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Spanien vs. Argentinien: Wer hat wo die Nase vorne?

Passmaschinen, Zweikampfmonster, Torgaranten: Was uns die Zahlen über die WM-Finalisten verraten.

Spanien vs. Argentinien: Wer hat wo die Nase vorne? Foto: © IMAGO

Am Sonntag ist es soweit. Die größte Fußball-WM aller Zeiten kürt in East Rutherford den Weltmeister 2026.

Ein in jeglicher Hinsicht historisches Turnier bekommt am 19. Juli sein Grande Finale.

Während die "Furia Roja" mit unnachahmlicher Makellosigkeit, Konstanz und taktischer Disziplin ihren Gegner das Fürchten lehrte, bezwang der amtierende Weltmeister die Konkurrenz - genau wie vor vier Jahren - mit beispielloser Willenskraft, Einsatz und dem Genie des Lionel Messi.

Bevor Spanien und Argentinien am Sonntag (ab 21:00 Uhr im LIVE-Ticker >>>) um den prestigeträchtigsten Titel des Weltfußballs duellieren, wird es Zeit für einen Blick auf die Zahlen und Statistiken. In den fußballerischen Kategorien wurde "OPTA Analyst" herangezogen, bei den Laufdaten die FIFA.

Welche Spieler haben die beiden Teams ins Endspiel getragen? In welchen Bereichen liegen die Stärken der Finalisten, wo eventuell Schwächen?

Klare Tendenz bei den Schlussmännern

Klare Tendenz bei den Schlussmännern
Foto: ©IMAGO / ZUMA Press Wire / Nicolo Campo

Den Anfang machen die Männer zwischen den Pfosten.

Dort weist Argentinien mit Emiliano Martinez (33) die namhaftere Besetzung auf. Das dürfte auch dem Umstand geschuldet sein, dass der Villa-Keeper vor allem bei der vergangenen WM nicht nur mit heroischen Paraden, sondern auch mit Provokationen und Psycho-Spielchen für Schlagzeilen sorgte.

Dass die Wahl auf Unai Simon (29) fiel, sorgte in Spanien vereinzelt für Überraschung. Statt Arsenals David Raya (30) oder Joan Garcia (25) vom FC Barcelona entschied sich Luis de la Fuente für Athletic Bilbaos Schlussmann. Auf die etatmäßige Nummer eins zu setzen, erwies sich längst als goldrichtig.

Die Zahlen Simons sind deutlich stärker als die seines argentinischen Pendants. Das erste und bisher einzige Gegentor kassierte man erst im Viertelfinale gegen Belgien, auch die beste "Save Percentage" aller Torhüter weist Spaniens Nummer eins auf.

Rein statistisch gehört Martinez indes eher zu den schwächeren Torhütern. Mit sieben Gegentoren kassierte er fast so viele wie er Paraden verbuchte (neun). Obendrein kassierte er 1.4 Tore mehr, als er statistisch hätte bekommen dürfen. Nichtsdestotrotz hat der Elferkiller aus Mar de Plata schon zur Genüge bewiesen, wozu er vor allem in entscheidenden Spielen fähig ist.

Unai Simon (Spanien)

Emiliano Martinez (Argentinien)

Einsatzminuten

630

690

Gegentore

1

7

Paraden

10

9

Save %

90.9 %

56.3 %

Erwartete Gegentore

1.7

5.6

Quelle: OPTA

Spanische Pressing-Maschinerie

Intensität.

Was Spanien und Argentinien neben den technischen und offensiven Qualitäten auszeichnet, ist ihre Vehemenz und Effektivität im Spiel gegen den Ball.

Das höchste und aggressivste Pressing hat im Laufe des Turniers jedenfalls Spanien praktiziert. Keine Mannschaft beendete den gegnerischen Spielaufbau so oft innerhalb von drei Pässen wie die Spanier (93).

Das machte sich in Form von hohen Ballgewinnen bezahlt. Spitzenreiter ist die Mannschaft von Luis de la Fuente nämlich auch bei "High Turnovers", also Balleroberungen innerhalb von 40 Metern vor dem Tor des Gegners.

Argentinien presst im Vergleich nicht so hoch und aggressiv an, rangiert im WM-Vergleich deshalb "nur" auf den Plätzen sieben und acht in jenen Kategorien.

Spalte 1

Spanien

Argentinien

Gesamtdistanz

799 km

813 km

Sprints

3.121

2.854

Erfolgreiche Pressingsequenzen

93

67

High Turnovers

65

41

Quelle: FIFA/OPTA

Iberische Lufthoheit gegen argentinische Zweikampfkultur

Iberische Lufthoheit gegen argentinische Zweikampfkultur
Foto: ©IMAGO

Welch ungeahnte Qualitäten auch eine technisch derart versierte Mannschaft wie die "Furia Roja" mittlerweile aufweist, untermauern die Zahlen.

Keine Mannschaft gewann mehr Luftduelle als die Iberer, bei denen neben Top-Sechser Rodri auch Spieler wie Pedro Porro (85,7 %), Pedri (75 %) oder Ferran Torres (83,3 %) mit beeindruckenden Bilanzen überraschen.

Argentinien liegt nur auf Rang 21, mit dem Innenverteidiger-Duo Lisandro Martinez und Cristian Romero weist man aber trotzdem zwei Kopfballmonster in den eigenen Reihen auf.

Bei "Recoveries" (Ballsicherungen, zweite Bälle) sind die Spanier ebenfalls das Maß aller Dinge. Ganze 353 Bälle schnappte man sich im Turnierverlauf, Argentinien kommt hinter Frankreich und Belgien als viertbeste Mannschaft auf 304.

Am Boden kommt der Kampfgeist der "Albiceleste" hingegen voll zur Geltung. Keine Mannschaft verbuchte im Laufe des Turniers mehr Tacklings als die Südamerikaner (141), auch in der Kategorie "Interceptions" (abgefangene Pässe) ist die Scaloni-Elf Spitzenreiter.

Österreich landet in der Kategorie "Ground Duels won" mit 40,6 % übrigens auf dem letzten Platz aller Teilnehmer.

Spanien

Argentinien

Gewonnene Zweikämpfe (%)

48,0 %

52,4 %

Gewonnene Luftduelle (%)

62,3 %

49,6 %

Abgefangene Pässe

52

65

Tacklings

110

141

Ballsicherungen

353

304

Rodri als Nonplusultra

In Sachen Defensivarbeit kommt man im Statistik-Check um einen Namen nicht herum - Rodri.

Der Ballon-d'Or-Gewinner verbuchte im Laufe des Turniers die fünftmeisten Balleroberungen, die zweitmeisten Tacklings, spulte die meisten Meter aller Spieler ab und ist auch in den Zweikampf- und Luftduell-Rankings weit vorne dabei.

Bei den Argentiniern lässt sich nur schwer ein Spieler hervorheben. Neben dem Mittelfeld-Duo Enzo Fernandez und Alexis Mac Allister stechen die Innenverteidiger Cristian Romero und Lisandro Martinez mit starken Werten hervor.

Auch die Außenverteidiger beider Teams präsentierten sich im laufenden Turnier in Topform. Die Spanier Marc Cucurella und Pedro Porro gehörten offensiv wie defensiv zu den stärksten Akteuren, bei Argentinien machten Nicolas Tagliafico und Nahuel Molina bisher vor allem im Spiel gegen den Ball einen sehr guten Job.

Insgesamt stehen sich die beiden Mannschaften individuell in der Defensive um nichts nach, die Anzahl der Gegentore spricht aber doch eine deutliche Sprache zugunsten der Spanier.

Die meisten Zweikämpfe bestritt übrigens Lionel Messi, er gewann 51 seiner 91 Bodenduelle.

Balleroberungen

Tacklings

Pässe abgefangen

Gewonnene Zweikämpfe

Gewonnene Luftduelle

Rodri (34)

Rodri (22)

Laporte (13)

Messi (51/91)

Laporte (17/31)

Pedri (30)

Mac Allister (19)

Mac Allister (10)

Yamal (38/86)

Romero (13/18)

E. Fernandez (27)

Romero (14)

Romero (10)

Mac Allister (33/50)

Cubarsi (12/22)

Mac Allister (26)

Porro (12)

Rodri (30/50)

Rodri (11/14)

Laporte (26)

Molina (12)

Pedri (9)

Tagliafico 18/25

Lisandro M.(9/14)

Wo die Spanier Luft nach oben haben

Wo die Spanier Luft nach oben haben
Foto: ©IMAGO

Absolut weltmeisterlich lesen sich die Passstatistiken der beiden Finalisten.

Argentinien und Spanien spielten die meisten (erfolgreichen) Pässe aller Teilnehmer. Mit 90,5 % angekommenen Pässen sind die Südamerikaner Spitzenreiter in puncto Passquote, Spanien rangiert hinter Portugal (90,1 %) und ÖFB-Gegner Algerien (89,9 %) auf Platz vier.

Dass hoher Ballbesitzanteil kein direkter Erfolgsfaktor ist, beweisen die Türkei (65,8 %) und Deutschland (65,2 %) - die zwei Enttäuschungen des Turniers belegen in dieser Statistik die ersten beiden Plätze. Spanien weist den dritthöchsten Wert auf, Argentinien hinter Südkorea und Algerien den sechsthöchsten.

Flanken sind indes keine Paradedisziplin der Iberer. Mit 101 Hereingaben schlugen Yamal, Baena und Co. die drittmeisten aller Teilnehmer, davon fanden aber nur 18 einen Mitspieler. Von den 64 Flanken Argentiniens kamen 15 an.

Spanien

Argentinien

Durschn. Ballbesitz (%)

63,9 %

60,7 %

Pässe (angekommen)

4.474 (4.017)

4.647 (4.207)

Passgenauigkeit

89,8 %

90,5 %

Flanken (angekommen)

101 (18)

64 (15)

Pässe ins finale Drittel

1.473

1.337

Quelle: OPTA

Weltmeisterliches Passspiel

Noch eindrucksvoller lesen sich die Passwerte einiger Einzelspieler beider Mannschaften.

Mit Rodri und dem Innenverteidiger-Duo Pau Cubarsi und Aymeric Laporte führen drei Spanier das Ranking der "Passmaschinen" des Turniers an - das Trio spielte bisher die meisten (erfolgreichen) Pässe aller Spieler.

Der erst 19-jährige Cubarsi hat trotz der zweitmeisten Pässe überhaupt mit 96,0 % die sechstbeste Passquote aller Spieler. Absoluter Spitzenreiter ist England-Innenverteidiger Ezri Konsa (97,2 %), der beste Österreicher war Xaver Schlager mit 91,6 %.

Mit Leandro Paredes (4.) und Enzo Fernandez (6.) stehen ihnen zwei der drei argentinischen Zentrumspieler nicht um viel nach. Tatsächlich weisen die Argentinier um das Abwehrduo Romero und Martinez sowie das Mittelfeld-Trio um Paredes, Fernandez und Mac Allister insgesamt leicht bessere Passquoten als die Spanier auf. Allerdings spielten diese auch deutlich mehr Pässe.

Pässe

Passquote

Pässe im letzten Drittel

Dribblings (erfolgreich)

Rodri (705)

Cubarsi (96,0 %)

Pedri (202)

Lionel Messi

41 (25) = 60,98 %

Cubarsi (573)

Romero (95,9 %)

Rodri (187)

Lamine Yamal

49 (22) = 44,9 %

Laporte (567)

Paredes (94,8 %)

Messi (186)

Dani Olmo

12 (5) = 41,67 %

Paredes (522)

Lisandro M. (94,0 %)

E. Fernandez (173)

E. Fernandez

10 (6) = 60,0 %

E. Fernandez (475)

E. Fernandez (93,9 %)

Paredes (150)

Lisandro M.

5 (5) = 100,0 %

Quelle: OPTA

Spanien: Konstanz und Effizienz

Kommen wir zur Offensive.

System und ein klares Muster auf der einen Seite, Spektakel und Unberechenbarkeit auf der anderen.

Auch in der Offensive besticht Spanien durch ausgeklügelte Spielzüge und makelloses Passspiel. Früher oder später schaffte es die "Furia Roja" mit Ausnahme des Auftaktspiels gegen Kap Verde (0:0) stets, die Abwehr des zermürbten Gegners auszuhebeln und im gegnerischen Sechzehner zuzuschlagen.

Die Mannschaft von Luis de la Fuente kam nicht über Standards oder spektakuläre Distanzversuche, sondern durch intelligentes Kombinations- und Positionsspiel zu ihren Torerfolgen.

Spaniens Offensive ist verlässlich, mehr als zwei Tore machte man aber nur gegen Saudi-Arabien (4:0) und Österreich (3:0). Die "Expected Goals" stimmen mit den tatsächlich erzielten Treffern so gut wie überein.

Spanien

Argentinien

Tore

13

19

xG

13.34

14.37

Anzahl Torschützen

6

8

Tore nach Standards

1

5

Tore außerhalb des Sechzehners

0

5

Schüsse (aufs Tor)

42

44

Chancenverwertung

10,83 %

16,96 %

Beste Torschützen

Mikel Oyarzabal (5)

Lionel Messi (8)

Quelle: OPTA

test
Foto: ©IMAGO

Deutlich anders sieht die Bilanz der Argentinier aus.

Zwei Freistoßtore, insgesamt fünf Standardtore und drei Distanztreffer aus dem Spiel heraus untermauern, wie vielseitig das Angriffsportfolio der Südamerikaner ist.

Das schlägt sich auch auf das Verhältnis zwischen xG-Wert und Toren nieder – Argentinien machte fast fünf Tore mehr als erwartet.

Den Weg ins Finale ebneten dem amtierenden Weltmeister einmal mehr Traumtore wie jene von Julian Alvarez gegen die Schweiz oder Enzo Fernandez' gegen England.

Mit fast 17 % verwandelten Chancen sind die Argentinier effektiver vor dem gegnerischen Tor.

Tore

Assists

Chancen kreiert

Defensivlinie-brechende Pässe

1.

Lionel Messi (8)

Lionel Messi (4)

Lionel Messi (25)

Rodri (13)

2.

Mikel Oyarzabal (5)

Olmo, Cucurella (2)

Alex Baena (10)

Lionel Messi (9)

3.

Lautaro Martinez (3)

Baena, Laporte, Torres, Llorente, Oyarzabal (1)

Rodri, Olmo, Porro, Pedri (9)

Yamal; E. Fernandez (8)

4.

Merino, Porro; E. Fernandez (2)

Lopez, Medina, Martinez, Lisandro M., Montiel, Gonzalez, Mac Allister, De Paul (1)

Pau Cubarsi (7)

Olmo, Ruiz (6)

Quelle: OPTA

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Foto: ©IMAGO / MB Media Solutions

Messi stellt alle in den Schatten

Während sich bei Spanien Top-Torjäger Mikel Oyarzabal und Super-Joker Mikel Merino als die offensiven Aushängeschilder der Iberer hervortaten und Spieler wie Dani Olmo, Alex Baena und Rodri im Hintergrund die Fäden ziehen, dürfte es die wenigsten wundern, wessen Name es bei der Analyse der offensiven Einzelspieler hervorzuheben gilt.

Lionel Messi ist das Um und Auf im Spiel der "Albiceleste". Der achtfache Weltfußballer war gemäß FIFA-Daten bisher an 83,3 % der Tore Argentiniens direkt beteiligt und steht sinnbildlich für den leidenschaftlichen Power-Fußball der Scaloni-Truppe.

"La Pulga" kreierte die meisten Chancen aller Spieler des Turniers, Spaniens bester Chancenkreier Alex Baena kommt auf weniger als die Hälfte. Acht Tore, vier Assists - und das in sieben Spielen.

Fazit

Nicht in jeder Kategorie sind Spanien und Argentinien das Nonplusultra bei dieser WM.

Dennoch lässt sich der Weg ins Finale auch auf Basis der produzierten Zahlen der Stars der "Furia Roja" und der "Albiceleste" ergründen. Dass jene beiden Teams in so vielen Aspekten des Spiels die besten Bilanzen aufweisen, ist kein Zufall.

Was neben besagten Statistiken und Zahlen am Ende wohl den Ausschlag gibt, sind Faktoren, die nur bedingt oder gar nicht messbar sind.

Fest steht: Auf die Fußball-Welt wartet ein hochinteressantes WM-Finale, in welchem weit mehr als Passquoten und gewonnene Zweikämpfe den Ausschlag im Kampf um die Trophäe geben werden.

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