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Irans hochbrisanter WM-Auftakt: Droht ein Spielabbruch?

Nie zuvor führte ein WM-Gastgeber gegen einen anderen Teilnehmer Krieg. Die iranische Mannschaft muss die An- und Abreise unter erschwerten Bedingungen antreten.

Irans hochbrisanter WM-Auftakt: Droht ein Spielabbruch? Foto: © IMAGO / ZUMA Press Wire

Nach monatelangen Diskussionen bis hinein in die höchste Politik soll für den Iran zum Fußball-WM-Auftakt alles ganz schnell gehen. Der erste Auftritt in den USA wird ein sehr kurzer werden.

Mit dem Bus vom mexikanischen Tijuana geht es in der Nacht auf Dienstag (ab 3.00 Uhr im LIVE-Ticker) ins zwei Stunden entfernte Inglewood nahe Los Angeles, das erste Gruppenspiel gegen Neuseeland absolvieren und unmittelbar im Anschluss zurück über die Grenze ins Teamquartier.

Das übliche FIFA-Protokoll mit Anreise am Vortag und Abreise am Tag nach der Partie? Gilt für den Iran nicht. Es ist der Minimalkompromiss, auf den sich der Fußball-Weltverband, die US-Regierung und die Machthaber im Iran einigen konnten.

Politische Dimension

Dass ein WM-Gastgeber Krieg gegen einen der Teilnehmer führt - so etwas hat es in der 96 Jahre langen Geschichte des wichtigsten Fußball-Turniers der Welt bisher nicht gegeben.

Zeitweise standen ein Ausschluss, ein Boykott oder die Verlegung der Vorrundenpartien zum Beispiel nach Mexiko zur Debatte. Doch nichts davon trat ein.

Bei den von FIFA-Boss Gianni Infantino großspurig angekündigten 104 Super Bowls steht eines schon jetzt fest: Das WM-Auftaktspiel des Iran wird eines, bei dem der Sport sehr weit in den Hintergrund geraten wird. Stattdessen wird es um andere Fragen gehen.

Wie verhält sich die iranische Gemeinde, die nirgends in den Staaten so groß ist wie in Los Angeles? Nicht umsonst wird die Metropole auch "Teherangeles" oder "Irangeles" genannt. Gibt es auf dem Rasen oder auf den Rängen politische Botschaften? Wie kommen die Profis mit dem enormen Druck zurecht?

Erfolg für Infantino

In den USA leben mehr als eine Million Iraner, die meisten von ihnen gelten als Gegner der jetzigen Führung.

Inmitten sehr ernster Zeiten, in denen US-Präsident Donald Trump weiter nach einer Lösung in dem militärischen Konflikt sucht, wird die WM zu einer Art Testballon. Keiner weiß genau, was auf die Profis und die Veranstalter zukommt.

Für FIFA-Boss Infantino gilt es als Erfolg, den Iran dabei zu haben. "Wir müssen vereinen, wir müssen die Menschen zusammenbringen. Fußball vereint die Welt", hatte der Schweizer betont.

US-Präsident Trump war im März zunächst gegen eine Teilnahme. Im Mai zeigte er sich schon deutlich offener. "Ich habe gesagt, du kannst machen, was du willst", berichtete Trump über ein Gespräch mit Infantino.

Klare Grenzen für Verbandspräsident

Doch Irans WM-Teilnahme ist weitab jeglicher Normalität. Das Team hat sein Trainingscamp kurzfristig von Arizona nach Mexiko verlegt und soll planmäßig nur für die Spiele einreisen.

Irans Verbandspräsident Mehdi Tadsch attackierte den Weltverband in der Vorbereitung des Turniers scharf. "Ich habe die FIFA noch nie so schwach erlebt", kritisierte Tadsch.

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Im SoFi-Stadium bei Los Angeles bestreitet der Iran sein Auftaktspiel gegen Neuseeland
Foto: ©IMAGO / NurPhoto

Während sich der Iran beim Quartier und der Logistik auf Kompromisse einließ, sind andere Umstände laut Tadsch nicht verhandelbar.

Die FIFA müsse sicherstellen, dass es bei den Spielen keine politischen Kommentare gegen die Mannschaft oder den Verband gebe, dass die offizielle Flagge der Islamischen Republik – und nicht die nationale Flagge der Opposition – gehisst werde und dass Spielern, Trainerstab und Funktionären umfassende Sicherheit garantiert werde.

Nur Tagesreisen

Die Vorbereitung verlief holprig. Zwei Testspiele wurden kurzfristig abgesagt, die politische Lage stellt alle weiteren Themen deutlich in den Schatten.

Und wenn es schlecht läuft, droht der FIFA auf der riesigen WM-Bühne ein Super-GAU.

"Wir haben der FIFA bereits mitgeteilt, dass die Verantwortlichen des Teams das Spiel abbrechen würden, sobald wir in den Stadien politische Parolen hören", warnte Sportminister Ahmed Donjamali.

Nach dem Auftakt gegen Neuseeland sind auch die Spiele gegen Belgien (21. Juni in Inglewood) sowie gegen Ägypten (26. Juni in Seattle) Stand jetzt als Tagesreisen geplant.

Das wird vor allem beim Gruppenfinale spannend, denn Seattle liegt über 2.000 Kilometer von Tijuana entfernt.

Brisanteste aller Partien droht

Im Sechzehntelfinale wäre ein sportliches Duell mit den USA möglich, falls beide Teams ihre Gruppe auf Platz zwei beenden. Die brisanteste aller denkbaren Partien fände am 30. Juni in Dallas statt - und würde das weitere sportliche Geschehen ziemlich zur Seite drücken.

Bereits vor vier Jahren hatte Irans Auftritt bei der WM für Debatten gesorgt. Inmitten der "Frau, Leben, Freiheit"-Proteste schwiegen die Profis vor den Partien zur Hymne und setzten damit ein Zeichen gegen die Machthaber.

Ein solches Szenario ist diesmal nicht realistisch, denn die Profis stehen extrem unter Druck.

Das zeigt auch das Beispiel Sardar Azmoun: Der in Dubai spielende Stürmer ist bei der WM nicht dabei, weil der 31-Jährige auf einem Foto mit Mohammed bin Rashid al-Maktoum, dem Emir von Dubai, zu sehen war. Das reichte den iranischen Machthabern, um Azmoun auszuschließen.

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