Pierre Gasly am Höhepunkt seines Kampfes

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Auch das kann die Formel 1 sein.

Nach überschaubar spannenden Rennen mit erdrückender Mercedes-Dominanz bewies das Weltmeister-Team, dass den Besten Fehler passieren können. Und auf einmal machte eine berechtigte Strafe gegen Lewis Hamilton die Tür für gleich mehrere Überraschungsmänner weit auf. Erstmals seit Australien 2013 ging der Sieg nicht an eines der drei Top-Teams Mercedes, Ferrari oder Red Bull.

Am Ende war es Pierre Gasly, der im verrückten Grand Prix von Italien in Monza gleich mehrere besondere Geschichten schreiben durfte - und mit seinem ersten Erfolg den Premierensieg von Bald-Ferraristo Carlos Sainz verhinderte. Auch dieser Ausgang hätte vor dem Hintergrund des Wechsels zur strauchelnden Scuderia seine Besonderheiten gehabt.

Stattdessen erklang die "Marseillaise" für den Sieger. 24 Jahre dauerte es, ehe die "Grand Nation" Frankreich den 80. GP-Triumph eines ihrer Fahrer bejubeln durfte. 1996 war der Erfolg von Olivier Panis für Ligier in Monaco keine kleinere Überraschung.

Nur eine Parallele in einem besonderen Ausgang, fand doch der zweite Sieg für AlphaTauri bzw. Toro Rosso wieder an jener geschichtsträchtigen Strecke nördlich von Mailand statt, an der 2008 ein gewisser Sebastian Vettel den ersten Meilenstein einer Erfolgskarriere setzen durfte. Dass nach der "Marseillaise" dann "Fratelli d'Italia" für das am Papier italienische Red-Bull-Zweitteam erklang, rundete den Nachmittag auch ohne Tifosi an der Strecke standesgemäß ab.

Kämpfermentalität als Schlüssel

Natürlich profitierte Gasly, der von seinem Team richtigerweise früh an die Box geholt wurde, vom chaotischen Mittelabschnitt des Rennens. Nach dem Re-Start kämpfte sich der 24-Jährige aber selbständig an die Front des Feldes und verteidigte auch die letzten Angriffe von Sainz abgebrüht.

(Text wird unter dem VIDEO fortgesetzt)

Ein Beweis der fahrerischen Klasse Gaslys, der keine leichten Jahre im umkämpften Red-Bull-Kader hinter sich hat. Anfang 2019 noch mit der Chance im "A-Team" ausgestattet, folgte noch während des Jahres die Degradierung ins Nachwuchs-Team.

Dass er dort nach einem zweiten Platz in Brasilien 2019 schon ein zweites Mal auf das Podium fährt, während Ersatzmann Alex Albon seinem ersten Top-drei-Ergebnis noch hinterherhechelt, wird für den Franzosen sicher eine Genugtuung sein.

"Ich gebe einfach nie auf. Ich musste immer für alles kämpfen. Das ist immer noch so. Meine Entschlossenheit ist enorm. Und ich wäre sehr wütend auf mich selbst gewesen, wenn ich dieses Rennen nicht gewonnen hätte", war die Kämpfer-Mentalität für Gasly auch in diesem Rennen ein Schlüssel.

"Ich kann gar nicht realisieren, was hier gerade passiert. Ich bin in den letzten 18 Monaten durch so viel gegangen. Das Team hat so viel für mich gemacht, mir meine erste Chance in der Formel 1 gegeben, mein erstes Podium und jetzt meinen ersten Sieg. Ich kann ihnen nicht genug danken", zeigte sich Gasly wieder einmal nicht als Mann der vielen, aber der großen Worte.

Was kommt nach dem emotionalen Sieg?

Gasly dachte in Belgien an Freund Hubert
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Emotionaler hätte fast nur ein Sieg in Spa sein können, ein Jahr nach dem Tod seines guten Freundes Anthoine Hubert in der Formel 2 - Gasly huldigte seinem Landsmann in Belgien noch mit einem Gedenk-Helm.

Nur eine Woche nach den Erinnerungen an diesen Horror-Tag saß der Franzose nach der Zeremonie nun ganz allein am Podest. "Ich wollte den Moment genießen, es in meinen Kopf lassen. Denn man weiß nicht, wie oft man solche Momente erleben kann", schwang wohl auch ein wenig Demut nach dem Schicksal seines Freundes mit.

Der Sympathien kann sich Gasly nicht nur aufgrund seiner bisherigen Achterbahn-Karriere sicher sein. Sogar Lewis Hamilton zeigte nach seinem verpatzten Rennen durchaus Freude mit dem Überraschungssieger: "Ich habe gesehen, was er durchmachen musste, nachdem ihn ein Top-Team entlassen hat. Jetzt schlägt er die Top-Teams. Es ist fantastisch, wie er zurückschlägt."

Noch kann der Weltmeister diese kleinen Erfolgserlebnisse Gaslys locker nehmen. Aber nicht ausgeschlossen, dass er nach seinen Leistungen eine zweite Chance im Red Bull bekommt - und dann könnte der Franzose doch noch richtig lästig werden.

Der letzte Sieger des "kleinen" Red-Bull-Teams beließ es ja auch nicht bei seinem Monza-Sieg.

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