Patrick Farkas: Ein Leidensjahr bis zum Cup-Helden

 

Bereit für eine altbekannte Floskel? Solche Geschichten, sie schreibt eben nur der Fußball.

Diese Floskel muss auch nach dem 2:0-Sieg des FC Red Bull Salzburg über den SK Rapid Wien im Cup-Finale wieder bemüht werden.

Denn Mann des Spiels, im Guten wie im Schlechten, wurde mit Patrick Farkas ausgerechnet jener Spieler der "Bullen", dessen Einsatz eine besondere Story zugrunde liegt.

Das Führungstor zum 1:0, dann Gelb-Rot im Finish und trotzdem der Titel – das Finale wurde für den 26-jährigen Burgenländer zum denkwürdigsten Spiel nach der wohl prägendsten Leidenszeit seiner Karriere.

Und er schloss damit einen Kreis, der vor fast genau einem Jahr gegen Rapid begann.

Acht Minuten in zwölf Monaten

Es war der 13. Mai 2018, als Farkas in Hütteldorf schon nach vier Minuten seinen ersten Bundesliga-Treffer für Salzburg erzielte und den Grundstein für einen 4:1-Auswärtssieg legte.

Zum Jubel mit der Mannschaft über den Erfolg kam es nicht mehr: Nach 54 Minuten folgte der verletzungsbedingte Wechsel des Außenverteidigers, zwei Tage später war die bittere Diagnose klar: Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie.

Es folgte ein halbes Jahr Zwangspause, in welcher der ehemalige Mattersburg-Kapitän rund sieben Kilo Muskelmasse verlor und wieder aufbauen musste.

Bis zum nächsten Einsatz sollte noch mehr Zeit vergehen. Gerade einmal acht Pflichtspiel-Minuten bestritt Farkas vor dem Cup-Finale in dieser Saison, als er in der 20. Bundesliga-Runde im Heimspiel gegen den Wolfsberger AC – schon beim Stand von 3:0 – noch eingewechselt wurde.

"Ich habe jede Woche darauf gewartet, in den Kader genommen zu werden, aber Steve (Lainer, Anm.) und Andi (Ulmer, Anm.) bringen konstant gute Leistungen, das verstehe ich", sah sich Farkas im Konkurrenzkampf lange die dritte Geige spielen.

"Aber unsere Qualität im Spielersatz-Training ist so hoch, da rostest du nicht ein – du spielst ja gegen Spieler wie Patson Daka und andere."

Der Rückhalt der "Familie"

Ulmer zog sich am Wochenende gegen den WAC einen Muskelfaserriss zu und wird ein bis drei Wochen pausieren müssen. Das war die Chance auf eine Rückkehr.

"Als Spieler denkt man schon daran: Andi fällt aus, es bleiben Xaver (Schlager, Anm.), Darko (Todorovic, Anm.) und ich über. Innerlich denkst du schon, jetzt bin ich eine Option", gibt Farkas zu.

"Ich stehe zu dem, es war ein Fehler. Aber vielleicht war es auch einer vom Schiedsrichter, mit Fingerspitzengefühl kann man das auch anders klären."

Farkas über seinen Final-Ausschluss

Entsprechend motiviert ging der Außenverteidiger in die letzten Trainings und wurde von Marco Rose auch belohnt. Von seiner Berufung erfuhr Farkas aufgrund seiner Trainingsleistungen und der langen Leidenszeit schon am Vortag.

"Als die restliche Mannschaft zu Mittag die Aufstellung erfahren hat, sind nur positive Worte von meinen Mitspielern gekommen. Dass ich es mir verdient, immer so gut trainiert habe, dass sie hinter mir stehen. Die Mannschaft hat gewusst, was hinter der täglichen Arbeit in Taxham gesteckt ist. Es ist so schön, wenn sich Leute so mit dir mitfreuen können. Bei uns ist es wie in einer Familie."

Das habe sich auch in der Reaktion eines Haupt-"Konkurrenten" gezeigt: "Der Trainer hätte auch Darko spielen lassen können und ich hätte es verstanden. Aber der ist auch vor dem Spiel zu mir gekommen und hat sich gefreut. Es gibt keinen Hass, nur gesunden Konkurrenzkampf, wie es sich gehört."

Der Spitz von Klagenfurt

Dass die Wahl auf ihn fiel, zahlte Farkas mit dem Führungstreffer zurück. Auf etwas unorthodoxe Weise: Mit dem Spitz durch die Beine von Rapid-Keeper Richard Strebinger.

"Für mich ist jedes Spiel, dass ich für Red Bull Salzburg bestreite, eine Ehre. Ich weiß, welche Spieler hier gespielt haben und um welche Summen die verkauft wurden. Darum feiere ich jeden Einsatz."

Farkas über seinen Verein

"Im Fußball ist vieles intuitiv. Ein Doppelpass mit Munas (Dabbur, Anm.), dann habe ich einfach gedacht – mit der Pike, wie Zico (Co-Trainer Alexander Zickler, Anm.) immer sagt, da rechnet der Tormann nicht damit", lächelt der unerwartete Torschütze.

Ins Spiel wurde er von Marco Rose mit einer anderen Ansage geschickt: "Er hat gesagt, er erwartet nichts Außerirdisches von mir, ich soll einfach hinten gut stehen, Bälle gewinnen und nach vorne spielen."

Das Tor war demnach nur die Krönung eines guten Auftritts und der emotionale Höhepunkt vor der Überreichung des Pokals: "Als ich am Boden gelegen bin und alle anderen Spieler auf mir, da ist mir vielleicht auch eine Träne gekommen."

Ein Ausschluss ohne Worte

Emotionen waren auch der Grund, warum Farkas das Spielende nicht am Rasen erlebte, sondern in der 83. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste.

Ein ungeahndetes Foul von Maximilian Hofmann an Patson Daka regte den Torschützen dermaßen auf, dass er seine zweite Gelbe kassierte.

"Ich habe dem Schiedsrichter nicht einmal etwas gesagt, sondern bin nur schnell auf ihn hingelaufen. Das war für ihn eine Bedrohung. In der Situation war so eine Wut in mir. Es ist ein Cup-Finale, der Hass der Fans, die bei jeder Aktion pfeifen, und dann rutscht man meinem Mitspieler mit dem Gestreckten rein...", erklärt Farkas seine Reaktion.

"Ich verstehe die Schiedsrichter, sie wollen, dass wir ruhig bleiben, aber es geht um so viel und ich hatte so lange nicht gespielt. Ich stehe zu dem, es war ein Fehler. Aber vielleicht war es auch einer vom Schiedsrichter, mit Fingerspitzengefühl kann man das auch anders klären. Wir haben nach dem Spiel noch kurz geredet und die Sache ist erledigt."

Neue Flexibilität als Trumpf

Sei es drum – der Cup 2018/19 ist ausgefochten, auf die Bundesliga hat der Ausschluss keine Auswirkung. Und damit könnte Farkas binnen fünf Tagen nach seinem "echten" Comeback gleich einen Teil zum nächsten Titelgewinn beitragen.

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Weil Ulmer am Sonntag bei der Wiener Austria fehlen wird, ist wieder ein Ersatz-Linksverteidiger gesucht. Und mit seiner Cup-Leistung hat sich Farkas für einen weiteren Einsatz aufgedrängt.

"So kann es gehen im Fußball, es ist sehr schnelllebig. Aber egal, wer am Sonntag spielt, wichtig ist, dass Andi einfach würdig vertreten wird", meldet er keine Fixansprüche auf den Startplatz an.

Möglich macht es auch die Anpassung des ursprünglichen Rechtsverteidigers, auch die linke Seite bekleiden zu können: "Das hat sich in Salzburg so entwickelt. Durch die Doppelbelastung mit der Europa League hat Andi immer wieder Pausen gebraucht, der Trainer hat mich dann auf links gesetzt. Es ist definitiv ein Vorteil, beide Seiten spielen zu können."

Der logische Lainer-Ersatzmann?

Nächste Saison könnte es den ehemaligen Mattersburg-Kapitän aber wieder auf die rechte Seite zurückziehen – vielleicht sogar mit einem Stammplatz, sollte sich Stefan Lainer wirklich vom Verein verabschieden.

So oder so: "Für mich ist jedes Spiel, dass ich für Red Bull Salzburg bestreite, eine Ehre. Ich weiß, welche Spieler hier gespielt haben und um welche Summen die verkauft wurden. Darum feiere ich jeden Einsatz."

Und vielleicht am Sonntag schon den Meistertitel, um das Ende der Leidenszeit ein zweites Mal zu krönen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Rose-Abschied mit RBS-Cup-Titel: "Es geht null um mich"

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