Angst vor Pfiffen? Warum bleibt Trump der WM bisher fern?
Bisher ließ sich der US-Präsident noch nicht bei der Fußball-WM blicken. Dafür kann es mehrere Gründe geben.
Es gibt nur eine ungefähre Ahnung davon, wie Donald Trump bei dieser Fußball-WM in Erscheinung treten könnte.
Der US-Präsident, der das Turnier nach der Vergabe als sein ganz persönliches Großereignis verkaufte, wird am 19. Juli im Finale den WM-Pokal überreichen - und die Zeremonie möglicherweise wieder zu seinem Moment machen. Aber bis dahin? Noch ist es eine WM ohne Donald Trump.
Clinton besuchte 1994 das Eröffnungsspiel
Als der US-Präsident im vergangenen Jahr im Weißen Haus eine Taskforce für die WM etablierte, freute er sich, dass ein weiteres "großes Ereignis" während seiner Präsidentschaft stattfindet.
Mit Fußballkenntnissen glänzte er dabei jedoch nicht. "Welche Mannschaft gilt derzeit als Favorit? Falls es so etwas überhaupt gibt (...)", sagte er an FIFA-Präsident Gianni Infantino gewandt. Infantino nannte daraufhin Argentinien, Brasilien, England, Deutschland und Spanien - und erst auf Nachhaken eines Reporters und Trumps die USA.
Auf die Frage, ob er sich Spiele ansehen werde, sagte er: "Ich würde auf jeden Fall gerne zu mehr als einem gehen." Mehr als ein Jahr später titelte das Portal "Politico" in diesen Tagen: "Wie lange kann Donald Trump der Fußball-WM noch fernbleiben?"
Die BBC erinnerte an den demokratischen Präsidenten Bill Clinton, der die Welt beim Eröffnungsspiel der WM 1994 in den USA mit warmen Worten begrüßt hatte. Obwohl er sich am Sonntag in einem Beitrag auf seiner Plattform Truth Social offensichtlich zufrieden mit dem Verlauf und der Ausrichtung im eigenen Land zeigte, war Trump bisher nicht einmal im Stadion. Dafür kann es mehrere Gründe geben.
Trumps Terminkalender
Der US-Präsident hatte in den vergangenen Wochen etliche Termine, die für die Weltpolitik bedeutender sind als eine Fußball-WM. Kurz nach dem Eröffnungsspiel der US-Amerikaner gegen Paraguay (4:1) in Inglewood bei Los Angeles am 12. Juni tagten in Frankreich die G7-Mächte, zudem fielen die Verhandlungen mit dem Kriegsgegner Iran in diese Zeit. Ein US-Präsident hat von Amts wegen viel zu tun.
Allerdings hielten Trump weder Gipfel noch Krieg davon ab, zu seinem 80. Geburtstag einen professionellen Käfigkampf vor dem Weißen Haus zu veranstalten - am Wochenende nach der US-Partie. Hier stand der US-Präsident im absoluten Zentrum der Aufmerksamkeit.
Die politische Landschaft
Bisher ist Trump mit der WM immer in geschützten Räumen in Berührung gekommen. Etwa im Weißen Haus, als Infantino medienwirksam mehrfach zu Besuch gekommen war. Oder bei der Auslosung in Washington, als Trump von Infantino in einer befremdlichen Show den sogenannten FIFA-Friedenspreis entgegennahm. Ohne jeden Widerstand konnte Trump die Strahlkraft des Großereignisses für sich nutzen.
Nach der Partie in Kalifornien spielten die US-Boys in Seattle gegen Australien (2:0) und erneut in Inglewood gegen die Türkei (2:3). Beide Städte sind klar demokratisch geprägt und Trump deshalb nicht zustimmend gesinnt.
Als ranghöchstes Regierungsmitglied hatte Außenminister Marco Rubio die erste Partie verfolgt - dem Sender Fox zufolge in derselben Loge wie der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom, der immer wieder für eine mögliche Kandidatur der Demokraten um die Präsidentschaftswahl 2028 gehandelt wird. Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. war beim 2:0 gegen Australien in Seattle - und wurde ausgepfiffen.
Möglicherweise vermied Trump also für ihn unbequeme Situationen. Wegen der vielen mitreisenden Fans ist das Publikum bisher sehr heterogen, auffällig ist aber immer wieder der ausgeprägte Patriotismus der heimischen Zuschauerinnen und Zuschauer. "USA! USA!"-Rufe hallen auch durch die Stadien, wenn das eigene Team gar nicht oder in dem Moment ganz woanders spielt.
Wichtig ist die ganz große Bühne
"Es geht ihm um das Hauptereignis - das WM-Finale. Denn dort sind die höchsten Einschaltquoten zu erwarten", sagte der Politikstratege Federico de Jesus der BBC.
Er verwies darauf, dass Trump beispielsweise die Super Bowl im vergangenen Jahr in New Orleans verfolgt habe, zuvor aber kein Spiel in der regulären Saison der American-Football-Liga NFL.
Kurz vor der WM war er bei einem der Basketball-Finalspiele der NBA in der Halle der New York Knicks. Fußball hat es in den USA seit jeher schwer gegen Football, Baseball, Basketball und Eishockey.
Trump irritierte bei Klub-WM
Dann also das WM-Finale. Dass die feierliche Übergabe des Pokals auch politisch als Schaubühne genutzt wird, ist nicht ungewöhnlich.
Bei der WM 2022 in Katar war Emir Tamim bin Hamad Al Thani auf dem Rasen dabei und ehrte das argentinische Weltmeisterteam um Superstar Lionel Messi.
Bei der Klub-WM im vergangenen Jahr hatten Infantino und Trump gemeinsam das Siegerteam Chelsea geehrt.
Anschließend hatte der US-Präsident für Verwunderung gesorgt, weil er entgegen der Tradition für das Siegerfoto mit den Fußballern auf dem Podium stehen blieb. Infantino wies ihm damals noch freundlich, aber bestimmt den Weg von der Bühne.