LAOLA1-Brennpunkte: Marcel Kollers Abschiedsspiel

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Das war's dann!

Am Montagabend geht in Moldawien (ab 20:45 Uhr im Live-Ticker) ein großes Stück österreichische Fußball-Geschichte zu Ende.

Ein 54. und letztes Mal läuft das Nationalteam unter der Anleitung von Marcel Koller auf, mit dem Schweizer werden wohl auch zahlreiche Mitglieder des bewährten Betreuerstabs ein letztes Mal für das ÖFB-Team im Einsatz sein.

Koller fordert jedoch, ganz seinem Charakter entsprechend, Professionalität und Konzentration auf das Spiel ein - für Emotionen bleibt wenig Platz.

Schließlich gilt es eine unerfahrene Startelf zu coachen und sie im Idealfall - in turbulenten Zeiten für den ÖFB - zum Sieg zu führen. LAOLA1 nennt diese und weitere Brennpunkte, die rund um dieses Match im Mittelpunkt stehen.


(KEINE) EMOTIONEN BEIM ABSCHIED:

Das letzte Mal! Es wäre nicht Marcel Koller, würde er schon vor seinem Schlusspfiff als ÖFB-Teamchef allzu große Emotionen durchblicken lassen. Bis zur letzten Sekunde gehört seine Konzentration der Aufgabe, gilt der Fokus dem Geschehen auf dem Platz. "Für mich ist das Spiel wichtig und nicht, dass es vielleicht mein letztes sein könnte. Ich freue mich auf die Partie und hoffe, dass wir da noch eine gute Leistung abrufen", betont der Schweizer. Deshalb sei er auch nicht mit Wehmut in den Flieger nach Chisinau gestiegen. Kalt lassen würde ihn die letzte Dienstreise gemeinsam mit "seinen" Schützlingen jedoch natürlich auch nicht: "Es waren sechs wunderbare Jahre, mit diesen Spielern zu arbeiten." Nach 54 Länderspielen wird die Ära von Koller enden. Wann die Zusammenarbeit offiziell beendet sein wird, steht indessen noch nicht fest. Bis jetzt hat mit ihm dies seitens des ÖFB noch niemand besprochen, wie der 56-Jährige verrät. Nach aktuellem Stand läuft sein Vertrag noch bis 31. Dezember, sein Nachfolger soll bis 30. Oktober feststehen: "Es wäre normal, wenn man miteinander spricht. Ich wüsste nicht, wie es sonst aussehen würde. Sitzen wir dann beide gemeinsam im Büro?"

DIE UNGEWOHNTE AUFSTELLUNG:

Der angespannten Personalsituation ist geschuldet, dass Koller bei seinem Abschied eine ungewohnte Startelf aufs Feld schicken wird. Mit Aleksandar Dragovic (Sperre) und Stefan Ilsanker (Zehenverletzung) gesellten sich nach dem Serbien-Spiel zu den vielen Ausfällen zwei weitere hinzu. Dass Philipp Lienhart sein Debüt feiern wird, hat Koller bereits angekündigt. Für Ilsanker dürfte mit Louis Schaub der Siegtorschütze vom Freitag von Beginn an auflaufen und dafür Florian Grillitsch ins defensive Mittelfeld rücken. Vor allem die Abwehr dürfte aller Voraussicht nach jung und unerfahren besetzt sein - mit Lienhart wird Kevin Danso die Innenverteidigung bilden und links erneut Maximilian Wöber auflaufen. "Ich glaube, das wird kein Problem sein. Jeder, der einberufen wurde, hat Qualität. Das ist eine Chance, das zu zeigen, und das werden wir auch machen", verspricht Danso.

DER GENERATIONSWECHSEL:

Die jungen Kräfte im Nationalteam haben derzeit ohnehin die Gelegenheit, sich ins Rampenlicht zu spielen. Schon das ganze Jahr 2017 über wurde ein Generationswechsel eingeleitet, in Abwesenheit diverser langjähriger Stammkräfte kommt dieser nun noch deutlicher zum Tragen. "Das zeigt die Tiefe im Kader", verdeutlicht Kapitän Julian Baumgartlinger. Auch Schaub meint: "Es sind sehr viele neue Spieler dabei gewesen, mit Dominik Wydra ist jetzt ein weiterer dazu gekommen. Auch im Training hat man gesehen, dass wir richtig viele gute junge Spieler haben." Noch nicht alle dieser Talente, zum Beispiel Danso, haben sich bei ihren Vereinen durchgesetzt, umso mehr freut es Koller, dass sie das Vertrauen zurückzahlen. "Das hat sich im letzten Jahr sicher so entwickelt. Wir sind überzeugt, dass sie das Talent haben, um in der Nationalmannschaft zu spielen. Ob das dann beim neuen Teamchef auch so sein wird und ob er es auch so sieht, ist wiederum etwas anderes. Es ist natürlich schon ein gewisser Stamm da. Es wird dann die Frage sein, ob der neue Trainer das auch möchte, dass man jenen Spielern, die im Klub nicht regelmäßig spielen, Vertrauen gibt. Das steht in den Sternen. Aber es sind Spieler da, die gezeigt haben, dass sie eine Alternative sind", meint Koller auf die Frage, ob er nun seinem Nachfolger einen größeren Pool an Kandidaten überlassen habe.

FEHLT ALABA GAR NICHT?

Die neuen Gesichter profitierten zum Teil von den Absagen etablierter Kräfte, unter anderem jener von David Alaba. Immer wieder war nach dem Serbien-Spiel die Einschätzung zu hören, dass der Bayern-Star eigentlich nicht gefehlt habe. Angesichts seiner zuletzt durchwachsenen Leistungen im ÖFB-Dress kann man auf diesen Gedanken kommen, fair ist er dennoch nicht. In Normalform ist Alaba eine Stütze dieses Teams, weshalb sich auch Koller entschieden gegen diese Schlussfolgerung zur Wehr setzt: "Das sehe ich natürlich nicht so, weil es Spekulation ist. Es wäre der falsche Weg, wenn man sagen würde, das hat jetzt besser funktioniert. Wir wissen ja nicht, wie es funktioniert hätte, wenn David dabei gewesen wäre." Auch Schaub stellt sich schützend vor Alaba: "Es ist schade, dass David nicht dabei war. Wir haben ihn gut ersetzen können, aber ich freue mich schon, wenn er beim nächsten Mal wieder mit dabei ist, denn er ist ein sehr guter Spieler."

GEDULD GEGEN DEN ABWEHRRIEGEL:

Im weitesten Sinne schließt sich ein Kreis. In Chisinau hat am 9. Oktober 2014, also auf den Tag genau drei Jahre vor dem aktuellen Spiel, mit einem 2:1-Auswärtssieg der Erfolgslauf Österreichs in der EM-Qualifikation begonnen. Nun endet dort die Ära von Koller. Damals setzte sich Rot-Weiß-Rot in einer hektischen Partie gegen einen unangenehmen Gegner durch. Auch in den beiden folgenden Heimspielen tat sich die ÖFB-Elf gegen Moldawien schwer. Koller rechnet damit, dass die Osteuropäer ein wenig mutiger als auswärts auftreten. Was jedoch nicht heißt, dass man nicht trotzdem einen Abwehrriegel durchbrechen muss: "Für uns ist wichtig, dass wir versuchen, frühzeitig Druck zu machen, unsere spielerische Qualität auf den Platz zu bringen und früh ein Tor zu erzielen, damit sie ein bisschen öffnen müssen." Gerade in den Heimspielen hat das ÖFB-Team gemerkt, dass ein frühes Tor gegen Moldawien bisweilen nicht einfach ist. Deswegen warnt der Teamchef: "Es wird wieder ein enges Spiel. Das Hinspiel hat gezeigt, dass wir geduldig sein müssen. Da haben wir es auch erst dank zweier später Tore hingekriegt. Wir dürfen nicht hektisch werden und müssen versuchen, unser gutes Spiel, das wir gegen Serbien gezeigt haben, auf den Platz zu bringen. Wir müssen den Ball flach halten und schnelle Kombinationen haben, denn sie werden sicher mit neun oder zehn Mann am eigenen Sechzehner verteidigen. Es wäre gut, frühzeitig in Führung zu gehen. Wenn das nicht passiert, hat man 90 Minuten Zeit. Es ist wichtig, konzentriert bei der Sache zu bleiben."

AUCH GEGEN SERBIEN WAR NICHT ALLES GUT:

Der Sieg gegen Serbien hat die sportliche Situation rund um das Nationalteam ein wenig entschärft, zumindest wurde die Ergebniskrise vorerst beendet. Umso wichtiger ist es, auf diesem Erfolgserlebnis aufzubauen. Gleichzeitig betont Koller, dass auch am Freitag gegen den Gruppen-Ersten nicht alles wunschgemäß verlaufen ist. "Wir haben zwar gewonnen, aber ist alles gut? Ist es nicht!" stellt der Eidgenosse klar und nimmt vor allem die wieder einmal mangelnde Chancenverwertung ins Visier: "Das ist ja auch nichts Neues. Ich bin jetzt sechs Jahre hier, und auch schon unter meinen Vorgängern wurden viele Chancen herausgearbeitet, aber zu wenige Tore erzielt." Auch in Chisinau wird Konzentration vor dem gegnerischen Tor von Nöten sein, um die Koller-Ära mit einem Erfolgserlebnis zu beenden.

DIE BEGLEITUMSTÄNDE AUSBLENDEN:

Gegen Serbien ist es der Mannschaft gelungen, das Theater in und rund um den ÖFB auszublenden. "Es war eine komische Situation. Wir waren natürlich ein bisschen im Hintergrund. Aber wir haben das gut gemacht und die richtige Antwort gegeben. Das wollen wir gegen Moldawien noch einmal machen", betont Schaub. Nachdem schon die Ära Koller stillos beendet wurde, zogen die ÖFB-Funktionäre mit der Art und Weise der Personalrochade auch einen unwürdigen Schlussstrich unter die 18-jährige Amtszeit von Sportdirektor Willi Ruttensteiner - nach dem Serbien-Spiel wurden die Turbulenzen so gesehen noch heftiger als vorher. "Es war wichtig, dass wir gegen Serbien die Leistung auf den Platz gebracht haben und diese Nebengeräusche ausblenden konnten, da sich der Fokus wieder mehr aufs Kerngeschäft gerichtet hat", betonte Baumgartlinger nach dem Spiel am Freitag. Lange galt die Aufmerksamkeit der Leistung am Platz nicht. Am Montagabend gibt es die nächste Gelegenheit, den Sport ins Rampenlicht zu rücken.



Textquelle: © LAOLA1.at

Teamchef Koller kontert Vorwürfe gegen Ruttensteiner

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