüllt!"

Hyundai-Motorsportdirektor Andrea Adamo

Denn die Reaktion auf zwei WM-Titel in Folge war natürlich auch in der Konzern-Zentrale gewaltig: "Es war sicher mission accomplished, aber es war großartig zu sehen, wie glücklich alle in Korea waren, sie wussten, unter welch schwierigen Bedingungen dieser zweite Titel geholt wurde. 2019 war einfacher von der Vorbereitung her, der Titel 2020 war wirklich ein Meilenstein", erklärt Adamo.

Zwei österreichische Teams nehmen die "Monte" in Angriff: Der Salzburger Staatsmeister Hermann Neubauer und sein Wiener Co Bernhard Ettel greifen im Ford Fiesta RC2 mit Startnummer 28 ein, der Oberösterreicher Johannes Keferböck (mit der Wahl-Wienerin Ilka Minor auf dem "heißen Stuhl") startet seinen Skoda Fabia R2 mit Nummer 25 kurz davor in die WM-Prüfungen

WRC - Kalender 2021

21. bis 24. Jänner - Rallye Monte Carlo
26. bis 28. Februar - Arctic Rallye in Finnland
22. bis 25. April - Kroatien-Rallye
20. bis 23. Mai - Portugal-Rallye
03. bis 06. Juni - Italien-Rallye auf Sardinien
24. bis 27. Juni - Safari-Rallye in Kenia
15. bis 18. Juli - Estland-Rallye
29.7. bis 1. August - Finnland-Rallye
13. bis 15. August - Belgien-Rallye
09. bis 12. September - Rallye Chile
14. bis 17. Oktober - Spanien-Rallye
11. bis 14. November - Japan-Rallye

Textquelle: © LAOLA1.at

"Renaulution": Aus Renault wird Alpine F1 Team

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