Großer Preis von Japan: Hält Mercedes-Dominanz an?
George Russell und Kimi Antonelli starten in Suzuka einmal mehr als große Gejagte. Für Verstappen und McLaren steht ein wegweisendes Wochenende an.
Der Grand Prix von Japan beschließt am Sonntag (ab 7:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>) die erste kurze Saisonphase in der Formel-1-WM.
Nach den Absagen der April-Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien wegen der Auswirkungen des Iran-Krieges folgt bis zur Fortsetzung am ersten Mai-Wochenende in Miami eine fünfwöchige Pause.
Mercedes ist mit zwei Doppelsiegen perfekt in das Jahr gestartet, doch sind Ferrari-Pilot Lewis Hamilton und Red-Bull-Star Max Verstappen in Suzuka Vierfachsieger.
Verstappen pocht auf Lebenszeichen
Der Niederländer hat die jüngsten vier Auflagen gewonnen und hofft diesmal zumindest auf ein gutes Ergebnis.
Ein Sieg des Vierfach-Weltmeisters ist zwar so gut wie auszuschließen, seine Hoffnung auf seinen fünften WM-Titel müsste bei 43 Punkten Rückstand auf WM-Leader George Russell aber bald neu genährt werden.
"Die ersten beiden Rennen waren eine große Herausforderung", sagte Verstappen. "Das Team hat aber hart gearbeitet, um die Leistung des Wagens zu optimieren. Mit den vielen Hochgeschwindigkeitskurven ist Suzuka eine meiner Lieblingsstrecken."
Speziell nach seinem Ausfall in China wegen eines technischen Defekts scheinen die Nerven beim "Oranje" freilich blank zu liegen. Am Donnerstag verwies er einen Journalisten am Beginn der üblichen Medien-Fragerunde aus dem Red-Bull-Motorhome.
Energie-Management: FIA hat reagiert
Allerdings könnte eine am Donnerstag für das Japan-Qualifying am Samstag (7:00 Uhr MEZ) beschlossene Änderung durch den Weltverband (FIA) punkto Energie-Management Verstappen entgegenkommen, soll dadurch doch die fahrerische Komponente etwas mehr in den Vordergrund rücken.
Die Feinjustierung bewirkt, dass die Fahrer mehr auf dem Gaspedal bleiben dürfen und nicht so sehr wie bisher zur Energie-Rückgewinnung verdammt sind. Rund 50 Prozent der Energie wird nach einer Regelrevolution seit heuer per durch das Fahrverhalten aufzuladender Batterie geliefert.
Die Regelneuheit folgt einem Meeting und einem einheitlichen Beschluss der FIA mit Vertretern der Motorenhersteller Mercedes, Ferrari, Red Bull Ford, Audi und Honda. Das mögliche Maximum an Energie-Rückgewinnung wurde heruntergesetzt.
Suzuka-Spezialist Hamilton
"Diese Anpassung spiegelt das Feedback von Fahrern und Teams wider, die auf die Wichtigkeit gepocht haben, den Leistungsfaktor im Qualifying zu betonen", strich die FIA in ihrem Statement hervor.
Verstappen hatte sich heuer schon mehrmals beschwert und die neue Formel 1 als "Formel E auf Steroiden" bezeichnet.
Hamilton sieht das ganz anders. Ihm behagt die neue Formel 1, in China hat er zu Beginn seines zweiten Ferrari-Jahres seinen ersten Podestplatz in einem WM-Rennen für die "Scuderia" geholt. Seine Suzuka-Siege datieren aus 2014, 2015, 2017 und 2018, jeweils im Mercedes.
Zudem hat der Brite 2007 in Fuji gewonnen, hält also gar bei fünf Japan-Triumphen. Mit seinem einen Punkt vor ihm und 17 Zähler hinter Russell liegenden monegassischen Teamkollegen Charles Leclerc ist der 40-Jährige der erste Verfolger des bisher unerreichten Mercedes-Duos.
Mercedes fühlt sich nicht zu sicher
Dieses hat sich die beiden Siege aufgeteilt. Den WM-Bonus von vier Punkten gegen Kimi Antonelli verdankt Russell seinem Sprint-Sieg in China, in dem der Italiener nur Fünfter geworden ist.
Russell hatte in China nach technischen Problemen noch Platz zwei gerettet. "Für mich waren das 18 gewonnene und nicht acht verlorene Punkte." Der 28-Jährige rechnet künftig neben dem bisherigen Hauptkonkurrenten Ferrari auch wieder stärker mit Red Bull und McLaren. Russell: "Natürlich hatten wir bisher einen Vorteil, aber es gibt keine Garantie."
Mercedes-Teamchef Toto Wolff war zuletzt bemüht, die nach dessen Premierensieg in Antonelli gesetzten Erwartungen nicht zu groß werden zu lassen. Der 19-Jährige selbst bezeichnete den China-Sonntag als den "wahrscheinlich besten Tag meines Lebens".
Was ihm in seinem erst zweiten WM-Jahr noch fehle, sei aber die Erfahrung. "Die kann man sich nicht kaufen. Aber ich versuche, auf alles und jede Art von Situation vorbereitet zu sein." Der Fokus habe sich auch schnell von China nach Japan verschoben: "Ich werde wieder versuchen, das Maximum herauszuholen."
McLaren-Duo um Contenance bemüht
Weltmeister Lando Norris bleibt indes ruhig, auch wenn er und sein australischer Teamkollege Oscar Piastri erst 18 Punkte und damit nur einen Zähler mehr als Haas geholt hat.
"Wir hatten in den vergangenen beiden Jahren das beste Auto und ich bin zuversichtlich, dass wir das heuer wieder schaffen", tönte der 26-jährige Brite.
"Man muss geduldig sein, aber ich habe ein gutes Vertrauen in das Team." Piastri wollte da erst gar nicht widersprechen: "Wir kennen jetzt alle den Geschmack des Erfolgs. Und wir wollen dort hin zurück, wo wir hingehören."