Verstappen an seine Kritiker: "Das war nicht fair"

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Max Verstappen geht kompromisslos seinen Weg.

Vor zwei Jahren stieg er während der Saison von Toro Rosso zu Red Bull auf, wurde in seinem ersten Rennen für die "Bullen" mit 18 Jahren jüngster Sieger eines Formel-1-Grand-Prix.

Ein kommender Weltmeister - so das einhellige Urteil von Experten und Fahrer-Kollegen. 2018 wird er diesem Ruf bislang nicht gerecht. Verstappen macht Fehler, wirkt ungeduldig und selten einsichtig.

"Er darf sein grandioses Talent nicht vergeuden", meint Ex-Pilot Martin Brundle. Der 20-Jährige sieht sich nach zwei Podestplätzen in Kanada und Frankreich wieder auf dem richtigen Weg.

Im LAOLA1-Interview spricht Verstappen über seine Medien-Schelte in Le Castellet, seine besondere Beziehung zu Daniel Ricciardo und seine Erklärung für einen schwierigen Start in diese Saison: "Alles, was ich wollte, war einen guten Job zu machen."

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LAOLA1: Bist du nach den Plätzen zwei und drei in letzten beiden Rennen voller Zuversicht für den Heim-Grand-Prix von Red Bull?

Max Verstappen: Ich bin voll motiviert. In den letzten beiden Jahren war immer ein Red Bull hier auf dem Podium. Wir hoffen, dass es wieder zur Siegerehrung geht.

LAOLA1: Haben dir die letzten beiden Ergebnisse wieder mehr Vertrauen in deine eigenen Stärken gegeben?

Verstappen: Ich hatte dieses Vertrauen immer. Das war kein Problem.

LAOLA1: Du hast in Frankreich deinen Standpunkt gegenüber Kritikern klar gemacht. Warum war dir das so wichtig?

Verstappen: Es ist einfach viel zu viel geredet worden. Ich habe das gesagt und damit war es für mich erledigt.

LAOLA1: Fühlst du dich medial ungerecht behandelt?

Verstappen: Ja, schon. In den Jahren davor war immer alles super und dann waren zwei, drei Rennen, die nicht ganz so gut gelaufen sind, und schon wird alles nur noch negativ gesehen. Das verstehe ich nicht.

LAOLA1: Wie schwierig ist es als junger Fahrer, sich mediale Kritik nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen?

Verstappen: Ich konzentriere mich am Ende immer auf mich selbst, aber es irritiert natürlich. Es war nicht alles fair. Jeder macht Fehler, aber die Darstellung war so negativ. Daher habe ich in Le Castellet meinen Standpunkt erklärt und ich denke, es hat jeder verstanden.

LAOLA1: Wie hat man im Team die unerfreulichen Rennen in diesem Jahr analysiert?

Verstappen: Es ist das Wichtigste, dass diese Dinge intern aufgearbeitet werden. Das hat auch immer gut funktioniert. Die letzten beiden Podestplätze waren sehr positiv für das ganze Team und auch speziell für meine Crew.

LAOLA1: Welche Rolle hat Helmut Marko in dieser Aufarbeitung gespielt?

Verstappen: Wir reden jedes Wochenende miteinander. Das ist ganz normal, das war schon in den letzten Jahren immer so. Aber wenn ich Fehler gemacht habe, verstehe ich das selbst ganz gut.

LAOLA1: Marko hat gesagt, du hast dich selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Hat er recht?

Verstappen: Alles was ich wollte, war einen guten Job zu machen. Das hat zu Beginn der Saison nicht so funktioniert wie erhofft. Jetzt ist es aber wieder so.

LAOLA1: Wie wichtig ist es auch in schwierigeren Momenten, dass du mit Daniel Ricciardo einen Teamkollegen hast, mit dem du dich auch neben der Strecke sehr gut verstehst?

Verstappen: Ich glaube, wir sind im gesamten Paddock die einzigen, die so viel Spaß miteinander haben. Für mich ist es sehr wichtig und auch sehr schön, so einen Teamkollegen zu haben. Er ist dazu auch noch richtig schnell.

LAOLA1: Was zeichnet Daniel als Person aus?

Verstappen: Er ist einfach ganz offen und ehrlich. Das ist im Team unglaublich wertvoll.

LAOLA1: Kommt es überhaupt vor, dass er einmal richtig schlecht gelaunt ist?

Verstappen: Naja, als wir in Ungarn vor einem Jahr zusammengefahren sind war er schon sauer. Aber wir haben uns danach gut unterhalten.

LAOLA1: Teamchef Christian Horner hat gesagt, er kann ein Vorbild für dich sein. Ist er das?

Verstappen: Ich lerne von ihm, aber er lernt auch viel von mir. Ich bin immer noch sehr jung und habe bei Red Bull sicher meine Entwicklungsschritte gemacht. 2016 waren wir am Anfang hinter Ferrari, dann bin ich ins Team gekommen, wir haben zusammen viele Punkte geholt und am Ende waren wir Zweiter in der Konstrukteurs-WM. Wir sind seit damals beide besser geworden.

LAOLA1: Du warst in Kanada erstmals ohne deinen Vater und deinen Manager unterwegs. Was hat sich da für dich verändert?

Verstappen: Es war immer so ausgemacht, dass das so sein wird. Es gibt für mich keinen Unterschied. Ich war in Kanada Dritter, in Le Castellet war mein Manager dann wieder dabei und ich war Zweiter. Es war ein Versuch. Ich bin immerhin schon 20 Jahre alt und komme alleine gut zurecht. Es kann sein, dass es auch in England so ist. Sie müssen nicht immer dabei sein.

LAOLA1: Ist dein Vater noch als Talentescout bei Red Bull beschäftigt?

Verstappen: Nein, nicht mehr so sehr. Er hat es im Vorjahr gemacht, weil er da einen Niederländer (Richard Verschoor, Anm.) beobachtet hat. Dieser Fahrer ist in diesem Jahr nicht mehr im Red-Bull-Juniorteam. Vielleicht wird es wieder einmal so sein. Aber mein Vater hat auch seine Familie und nicht so viel Zeit, um auch zu anderen Rennen zu gehen.

LAOLA1: Vor kurzem hat Red Bull den Motoren-Deal mit Honda für die nächsten zwei Saisonen fixiert. In Frankreich gab es bei Toro Rosso mit der neuen Ausbaustufe des Aggregats grobe Probleme. Hast du die Befürchtung, dass Red Bull mit Honda erst weitere Aufbauarbeit leisten muss, um wirklich ganz vorne mitfahren zu können?

Verstappen: Es kann sein, dass es so ist. Aber es dauert ja noch ein halbes Jahr. Honda wird hart bis dahin arbeiten. Es ist besser, wenn die Probleme jetzt da sind, als nächstes Jahr. Ich glaube aber schon, dass sie insgesamt große Schritte gemacht haben, was die Leistung betrifft. Sie sind nicht langsamer als Renault jetzt.

LAOLA1: Du hast dich auch selbst schon von Honda vor Ort in Japan überzeugt. Welchen Eindruck hast du dort bekommen?

Verstappen: Das war sehr positiv, die Anlage ist sehr modern, die Herangehensweise ist sehr strukturiert und sehr gut organisiert. Sie haben alles, was man braucht.

LAOLA1: Und als Werksteam erhofft sich Red Bull letztlich mehr Erfolg als jetzt.

Verstappen: Normalerweise funktioniert das immer besser, ja. Du kannst in jedem Rennen ein Update bekommen. Bei Renault geht zunächst alles einmal nach dem Werksteam und erst ein oder zwei Rennen später bekommen wir etwas Neues. Das ist schade, aber verständlich.

LAOLA1: Neu werden im nächsten Jahr die Aerodynamik-Regeln. Sind mehr Überholmanöver ganz nach deinem Geschmack?

Verstappen: Ich glaube, es ist besser für den ganzen Sport. Auch wenn die Autos dadurch langsamer werden. Wenn das für das Überholen besser ist, bin ich zufrieden damit.

LAOLA1: Hier in Spielberg soll eine zusätzliche DRS-Zone dazu beitragen. Eine sinnvolle Entscheidung?

Verstappen: Wir werden sehen. Ich bin im letzten Jahr nicht sehr lange hier im Rennen gefahren, aber vom TV aus hat es schwierig ausgesehen, zu überholen. Mit einer neuen DRS-Zone sollte das normalerweise besser sein.

Nach Rennen 1964 und zwischen 1970 und 1987 feierte der F1-GP von Österreich 1997 ein Comeback. Das ist seither passiert.

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In seiner letzten Saison als Formel-1-Pilot fuhr Gehard Berger beim Heimrennen auf Platz zehn. Bild 2 von 31
Der Sieg ging an den Williams-Piloten und späteren Weltmeister Jacques Villeneuve. Bild 3 von 31
Ein Jahr später feierte Alexander Wurz im Benetton seine Heimpremiere. Er musste sich mit Rang neun begnügen. Bild 4 von 31
Der Sieg war in diesem Jahr ein Fall für die Silberpfeile von McLaren Mercedes. Bild 5 von 31
Mika Häkkinen triumphierte vor Teamkollege David Coulthard. 77.000 Zuseher feierten den späteren Weltmeister. Bild 6 von 31
1999 lief es für Wurz wesentlich besser. Mit Platz fünf holte er als erster Österreicher seit Lauda 1984 Punkte im eigenen Land. Bild 7 von 31
Der Sieg ging etwas überraschend an den Iren Eddie Irvine. Bild 8 von 31
Der Ferrari-Pilot ließ Coulthard und Häkkinen hinter sich. Bild 9 von 31
2000 blieb Wurz im Benetton als Zehnter erneut ohne Punkte. Bild 10 von 31
Nach dem Ausfall von Michael Schumacher in Kurve eins war der Weg frei für Pole-Setter Mika Häkkinen. Bild 11 von 31

Der "Flying Finn" entschied das Rennen vor Coulthard und Rubens Barrichello für sich.

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Ein Jahr darauf setzte Michael Schumacher von der Pole Position aus zum Sieg an. Im Rennen fiel er aber zurück. Bild 13 von 31

Erst als Jean Todt: "Let Michael pass for the championship" an Barrichello funkte, erbte der Deutsche Platz zwei.

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Ganz oben am Podium jubelte Coulthard vor den beiden Ferrari-Piloten. Bild 15 von 31

Im Jahr darauf sollte es noch dicker kommen. Barrichello startete von der Pole Position und führte das ganze Rennen über.

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Nach einem erneuten Befehl aus der Box ließ der Brasilianer Schumi aber auf der Zielgeraden vorbei. Bild 17 von 31

Begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert überließ der Deutsche Barrichello Platz eins bei der Siegerehrung, die volle Punktezahl ging aber natürlich an den Kerpener.

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2003 war schon vor dem Rennen bekannt, dass es das vorerst letzte Gastspiel der Formel 1 in Spielberg sein wird. Bild 19 von 31
Schumacher siegte damals ohne Hilfe vor den Augen von über 100.000 Zuschauern. Bild 20 von 31

Kimi Räikkönen belegte Platz zwei, Barrichello wurde beim Abschied vom A1-Ring Dritter.

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Beim großen Comeback 2014 sorgte Williams mit der Pole für Felipe Massa und Platz zwei für Valtteri Bottas für eine faustdicke Überraschung!

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Im Rennen schlugen die übermächtigen Silberpfeile in Person von Nico Rosberg zurück. Er gewann knapp vor Teamkollege Lewis Hamilton und Bottas.

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Die Schlagzeilen gehörten am Rennsonntag diesem jungen Mann nach der Interpretation "seiner" Bundeshymne.

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2015 wollte sich Hamilton für die Niederlage gegen seinen Teamkollegen im Vorjahr revanchieren. Er startete von der Pole Position.

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Schon in Kurve eins folgte aber der Führungswechsel, außerdem kam es zu einem bösen Crash zwischen den Routiniers Kimi Räikkönen (Ferrari) und Fernando Alonso (McLaren), der zum Glück glimpflich endete.

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Rosberg gewann am Ende deutlich vor Hamilton, Platz drei ging an Massa.

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2016 kommt es in der letzten Runde am Red Bull Ring zum großen Crash zwischen Lewis Hamilton und dem bis dahin führenden Nico Rosberg. Der Deutsche schleicht nach einem Schaden als Vierter durchs Ziel, der Brite gewinnt.

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Durch den Erfolg in der Steiermark kam Hamilton seinem Rivalen in der WM näher, am Ende sollte es aber nicht für den Titel reichen.

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2017 war das Wochenende von Valtteri Bottas. Der Finne holte sich die Pole Position und entschied auch den Start für sich!

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Bottas gewann am Ende knapp vor Vettel und Daniel Ricciardo im Red Bull. Lewis Hamilton blieb nur Platz vier.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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