Spenger: "Wir wollen zurück in die Bundesliga!"

 

Vor nicht allzu langer Zeit waren Duelle mit dem SK Rapid Standard für die Wiener Neustädter.

Zwischen 2009 und 2015 durften die Niederösterreicher Bundesliga-Luft schnuppern, nun steigt am Samstag (ab 17:00 Uhr im LIVE-Ticker) das mit großer Vorfreude erwartete Cup-Duell mit den Hütteldorfern.

Die letzten drei Jahre des 1. SC Wiener Neustadt als turbulent zu bezeichnen, wäre beinahe untertrieben. Ein riesiger Schuldenberg, Falschangaben beim Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren, der darauffolgende Entzug der Lizenz für die 2. Liga, neue Führungsmitglieder und der Umstieg auf den Amateurbetrieb - nun will der Verein besseren Zeiten entgegensteuern.

Gegenüber LAOLA1 spricht der geschäftsführende Vorstand Dr. Rainer Spenger über die Übernahme des Klubs im Juli 2019, als die Existenz des Vereins am Abgrund stand, wie sich die Corona-Pandemie auf seinen Verein auswirkt und über langfristige Ziele des Ex-Bundesligisten. Außerdem blickt er auch mit einem weinenden Auge auf die Cup-Partie gegen Rapid.

Wehmut bei Gedanken an alte Zeiten

Angesprochen auf die bevorstehende Zweitrunden-Cup-Partie gegen den Vizemeister, gerät Spenger ins Schwärmen: "Das ist eine Riesengeschichte! Wenn wir uns vor der Auslosung jemanden gewünscht hätten, dann ganz klar den SK Rapid."

Aber mit Blick auf die finanzielle Situation ist doch auch ein weinendes Auge dabei. "Wir dürfen nur 1.250 Zuschauer ins Stadion lassen, wir hätten das Stadion ohne Probleme komplett, den VIP-Klub wahrscheinlich sogar dreimal füllen können."

Für den Verein sei es eine große organisatorische Herausforderung, gleichzeitig ist es aber für die Spieler auch ein großes Spiel. Immerhin ist es in der derzeitigen Situation des Vereins keineswegs selbstverständlich, sich gegen einen Verein wie Rapid beweisen zu dürfen.

Spenger zeigt sich etwas wehmütig: "Ich erinnere mich sehr gerne an die alten Zeiten zurück, an die Spiele im alten Stadion. Die Spiele gegen die Hütteldorfer waren immer ausverkauft und es herrschte eine fantastische Stimmung. Die Spieler sollen einfach die Atmosphäre aufsaugen und genießen. Ich denke aber mit etwas Wehmut an die Jahre in der Bundesliga zurück."

Ohne Präsident kein Verein

Vor etwas mehr als einem Jahr durfte man von einer solchen Partie noch nicht einmal träumen. Im Juli 2019 stellte sich der 1. SC Wiener Neustadt neu auf. Spenger, unter anderem auch Vizebürgermeister Wiener Neustadts, wurde als neuer geschäftsführender Vorstand vorgestellt. Der 50-Jährige soll den Regionalligisten wieder zu besseren Zeiten verhelfen.

Mit ihm wurde auch der neue Präsident und Hauptsponsor Dr. Hani Habib vorgestellt. Ein ägyptischer Investor, der sein Geld mit Immobilien verdient und den Wiener Neustädtern gleich einmal kräftig unter die Arme griff. Er soll einen hohen sechsstelligen Betrag beigesteuert, aber auch ausstehende Spielergehälter beglichen haben.

Vorstand Spenger betont direkt die Wichtigkeit des Präsidenten für den Verein: "Ohne Dr. Habib würde es den Verein in dieser Form, in der Regionalliga, nicht mehr geben. Wir haben den Verein nach dem Zwangsabstieg aus der 2. Liga mit einem Riesen-Schuldenberg übernommen, der bis ins Frühjahr 2020 fast zur Gänze abgearbeitet werden konnte."

Dann kam Corona

Doch plötzlich nahm die Corona-Pandemie auch Österreich ein, Lockdown und Meisterschaftsabbruch in den Regionalligen waren die Folge. "Auf der einen Seite müssen wir das Positive sehen: Wir konnten unsere, zum damaligen Zeitpunkt, acht Profis auf Kurzarbeit anmelden, aber es überwiegt das Negative."

Spenger erläutert: "Wir mussten die infrastrukturellen und diverse andere Kosten natürlich voll tragen, hatten gleichzeitig aber null Einnahmen. Dadurch entstand im Frühjahr erneut ein großes Finanzloch."

Sponsoren und Fans würden natürlich auf Dauer ungeduldig werden, wenn für einen längeren Zeitraum keine Spiele stattfinden. Warum sollten dann Sponsoren ihre Tafeln in die Arena hängen? Wie sieht es mit den Abos aus? Was passiert mit den VIP-Karten? All diese Fragen haben natürlich auch Auswirkungen auf die Existenz des Vereins.

Schulden-Abbau allergrößtes Ziel

Damit eben diese Existenz nicht erneut gefährdet wird, wurde der Schulden-Abbau als Hauptziel der Wiener Neustädter erklärt. "Wenn du so ein Sackerl mitschleppst, kannst du dich nie so bewegen, wie du willst. Auch mit Blick nach oben würde das nur ganz schwer funktionieren", so der Vorstand der Niederösterreicher.

Daraufhin wurde im Sommer der Amateurbetrieb eingeführt. "Der Schulden-Abbau ist heuer natürlich das große Thema unter neuerlich erschwerten Bedingungen. Darum haben wir auch auf einen reinen Amateurbetrieb umgestellt."

Man habe die wohl "allerbilligste Mannschaft der Regionalliga Ost" zusammengestellt. Vorwiegend finden sich Eigengewächse und Jugendspieler aus der Umgebung im Kader wieder, aber Routiniers wie Thomas Piermayr oder Osman Bozkurt bringen die nötige Erfahrung für das Team mit, betont Spenger.

"Gratwanderung in sportlicher Hinsicht"

Vor wenigen Wochen waren die Wiener Neustädter, zumindest in finanzieller Hinsicht, noch auf Kurs - bis die Corona-Ampel eingeführt wurde. Mit der Orange-Schaltung für Wiener Neustadt zeigt man sich keineswegs glücklich.

Noch weniger erfreut war man, als der niederösterreichische Landtag neue Maßnahmen beschloss. Bei Ampelfarbe Orange werden keine Zuschauer bei Sportveranstaltungen zugelassen. "Wir haben vor Beginn der Saison ein Covid-Konzept ausgearbeitet, welches sogar für die Bundesliga tauglich wäre."

Jetzt müsse man hoffen, "dass am kommenden Freitag die Ampel wieder auf Gelb umspringt, damit wir im Heimspiel gegen Marchfeld nicht vor leeren Tribünen spielen müssen. Es kann natürlich passieren, dass die Ampel weiterhin Orange anzeigt. Dann müssen wir mit einem Einnahmenverlust von 10.000 bis 15.000 Euro pro Spiel rechnen", so der sichtlich getrübte Vorstand.

Trotz allem muss der laufende Schulden-Abbau das Hauptziel sein. Im Verein weiß man aber, dass dies eine Gratwanderung in sportlicher Hinsicht mit sich bringt. Mit einem Sieg aus fünf Spielen und Tabellenplatz zwölf in der 13 Mannschaften umfassenden Regionalliga Ost befinden sich die Wiener Neustädter derzeit am Ende des ohnehin schmalen Grats.

(Text wird nach dem Video fortgesetzt.)

Langfristiges Ziel? Bundesliga

Spenger zeigt sich dennoch optimistisch: "Wir befinden uns derzeit in einer schwierigen Situation, aber ich bin davon überzeugt, dass wir die Weichen in den vergangenen Wochen in die richtige Richtung gestellt haben und wir bald aus diesem Tal wieder herausfinden."

Auf die Frage, welche langfristigen Ziele der Verein verfolge, gibt der 50-Jährige zu Protokoll: "Wir wollen, wie bereits bei meiner Amtseinführung angekündigt, zurück in die Bundesliga. Ob das in drei oder vier Jahren, vielleicht aber auch später passiert, das wird von den Umständen abhängen. Das Ziel ist aber klipp und klar, zumindest wieder rauf in die 2. Liga!"

Mit der im September 2019 neueröffneten "Arena Wiener Neustadt", ein elf Millionen teures Projekt, welches von der Stadt mitfinanziert wurde, wollen die Wiener Neustädter nach den Sternen greifen. Das 4.400 Zuschauer fassende Stadion sei zweifelsohne ein "Schmuckkasterl" und - ohne die anderen zu kennen - laut Spenger das schönste Drittliga-Stadion in Österreich.

"Natürlich ist die 'Arena Wiener Neustadt' ausbaubar auf Bundesliga-Tauglichkeit. Es ist immer wieder ein Erlebnis, wenn man aus den Katakomben herauskommt und den Rasen betritt. Es hat kaum mehr etwas mit dem alten Stadion zu tun, obwohl dieses genauso einen gewissen Charme hatte."

Der Niederösterreicher wagt bereits einen Blick in eine hoffentlich hoffnungsvolle Zukunft des Vereins: "Mit dem Trainingszentrum gleich in der Nähe sind alle Voraussetzungen geschaffen um demnächst wieder höhere Luft schnuppern zu dürfen."

Textquelle: © LAOLA1.at

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