Seither folgt ein verkorkstes Jahr dem nächsten, 2024 blieb "El Diablo" gänzlich ohne Podestplatz. Trotzdem ließ sich der Publikumsliebling auf eine finanziell lukrative Vertragsverlängerung bis Ende 2026 ein - in der Hoffnung auf den Umschwung.
Zwar investierte Yamaha kräftig in Personal und Ressourcen, mit Max Bartolini kam ein erfahrener Mann von Ducati als neuer technischer Direktor. Zudem verabschiedete man sich vom traditionsreichen Reihen-Vierzylinder und fährt 2026 mit einem V4-Motor.
Der konnte Quartararo bei den ersten Testfahrten in Misano und Valencia allerdings nicht beeindrucken. Deshalb ließ er schon im Oktober wissen: "Ich habe nun viele Jahre mit Problemen erlebt, jetzt möchte ich ein siegfähiges Motorrad."
Diesen Wunsch möchte ihm Honda erfüllen. Für 2027 und 2028 soll Quartararo beim großen Rivalen von Yamaha unterschrieben haben. Der erfolgreichste Hersteller der MotoGP-Geschichte setzt alles daran, wieder zur Großmacht zu werden.
KTMs Motorsportchef Pit Beirer meinte zuletzt gegenüber "motorsport-magazin.com": "Bei Honda scheinen sie das Geld abgeschafft zu haben."
Martins letzter Schuss?
Bei HRC, der Rennsportabteilung von Honda, war vergangenes Jahr noch Jorge Martin im Gespräch.
Der Weltmeister von 2024 trug im Sommer einen Vertragsstreit mit seinem aktuellen Arbeitgeber Aprilia öffentlich aus. Er war der Meinung, mittels einer Klausel das zweite Jahr seines Arbeitspapiers annullieren und schon 2026 zu Honda gehen zu können.
Der Zwist zwang die MotoGP-Chefetage dazu, ein Machtwort zu sprechen; sogar eine Sperre für die Saison 2026 wurde in Aussicht gestellt, sollte die Vertragssituation mit Aprilia nicht einwandfrei geklärt werden.
Letztlich rang sich der Spanier zu einem Verbleib bei Aprilia durch, offiziell wurden die Wogen geglättet – doch das Vertrauen hatte massiv unter der Causa gelitten.
Die Beziehung stand ohnehin nie unter einem guten Stern: Martin hatte sich am ersten Test-Tag schwer verletzt, erlitt wenige Rennen nach seiner Rückkehr weitere Verletzungen – und verpasst aktuell auch die Testfahrten in Sepang angeschlagen.
Deshalb wird Aprilia dem "Martinator" wohl keine Träne nachweinen, wenn er 2027 zu Yamaha wechselt und dort Quartararo ersetzt. Eine grundsätzliche Einigung soll bereits bestehen, die Unterschrift unter den neuen Kontrakt könnte in Malaysia gesetzt werden.
Gewissermaßen ist es der letzte Pfeil in seinem Köcher. Mit Aprilia und KTM, wo sich Martin 2020 aus dem Vertrag gemogelt hatte, hat es sich der Madrilene verscherzt.
Auch eine Rückkehr zu Ducati gilt als ausgeschlossen, seit er am Weg ins Werksteam mehrfach übergangen wurde.
Die Tür bei Honda ist nun zu, bleibt nur mehr Yamaha. Sitzt der Schuss nicht, könnte sogar seine MotoGP-Karriere nach 2028 enden.
Ducati als Schaltzentrale des Transfermarkts
Offiziell wollten sich die beiden Weltmeister auf die Gerüchte angesprochen noch nicht in die Karten blicken lassen, ebenso wenig wie Pedro Acosta.
Der KTM-Jungstar war vergangenen Donnerstag der dritte Hochkaräter, den spanische Medien einen Hersteller-Wechsel zur Saison 2027 in Aussicht gestellt haben.
Gemäß der "AS" soll es für den 21-Jährigen zu Ducati an die Seite von Marc Marquez gehen. Der amtierende Weltmeister soll sein Arbeitspapier um zwei Jahre verlängern.
Dass Acosta von Ducati als nächsten Superstar der Szene gesehen wird, gilt ebenso als offenes Geheimnis wie das Interesse des Spaniers an einem Platz beim MotoGP-Dominator der letzten Jahre.
Auch der Moto3- und Moto2-Weltmeister soll bei Ducati bereits für 2027 und 2028 unterschrieben haben, KTM-Motorsportchef Pit Beirer wollte den Kampf um sein größtes Juwel noch nicht aufgeben.
Er bestätigte, dass Acosta ein Angebot zur Vertragsverlängerung vorliege und eine Entscheidung vermutlich kurz nach den Tests in Sepang fallen würde.
Lauscht man dem Spanier, gewinnt man den Eindruck, dass seine Zukunft längst fest stünde. "Ich weiß nicht, wann meine Zukunft verkündet wird", sagte Acosta in Sepang und deutete an, dass es bald soweit sein könnte.
Acosta-Abschied würde KTM schwer treffen
Der Abgang des "Hai von Mazarron" wäre freilich ein herber Verlust für die Mattighofener, die den exorbitant hohen Ansprüchen des Spaniers bislang nicht gerecht werden konnten.
Besonders im Frühjahr 2025 herrschte große Unruhe, da Acosta liebend gerne um den WM-Titel gefahren wäre, KTM infolge der wirtschaftlichen Krise und einer verkorksten Saisonvorbereitung jedoch lange mit stumpfen Waffen gekämpft hatte.
Klärende Gespräche über den Sommer besänftigten die erhitzten Gemüter beiderseits, auf den Premierensieg in der MotoGP wartet der 21-Jährige jedoch weiterhin.
Ob Acosta diesen bei KTM einfahren wird? Dafür bleibt wohl nur mehr die Saison 2026.
Alex Marquez in Orange?
Dass seine Zukunft darüber hinaus wohl relativ sicher bei Ducati liegt, befeuern zusätzlich Berichte, wonach Alex Marquez an seiner Stelle beim österreichischen Werk andocken soll.
Der jüngere Bruder spitzt nach der Vizeweltmeisterschaft 2025 auf einen Platz in einem Werksteam, KTM gilt dabei als heißeste Option. Beirer und Co. sollen keine Kosten und Mühen scheuen, den Spanier nach Mattighofen zu lotsen.
"Vielleicht ist es auch an der Zeit, Risiko einzugehen."
Marquez betont selbst zwar, bei Gresini-Ducati "sehr glücklich" zu sein, aber: "Jeder Fahrer hat das Ziel, in einem Werksteam zu fahren. Wir arbeiten daran, die bestmöglichen Optionen zu haben, wenn es Zeit ist, sich zu entscheiden."
Gresini, eines der beiden Satellitenteams von Ducati, wäre dann "meine solideste Möglichkeit". Aber reicht solide, um den nächsten Schritt in der Karriere zu machen? "Vielleicht ist es auch an der Zeit, Risiko einzugehen", entgegnete der 29-Jährige.
Nach Informationen von "motorsport.com" befindet sich der Mann aus Cervera bereits in den finalen Vertragsverhandlungen mit KTM.
Neben ihm soll indes Maverick Vinales, der sich Ex-Weltmeister Jorge Lorenzo als Performance-Coach geangelt hat, ins Werksteam hochgezogen werden, was ein Fragezeichen hinter der Zukunft von Brad Binder aufwirft.
Bei Enea Bastianini lässt sich die Entwicklung derzeit noch nicht absehen.
Der Italiener, einst schon ein Kandidat bei Aprilia, könnte natürlich erneut vom Team aus Noale in Erwägung gezogen werden, wenn ein Nachfolger für Martin bestimmt werden muss.
Was passiert mit Bagnaia?
In den Diskussionen wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Name Francesco Bagnaia fallen. Mit Acostas nahender Ankunft bei Ducati wäre für den zweifachen Weltmeister kein Platz mehr im Werksteam frei, von der Romantik alter Tage ist sowieso nicht mehr viel vorhanden.
Die Italiener haben ihr Aushängeschild beim ersten Ausrutscher eiskalt im Regen stehen gelassen. Bagnaia dürfte nach einem misslungenen Jahr 2025 keine zweite Chance erhalten.
Neben Aprilia wäre ein Ducati-interner Wechsel ins VR46-Team unter die Fittichen seines Mentors Valentino Rossi eine logische Option. Auch Yamaha bleibt eine ernsthafte Alternative.
Dann würde es zur Vereinigung von Bagnaia und Martin kommen, die vor Marquez' Wechsel zu Ducati als die Traumpaarung schlechthin in Rot gesehen wurde.
"Mehr als 50 Prozent des Grids" werden Zukunft vor Thailand fixieren
Das Transferkarussell 2027 dreht Anfang 2026 bereits unermüdlich seine Runden.
Insider hatten erwartet, dass der Fahrermarkt im Angesicht der neuen Ära völlig verrückte Ausmaße annehmen könnte. Dass die Spekulationen derart früh beginnen würden, damit wurde nicht gerechnet.
"Wir sind schon davon ausgegangen, dass der ein oder andere Fahrer warten möchte, wie sich die 850ccm-Projekte entwickeln. Aber es rumort gewaltig und es gibt auch keinen Rauch ohne Feuer", meinte etwa Beirer.
Selbst Alex Marquez gestand: "Mehr als 50 Prozent des Grids werden ihre Zukunft schon vor dem ersten Rennen fixiert haben."
Das heißt: Die Zeit bis zum Saisonauftakt in drei Wochen in Thailand dürfte wie im Flug vergehen. Langeweile wird im MotoGP-Paddock bestimmt keine aufkommen.
SO SIEHT DAS MOTOGP-GRID 2027 AUS:
Anmerkung: Gefettete Fahrer haben ihren Platz 2027 bereits fix, bei den großgeschriebenen Piloten handelt es sich um Gerüchte.
Team | Hersteller | Fahrer 1 | Fahrer 2 |
|---|---|---|---|
Aprilia Racing | Aprilia | Marco Bezzecchi (bis 2028) | ? |
Trackhouse Racing | Aprilia | ? | ? |
Ducati Lenovo Team | Ducati | MARC MARQUEZ (bis 2028) | PEDRO ACOSTA (bis 2028) |
Gresini Racing MotoGP | Ducati | ? | ? |
VR46 Racing Team | Ducati | ? | ? |
Honda HRC | Honda | FABIO QUARTARARO (bis 2028) | ? |
LCR Honda | Honda | Johann Zarco | Diogo Moreira (bis 2028) |
Red Bull KTM Factory Racing | KTM | MAVERICK VINALES | ALEX MARQUEZ |
KTM Tech3 | KTM | ? | ? |
Monster Energy Yamaha MotoGP | Yamaha | JORGE MARTIN (bis 2028) | ? |
Prima Pramac Yamaha MotoGP | Yamaha | Toprak Razgatlioglu | ? |
Noch unklar: Francesco Bagnaia (VR46, Aprilia, Yamaha?), Fermin Aldeguer, Fabio di Giannantonio, Franco Morbidelli, Brad Binder, Alex Rins, Raul Fernandez, Ai Ogura, Luca Marini, Joan Mir, Enea Bastianini, Jack Miller.