Türkei scheidet mit WM-Negativrekord aus
"Sie sollen die Kabine traurig verlassen", urteilt Türkei-Nationaltrainer Vincenzo Montella nach der 0:1-Niederlage gegen Paraguay.
Vor dem Turnier wurde die Türkei als einer der WM-Geheimfavoriten gehandelt - stattdessen sind sie eines der ersten Teams, das ausgeschieden ist.
Nachdem man zum WM-Auftakt eine überraschende 0:2-Niederlage gegen Australien einstecken musste, ging auch am Samstag (MEZ) das zweite Gruppenspiel verloren.
Obwohl man gegen Paraguay eine gesamte Halbzeit lang einen Mann mehr auf dem Platz hatte, reichte es am Ende für keinen Torerfolg - und verlor stattdessen 0:1.
Spielbericht: Türkeis WM-Aus ist besiegelt! Paraguay siegt in Unterzahl >>>
Nachdem bei dieser WM das direkte Duell als erster Tiebreaker bei Punktegleichheit verwendet, kann die Türkei am letzten Gruppenspieltag weder Paraguay noch Australien überholen und steht somit nach bereits zwei Spielen als Schlusslicht der Gruppe D fest.
Der aktuelle Stand der Gruppe D >>>
62 Schüsse, kein Tor - neuer Negativrekord
Dabei versuchte die Türkei alles, ließ insgesamt 32 Schüsse los. Zählt man auch noch die 30 Torschüsse dazu, die man gegen Australien anbrachte, kommt man auf unglaubliche 62 Schüsse ohne ein einziges Tor.
Es ist ein neuer Negativrekord: Seit Beginn der Aufzeichnungen 1966 hat kein Team mehr Schüsse in zwei WM-Spielen abgegeben, ohne einen Treffer zu erzielen.
Real-Madrid-Star Arda Güler entschuldigt sich nach dem Ausscheiden: "Wir sind richtig, richtig traurig. Das ist auch beschämend, wir entschuldigen uns bei unserem Volk. Wir sind einfach sehr traurig. Wir sind ehrlich gesagt alle am Weinen."
"Sie sollen die Kabine traurig verlassen"
"Sie sollen die Kabine traurig verlassen, weil wir alle traurig sind", erklärt Türkei-Teamchef Vincenzo Montella nach Spielende, fügt aber an: "Mit erhobenem Kopf."
Seine Mannschaft war nach der Roten Karte gegen Miguel Almiron, der in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit wegen einer neuen FIFA-Regel des Feldes verwiesen wurde (Paraguay-Star verdeckt Mund und sieht dafür Rot >>>) eine Halbzeit lang mit einem Mann mehr auf dem Platz, dennoch:
"Sie haben sich nichts vorzuwerfen, weder bei ihrem Auftreten noch bei ihrem Einsatz", so Montella.
Montella hofft auf wichtige Lehren für die Zukunft
Der Italiener versucht bereits das Positive aus dem bitteren Ausscheiden zu ziehen: "Ich bin sicher, dass uns diese Lektion als Mannschaft weiterbringen wird. Diese Enttäuschung, diese Bitterkeit – sie werden uns als Team wachsen lassen."
Und da wäre ja auch noch ein ausstehendes WM-Spiel. Nachdem die USA aber bereits als Sieger der Gruppe D und die Türkei als Gruppenletzter feststehen, ist die Partie am 26. Juni (4 Uhr/MEZ) aber faktisch bedeutungslos.
Montella fordert dennoch jetzt schon vollen Einsatz für den letzten WM-Auftritt: "Das ist unsere Verantwortung, das ist unsere Pflicht. Und wir müssen den Charakter zeigen, der uns bis hierher ausgezeichnet hat."