ÖFB-Enttäuschung: "Das macht keinem Sportler Spaß"

ÖFB-Enttäuschung: Foto: © GEPA
 

Eigentlich hätte sich das ÖFB-Team einen positiveren Abschluss verdient gehabt.

Zu überzeugend waren die Auftritte in den letzten drei Spielen, doch beim 0:2 in Dänemark wurden dem Team von Ralf Rangnick auf allen Linien die Grenzen aufgezeigt.

"Das Ergebnis geht in Ordnung. Wir haben es heute nicht geschafft, die Leistung der ersten drei Spiele auf den Platz zu bringen. Wir hatten vor allem auch im taktischen Bereich heute unsere Probleme", musste der 63-jährige Deutsche nach dem ernüchternden Lehrgangs-Abschluss zugeben.

"Der Matchplan war zwar der gleiche wie in den Spielen zuvor, aber wir hatten heute einfach gegen das 3-4-3 immer wieder Probleme, rechtzeitig durchzusichern und rechtzeitig mutig nach vorne zu schieben. In der Folge kamen wir zu spät. Auch die beiden Gegentore haben wir uns auf eine ähnliche Art und Weise eingefangen."

"Muss einfach mal offen zugeben, dass die Dänen besser waren"

Dauerläufer Xaver Schlager war einer der wenigen Spieler, die sich nach dem Schlusspfiff aufrafften und vor die Medien traten. Auch der Wolfsburg-Legionär war schon einmal euphorischer, trotzdem konnte er die Leistung gut einschätzen.

"Man muss nach so einer Niederlage einfach auch mal offen und ehrlich zugeben, dass die Dänen besser waren. Dann ist man am richtigen Weg", gestand der Mittelfeldmotor.

Rangnick versammelte die Spieler nach dem bitteren Abgang direkt in der Kabine und hielt eine Ansprache, die genau in diese Richtung abzielte.

"Dass wir die schlechtere Mannschaft waren und die Dänen verdient gewonnen haben, aber dass wir weitermachen müssen. Und einen schönen Urlaub hat er uns gewünscht", verriet Schlager.

Der Matchplan ging nicht auf

Auch für Abwehrchef Gernot Trauner war es ein bitterer Abend, denn von hinten heraus sah er, dass die bisherigen Stärken nicht in die Tat umgesetzt werden konnten.

War es zuletzt noch die mannschaftliche Geschlossenheit vor allem im Spiel gegen den Ball, fanden die Dänen viel zu viele freie Räume vor und konnten praktisch schalten und walten, wie sie wollten.

"Wir wollten sie hoch unter Druck setzen, haben nicht immer Zugriff gefunden und die Dänen haben es verstanden, uns auseinanderzuziehen und für weite Wege zu sorgen hinten. Es war ein sehr reifer Auftritt der Dänen, sie waren in vielen Belangen die bessere Mannschaft", musste auch der Feyenoord-Verteidiger zugeben.

Auch sein Nebenmann Kevin Danso meinte, dass Österreich diesmal weit davon entfernt war, den Matchplan zu hundert Prozent durchzuführen. Das wurde eiskalt bestraft.

50:50-Duelle für Schlager entscheidend

Schlager machte dies an verlorenen 50:50-Duellen fest, die das Spiel früh in die Richtung der Hausherren kippen ließ und diese dadurch Aufwind hatten.

"Ich glaube nicht, dass nichts mehr gegangen ist, aber wir waren nicht ebenbürtig. Es war kein körperliches Problem, sondern sie waren einfach besser. Sie haben die 50:50 Duelle gewonnen, wir verloren, dadurch haben sie ein ständiges Übergewicht geschaffen und uns große Probleme bereitet", erklärte der Blondschopf.

"Wenn du einen Zweikampf verlierst, kriegt der Gegner Selbstvertrauen. Bei dir geht es eher nach unten, dann macht er es beim nächsten Mal wieder richtig und es gehen ihnen dann Sachen auf, die normal nicht aufgehen. Dann kommen sie in einen Aufwärts- und wir in einen Abwärtsstrudel. So kommt ein Übergewicht zustande."

Danso meinte in dieser Hinsicht: "Wir waren ordentlich im Spiel, aber es hat nicht gereicht, um das Spiel zu gewinnen. Wir hatten auch zu wenige Chancen, um das Spiel überhaupt zu spielen."

Dänen entwickelten sich zum absoluten Angstgegner

Tatsächlich war das ÖFB-Team offensiv harmlos, konnte die Stürmer kaum in Szene setzen und gab nach Ballgewinnen viel zu schnell und überhastet die Bälle wieder verloren. So lief sowohl offensiv als auch defensiv wenig zusammen.

"Wir haben gesehen, dass wir gegen solche Gegner nur dann eine Chance haben, die Spiele für uns zu entscheiden und auf Augenhöhe zu spielen, wenn die Dinge bis ins kleinste Detail funktionieren", fasste Rangnick zusammen.


Die Highlights im VIDEO:
(Text wird unter dem Video fortgesetzt)

Dass das Potenzial der Dänen groß ist, gibt er dabei offen dazu. Während man diesmal verdient verloren hatte, hätte zu Hause in Wien ein Sieg herausschauen müssen.

Tatsächlich entpuppte sich der EM-Semifinalist in den letzten viereinhalb Jahren mit fünf Siegen in fünf Spielen bei einem Torverhältnis von 11:1 zum absoluten Angstgegner Österreichs.

"Dänemark ist nicht irgendeine Mannschaft. Sie sind auch im letzten Turnier sehr weit gekommen und zeigen es nicht nur gegen uns. Das ist einfach eine Top-Mannschaft. Sie sind eine richtige Einheit, ein richtiges Team, haben immer einen klaren Plan. Da waren sie uns in gewissen Teilen einfach überlegen", zollte Trauner dem Gegner Respekt.

"Wir waren alle am Limit"

Belastung hin oder her - die vier Spiele in elf Tagen waren mit Sicherheit kräfteraubend nach einer langen, intensiven Saison, und trotzdem hatte der Gegner dieselbe Ausgangsposition.

"Wir waren alle am Limit. Manche Spieler haben alle Spiele gemacht bis dahin. Das zeigt sich dann irgendwo. Aber es darf und soll keine Ausrede sein, den Dänen ist es nicht anders gegangen. In manchen Duellen waren die Dänen präsenter, deshalb hat man das Gefühl gehabt, dass heute nicht immer möglich ist, sie unter Druck zu setzen und gefährlich zu werden", musste Trauner zugeben.

Ausfälle sorgten dafür, dass der Teamchef auch im letzten Auftritt im Juni noch einmal erfinderisch werden musste. Das merkte man dann auch schlussendlich.

"Trotzdem hatten wir noch eine Mannschaft auf dem Platz, die wettbewerbsfähig sein kann, aber gegen solche Gegner steckt der Teufel im Detail und da haben wir heute Dinge nicht so gut gemacht wie in den Spielen zuvor. Das hat sicher auch mit geistig körperlicher Frische zu tun", so Rangnick.

"Aber am Ende ist es immer auch eine Frage: Hast du Erfolgserlebnisse im Spiel? Kommst du an den Ball? Gewinnst du zweite Bälle? Was passiert dann, wenn wir Ballbesitz haben? Wir waren diesmal auch bei eigenem Ballbesitz nicht sauber und präzise genug."

"Jeder weiß, dass wir es besser können"

Deshalb war die Enttäuschung groß. Noch auf dem Platz waren hängende Köpfe zu sehen, ebenfalls bei der Abfahrt des Mannschaftsbusses aus dem Stadion.

Schlager stellte klar: "Es sind alle enttäuscht. Jeder sitzt drinnen und weiß, dass wir es besser machen können, es aber nicht abrufen konnten."

Dabei hätte das ÖFB-Team nicht nur in der Tabelle ein Zeichen setzen, sondern auch bleibenden Eindruck hinterlassen können. "Es ist einfach das letzte Spiel der Saison. Man sagt immer, mit dem letzten Eindruck hört man auf, jetzt geht man in eine Pause von mehreren Wochen plus Vorbereitung bis zum nächsten Pflichtspiel und du hast ständig diesen Beigeschmack, dass du 0:2 verloren hast. Das macht keinem Sportler Spaß", gab Schlager zu.

Zeit zum Bilanz ziehen, bleibt nach dem Juni-Lehrgang allemal. Vor allem geht es darum, aus den teils naiven Fehlern zu lernen. Aktuell denken die Kicker jedoch nur mehr an den Urlaub, und den haben sie sich redlich verdient.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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