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Nach der Regelreform sind die Fahrer zu permanentem Batterie-Management aufgerufen. Vollgas fahren können sie nicht mehr komplett, sonst geht ihnen mit den neuen Motoren der Saft aus. Die Aggregate beziehen zu gut 50 Prozent Leistung vom Verbrenner und zu fast 50 Prozent aus der Batterie, die wieder geladen werden muss.
"Ein großartiger Mercedes, ein solider Ferrari und neue Regeln haben für Action auf der Rennstrecke und eine gewisse Neuordnung der Werte gesorgt", schrieb die Gazzetta dello Sport.
Verstappen: "Sind aus gutem Grund kritisch"
Verstappen ist ein vehementer Vertreter des Vollgasfahrens. Auf der Geraden herunterschalten, vom Gas gehen und ausrollen, um dann mit geladener Batterie wieder voll beschleunigen zu können, wie in der Qualifikation praktiziert, das widerspricht dem Instinkt des Niederländers.
"Fahrer und Fans wollen nur das Beste für den Sport. Wir sind nicht einfach nur um der Kritik willen kritisch", sagte Verstappen, der nach Startplatz 20 in Melbourne noch Sechster wurde. "Wir sind aus gutem Grund kritisch, denn wir wollen, dass es die Formel 1 bleibt, also die richtige Formel 1 auf Steroiden."
125 Überholmanöver
Die Fans bekamen vor allem in der Anfangsphase ein Spektakel geboten, als sich der spätere Rennsieger George Russell im Mercedes und Ferrari-Fahrer Charles Leclerc an der Spitze mehrfach überholten.
Dank der neuen Modi "Boost" (Schub) und "Overtake" (Überholen) wurden schlussendlich 125 Überholmanöver gezählt. Dem gegenüber stellten die Statistiker der Formel 1 gerade einmal 45 beim Saisonstart in Melbourne vor einem Jahr.
"Wie ein Pilz bei Mario Kart"
"Wenn das die neue Formel 1 ist . . . dann ist der Spaß zurück. Die ungewisseste Ära in der Geschichte der Königsklasse begann mit einem unvergesslichen Grand Prix von Australien. Es gab Kämpfe, Probleme und Strategiekriege. Auch wenn es vielleicht nicht die Mystik der 80er oder 90er Jahre ist, so ist es doch eine Formel 1, die Spannung verspricht", urteilte die Zeitung Marca.
Leclerc fühlte sich im Rennen phasenweise ebenfalls in die Welt von Super Mario versetzt. Einen Geschwindigkeitsschub bei Mercedes verglich er mit dem Turboantrieb in der Gaming-Reihe. "Das ist wie ein Pilz in Mario Kart", funkte Leclerc.
"Das Racing hat im Vergleich zu den vergangenen Jahren gar nicht so viel Unterschied gemacht. Und das auf einer Strecke, die energetisch besonders anspruchsvoll ist", befand indes Wolff.
Norris sorgt sich um die Sicherheit
Weltmeister Lando Norris, der die neue Formel 1 während der Tests noch verteidigt hatte, führte wiederum Sicherheitsbedenken an und begründete das mit den Tempounterschieden. Ein Beispiel lieferte der Start, als Franco Colapinto im Alpine gerade noch um den fast liegen gebliebenen Racing Bull von Liam Lawson manövrieren musste. Viel zu hektisch fand Norris das erste Saisonrennen.
"Es ist ein Chaos, es kommt zu schweren Unfällen. Man fährt und wartet nur darauf, dass etwas passiert und etwas schrecklich schiefgeht", meinte Norris, der vor Verstappen Fünfter wurde.
Situationsbedingt sprach er von Unterschieden "von 30, 40 oder 50 km/h. Wenn jemand bei diesem Tempo einen trifft, fliegt man durch die Luft, landet über dem Zaun und fügt sich selbst und möglicherweise auch anderen großen Schaden zu. Das ist eine ziemlich schreckliche Vorstellung", sagte Norris.
Während er keine Aussicht auf schnelle Abhilfe sieht, appellierte Verstappen an Motorsport-Weltverband (FIA) und Formel-1-Geschäftsführung, schnell für Änderungen zu sorgen. Aber wollen das alle?
"Jeder schaut immer nur auf sich selbst. Wir sind in dieser Hinsicht alle egoistisch", räumte Russell ein. Der Engländer erinnerte an die sogenannten Ground-Effekt-Wagen der Vorgängergeneration, die aufgrund ihrer aerodynamischen Besonderheit auf dem Asphalt teils heftig hüpften. "Alle hatten davon Rückenschmerzen und die Fahrer haben sich darüber beschwert."
Wolff steht Änderungen offen gegenüber
Mercedes-Teamchef Wolff findet die aktuelle Kritikwelle ebenfalls nicht ganz angebracht. "Wir neigen dazu, sehr nostalgisch zu sein, wenn wir auf vergangene Ereignisse zurückblicken", sagte der Österreicher, der sich natürlich selber freut, dass sein Rennstall die neuen Regularien schon jetzt sehr erfolgreich umzusetzen scheint.
Anpassungen im Reglement hält Wolff nicht für ausgeschlossen. "Wir müssen die Fans begeistern, deshalb müssen wir uns einfach das Produkt ansehen. Und wenn es angepasst werden muss, wenn wir etwas ändern müssen, dann haben wir meiner Meinung nach in der Formel 1 die Flexibilität, solche Entscheidungen immer zu treffen."