China? Marko Arnautovic rügt seine Kritiker

 

Irgendwie hatte es den Anschein, als hätte Marko Arnautovic nur darauf gewartet, dass seine Motivlage für seinen Wechsel nach China Thema wird bei seinem Medientermin im ÖFB-Camp in Saalfelden.

Seine Unterschrift bei Shanghai SIPG hat in Österreich kontroverse Diskussionen ausgelöst. So haben sich etwa frühere Star-Spieler wie Toni Polster oder Hans Krankl öffentlich sehr kritisch geäußert.

"Ich habe in Österreich und in England wieder einiges gehört. Einige Leute, die normalerweise gar nichts reden, sind sehr laut geworden. Es ist m-e-i-n-e Entscheidung und die meiner Familie. Das muss jeder Mensch auf dieser Erde redspektieren. Das ist einfach so", ärgert sich der 30-Jährige.

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Arnautovic: "Es geht nicht immer alles um Geld"

"Denn wenn ein Journalist sagt, heute ist er bei der Krone und morgen geht er zum Standard, ist das auch seine Entscheidung! Wenn dann gesagt wird, das hat er nur wegen des Geldes gemacht, ist das komplett uninteressant."

"Das Geld ist natürlich sehr gut dort - überragend, das brauchen wir nicht in Frage zu stellen. Aber es geht nicht immer alles um Geld. Ich bleibe bei dieser Aussage!"

Krankl etwa hatte in "Österreich" den Transfer als "sportlich wertlos" bezeichnet und sich auch Sorgen um die ÖFB-Zukunft von Arnautovic gemacht: "Ich bin gespannt, was mit Arnautovic im Team passiert. Die Anreisestrapazen sind ein Wahnsinn. Bis er sich erfangen hat, muss er schon wieder zurückfliegen."

Polster wiederum warf dem ÖFB-Goalgetter "Erpressung" seines bisherigen Arbeitgebers West Ham vor.

Bezüglich seiner eigenen Motivlage für den Wechsel holt Arnautovic weit aus: "Ich wollte etwas anderes von der Welt sehen. Mich hat es schon immer gereizt, aus Europa raus zu gehen - ob das jetzt Amerika, China oder die Emirate sind. Aus China ist zwei Mal ein Angebot gekommen. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass ich sehr wichtig für sie sein und ihnen weiterhelfen kann. Das Geld ist natürlich sehr gut dort - überragend, das brauchen wir nicht in Frage zu stellen. Aber es geht nicht immer alles um Geld. Ich bleibe bei dieser Aussage!"

"Da können die Leute denken, was sie wollen. Ich werde auch nicht meine Qualität verlieren, nur weil ich jetzt dort bin. Ich werde auch nicht müde sein, wie manche Leute in den Medien geredet haben, nur weil ich so lange fliege. Was soll ich sagen? Ich bin einfach anders als diejenigen, die in den Zeitungen oder im Fernsehen reden. Ich will keine Namen nennen - ihr wisst ohnehin genau, über welche Leute ich rede."

Experten sollen mit ihm und nicht über ihn reden

Was Arnautovic besonders stört, ist, dass so mancher Experte über ihn redet, ohne mit ihm zu reden - obwohl es dafür Gelegenheiten geben würde, wie etwa im Anschluss an Länderspiele im VIP-Klub.

"Da sehen mich ja einige. Sie sollen herkommen und mir das ins Gesicht sagen, und nicht immer durch fünf Medien gehen und immer nur reden, damit sie noch wichtig sind und man weiß, dass sie noch da sind."

Letztlich sticht wohl das Argument, dass es die Entscheidung von Arnautovic selbst ist, was er für sich, seine Familie und seine Karriere am besten hält. Diese Entscheidung sei "nicht in zehn Minuten", sondern nach reiflichen innerfamiliären Überlegungen gefallen.

Bezüglich der Gegenbenheiten in Shanghai gibt es den fußballerischen Aspekt und jenen des Lebens abseits des runden Leders. Bezüglich des Niveaus in der Chinese Super League zeigt sich Arnautovic "positiv überrascht".

Leute in Europa haben "null Ahnung"

"Es gibt in jeder Mannschaft drei, vier ausländische Spieler mit hoher Qualität. Es ist ja bekannt, dass viele große Namen dort spielen. Dazu gibt es immer drei, vier Chinesen, die Europa-Qualität haben. Wenn sich das miteinander verbindet, entsteht gutes Kombinationsspiel"

"Die Leute in Europa haben null Ahnung, was dort passiert. Die reden alle imer nur groß. Wahrscheinlich war es der Fall, dass das Niveau vor fünf oder zehn Jahren noch nicht so hoch war, aber ich habe jetzt ein paar Spiele miterlebt. Es gibt in jeder Mannschaft drei, vier ausländische Spieler mit hoher Qualität. Es ist ja bekannt, dass viele große Namen dort spielen. Dazu gibt es immer drei, vier Chinesen, die Europa-Qualität haben. Wenn sich das miteinander verbindet, entsteht gutes Kombinationsspiel", findet der Wiener.

Die Spiele seien schnell und körperbetont, taktisch scheint es indes Luft nach oben zu geben: "Das Einzige ist, dass es sehr viele Räume im Spiel gibt, wenn man auf Konter spielt, denn die Mittelfeldspieler und Stürmer schieben sehr stark nach vorne, die Verteidiger bleiben eher hinten. In der Liga haben sie sehr viel Respekt vor den ausländischen Spielern. Es gibt viele Brasilianer, auch große Namen, die in sehr guten Manschaften gespielt haben. Vor diesen Spielern haben die Verteidigungen immer Respekt."

Die Qualität sei mit der Premier League natürlich nicht zu vergleichen. Arnautovic berichtet jedoch von Testspielen gegen englische Zweitligisten, die von chinesischen Mannschaften gewonnen wurden: "Und die zweite englische Liga ist ja auch nicht ohne."

Noch eine Stufe höher sei das Niveau in der asiatischen Champions League. Shanghai SIPG hat im Viertelfinal-Hinspiel gegen die Urawa Red Diamonds ein 2:2 erreicht: "Die Japaner und Koreaner spielen richtig guten Fußball, beide Länder haben sehr gute Nationalteams."

Arnautovic, das "Monster"

Arnautovic hält nach acht Pflichtspielen bei vier Treffern und zieht in persönlicher Hinsicht eine positive Zwischenbilanz: "Ich hatte keine Vorbereitung und dafür ist es nicht so schlecht. Aber ich habe eh schon 1000 Mal gesagt, dass ich ein Monster bin, ich brauche keine Vorbereitung."

Die größte Umstellung an seinem neuen Lebensmittelpunkt sei das Wetter gewesen: "Ich bin in der heißesten Zeit hingewechselt. Am Tag hatte es gefühlte 45 Grad und 97 oder 98 Prozent Luftfeuchtigkeit. Bei Spielen am Abend um 20 oder 21 Uhr hatte es immer noch 38 Grad."

Generell sei er sehr gut aufgenommen worden: "Der Klub ist sehr professionell. Die Leute helfen mir, wo es nur geht. Ich habe einen Privatbereuer, der nur für mich arbeitet, 24 Stunden bei mir ist und auch mein Fahrer ist. Er spricht Englisch, war Lehrer in der International School. Ansonsten ist es genauso wie in Europa: Du gehst zum Training, spielst Fußball und gehst nach Hause."

Kommunikativ konzentriert sich für den 81-fachen ÖFB-Internationalen kaderintern viel auf die brasilianischen Superstars Oscar und Hulk: "Mit den beiden kann ich mich halbwegs normal unterhalten, weil ich Portugiesisch spreche. Ein paar Spieler verstehen Englisch, aber Englisch zu sprechen ist schwer für sie - das ist ganz gebrochen bis gar nicht. Aber du hast dort so viele Leute, die übersetzen können. Unser Sportdirektor Xiang Sun hat ja mal bei der Austria gespielt, er spricht Englisch."

Die Chinesen und die Selfies

Mit dem Zuschauerzuspruch ist Arnatovic zufrieden: "Es gibt vor allem Guangzhou, wo Fabio Cannavaro Trainer ist, Beijing und uns. Wenn diese drei Mannschaften kommen, sind die Stadien schon voll. Bei uns ist das Stadion nicht voll, das ist aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Es passen 50.000 hinein, aber nur 28.000 sind zugelassen. Aber sie bauen schon ein neues Stadion, das in Europa Top-Qualität hätte."

"In der Premier League kennt dich jeder, sie lassen dich auf der Straße trotzdem in Ruhe. Das ist in China auch so. Nur bei Fotos fragen sie nicht, sondern kommen einfach her und stoßen dich, bis du ein Foto mit ihnen machst."

In den Straßen der 23-Millionen-Metropole wird Arnautovic natürlich erkannt. Er beschreibt die Fans jedoch ähnlich wie in England als eher höflich und zurückhaltend - außer wenn sie ein Selfie mit einem Star haben wollen:

"In der Premier League kennt dich jeder, sie lassen dich auf der Straße trotzdem in Ruhe. Das ist in China auch so. Nur bei Fotos fragen sie nicht, sondern kommen einfach her und stoßen dich, bis du ein Foto mit ihnen machst, wenn du nicht antwortest. Aber natürlich erkennen sie dich, denn auf den Straßen gehen fast nur Chinesen. Wenn dann auf einmal ein 1,90 Meter großer Europäer kommt, fällt man auf. Aber meistens wird man in Ruhe gelassen."

Eine Stadt, die niemals schläft

Und es ist durchaus so, dass Arnautovic auf die Straßen geht. Seine Wohnung befindet sich im Zentrum in ruhiger Lage: "Aber ich gehe öfters in Restaurants essen oder spazieren, weil ich alles anschauen möchte. Ich bin jetzt zwei Monate dort, aber wahrscheinlich habe ich noch nicht einmal ein Viertel von Shanghai gesehen."

Besonders beeindruckt ihn die Uferpromenade: "Der Bund ist das Bekannteste in Shanghai. Dort wollen am Abend alle Leute hingehen, dort sind die ganzen Wolkenkratzer und es gibt Lichtershows, die habt ihr in eurem Leben noch nicht gesehen. Wenn du da um 22 oder 23 Uhr hingehst, siehst du sicher eine Million Leute. Da gehst du nicht normal auf der Straße, da musst du aufpassen, dass du keinen stößt."

Sein alles in allem positives Fazit der Metropole: "Die Leute sind sehr freundlich, die Stadt ist sehr sauber. Es ist sehr viel los, diese Stadt schläft nie. Man kann dort immer etwas unternehmen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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