Wer im Worst Case als erstes gehen müsste

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50 Cent wären mir die wahren Gedanken durchaus wert, die sich ÖFB-Präsident Leo Windtner und so mancher Landespräsident in Israel gemacht haben.

Als sich mit Willi Ruttensteiner ein vom ÖFB auf beschämende Art und Weise demontierter Sportdirektor über den Sieg seines neuen Arbeitgebers freuen durfte.

Ein von Andreas Herzog, der in seinem Heimatland mehrmals nicht als Teamchef zum Zuge kam, gecoachtes Team. Unterstützt von weiteren Österreichern wie Klaus Lindenberger, der sich im Vorjahr plötzlich vom ÖFB trennte. Mit Markus Rogan half sogar ein Ex-Schwimmer, dass Österreich baden ging.

"Karma is a bitch", kann man da nur zum wiederholten Male feststellen.

Das Nationalteam steckt in einer tiefen Krise und jeder bewältigt Krisen anders. Windtner entschied sich dazu, in bester Stammtisch-Manier loszupoltern, den ÖFB-Kickern Schülermannschafts-Charakter zu verleihen und selbstredend Konsequenzen zu fordern. Köpferollen nicht gänzlich ausgeschlossen.

Dabei fiel in kleiner Medienrunde am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv folgender – völlig richtiger – Satz des Oberösterreichers: "Wenn du so ein Match hast, ist es berechtigt, alles zu hinterfragen."

Alles?

LAOLA1 nahm diese Ansage zum Anlass, Windtner genau jene Fragen zu stellen: Wie geht es dem Präsidenten und den nach Haifa mitgereisten Vertretern des Präsidiums, wenn der von ihnen demontierte Sportdirektor und übergangene Teamchef jubeln dürfen? Inwiefern hinterfragt sich das Präsidium selbst?

Unterbrochen von einem etwas empörten "Nana, Herrschaften, das ist überhaupt nicht das Thema" ließ sich die Frage nicht einmal vernünftig zu Ende formulieren.

Vernünftige Antwort gab es sowieso keine. Der Hinweis, dass man "jetzt nicht in den Fehler verfallen und Zurufe von überall entgegennehmen" werde, läutete eine Antwort ein, die schließlich darin mündete, wie Leid Windtner die enttäuschten Fans tun, und in der Behauptung, dass "das Nationalteam organisatorisch noch nie so Top-Rahmenbedingungen vorgefunden" habe.

Nicht das Thema? Aha!

Gut, Chefs, die sich in heiklen Situationen aus der Verantwortung stehlen wollen, soll es geben, aber dies zeugt erstens nicht von Führungsstärke oder der ansatzweisen Fähigkeit zur Selbstkritik und ist im konkreten Fall schlichtweg falsch.

Und zwar bestens dokumentiert für jeden österreichischen Fußball-Fan, der die ÖFB-Turbulenzen im Herbst 2017 ob ihrer Traurigkeit und zwischenzeitlichen Peinlichkeit nicht bereits vor lauter Frust aus dem Gedächtnis gestrichen hat.

Und genau das ist eines der Hauptprobleme im ÖFB. Das Tun und Handeln der ÖFB-Spitze wird viel zu selten hinterfragt, geschweige denn dass offenkundiges Versagen jemals Konsequenzen nach sich ziehen würde.

Konsequenzen wie sie Windtner jetzt vollmundig fordert. Bei anderen.

Aber wer hat beispielsweise Ruttensteiner geopfert, um seine eigene Position zu retten? Jenen Mann, der sicherlich oft unbequem war, aber auch in seiner neuen Funktion in Israel vor Ideen nur so sprudelt und alle Register zieht, um sie auch umzusetzen?

Wie sehr gelingt es seinem Nachfolger Peter Schöttel, seine Ideen (das Wort Konzept sei hier aus geschichtlichen Gründen vermieden) unters Volk zu bringen und zu unterstreichen, wofür er steht und wie er Österreichs Fußball auf Jahre hinaus nach vorne bringen will? Dabei ist es nicht so, dass Schöttel keine interessanten Ansätze hätte, im Gegenteil. Aber mitreißendes Handeln und Aufbruchstimmung erzeugen, geht anders.

Ob Schöttel funktioniert oder nicht, haben Windtner und jene Landespräsidenten, die bei der Revolte gegen Ruttensteiner mitgemacht haben, zu verantworten. Er ist ihr Mann.

Alle gemeinsam haben sich auf Franco Foda als Teamchef geeinigt, nachdem mit Marcel Koller ein weiterer verdienter Mitarbeiter auf eine Art und Weise abgesetzt wurde, die man eleganter als in einem kurzen Telefonat hätte lösen können.

Dieser Text soll sich nicht darum drehen, ob der Deutsche der richtige oder falsche Mann in dieser Position ist.

Fakt ist jedoch, dass die ÖFB-Spitze ihren Coach derzeit relativ alleine im Regen stehen und den Hagel der Kritik einstecken lässt, während sie selbst in Deckung geht und sich hinter anderen versteckt.

Oder bei der Kritik sogar mitmacht, wenn man die Lippenbekenntnisse, dass der Teamchef nicht zur Diskussion steht, mit dem Hinterfragen der Wechsel oder der Andeutung, dass Foda nicht über jene Autorität von Koller verfüge, garniert.

Kleiner "Fun" Fact am Rande: Wie Windtner im selben Atemzug David Alaba bloßstellte, gleicht schon einem dringenden Bedürfnis, sich so viele Baustellen wie möglich auf einmal aufzumachen. Schließlich bestätigte der ÖFB-Boss offiziell, dass sich der Bayern-Star unter Koller weigerte, Linksverteidiger zu spielen.

Um eines klarzustellen: Kritik an Foda ist berechtigt, Kritik an den Spielern ist berechtigt. Ohne jeden Zweifel. Sie bekommen derzeit ohnehin genügend davon ab.

Der Teamchef und seine Schützlinge wissen aber ohnehin selbst, was sie angerichtet haben.

Und hier sind wir beim großen Unterschied zur ÖFB-Spitze.

Bislang gibt es nicht einen einzigen wirklichen Anhaltspunkt dafür, dass sich Windtner und besagter Teil der Landespräsidenten auch nur ansatzweise ihrer Schuld bewusst sind.

Da auch nicht davon auszugehen ist, dass der ÖFB-Boss und jene "Landesfürsten", die als Touristen den Betriebsausflug nach Haifa genossen haben, sich eigenständig Gedanken machen, hier einige Inputs.

Noch ist alles drin, und darum muss bis zur letzten Sekunde gekämpft werden – aber: Was müsste passieren, wenn die Qualifikation tatsächlich schief geht?

  • Erstens: Rücktritt Leo Windtner

  • Zweitens: Rücktritt all jener Landespräsidenten, die am personellen "Umbruch" 2017 beteiligt waren

  • Drittens: Und erst dann sollte die Zukunft des Teamchefs und diverser Spieler entschieden werden – und zwar von einer neuen ÖFB-Spitze.

Schon klar, dass Windtner seine Verdienste hat und die Gefahr besteht, dass sein Nachfolger ein richtiges Übel darstellt. Das ist mir bewusst und erfüllt mich im Fall der Fälle nicht gerade mit Vorfreude.

Dennoch: Alleine aus Gründen des Anstands wäre es alternativlos, dass die ersten Köpfe bei diesen Verantwortungsträgern ganz oben rollen.

Das war jetzt leider viel Konjunktiv.

Die Prognose, was in Wahrheit passieren wird, wenn die Qualifikation schief geht?

NIX!

Denn manche werden in alle Ewigkeit so tun, als hätten sie nichts damit zu tun.

Textquelle: © LAOLA1.at

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