Gregoritsch: "Brauche keinem etwas beweisen"

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Das österreichische U21-Nationalteam hat am Freitag (ab 17 Uhr im LIVE-Ticker) die große Chance, sich erstmals für eine U21-Europameisterschaft zu qualifizieren.

Die letzte Hürde im Kampf um ein EM-Ticket heißt Griechenland. Das Hinspiel findet in Thessaloniki statt. Das Rückspiel steigt am kommenden Dienstag (19 Uhr) in der heimischen NV-Arena in St. Pölten.

U21-Teamchef Werner Gregoritsch ist sich im Gespräch mit LAOLA1 der historischen Chance bewusst: "Wir wollen zeigen, dass wir der Jahrgang sind, der auch über diese letzte Hürde drüber springen kann."

Jahre der Kontinuität

Seit seinem Amtsantritt im Februar 2012 hat Gregoritsch eine überzeugende Bilanz vorzuweisen. 23 Pflichtspiel-Siegen stehen bloß sieben Pflichtspiel-Niederlagen gegenüber. Insgesamt fünfmal trennte sich die rot-weiß-rote Elf mit einem Unentschieden vom Gegner.

Trotz dieser ansehnlichen Statistik fehlt immer noch der letzte Schritt - jener, hin zu der U21-Europameisterschaft. Der Coach ist fest davon überzeugt, dass es heuer endlich soweit sein kann: "Man sieht diese Begeisterung, man sieht dieses Bewusstsein – wir können etwas erreichen. Im Training ist überhaupt kein Spieler dabei, der irgendwie abfällt."

"Im Moment fehlt nur dieser letzte Kick, dass du es einmal zu einem Großereignis schaffst. Ich glaube, dass die Mannschaft – wenn sie diesen letzten Schritt geht – sicher für eine Überraschung sorgen kann. Diese Mannschaft ist gewachsen", ist Gregoritsch von der Qualität seiner jungen Truppe überzeugt.

Vor zwei Jahren stand die U21-Auswahl Österreichs ebenfalls im Playoff. Damals scheiterte man - nur wegen der Auswärtstorregel - an Fußballgroßmacht Spanien. "Wir gehören nun schon zum zweiten Mal hintereinander zu den besten 14 Europas, das ist kein Glücksfall, das hat sich schon so entwickelt. Das ist Kontinuität über viele Jahre."

Aufgepasst auf Griechenland

Aber auch die Griechen haben in der Qualifikation durchaus aufzeigen können. Bis zum vorletzten Spieltag lag Griechenland auf Platz eins der Gruppe 1. Nach einer 0:2-Pleite - der einzigen Niederlage in der gesamten Quali - gegen den direkten Konkurrenten aus Kroatien, mussten die Hellenen schlussendlich doch mit Rang zwei vorlieb nehmen.

Gregoritsch erwartet zwei schwere Spiele: "Ich sehe die Chancen 50:50. Wir sind auf keinen Fall Favorit, weil Griechenland der bestplatzierte Zweite war. Aber wir haben in den letzten zwei Monaten etwas erreicht, woran die wenigsten noch geglaubt haben. Griechenland ist irgendwo in der gleichen Kategorie wie Serbien oder Russland", spielt der 60-Jährige auf die Gruppengegner Österreichs an.

Man dürfe die Qualität der Griechen nicht unterschätzen: "Wir haben die Griechen schon über Video analysiert. Es ist eine Mannschaft, die schon seit langem zusammenspielt. Es ist viel individuelle Qualität da."

In Thessaloniki erwartet Gregoritsch einen richtigen Hexenkessel: "Wir müssen das Spiel genauso angehen wie in Serbien, denn die Serben wollten uns genauso wenig einen Punkt schenken. In Griechenland werden mit Sicherheit 10.000 bis 15.000 Leute sein. Das ist Nationalstolz pur!"

Ob es zu diesem Hexenkessel auch tatsächlich kommt, ist aber anzuzweifeln. Laut aktuellen Informationen werden "nur" etwa 3.000 Zuschauer im Toumba-Stadion von PAOK erwartet.

"Wir dürfen uns nicht zu sehr provozieren lassen. Wir müssen den Fokus auf das legen, was wir können", ist sich Gregoritsch bewusst und meint auch: "Die Griechen werden zuhause alles daran setzen, dass sie ein Ergebnis einfahren, mit dem sie ohne jegliche Sorgen nach Österreich fahren können."

Beschwerlicher Weg

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Dass es die ÖFB-Auswahl überhaupt noch in das Playoff geschafft hat, hätten wohl nur die wenigsten für möglich gehalten. "Nach den unglücklichen Spielen im Herbst, und den neun Punkten nach fünf Spielen, hat man uns nicht mehr viel zugetraut", sagt Gregoritsch.

"Aufgrund von Verletzungspech und Spielern, die den Sprung ins A-Team geschafft haben, hatten wir einfach keine stabile Mannschaft. Doch speziell gegen die kleinen Länder hat man immer wieder unsere Qualität gesehen. Gegner wie Mazedonien und Armenien haben wir immer im Griff gehabt."

Druck verspürt Gregoritsch nun kaum mehr: "Ich bin bei Spielen wie gegen Gibraltar oder Armenien viel angespannter, denn dort zu verlieren, wäre für mich eine Schmach. Doch dieses Spiel kann ich jetzt genießen. Wichtig ist es jetzt, der Mannschaft die Entspanntheit und die Fokussierung vorzuleben."

Nach dem 3:2-Sieg am letzten Spieltag gegen Russland erklomm die Truppe rund um Kapitän Philipp Lienhart noch am letzten Drücker den zweiten Gruppenrang und als einer der vier besten Gruppenzweiten die Playoff-Teilnahme. Die Torschützen bei diesem Erfolg waren Adrian Grbic, Hannes Wolf und Arnel Jakupovic.

"Jeder ist richtig heiß"

Letzterer fiebert den Duellen gegen die Griechen bereits mit Vorfreude entgegen: "Das sind besondere Spiele für uns, aber wir werden wie bisher in diese beiden Partien gehen – wir versuchen einfach, unser Bestes abzurufen. Wenn uns das allen gelingt, wird das funktionieren."

"Wir wissen, worum es geht. Wenn wir das schaffen, schreiben wir Geschichte. Es wäre toll, wenn wir sagen könnten, wir haben etwas geschafft, was vor uns noch keiner geschafft hat."

Kevin Danso, der als etatmäßiger Innenverteidiger bei der U21 im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird, freut sich auf die Aufgabe: "Jeder von uns will diese beiden Spiele unbedingt gewinnen. Es ist eine Anspannung da, aber wir freuen uns auch schon sehr darauf."

"Wir werden richtig Gas geben. Jeder ist richtig heiß auf dieses Duell", ist sich der Augsburg-Legionär der richtigen Einstellung seiner Mannschaft sicher und meint: "Für uns wäre es etwas Besonderes, an einer EM teilzunehmen. Dass wir die erste österreichische U21 sein könnten, die das schafft, macht es noch besonderer."

Christoph Baumgartner - mit 19 Jahren einer der Jüngsten im Kader - spürt bereits eine gewisse Anspannung: "Wir wissen, was wir für eine Chance haben. Dem ist sich jeder bewusst. In den ersten Einheiten hat man schon die gewisse Spannung gemerkt. Jeder ist extrem fokussiert. Es ist wichtig, eine gewisse Lockerheit zu bewahren. Dann kann ich mir gut vorstellen, dass wir das schaffen und nach Italien fahren."



Gregoritsch wünscht sich Wertschätzung

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"Für mich wäre es ein Traum, zur U21-EM zu fahren und dann dort aufzuzeigen. Jeder redet heute noch von Kanada 2007. Leute sind damals um 2 Uhr in der Früh aufgestanden", erinnert sich Gregoritsch an den Vierten Platz Österreichs bei der U20-WM 2007.

"Wie ich angetreten bin, war meine Vorstellung, dass meine Spieler die Wertschätzung vom österreichischen Publikum bekommen, dass sie in der Nacht extra für diese Mannschaft aufstehen oder die U21 im Hauptabendprogramm läuft."

Trotz alledem liegt der Hauptfokus des Coaches auf der Entwicklung von jungen Spielern: "Mir macht es einfach Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten. Natürlich wäre es eines der größten Highlights, mit einer Nationalmannschaft was zu erreichen, das in Österreich vorher noch nie passiert ist."

"Die Wertschätzung meiner Trainertätigkeit würde schlagartig in einem anderen Licht dastehen", meint der nicht immer unumstrittene Langzeit-Teamchef, dennoch ist Gregoritsch der festen Überzeugung: "Ich brauche als Trainer niemandem mehr etwas beweisen. Im Endeffekt ist es für mich so, dass das, was manche Leute über mich sagen, mich einfach nicht interessiert."

Textquelle: © LAOLA1.at

Marco Friedl vor dem U21-Playoff gegen Griechenland

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