Marcel Koller: "Ich habe lange davor gewarnt"

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Es fühlt sich wie ein Kater nach einer durchzechten Nacht an - dieser Lehrgang inklusive Niederlage in Wales und dem 1:1 gegen Georgien war sinnbildlich für die WM-Quali des ÖFB-Teams.

Nach dem Aufwärtstrend über viele Jahre der nächste Nackenschlag nach der verpatzten EURO. Teamchef Marcel Koller hatte von einer derartigen Entwicklung gewarnt. Ob die verpasste WM sogar mehr schmerzt als das EM-Aus?

"Wenn man irgendein Ziel nicht erreicht hat, tut das weh, das ist enttäuschend", so der Schweizer.

Koller: "Das ist ein Trugschluss"

"Ich brauche dann meistens ein paar Tage, bis man das verarbeitet hat. Das ist natürlich jetzt auch der Fall. Von meiner Seite her, dass wir es nicht hingekriegt haben, dass wir die Tore schießen, dass wir hinkommen können, dass wir kompakt stehen, um weniger Tore zu bekommen. Das hat nicht geklappt, das tut jetzt weh."

Die lang anhaltende Durststrecke seit dem Frühjahr 2016 macht die Enttäuschung noch unerträglicher. Denn schon kurz vor der EURO lief es nicht nach Wunsch, seitdem hat sich die rot-weiß-rote Auswahl kaum noch erfangen.


Koller ist darüber aber weniger überrascht. Der 56-Jährige hat es laut eigener Aussage kommen gesehen, dass der Höhenflug endenwollend ist und eine Phase der Ernüchterung eintreten wird.

"Ich habe lange davor gewarnt. Ich habe es auch selber erlebt. Wenn du oben und erfolgreich bist, dir jeder auf die Schultern klopft und überall positiv geschrieben wird, ist es natürlich schwer und man denkt, es geht so weiter. Man muss nichts mehr tun, es ist schön, es ist angenehm, man wird getragen – aber das ist ein Trugschluss", lässt der Teamchef Kritik durchklingen.

Welche Lehren zieht das ÖFB-Team?

Und er legt nach: "Man muss noch mehr tun, wenn man oben an der Spitze ist. Weil von unten stoßen viele andere nach, die auch an der Sonne sein möchten. Das ist ein Faktor, der wichtig ist, dass man sich nicht zurücklehnen kann, noch mehr tun muss und sich dem noch bewusster sein muss. Das sind Erfahrungen, die man macht. Ich habe sie schon ein paar Mal gemacht. Da ist man dann auch enger dran, dass man das nicht einreißen lässt."

Das Gegensteuern war jedoch bisher nicht erfolgreich. Das ÖFB-Team kam aus dieser Abwärtsspirale nicht heraus. Der bisherige Tiefpunkt wird sein, dass man im kommenden Jahr die WM in Russland vor dem Fernseher und nicht vor Ort verfolgen muss.

Die Zeit der Aussprachen hat längst begonnen, die Weichen für die Zukunft werden gestellt. Davon ist nicht nur abhängig, ob Marcel Koller weiterhin der Dirigent der Nationalmannschaft bleibt, sondern auch, was für Lehren man aus den Negativerlebnissen zieht.

Auf die missglückte WM-Quali bezogen, spricht Koller einige Dinge an, die entscheidend waren. Erkenntnisse, die abseits des oft bemühten Pechs zu dem führten, was schlussendlich zu wenig für das Ticket nach Russland war.

Mangelnde Chancenverwertung als Teufelskreis

Vieles davon wurde beim 1:1 gegen Georgien einmal mehr offensichtlich. "Wir sind relativ früh in Rückstand geraten. Im Spielaufbau war es ein individueller Fehler, das hat uns die ganze Qualifikation verfolgt, dass wir Fehler gemacht haben, die bestraft wurden. Auf der anderen Seite haben wir sechs sehr gute Möglichkeiten gehabt, um ein Tor zu erzielen. Wir haben zu wenige Tore gemacht, das war die ganze Quali sichtbar. In dem Sinne ist das auch nichts Neues."


Vor allem die Abschlussschwäche stellte sich als großes Manko in den vergangenen Monaten und Jahren heraus. Zehn Tore in acht WM-Quali-Spielen ist kein herausragender Schnitt. Vor allem, da man stets eine Vielzahl an Chancen leichtfertig liegen ließ und so entscheidende Partien verlor.

"Schon als ich angefangen habe, war das ein Problem. Wir haben uns immer wieder Möglichkeiten herausgespielt, in jedem Spiel welche erarbeitet, wir schießen aber zu wenige Tore. Wenn du gewinnen willst, musst du hinten wenige Tore kriegen und vorne welche erzielen. Gegen Georgien hat man wieder gesehen, dass wir zu wenig Ertrag herausgeholt haben. Schlussendlich ist es schwierig, sich so zu qualifizieren", fasst Koller zusammen.

Gerne würde er öfter über erzielte Tore sprechen, anstatt das Thema ständig aufwärmen zu müssen. Es ist ein Teufelskreis, aus dem das ÖFB-Team nicht herausfand. Doch Koller appelliert in dieser Hinsicht vor allem an die Eigeninitiative der Spieler.

Koller: "Ich kann die Tore nicht schießen"

"Schlussendlich musst du Tore schießen, da muss jeder – da wiederhole ich, was ich vor vier, fünf Jahren gesagt habe – vor seiner eigenen Tür kehren. Dass er noch mehr machen muss, noch aggressiver, bewusster, fokussierter ist. Auf dem Level triffst du sonst nicht so viel. Je besser die Teams sind, gegen die du spielst, die auch Top-Spieler haben, desto mehr nützen die das aus."

Wer soll im ÖFB-Team als Stürmer auflaufen?


Beim ÖFB-Team könne man in den wenigen Tagen der Zusammenkunft wenig ausrichten. Koller stellt auch unmissverständlich klar: "Ich kann die Tore nicht schießen. Wir können die Spieler nur unterstützen."

Appell an Eigeninitiative der Stürmer

Denn: "Wenn du beim Nationalteam nur zwei, drei Trainingseinheiten hast, kannst du in dem Bereich nicht so intensiv arbeiten, weil das große Ganze wichtiger ist als jetzt mit jedem Stürmer noch am Torinstinkt zu arbeiten. Das kann man machen, aber dann sind sie wieder ein Monat weg. Es ist auch Aufgabe von den Trainern und Spielern selbst, dass sie noch mehr machen müssen, auch Verantwortung übernehmen. Dass sie die Trainer auch provozieren und sagen: 'Trainer, ich will mehr machen, gib mir noch eine Übung.' Das sollte mehrheitlich beim Klub passieren, um diese Sicherheit zu bekommen. Bei uns ist die Zeit viel zu kurz."

Guido Burgstaller musste diesmal passen, Marc Janko findet derzeit nicht zu seiner Top-Form, Martin Harnik kann jene Leistungen aus der deutschen Bundesliga nicht im ÖFB-Team abrufen und Michael Gregoritsch schmorte 90 Minuten auf der Bank - eine schwierige Bestandsaufnahme.

Trotz aller Enttäuschung kann Koller aber auch Positives aus dem Lehrgang mitnehmen. Die Hoffnung ist bei ihm vorhanden. Möglicherweise sind es diese Lichtblicke, die Koller auch von einer weiteren Zusammenarbeit mit dem ÖFB überzeugen könnten.

"Hinteregger und Arnautovic haben gut gespielt. Auch Kevin Danso hat aus meiner Sicht ein hervorragendes Spiel gemacht, er hätte auch 2 Tore erzielen können mit seinen Kopfbällen. Auch andere: Louis Schaub hat sein erstes Tor gemacht und sich gut bewegt, Kainz hat sich gut bewegt. Das sind natürlich schon positive Dinge, die man mitnimmt. Dementsprechend sind sicher Spieler da, die auch in nächster Zeit auftauchen werden, die auch mehr Erfahrung sammeln werden, um noch bessere Spiele abliefern zu können."





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Marcel Koller: "Es gibt aktuell keine Angebote"

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