Hausleitner: Im LASK-Dress bei F1 in Australien

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Stell dir vor, dein Klub bestreitet die wichtigsten Spiele seit Jahrzehnten und du sitzt am anderen Ende der Welt.

So ergeht es derzeit Ernst Hausleitner. Der Linzer ist seit Kindertagen großer LASK-Fan, und wann immer es die Zeit erlaubt, bei den Spielen der Athletiker live im Stadion dabei. Ausgerechnet die Europa-League-Duelle des LASK mit Manchester United verpasst Hausleitner, weil er bei den Formel-1-Rennen in Australien bzw. Bahrain weilt.

"Ich bin Zeit meines Lebens LASK-Fan und nehme wirklich jede Gelegenheit wahr, um ins Stadion zu gehen. Jetzt trifft es mich natürlich ziemlich schwer, dass ich beide Manchester-Partien verpasse", sagt Hausleitner gegenüber LAOLA1, noch nichts ahnend, dass das Heim-Match der Linzer zum Geisterspiel wird.

Im LAOLA1-Interview spricht Ernst Hausleitner über die aktuelle Genugtuung als LASK-Fan, das Cordoba der Linzer, Gary Lineker und verrät ungewöhnliche Orte, an denen er schon LASK-Spiele verfolgt hat. Außerdem schätzt der 51-Jährige die Kräfteverhältnisse in der neuen Formel-1-Saison ein und erklärt, warum sich die FIA ein Eigentor geschossen hat.

Dass seine Zusammenarbeit mit Ex-Rennfahrer Alexander Wurz das pure Vergnügen darstellt, vermitteln die beiden TV-Kommentatoren bei jedem Rennen der Königsklasse.

LAOLA1: Auf dich als glühenden LASK-Fan kommen zwei harten Wochen zu, du verpasst wegen des Formel-1-Auftakts beide Spiele gegen Manchester United.

Ernst Hausleitner: Ich bin in Linz aufgewachsen und war mit drei Jahren mit meinem Papa das erste Mal im Stadion. Ich bin Zeit meines Lebens LASK-Fan und nehme wirklich jede Gelegenheit wahr, um ins Stadion zu gehen. Jetzt trifft es mich natürlich ziemlich schwer, dass ich beide Manchester-Partien verpasse. Aber ich habe in den letzten Jahren mit diesem Verein schon so viele Sternstunden erlebt, dass ich über das hinwegkommen werde. Es waren wirklich magische Augenblicke dabei und das alles, obwohl wir erst vor drei Jahren wieder in die Bundesliga aufgestiegen sind - das ist schon phänomenal.

LAOLA1: Ist es für dich eine Genugtuung, dass der Klub jetzt so erfolgreich ist?

"Man merkt, wie groß die Sehnsucht nach Spitzenfußball in Linz war und wie sehr sich die Leute darüber freuen, dass es jetzt so gut klappt."

Hausleitner: Auf alle Fälle. Aber diese Genugtuung nehme ich am allerwenigsten für mich selbst in Anspruch, als vielmehr für die Fans im Block. Die sind wirklich ein Hammer. Ich sage, wir haben die besten Fans, die die beste Stimmung machen. Dabei merkt man, wie groß die Sehnsucht nach Spitzenfußball in Linz war und wie sehr sich die Leute darüber freuen, dass es jetzt so gut klappt. Deshalb unterstützen sie die Mannschaft dann auch in der Niederlage sehr. Für all diese Jungs und Mädls aus dem Block ist diese Genugtuung noch viel mehr verdient als für mich.

LAOLA1: Was macht den LASK derzeit so stark?

Hausleitner: Auf sportlicher Ebene ist es das Kollektiv. Die Mannschaft funktioniert sensationell, es ist im wahrsten Sinn des Wortes – auch wenn es pathetisch klingt – eine eingeschworene Truppe. Es sind durchwegs Spieler, die schon sehr lange Zeit zusammenspielen und sich blind verstehen, auf dem Platz und abseits davon. Das macht den Erfolg auf dem Platz aus. Darüber hinaus haben wir einen Präsidenten, der, glaube ich, 90 Stunden in der Woche exklusiv für den LASK arbeitet. Da merkt man schon, wie viel weitergeht, wie enorm schnell der Verein gewachsen ist. Dabei geht es nicht nur darum, eine schlagkräftige Mannschaft zusammenzustellen, die dann erfolgreich ist, man muss das ganze Rundherum auch an dieses Tempo anpassen. Das geht einfach nur mit dem Siegmund Gruber, weil er momentan rund um die Uhr für den LASK arbeitet.

LAOLA1: 2018 hast du im LAOLA1-Podcast erzählt, dass du 1985 für die Reise zum Europacup-Spiel nach Mailand gegen Inter die Schule geschwänzt hast. Würdest du auch mal die Formel 1 für den LASK schwänzen?

Hausleitner: Nein, das wäre leider in höchstem Maße unprofessionell, das würde ich nicht machen. Die Reise nach Mailand vor 35 Jahren war ein unvergessliches Erlebnis, auch wenn wir dann verloren haben. Aber das war bis dato auf internationaler Ebene immer die Sternstunde LASK. So etwas wie das Cordoba für die Nationalmannschaft war Mailand für den LASK. Das ist heuer mehrmals getoppt und ausradiert worden. Die Mailand-Erinnerungen werden jetzt von all den schönen Erlebnissen in der laufenden Saison überdeckt.

LAOLA1: Was traust du dem LASK gegen Manchester United zu?

Hausleitner: Der LASK tritt – und das imponiert mir am meisten –, egal gegen welchen Gegner immer sehr unerschrocken und selbstbewusst auf. Es begeistert mich, mit welchem Selbstverständnis sie gegen Spieler auftreten, die einen viel höheren Marktwert und einen größeren Namen haben. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass sie auch gegen Manchester United so auftreten und ihr Ding durchziehen werden. Es wird natürlich auch entscheidend sein, wie ManUnited auf den LASK eingeht, mittlerweile hat es sich ja schon herumgesprochen, wie man dieses hohe Pressing umgehen kann. Schauen wir mal, wie Manchester das anlegt. Grundsätzlich bin ich guter Dinge.

LAOLA1: Unabhängig vom Ergebnis: Nach den beiden Spielen wird auch Gary Lineker wissen, wer der LASK ist.

Hausleitner (lacht): Es ist schon lässig, dass sich die ganze britische Fußballwelt damit beschäftigt, wer der LASK ist. Gary Lineker nehme ich es zwar nicht ganz ab, dass er nicht weiß, wer der LASK ist, aber bei vielen Fans war es tatsächlich so. Ich habe in diversen Manchester-Foren nachgelesen, in denen Fans gefragt haben: "Wo ist LASK?". Die waren der Meinung, LASK ist eine Stadt in Österreich. Die Unkenntnis, die Kollege Lineker auf Twitter sehr überspitzt hat, ist bei weiten Teilen der Manchester-Fans tatsächlich da. Das wird sich glaube ich ändern.

LAOLA1: Wie wirst du das Spiel verfolgen, bei dir in Australien ist es durch die Zeitverschiebung ja quasi eine Frühstücks-Partie?

"Beim Spiel gegen Rosenborg sind wir in Singapur mitten in der Nacht auf einem Dach gesessen und haben in den Laptop reingestarrt - ich natürlich im LASK-Shirt."

Hausleitner lässt sich kein LASK-Spiel entgehen

Hausleitner: Ich werde mir das Spiel zu tausend Prozent anschauen. Wenn ich bei den Europacup-Spielen nicht im Stadion dabei sein kann, versuche ich immer, sie zu sehen – egal, wo ich gerade bin. Beim Spiel gegen Rosenborg sind wir in Singapur mitten in der Nacht auf einem Dach gesessen und haben in den Laptop reingestarrt - ich natürlich im LASK-Shirt. Beim Auswärtsspiel gegen PSV Eindhoven war ich in Abu Dhabi, wir sind dort in einer Sportsbar gesessen, die haben extra für uns das Spiel aufgedreht und länger offen gelassen. Ich wieder mit dem LASK-Trikot. Da bin ich schon immer mit Leib und Seele dabei und so wird es auch diesmal gegen Manchester United sein.

LAOLA1: Das LASK-Trikot ist also auch in Melbourne mit dabei?

Hausleitner: Genau, das ist immer dabei - für alle Fälle.

LAOLA1: Wie optimistisch bist du, was den Bundesliga-Meistertitel betrifft?

Hausleitner: Der Titel ist absolut möglich. Es hätte wahrscheinlich nie jemand zu denken geglaubt, dass diese Punkteteilung eine andere Mannschaft als Salzburg treffen würde. Sechs Punkte Vorsprung wären schon komfortabler gewesen, aber trotzdem traue ich der Mannschaft den Titel zu. Entscheidend wird sein, dass wir nicht mehr zu viele Ausfälle haben. Die Salzburger sind in der Breite besser aufgestellt, aber wenn bei uns die Stammformation halbwegs gesund bleibt, sind wir auf Augenhöhe.

LAOLA1: Der letzte Bundesliga-Spieltag, an dem das Duell LASK gegen Salzburg steigt, liegt übrigens genau zwischen zwei Formel-1-Rennen.

Hausleitner (lacht): Selbstverständlich habe ich sofort den Kalender gecheckt und mit Freude festgestellt, dass ich zumindest beim letzten Heimspiel gegen Salzburg daheim bin und ins Stadion gehen kann. Das wäre natürlich ein Kracher, wenn es da noch um den Titel gehen würde.

LAOLA1: Von der Bundesliga zum Start der F1-Saison 2020: Wie schätzt du die Kräfteverhältnisse ein?

Hausleitner: An der Spitze bleibt Mercedes, sie sind der Top-Favorit auf den Titel. Damit meine ich Lewis Hamilton, ihm müsste schon etwas Unvorhergesehenes passieren, damit das Pendel zu Vallteri Bottas ausschlägt. Ansonsten ist bei Mercedes alles auf Hamilton getrimmt und er ist der ganz große Favorit auf den Weltmeister-Titel. Dahinter glaube ich, dass Red Bull Ferrari überholt hat und der erste Mercedes-Jäger sein wird. Die haben einen stärkeren Eindruck hinterlassen und auch die Zuverlässigkeitsprobleme mit dem Honda-Motor abgeschüttelt. Ferrari sehe ich auf der Dreier-Position, dahinter wird es wieder knapp. Racing Point hat sich bei den Tests besser präsentiert als über weite Strecken der vergangenen Saison, die sehe ich vielleicht sogar als vierte Kraft vor McLaren, die letztes Jahr wirklich bärenstark waren. Ansonsten wird sich nicht allzu viel ändern, es ist ein Übergangsjahr hin zu 2021, wo dann das Reglement völlig neu ist.

LAOLA1: Red-Bull-Star Max Verstappen macht kein Geheimnis daraus, dass er Weltmeister werden will. Wie sehr kann er Hamilton fordern? Bleibt die WM heuer länger spannend?

Hausleitner: Das wäre für alle neutralen Fans natürlich wünschenswert, dass es länger offen bleibt. Ich glaube schon, dass Red Bull näher dran ist und Verstappen mehr Saison-Siege feiern kann, aber ich denke, dass Mercedes in dieser Saison noch zu stark ist. Nächstes Jahr ist dann wirklich alles möglich. Wenn du ein ganz neues Reglement hast, kann es sein, dass einem Team ein ganz großer Wurf gelingt und ein Rennstall etwas hat, das die anderen noch nicht haben. Da sehe ich die Chancen für Red Bull wieder höher.

LAOLA1: "Ferrarigate" hat zuletzt für große Aufregung gesorgt. Wie beurteilst du das Verhalten der FIA in dieser Angelegenheit?

"Ein klassisches Eigentor der FIA, das hat man schon ziemlich verbockt. 14 Tage vor Saisonbeginn die Geschichte so aufpoppen zu lassen, ist nicht wirklich professionell."

Hausleitner über "Ferrarigate"

Hausleitner: Ein klassisches Eigentor der FIA, das hat man schon ziemlich verbockt. 14 Tage vor Saison-Beginn die Geschichte so aufpoppen zu lassen, ist nicht wirklich professionell. Ich verstehe die Empörung der anderen Teams. Der Verdacht ist ja hinter vorgehaltener Hand schon die gesamte Saison 2019 geäußert worden, dass bei Ferrari etwas bei der Benzindurchflussmenge – vorsichtig formuliert - zumindest etwas in der Grauzone des Reglements ist. Dass die FIA so lange braucht, um das Untersuchungsergebnis auf den Tisch zu bringen und wartet, bis alle in der Vorfreude auf die neue Saison sind und sich dann das eigene Haus anzündet, war nicht wirklich klug.

LAOLA1: In der abgelaufenen Saison gab es immer wieder Kritik an der FIA für Entscheidungen über Strafen, die teilweise erst weit nach Rennende gefällt wurden. Mit solchen Aktionen schadet sich die Formel 1 doch selber.

Hausleitner: Ja, absolut. Wenn man nach dem Fußballspiel nach Hause geht, weiß man, wer gewonnen oder verloren hat. Das ist bei der Formel 1 nach einem Rennen oft nicht der Fall. Da muss eine viel raschere Entscheidungsfindung her von einem professionellen Gremium, das nicht bei jedem Rennen ausgewechselt wird. Ich bin schon der Ansicht, dass man dann den Stewards eine gewisse Zeit für die Entscheidung gibt, wenn Vorfälle sehr spät im Rennen passieren. Aber so wie es aktuell praktiziert wird, ist es nicht kundenfreundlich. Wo sich bei mir der Spaß aufhört ist, wenn die Leute zu Hause den Fernseher abdrehen und nicht wissen, wer gewonnen hat. Mit Rennende oder spätestens bis zur Siegerehrung muss der Gewinner fix sein und wer dann oben steht, hat gewonnen. Aus, Ende, Amen.

LAOLA1: Die Einschalt-Quoten der Formel 1 im ORF sind sehr gut. Liegt das auch an dir und Alexander Wurz, ihr kommt bei den Sehern ja sehr gut an?

Hausleitner: Bei uns sind tatsächlich in den vergangenen fünf Jahren – und das geht gegen den internationalen Trend – die Einschalt-Quoten gestiegen. Das würde ich mir aber nicht auf meine Flagge heften, das wäre vermessen. So eitel bin ich nicht und so realistisch bin auch, dass da natürlich viele Faktoren eine Rolle spielen. Ich finde, dass wir in der letzten Saison wirklich ein paar grenzgeniale Rennen gesehen haben.

LAOLA1: Die Fans sind dennoch begeistert von eurer fachlichen Kompetenz und eurem Schmäh...

"Wenn ich mit dem Alex in der Kommentatoren-Kabine sitze, die Tür hinter uns zugeht und endlich das Rennen beginnt, dann ist das für mich ein Moment einer riesengroßen Freude. Es ist wirklich pures Wohlfühlen."

Hausleitner über die Zusammenarbeit mit Wurz

Hausleitner: Das Zusammenspiel zwischen dem lieben Alex und mir funktioniert wirklich blind. Es ist schon Arbeit, aber es ist das größte Vergnügen für mich. Wenn ich mit dem Alex in der Kommentatoren-Kabine sitze, die Tür hinter uns zugeht und endlich das Rennen beginnt, dann ist das für mich ein Moment einer riesengroßen Freude. Es ist wirklich pures Wohlfühlen. Wenn du den Sport in so einer ungezwungenen Atmosphäre kommentieren kannst, wie es bei uns zwei der Fall ist, und deiner Leidenschaft nachgehen kannst, dann ist das wirklich ein Privileg. Das genieße ich schon sehr.

LAOLA1: Wie sieht es mit den Formel-1-Rechten im ORF aus?

Hausleitner: Da kann ich nur das sagen, was Fakt ist: Diese Saison ist die letzte im Rahmen des momentan gültigen Vertrages. Wie, wann und ob es weitergeht – ich weiß es nicht.

LAOLA1: Vielen Dank für das Gespräch!

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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