Wenn Red Bull es abermals nicht schafft, Max Verstappen ein Auto nach seinen Vorstellungen hinzustellen, wird 2026 sein letztes Jahr in der Formel 1 sein.
Emily Konrad: Das würde ich so nicht unterschreiben. Schließlich hat der vierfache Champion jüngst betont: "Es muss trotzdem weiterhin Spaß machen, was man tut". Auch wenn man der Beste oder Schnellste sei, müsse man es genießen können. Die Ergebnisse sind für Max Verstappen also zumindest laut eigener Aussage eher nebensächlich, für ihn geht es auch um andere Faktoren.
Dass er trotzdem gerne ganz vorne mitfährt, sollte klar sein. Nimmt man diese Wortmeldungen des Niederländers her, muss man sich aber wohl doch Sorgen um seine Zukunft in der Formel machen. Nach den Testfahrten in Bahrain sprach er von "Formel E auf Steroiden", es mache ihm keinen Spaß.
Die Saison umfasst bekanntlich 24 Rennwochenenden, es gibt also genug Zeit, ihn noch umzustimmen. Sollte sich sein persönliches Gefühl aber nicht verbessern, kann man ein überraschend frühes Karriereende definitiv nicht ausschließen. Unmöglich ist bei einem Max Verstappen wohl gar nichts.
Johannes Bauer: Ich muss jetzt mal zugeben: Lange war ich kein Fan. Sein "friss oder stirb" ist nicht mein bewunderter Racing-Ansatz.
Diese Kompromiss- und Schnörkellosigkeit übersetzt sich aber in andere Bereiche neben der Strecke, in denen sie die Formel 1 bitter nötig hat. So nimmt sich der Vierfach-Champ kein Blatt vor den Mund, was er vom neuen Reglement hält: Herzlich wenig.
Der Niederländer ist ein Purist, der emotional am Racing hängt, nicht an der Königsklasse. Ich pflichte Emily daher bei: Es wird gar nicht darum gehen, was ihm Red Bull serviert, sondern um den Zustand der Formel 1. Wenn ihm die keinen Spaß mehr macht, ist er weg – eine länger ausgesprochene Drohung, die ich Verstappen voll abkaufe.
Dass er das schon Ende 2026 Realität werden lässt, halte ich zumindest nicht für ausgeschlossen.
Mit potenziellem Motorenvorteil wird Mercedes die WM bereits vor der Reglementkorrektur unter Dach und Fach gebracht haben.
Johannes Bauer: Zu Beginn des Reglements müssen die Teams so viele Faktoren austarieren, dass der Motor nur ein Teil von vielen ist. Vielleicht hat Mercedes woanders danebengegriffen? Vielleicht verpufft der PS-Vorteil im Angesicht von Ferraris kuriosem Heckflügel-Trick? Also nein.
Die Vorlage möchte ich aber zu einem kurzen "Rant" versenken: Ich halte Reglement-Anpassungen, die findige Lösungen ersticken sollen, für eine Qual. Der Erfindergeist der Ingenieure ist unterhaltsam – und es heißt nicht umsonst "Konstrukteurs"-Weltmeisterschaft. Warum müssen Lücken geschlossen werden, wenn sie kein Sicherheitsrisiko darstellen?
Der Wettbewerbsvorteil ist redlich verdient, die Konkurrenz muss sich halt nachträglich um Kompensation bemühen. Die Formel 1 ist doch keine Einheitsserie.
Emily Konrad: Dito. Ja, der Motor scheint den Silberpfeilen tatsächlich sehr gut von der Hand gegangen zu sein, das bedeutet aber nicht, dass auch der Rest des Autos der Konkurrenz überlegen ist.
Zudem schläft die Konkurrenz bekanntlich nicht. Ferrari, McLaren und Co. werden wohl kaum dabei zusehen, wie George Russell und Kimi Antonelli im Alleingang zum WM-Titel fahren. Auch Strategien, pures Rennglück oder kleine Detailentscheidungen können alles auf den Kopf stellen – greift man hier daneben, wendet sich das Blatt oft schneller, als man bis drei zählen kann.
Ist die WM für Mercedes also bereits in trockenen Tüchern? Auf keinen Fall.
Spätestens wenn Fernando Alonso in Melbourne zum fünften Mal überrundet wird, muss auch er über ein Karriereende nachdenken.
Emily Konrad: Müssen tut ein Fernando Alonso gar nichts. Die Meinung anderer ist dem Spanier bekanntlich recht egal, schlichtweg im Gespräch zu bleiben, dürfte dem 44-Jährigen nicht unbedingt sauer aufstoßen.
Solange es ihm Spaß macht, spricht wenig dagegen. Grundsätzlich schadet es niemandem, wenn er im Aston Martin seine Runden dreht. Irgendwann muss man aber selbst einen Schlussstrich ziehen, wenn es nicht mehr läuft, vor allem, um jungen, aufstrebenden Talenten Platz zu machen.
Wenn der Aston Martin aber einfach nicht gut zu fahren ist und so oder so hinter der Konkurrenz herfährt, wird auch ein 44-jähriger Alonso im Cockpit das Kraut nicht mehr fett machen.
Johannes Bauer: The stars were bright, Fernando. They were.
Das Talent des Spaniers fürs Autofahren wird nur von jenem übertroffen, sich nach seinen beiden WM-Titeln immer im falschen Team zum falschen Zeitpunkt wiedergefunden zu haben. Respekt! Mitleid kann ich nicht empfinden, Alonso hinterließ bei jedem Abgang verbrannte Erde.
Was er im Spätherbst seiner Karriere in der Formel 1 noch erreichen will, verstehe ich sowieso nicht: Die letzte Chance, um die Spitze mitzufahren, ist nun offensichtlich dahin, da braucht es diese Höchststrafe gar nicht.
Ich an seiner Stelle würde wieder Richtung IndyCar schielen: Bei seinem Gastauftritt 2017 machte er gute Figur. Und die "Triple Crown" ist deutlich näher als ein dritter WM-Titel, der in der Geschichte der Formel 1 keinen Unterschied machen würde. Er wird im Schatten der Allergrößten stehen bleiben.
Aber wenn ihm das Hinterherfahren mehr Spaß macht...