Verstappen, der andere

Verstappen, der andere Foto: © getty
 

15. Mai 2016, Großer Preis von Spanien: Ein Teenager namens Max Verstappen sorgt für die Sensation schlechthin. Der Niederländer fährt in seinem allerersten Rennen für Red Bull Racing auf Anhieb zu seinem ersten Sieg in der Formel 1 - im Alter von gerade einmal 18 Jahren und 228 Tagen als jüngster Grand-Prix-Pilot aller Zeiten.

Fünf Jahre später kehrt Verstappen an diesem Wochenende erneut an den Ort seines historischen Erfolgs zurück.

"Barcelona wird immer einen ganz speziellen Platz in meinen Erinnerungen haben. Der erste Formel-1-Sieg ist sehr emotional, vor allem wenn er gewissermaßen ein Schock für alle ist, weil es ja mein Debüt für das Team war", erinnert sich Verstappen im Vorfeld des GP von Spanien (alle Sessions im LIVE-Ticker) an die Ereignisse vor fünf Jahren, als er nach seinem Aufstieg von Toro Rosso kommend sein erstes Rennen für Red Bull gefahren ist.

Nun bestreitet er schon seinen 100. WM-Lauf für den österreichisch-britischen Rennstall. "Ich werde langsam alt", scherzt Verstappen.

Von alt kann im Fall des 23-Jährigen keine Rede sein. Mittlerweile sitzt jedoch ein gänzlich anderer Rennfahrer Verstappen hinter dem Steuer als noch vor fünf Jahren. Max Verstappen hat eine Wandlung hinter sich, eine Wandlung hin zum potenziellen Weltmeister.

Verstappen, der "Mad Max"

Viele schrieben Verstappen schon 2016 nach seinem Sensations-Debüt Weltmeister-Qualitäten zu, einige nannten den Niederländern im gleichen Atemzug wie Ayrton Senna oder Michael Schumacher.

Diesen hohen Erwartungen konnte Verstappen, vor allem in seinen ersten Jahren in der Formel 1, nicht immer gerecht werden. Auch deshalb, weil er sich durch seine Verbissenheit und hartnäckige Entschlossenheit, die ihm oft als jugendlicher Leichtsinn ausgelegt wurde, immer wieder selbst im Weg stand. Vor allem in seiner Anfangszeit handelte er sich durch übermotivierte Manöver und seine besonders aggressive Fahrweise den Ärger anderer Piloten, aber auch Kritik von Offiziellen und vielen Fans ein.

Verstappen musste nicht selten Lehrgeld bezahlen. Etwa beim Rennen in Monaco 2018, als er durch einen Unfall seine Chance auf den Sieg vergab. Oder als er nach einem Ausraster in Brasilien – er wurde gegenüber Konkurrent Esteban Ocon handgreiflich - Sozialstunden leisten und als "erzieherische und aufklärerische" Maßnahme bei einem Rennen der Formel E einen Tag lang die Arbeit der Rennkommissare aus der Nähe beobachten musste.

Aufgrund solcher Aktionen wurde Verstappen einst der Spitzname "Mad Max" verpasst. "Ich war niemals 'Mad Max'. Ich war einfach Max, der versucht hat, das beste Ergebnis für das Team einzufahren", rechtfertigte sich Verstappen oftmals.

Verstappen, der gereifte Teamleader

Nach dem Abgang von Daniel Ricciardo bei Red Bull rückte Verstappen 2019 in die alleinige Leader-Rolle bei den "Bullen". Nicht nur die Hoffnungen des Teams, auch jene von Motorenlieferant Honda ruhten auf ihm.

Verstappen stellte sich dieser Herausforderung und bewies in seiner fünften F1-Saison mehrmals, dass er gereift, konstanter und bereit für den Titelkampf ist. Unter anderem mit einem knallharten Sieg in Spielberg im "next-generation"-Duell mit Charles Leclerc.

Denn seinen Fahrstil – aggressiv im Angriff und hartnäckig in der Verteidigung – hat er bis heute nicht geändert. Er weiß nur besser, wie er ihn zu seinen Gunsten einsetzen kann.

Das spielte Verstappen auch in der von der Corona-Pandemie geprägten Saison 2020 aus, in der ihm nochmals eine Steigerung gelang und er quasi im Alleingang gegen Mercedes kämpfte. Er beendete die Saison mit einen Sieg beim Finale in Abu Dhabi und Rang zwei in der WM – es war seine bisher beste Saison in der Formel 1.

Verstappen, der Champion?

In der aktuellen Saison, so scheint es nach den ersten Rennen, stehen für Verstappen die Chancen besser als je zuvor, Weltmeister zu werden.

Red Bull kann Mercedes endlich Paroli bieten, das Titel-Duell zwischen Verstappen und dem siebenfachen Champions Lewis Hamilton ist seit Rennen eins eröffnet. Nach einem Sieg und zwei zweiten Plätzen liegt Verstappen in der WM aktuell acht Punkte hinter dem Briten.

Trotz des verheißungsvollen Starts weiß Verstappen ganz genau, wann sein Auto schnell genug für einen Sieg ist und wann eben nicht. Man hat den Eindruck, der 23-Jährige hat schon früh in der Saison das große Ganze im Blick.

"Max Verstappen ist für mich nicht mehr der gleiche Fahrer wie früher", meint Formel-1-Sportchef Ross Brawn kürzlich. "Jetzt, wo er ein Auto hat, mit dem er Weltmeister werden kann, ist zu erkennen, dass er die Rennen anders angeht. Seine Einstellung hat sich verändert. Er akzeptiert, dass es in einem WM-Kampf ein stetes Auf und Ab gibt. Er denkt weniger ans einzelne Rennen, sondern mehr ans große Ganze."

Ob es am Ende für den Titel reicht, wird sich weisen. Eine Sensation wie sein erster Sieg in der Formel 1 vor fünf Jahren wäre dieser aber gewiss nicht.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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