Fehlendes Spiel? "Dann muss ich mit Canadi reden"

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Andreas Dober ist gereift.

Nicht mehr das Hier und Jetzt steht im Mittelpunkt, der mittlerweile 31-jährige Verteidiger hat mit seinem Wechsel zu Rapid II für die Zukunft vorgesorgt.

Neben seiner aktiven Karriere macht der Wiener die ersten Schritte als Betreuer im grün-weißen Nachwuchs und nimmt den Trainerschein in Angriff.

Ein „fehlendes Spiel“ macht die ganze Angelegenheit aber komplizierter. Dober hält bei 149 Bundesliga-Spielen, bei 150 darf man offiziell gleich mit der B-Lizenz beginnen.

Ein fehlendes Spiel als Grenzfall

Ein Grenzfall, doch der Routinier gibt gegenüber LAOLA1 die Hoffnung nicht auf, dass der ÖFB in dieser Hinsicht ein Auge zudrückt.

„Ich habe jetzt 149 Spiele, da muss man noch mit dem Kinder- und Jugendtrainer anfangen. Bei 150 Spielen erspare ich mir quasi ein Jahr Trainer-Ausbildung. Ich habe jetzt auch vor kurzem mit Willi Ruttensteiner geredet. Er hat gemeint, dass das von ihm aus kein Problem ist und er auch mit den anderen sprechen wird.“

Durch sein überraschendes Aus in St. Pölten konnte er diesen Richtwert in der Bundesliga (vorerst) nicht erreichen. Inwiefern das Regulativ Abweichungen zulässt, müssen die Verantwortlichen rund um den ÖFB-Sportdirektor entscheiden.

Die Erfahrung in jüngerer Vergangenheit zeigt aber, dass der Fußball-Bund bei Zulassungen zu Trainer-Kursen nicht unbedingt für Feingefühl bekannt ist.

ÖFB drückte zuletzt nicht gerne ein Auge zu

Oliver Lederer gilt etwa als Parade-Beispiel. Dem Ex-Admira-Coach wurde damals ein Platz für die UEFA-Pro-Lizenz aufgrund nicht gänzlich erfüllter Praxis verweigert – obwohl dieser von einer mündlichen Zusicherung sprach, von welcher der ÖFB nichts wissen wollte.

Ähnlich stellte der im Herbst zum Altacher Interimscoach aufgestiegene Werner Grabherr seinen Fall dar. Auch er wartete vergeblich auf die Aufnahme in den elitären Pro-Lizenz-Kreis.

"Ich will die Pro Lizenz machen und bin heuer nicht dazu gekommen, weil in Österreich ausländische Trainer diese Plätze blockieren und uns junge österreichische Trainer daran hindern, diese Ausbildung zu Ende machen zu können", übte dieser Kritik am ÖFB.

Es ist somit nicht leicht, seine Trainer-Karriere anzukurbeln, bei Dober wäre es ein einziger Einsatz, der über ein zusätzliches Jahr Ausbildung entscheidet. „Das wäre halt schon richtig bitter“, hält der Rapid-Rückkehrer fest.

„Sonst muss ich mit Canadi reden, dass er mich einsetzt“

Sollte daran nicht zu rütteln sein, wird der Defensivspieler aber auch diesen Weg einschlagen. Oder aber er wird bei einem geplanten Telefonat erhört.

„Sollte das nicht der Fall sein, muss ich halt einmal mit Damir Canadi unter vier Augen reden, dass er mich vielleicht einmal kurz einsetzt“, schmunzelt Dober.

Denn obwohl die Frage nach seinem Wechsel oft gestellt wurde, macht er sich keinerlei Hoffnungen, doch noch irgendwie durch Zufälle in den Profikader zu rutschen.

„Ich bin für Rapid II geholt worden, ich versuche dort Woche für Woche meine Leistung zu bringen. Ich liebäugle auch gar nicht mit der Kampfmannschaft, das wäre unfair denjenigen gegenüber, die mich geholt haben. Ich fokussiere mich voll und ganz auf Rapid II.“

Erste Schritte bei der U11 und U12, Sohn in U7

Auf die Zeit bei den Profis blickt er gerne zurück, auch auf die Zeit mit seinem ehemaligen Teamkollegen Muhammet Akagündüz – der jetzt sein Trainer in der Regionalliga Ost ist.

Ist er gerade nicht im Trainings- oder Matcheinsatz, schnuppert Dober in seinen angestrebten Job im Rapid-Nachwuchs hinein.

„Montag haben die U11 und U12 Stationstraining und am Dienstag nur die U12. Das ist jetzt einmal der Einstieg, um Erfahrung zu sammeln und reinzuschnuppern, damit ich weiß, wie die Trainingsabläufe bei den Jungen überhaupt funktionieren.“


Rapid remisiert in St. Pölten:


Sohn Elias schnürt sich derzeit in der U7 die Fußballschuhe. Gut möglich, dass er diesen in ein paar Jahren unter seinen Fittichen hat. Soweit denkt Dober aber noch nicht voraus.

Rapid II als Jungbrunnen, aber kurioser Einstieg

Momentan freundet er sich mit der Tatsache an, dass er Rapid II führen soll. Doch anstatt sich bei der Vielzahl an Youngsters alt zu fühlen, wirkt dies eher wie ein Jungbrunnen.

„Da ich die ganze Zeit mit den Jungen zusammen bin, fühle ich mich auch wieder um zwölf Jahre jünger und in die Zeit bei den Amateuren zurückversetzt. Es hält mich jung. Ich bin jetzt 31 Jahre alt geworden und fühle mich wirklich nicht so alt. Ich war noch nie schwerer verletzt in meiner Karriere, das kommt mir jetzt zugute. Ich fühle mich topfit.“

Die Rückkehr bei Rapid verlief anfangs holprig. Aus dem geplanten Debüt wurde nichts, da Dober zwei Partien nicht spielberechtigt war – eine kuriose Geschichte.

„Das war keinem bewusst. Ich habe mich normal vorbereitet und vier Stunden vor dem Match hat mich Trainer Akagündüz angerufen und gesagt: Du darfst heute nicht spielen! Ich habe mich nur gefragt: Wieso? Was ist jetzt schon wieder? Aber wenn ich Bundesliga gespielt habe, darf ich die nächsten zwei Spiele nicht bei den Amateuren spielen. Das kam komplett überraschend.“

„Möchte der Mannschaft das Sieger-Gen einimpfen“

Seither stand der Routinier, der in den letzten knapp zwei Jahren Ausland (Ethnikos Achnas/CYP), Erste Liga, Bundesliga und Regionalliga beehrte, drei Mal über die komplette Spielzeit am Feld, der Klassenerhalt ist für den Tabellen-Neunten heuer das Ziel, ehe aufgrund der Liga-Reform dann der Angriff erfolgen soll.

„Nächstes Jahr wollen wir aufsteigen. Ich möchte in der Mannschaft meinen Mann stehen und ihnen dieses Sieger-Gen einimpfen.“

Das ist wohl auch der Zukunfts-Plan als Trainer.

Textquelle: © LAOLA1.at

Andreas Dober: "Rapid ist keine tote Mannschaft"

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